Der Markt regiert sich selbst. Die Thesen von Keynes und Smith im Check


Bachelorarbeit, 2013

54 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einführung und Zielsetzung
1.1 Ziel der Arbeit und ihre Bedeutung
1.2 Erläuterung der Aufgabenstellung
1.3 Begriffserklärungen und Definitionen

2 Grundlegende ökonomische Paradigmen und ihre Ausprägungen
2.1 Klassik / Neoklassik (angebotsorientierter Ansatz) in der Theorie
2.1.1 Hauptmerkmale und historischer Hintergrund – Zusammenstellung der Annahmen und Aussagen
2.1.2 Ansätze in der Geldmarktpolitik
2.1.3 Ansätze in der Beschäftigungspolitik
2.1.4 Ansätze in der Haushalts- und Fiskalpolitik
2.2 Keynesianismus (nachfrageorientierter Ansatz) in der Theorie
2.2.1 Hauptmerkmale und historischer Hintergrund – Zusammenstellung der Annahmen und Aussagen
2.2.2 Ansätze in der Geldmarktpolitik
2.2.3 Ansätze in der Beschäftigungspolitik
2.2.4 Ansätze in der Haushalts- und Fiskalpolitik
2.3 Vergleich der wichtigsten Aussagen beider Theorien
2.3.1 Klassik / Neoklassik
2.3.2 Keynesianismus

3 Die derzeitige Situation in Europa
3.1 Überblick über die derzeitige wirtschaftliche Situation in Europa
3.2 Einfluss der EZB auf eine stabile und funktionsfähige Wirtschaft
3.3 Stabilisierendes Ziel: Vollbeschäftigung
3.4 Haushalts- und Steuerpolitik am Beispiel Deutschland

4 Die derzeitige Situation in den USA
4.1 Überblick über die Tendenzen und Entwicklungen
4.2 Einfluss der FED auf eine stabile und funktionsfähige Wirtschaft
4.3 Stabilisierendes Ziel: Vollbeschäftigung
4.4 Haushalts- und Steuerpolitik

5 Aktuelle Ausprägungen und ihre konkreten Auswirkungen
5.1 Vereinigte Staaten von Europa oder zurück zur Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Staaten?
5.2 Eingriffe der Politik bei Mindestlohn und Managergehältern und ihre Wirkung
5.3 Antizyklische Fiskalpolitik und die damit verbundene Gefahr des Crowding-Out

6 Konklusion der Thesen mit Analyse und Resümee

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Der Konjunkturzyklus

Abb. 2 Hauptmerkmale Klassik / Neoklassik

Abb. 3 Hauptmerkmale Keynesianismus

Abb. 4 Leistungsbilanzsalden der EURO-Länder

Abb. 5 Haushaltskonsolidierung durch Rückführung der Staatsquote

Abb. 6 US-Arbeitslosenquote Stand Oktober 2013

1 Einführung und Zielsetzung

1.1 Ziel der Arbeit und ihre Bedeutung

Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz formuliert die große Frage in der Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts so: „Welche Rolle soll der Staat spielen? (Stiglitz 2011: 254).“ Darauf gibt ein weiterer Wirtschafts-Nobelpreisträger, Paul Krugman, folgende Antwort: „Europa braucht wie die Vereinigten Staaten unbe­dingt einen fiskalischen Stimulus, um den Einbruch der privaten Ausgaben wettzumachen. Doch im Unterschied zu den Vereinigten Staaten besitzt Europa keine gemeinsame Regierung“ (Krugman 2009: 7f.). Aus dieser Antwort wäre zu schließen: Ja, der Staat soll eingreifen. Andere Ökonomen hingegen sind strikt dagegen. Genau zu diesem Konflikt werden dann regelmäßig die entsprechenden Thesen der Klassiker und Keynesianer gegeneinander ins Feld geführt. Dazu kommt eine zunehmende Volatilität des Wirtschaftsgeschehens, der es Beachtung zu zollen gilt.

Euro-Krise, Staatsbankrott, Rezession, Globalisierung – Schlagworte, die das aktuelle Welt(wirtschafts-)geschehen bestimmen. Befinden wir uns nur in einer Krise oder herrscht gar Rezession? Droht eine Inflation oder Depression? Wie geht es der europäischen im Vergleich zur amerikanischen Wirtschaft? Wohin geht die globale Entwicklung? Länder wie China oder Indien schließen sich eher der amerikanischen und damit monetaristisch geprägten Wirtschaftsordnung an. Hinken wir in Europa den wirtschaftlichen Entwicklungen und Geschehnissen hinterher? Was eigentlich ist eine Krise? Wirtschaftlich gesehen könnte man sagen, Krise ist gleichzusetzen mit konjunkturellem Abschwung, einer Rezession und schlimmstenfalls mit einer Depression. Also brauchen wir Wirtschaftswachstum um jeden Preis. Was bedeutet wiederum Wirtschaftswachstum? „Wirtschaftswachstum heißt: ein besseres Leben für den Einzelnen, mehr Wahlmöglichkeiten, weniger Angst, weniger Mühsal und Krankheit“ (Harford 2006: 363). Was also nicht vergessen werden sollte: Bei allen ökonomischen Theorien und Aspekten geht es in erster Linie immer auch um die Menschen. So steht die Wohlstandsmaximierung als oberstes Ziel an der Spitze der Ziele der Wirtschaftspolitik in einer entwickelten Marktwirtschaft. Die Spitze der (Ziel)Pyramide kann jedoch nur durch Erreichen der vorgelagerten Ziele erklommen werden.

Eine der grundlegenden Fragen auf dem Weg zur Zielerreichung, auf die am Ende der Arbeit eine bestmögliche Antwort gegeben werden soll und die auch unter den Experten, wie eingangs erwähnt, immer wieder für Diskussionen sorgt, scheint seit jeher zu sein, ob die Märkte sich selbst heilen und aus Krisen befreien können oder ob dies nur mit staatlichen Eingriffen in das Wirtschaftsgeschehen gelingen kann. Wenn ja, bleibt weiterhin zu klären, welche Eingriffe richtig sind und mit welchen Mitteln ihr Erfolg oder Misserfolg überwacht werden kann.

Ziel ist es, die Rolle des Staates im Wirtschaftsgeschehen unter Einbeziehung der vorherrschenden grundsätzlichen Thesen zu bewerten. Dies soll dazu führen, die aktuelle wirtschaftspolitische Lage sowohl für Deutschland, Europa und die Welt, wie auch deren Verknüpfungen, besser einschätzen zu können. Ebenfalls gilt es dabei zu beurteilen, welche der jeweiligen Entwicklungen welche Ergebnisse zur Folge haben und welcher Einfluss ggf. von den beteiligten Wirtschaftsakteuren darauf genommen werden kann.

1.2 Erläuterung der Aufgabenstellung

Motivation der Autorin ist es, zur Beantwortung der eingangs genannten Frage, ob nun der Staat in das Marktgeschehen eingreifen soll oder eben nicht, die beiden grundlegenden Anschauungen der Klassiker und Keynesianer zu vergleichen und die entsprechenden Möglichkeiten zu bewerten. Dabei gilt es genauer zu ergründen, welcher der Thesen in welchen Situationen gefolgt werden sollte oder ob das Ziel einer gesunden wirtschaftlichen Entwicklung – mit langfristigem Wachstum als Priorität – vielleicht nur durch Umsetzung eines gesunden „Mix“ der besten Thesen aus beiden Anschauungen erreicht werden kann.

Wie und vor allem mit welchen Mitteln kann es der Wirtschaft, auf sich allein gestellt, gelingen, sich selbst zu heilen und Krisen, wie die aktuell vorherrschende, zu bewältigen? Kann es überhaupt gelingen oder ist dies nolens volens nur mit entsprechenden staatlichen Eingriffen möglich?

Die Stabilisierungsfunktion ist bekanntlich neben der Allokations- und Verteilungsfunktion eine der Hauptaufgaben staatlicher Akteure (vgl. Hardes, Schmitz 2000: 58).

Dazu wurde im §1 des Stabilitätsgesetzes der BRD folgendes festgelegt: „Bund und Länder haben bei ihren wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen die Erfordernisse des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu beachten. Die Maßnahmen sind so zu treffen, dass sie im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig zur Stabilität des Preisniveaus, zu einem hohen Beschäftigungsstand und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum beitragen“ (lexexakt.de 2013). Damit liegt der unverzichtbare Kern und damit die Hauptaufgabe der Wirtschaftspolitik in der Ordnungspolitik, also der Gestaltung der Rahmenbedingungen für einen geordneten wirtschaftlichen Ablauf und nicht in der Prozesspolitik (vgl. Abelshauser 2003: 154).

Darf der Staat überhaupt seine Hauptaufgabe ausweiten und stabilisierend in das Wirtschaftsgeschehen eingreifen? Vermutlich ja, wenn triftige Gründe dafür vorliegen. Marktversagen kann ein notwendiger, wenn auch nicht immer ein hinreichender Grund sein (vgl. Grossekettler et al. 2008: 264). Es gibt verschiedene Gründe für Marktversagen, beispielsweise hervorgerufen durch sogenannte nega­tive externe Effekte in Form von Umweltbelastungen, die nicht nach dem Verursacherprinzip sondern zu Lasten der Gemeinschaft beseitigt werden. Hier kann staatliches Handeln durchaus sinnvoll und notwendig sein. Wenn, wie in der aktuellen Krise, große Banken vor dem AUS gerettet werden müssen, da sonst die Bürger ihre kompletten Einlagen verlieren, auch dann scheinen staatliche Eingriffe berechtigt.

Es kann in vorliegender Arbeit nur ein Teil aller vorhandenen Aspekte aus der Finanz-, Steuer,- Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik beleuchtet werden. Dazu sollen gezielt einige wenige, jedoch entscheidende Themen näher untersucht und ihre jeweiligen aktuellen Ausprägungen bezogen auf die beiden grundlegenden makroökonomischen Paradigmen bewertet werden. Diese beiden makroökonomischen Paradigmen bilden gleichzeitig den theoretischen Hintergrund der Arbeit. Der angebotsorientierte Ansatz der Stabilisierungspolitik nach Smith, Ricardo und Say soll dem nachfrageorientierten Ansatz von Keynes und seinen Anhängern gegenübergestellt werden. Dazu werden sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten herausgearbeitet und anhand von historischen und vor allem aktuellen wirtschaftspolitischen Entwick­lungen deren Gültigkeit genauer untersucht.

Speziell die Rolle des Staates als Stabilisator der Wirtschaft ist zu hinterfragen und in den eingangs genannten Teilbereichen genauer zu bewerten.

Neben der Erläuterung der theoretischen Grundlagen sollen aktuelle wirtschaftspolitische Themen aufgegriffen werden. Dazu wird zunächst die derzeitige Situation in Europa mit der in den USA verglichen. Danach werden in Kapitel 5 noch einzelne Themen näher betrachtet, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, jedoch aufgrund ihrer weltweiten Bedeutung von allgemeinem Interesse sind. Es geht dabei im Einzelnen um die Schuldenkrise im EURO-Raum und ein damit verbundenes mögliches Auseinanderbrechen der Währungsunion, weiterhin um die Einführung gesetzlicher Mindestlöhne oder die Deckelung von Managergehältern und als letzten Punkt um die Möglichkeiten und Auswirkungen des keynesianischen Instrumentes der antizyklischen Fiskalpolitik.

Inwieweit überhaupt Hypothesen, die aus dem letzten und vorletzten Jahrhundert stammen – wie die genannten Paradigmen -, auf die heutige Zeit übertragen wer­den können, ist dabei ebenfalls nicht außer Acht zu lassen.

1.3 Begriffserklärungen und Definitionen

Zum besseren Verständnis werden im Nachfolgenden einige Begriffe näher defi­niert. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und be­schränkt sich auf wichtige, in der Arbeit vorkommende Begriffe. Der zu erklä­rende Begriff ist jeweils FETT gedruckt.

„Die Wirtschaftspolitik i.e.S. umfasst alle Entscheidungen zur Konstruktion eines Rahmens für Marktprozesse und für Eingriffe in diese Prozesse“ (Grossekettler et al. 2008: 209).

Unter Mikroökonomie versteht man in der Volkswirtschaft die einzelwirtschaft­lich orientierte Analyse. So wird zum Beispiel die Güternachfrage von Privathaushalten in Bezug auf Einkommensveränderungen oder die Reaktion eines Unternehmens auf Steigerung seiner Produktionskosten analysiert.

Es gilt aus den einzelwirtschaftlichen Vorgängen und Prozessen Erkenntnisse zu gewinnen, die für die gesamte marktwirtschaftliche Betrachtung von Bedeutung sind und aus denen gewisse Konstanten abgeleitet werden können (vgl. Altmann 2009: 7).

Im Gegensatz zur Mikroökonomie beschäftigt sich die Makroökonomie mit gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen. So gilt es die Funktion des Geldes, die Entstehung von Konjunktur und deren zyklische Schwankungen oder eben auch den Einfluss der Politik auf die Wirtschaft zu analysieren (vgl. Altmann 2009: 8).

Unter Konjunktur versteht man im Allgemeinen „mehr oder weniger regelmäßig auftretende Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage“ (Suntum 2013: 117).

Ein Konjunkturzyklus umfasst 4 Phasen: Aufschwung (Expansion), Boom (Hochkonjunktur), Abschwung (Rezession) und Krise (Depression); er dauert in Deutschland typischerweise 4-5 Jahre (vgl. Bartling, Luzius 2008: 222).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Der Konjunkturzyklus

Quelle: Online im Internet: http://vwl-nachhaltig.de/Konjunktur.html [Stand: 02.10.13]

Inflation „ bezeichnet eine wirtschaftliche Situation, in der ein Missverhältnis zwischen der volkswirtschaftlich vorhandenen Geldmenge (Überangebot) und dem Angebot an Waren und Dienstleistungen herrscht. Dies führt zur Steigerung des Preisniveaus und zur Senkung der Kaufkraft des Geldes“ (Schubert, Klein 2011).

Stagflation bezeichnet das Zusammentreffen von Inflation und Stagnation. „Bei gegebener monetärer Expansion und gegebener Expansion des Nominal-einkommens kann Stagflation Ausdruck einer Konstellation sein, in der das Preisniveau steigt und das Realeinkommen sinkt (Tomann 1997: 52).

Das Bruttonationaleinkommen (kurz BNE) „umfasst den Wert aller Güter und Dienstleistungen, die von Produktionsfaktoren erzeugt wurden, die sich im Besitz von Inländern befinden, auch wenn sie sich im Ausland aufhalten“ (Zohlnhöfer, Dürmig 2010: 23).

Das Bruttoinlandsprodukt (kurz BIP) „erfasst alle Güter und Dienstleistungen, die mit den im Inland vorhandenen Produktionsfaktoren erwirtschaftet wurden, auch wenn diese im Besitz von Ausländern sind“ (Zohlnhöfer, Dürmig 2010: 23).

Unter Preisniveaustabilität versteht man, dass innerhalb einer Volkswirtschaft die Preise und damit die vorhandene Kaufkraft des Geldes konstant bleiben, was nicht gleichzusetzen ist mit konstanten Einzelpreisen für einzelne Produkte (vgl. Bartling, Luzius 2008: 209).

2 Grundlegende ökonomische Paradigmen und ihre Ausprägungen

2.1 Klassik / Neoklassik (angebotsorientierter Ansatz) in der Theorie

2.1.1 Hauptmerkmale und historischer Hintergrund – Zusammenstellung der Annahmen und Aussagen

Als einer der Wegbereiter der klassischen Theorie gilt Adam Smith. Er wurde 1723 in Schottland geboren, studierte in Oxford und wurde später Professor für Logik in Glasgow (vgl. Kurz, Sturn 2013: 13ff). Mit seinem 1776 erschienenen Werk „Wealth of Nations“ ging Adam Smith als einer der bedeutendsten Ökonomen in die Geschichte ein. Es wurde zu einem „Leitstern der Wirtschafts- und Ordnungspolitik in kapitalistischen Marktwirtschaften“ (Kurz, Sturn 2013: 5). Sehr vereinfacht könnte man aus diesem Werk subsummieren: Kapital schafft Märkte (durch Konsum), Märkte schaffen Arbeit und steigern die Arbeitsproduktivität, Einkommen und Profite steigen, dies führt wiederum zu Konsum und Investitionen und schafft wieder Kapital; ein eigenständiger Kreislauf also (vgl. Kurz, Sturn 2013: 72).

Als weiterer Hauptvertreter dieser Angebotstheorie und Mitbegründer des Monetarismus gilt der Amerikaner und Wirtschafts-Nobelpreisträger Milton Friedman (1912-2006), der staatliche Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen strikt ablehnte und als Monetarist die Bedeutung der Geldmenge für die Volkswirtschaft betonte. Hierzu soll die Geldmenge von den Zentralbanken vorsichtig an das Wachstumspotenzial einer Volkswirtschaft angepasst werden (vgl. Langhans, Prochnow 2011: 58).

Besonders zu erwähnen als späterer diametraler Gegenspieler von Keynes ist hier auch der Österreicher Joseph Schumpeter, der der Auffassung war, dass alle staatlichen Eingriffe die Gesamtsituation nur verschlimmern, da allgemein erwartet wird, dass bei der nächsten und vielleicht noch größeren Krise der Staat erneut einspringt und somit schwierige Situationen sogar noch provoziert würden (vgl. Roubini, Mihm 2010: 84). „Dem Staat kommt lediglich die Aufgabe zu, durch eine kon­stante, transparente und verlässliche Ordnungspolitik die Angebotsbedingungen in einer Volkswirtschaft zu optimieren“ (Vogt 2010: 39).

Als Neoliberalismus wird eine Form der klassischen Anschauungen bezeichnet, die staatliche Eingriffe nicht komplett ablehnt, z.B. wenn sie der Verhinderung der Bildung von Kartellen dient. Zu den bedeutendsten Vertretern zählen Friedrich August von Hayek und Walter Eucken.

Eines der wichtigsten Merkmale der klassischen Theorie liegt in der strikten Trennung des Geld- und Gütermarktes sowie in der Annahme, dass die Märkte inhärent stabil sind. Bezeichnend ist dabei, dass Smith und auch andere frühe Wirtschaftstheoretiker wie Ricardo, Say und Marshall in ihren Werken erklären, warum und wie der Markt eben funktioniert und weniger warum er eben unter Umständen nicht funktioniert (vgl. Roubini, Mihm 2010: 61).

Eine absolute Notwendigkeit im klassischen Markt ist Wachstum, dazu braucht es eine Steigerung der Arbeitsproduktivität und die sogenannte Kapitalakkumulation. Eine freiheitliche Wettbewerbsordnung sorgt ebenso für bestmögliche Wachstumsbedingungen (vgl. Söllner 2012: 26f.). Der Marktpreis ist in gewisser Hinsicht der Regelmechanismus, in einschlägiger Literatur auch als „unsichtbare Hand“ bezeichnet (vgl. Altmann 2009: 181).

In der Vergangenheit gab es immer wieder entschiedene Verfechter der klassi­schen Thesen, so sagte schon Ludwig Erhard: „Eine freie Wirtschaft ist notwendiger Teil einer freien Gesellschaft“. Er war es, der 1948 die Aufhebung der Preiskontrollen durchsetzte und somit für die Liberalisierung der Märkte sorgte, die einen beispiellosen Aufschwung in Westdeutschland brachten, der oft als Wirtschaftswunder deklariert wurde. Es war jedoch nur das logische Resultat der Gesetze des freien Marktes (vgl. Suntum 2013: 18).

Als Negativ-Beispiel für staatliche Eingriffe in große Volkswirtschaften kann hier die 1981 in den USA unter Reagan forcierte restriktive Geldpolitik dienen, die hauptsächlich zur Absenkung der Inflation gedacht war. Nachdem aber dadurch nicht nur die Inflationsrate sondern auch Produktion und Beschäftigung sanken, wurde diese restriktive Geldpolitik bereits 1982 wieder aufgegeben (vgl. Kromphardt 2013: 152f).

2.1.2 Ansätze in der Geldmarktpolitik

Da man die angebotsorientierte Variante häufig auch als Monetarismus bezeichnet, kann schon erahnt werden, dass der Geldpolitik eine sehr entscheidende Rolle zukommt (vgl. Vogt 2010: 40). Hier ist auch einer der größten Unterschiede der beiden Theorien zu finden. Während Keynes später in der Akkumulation des Kapitals eher eine Gefahr sieht, sind Adam Smith und die Verfechter der klassischen Theorie der Überzeugung, dass die Akkumulation des Kapitals als zwingende Voraussetzung für künftigen Wohlstand zu sehen ist (vgl. Kurz, Sturn 2103: 127). Sie gehen davon aus, dass einmal akkumuliertes Kapital dem Wirtschaftskreislauf durch Konsum erneut zugeführt wird. Die Möglichkeit, dass das Geld eben nicht wieder „ausgegeben“ wird, wurde nicht weiter in Betracht gezogen.

So schlug beispielsweise Milton Friedman vor, dass die Zentralbanken die Geldmenge jährlich konstant erhöhen, gekoppelt an die Wachstumsraten der Wirtschaft. Darin sah er die Möglichkeit, Vertrauen auch in langfristige Investitionen der Kapitalgeber zu wecken. Zurückgegriffen wird von den Monetaristen in diesem Zusammenhang auf die Quantitätstheorie des Geldes, die sich in folgender Gleichung widerspiegelt:

Die linke Seite (Zentralbankgeldmenge multipliziert mit der Umlaufgeschwindig­keit derselben) ist dabei Ausdruck der monetären Nachfrage einer Volkswirt­schaft, wohingegen die rechte Seite (reales Sozialprodukt multipliziert mit dem Preisniveau) das in Geld bewertete Güterangebot repräsentiert (vgl. Bartling, Luzius 2008: 239). Geld wird nur als eine Art Schleier betrachtet, der über den realwirtschaftlichen Vorgängen schwebt, diese aber letztlich nicht beeinflusst (vgl. Suntum 2013: 107). Da in der heutigen Zeit die „Geldwirtschaft“ als eigener Wirtschaftszweig operiert und auch wie sich gerade aktuell zeigt, Auslöser für vielfältige Krisen sein kann, lässt gewisse Zweifel an der „Geldschleier“-These aufkommen.

2.1.3 Ansätze in der Beschäftigungspolitik

Um die ausreichende Versorgung mit Gütern zu realisieren, müssen die Produktionsfaktoren Kapital, Arbeit, Technologie und Boden bestmöglich eingesetzt werden. Generell geht es in der Beschäftigungspolitik um den wichtigen Produktionsfaktor Arbeit (vgl. Welfens 2013: 17).

Durch den Konjunkturzyklus ergeben sich in Marktwirtschaften Veränderungen, die Auswirkungen auf das Arbeitsangebot haben. In der Phase der Rezession kommt es zu einer steigenden Zahl Arbeitswilliger, die keine Arbeit finden. Dieses Phänomen nennt man daher auch konjunkturelle Arbeitslosigkeit (vgl. Welfens 2013: 34).

[...]

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten

Details

Titel
Der Markt regiert sich selbst. Die Thesen von Keynes und Smith im Check
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
54
Katalognummer
V275110
ISBN (eBook)
9783656685814
ISBN (Buch)
9783656685784
Dateigröße
989 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
selbstheilung, marktwirtschaft, stabilisierung, eingriffe, wege, zukunft
Arbeit zitieren
Antje Jakesch (Autor), 2013, Der Markt regiert sich selbst. Die Thesen von Keynes und Smith im Check, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275110

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