Mikrokredite. Chancen und Risiken


Seminararbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung
1.1. Strukturelle Gründe für den Bedarf an Mikrokrediten
1.2. Definition von Mikrofinanz
1.3. Geschichte der Mikrokredite

2. Wissenschaftliche Grundlagen
2.1. Informationsproblem
2.2. Sicherheiten
2.3. Adverse Selektion
2.4. Moral Hazard

3. Lösung der Informationsasymetrie
3.1. Group Lending
3.2. Grameen Modell „Classic“
3.3. Mikrosparen

4. Wirkung von Mikrokrediten
4.1. Monetäre Wirkungen von Mikrokrediten
4.2. Nicht- Monetäre Wirkungen von Mikrokrediten

5. Kritik an Mikrokrediten
5.1. Kritik an Unternehmensgröße und unternehmerischen Gespür
5.2. Kritik am Erreichen der eigentlichen Zielgruppe
5.3. Andra Pradesh 2010

6. Konklusion und Ausblick

Mikrokredite

Chancen und Risiken

„Arme Menschen sind wie Bonsai-Menschen. Ihr Samenkorn ist vollkommen in Ordnung.

Nur hat Ihnen die Gesellschaft nie ausreichend Nährboden gegeben, in dem sie hätten

wachsen können. Um die Armen aus ihrer Lage zu befreien, müssen wir lediglich geeignete

Wachstumsbedingungen für sie schaffen. Erhalten sie einmal Gelegenheit, ihre Energie und

Kreativität zu entfalten, so wird die Armut schnell verschwinden.“ (Yunus, 2008, S. 297)

Die Metapher der „Bonsai-Menschen“ formulierte Prof. Mohammed Yunus während seiner

Friedensnobelpreisrede im Jahr 2006. Dieser voraus gegangen war eine riesige

Erfolgsgeschichte. Die von ihm gegründete Grameen Bank hatte Dünger und Nährboden

entwickelt, um den „Bonsai-Menschen“ endlich die Möglichkeit des Wachstums zu geben.

Mohammed Yunus sah während der furchtbaren Überschwemmungen und

Hungerskatastrophen im Jahr 1974, welches Elend sich in Bangladesch direkt vor seiner

Haustür abspielte. Von da an war es ihm nicht mehr möglich, wirtschaftswissenschaftliche

Theorien in Relationen zu lehren, die fern ab der Realität auf den Straßen waren. So ging er in

das Dorf Jabra, wenige Kilometer von der Universität, an der er lehrte entfernt, und stellte

fest, dass es für die armen Menschen in seiner Umgebung sehr schwer war, bereits extrem

kleine Geldbeträge aufzutreiben. Aus dieser Not heraus mussten sie auf Geldverleiher

zurückgreifen, welche ihnen Zinsen abforderten und Bedingungen auferlegten, die eine

Verbesserung Ihre Situation quasi unmöglich machten. So wurde die Idee geboren, auch

Menschen Zugang zum Finanzsektor zu gewähren, welche über normale Wege keinerlei

Möglichkeit erhalten hätten, finanzielle Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. (Vgl.

Yunus, 2008, S. 54ff)

In den letzten 15 Jahren haben mehr als 100 Millionen der ärmsten Menschen der Welt

Zugang zu Mikrokrediten erhalten (Vgl. Daley-Harris, 2009, S.7) und es gibt viele

Geschichten, die die positiven Folgen dieses Zugangs aufzeigen. Oftmals sind es Frauen, die

weder Geld für eine Nähmaschine, Saatgut oder auch Rohmaterial für Körbe hatten, und

durch einen Mikrokredit die benötigten Geldmittel erhielten, um einen Weg aus der Armut zu

finden.

Das ist die Erfolgsgeschichte der Mikrokredite. Doch gerade in den letzten Jahren sind die

Meinungen in wissenschaftlichen Arbeiten oder auch in der Presse gespalten. So wurde

kürzlich im „Handelsblatt“ über Mikrokredite getitelt „Ein Finanzierungsmodell steht Kopf:

Das Modell der Mikrofinanzierung steht vor dem Neubeginn“. (Menzel, 2011,

handelsblatt.com 10.6.2011) Diese unterschiedlichen Sichtweisen auf Mikrokredite sollen in

dieser Arbeit untersucht werden und Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie man die Chancen

weiterhin nutzen kann, ohne der armen Bevölkerungsschicht große Risiken aufzubürden.

1.1 Märkt für Mikrokredite

Die größten Märkte für Mikrokredite liegen im südasiatischen Raum. Vor allem sind es

Indien, Bangladesch, Thailand, Vietnam und Indonesien. Aber auch in Südamerika,

Osteuropa und im Kleinen auch in Deutschland existiert ein Markt für Mikrokredite. Da in

dieser Arbeit nicht auf alle einzelnen Länder eingegangen werden kann, werden im Folgenden

exemplarisch die Gründe für den großen Bedarf an Mikrokrediten in den Hauptmärkten

Indien und Bangladesch beleuchtet. Beide Länder liegen im südasiatischen Raum und grenzen

im Süden jeweils an den Indischen Ozean und im Norden an das Himalayagebirge. Indien ist

mit etwa 1,2 Milliarden Einwohnern, das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt.

Die Bevölkerungszahl Bangladeschs, dem östlichen Nachbarstaat Indiens liegt bei etwa 158

Millionen. Beide Länder gelten aufgrund der starken Armut als Schwellen-beziehungsweise

Entwicklungsländer und sind damit die wichtigsten Märkte für Mikrokredite. Die Gründe für

diese massive Armut kann man in Bangladesch in der geografischen Lage sowie in der

Geschichte finden. Bis zum Jahre 1947 gehörte Bangladesch, mit dem heutigen Pakistan,

Indien und weiteren Teilen des indischen Kontinents zu Britisch-Indien. Nach dem britischen

Rückzug entstanden die zwei Länder Indien und Pakistan, wobei Letzteres aus Ostpakistan

(dem heutigen Bangladesch) und Westpakistan (dem heutigen Pakistan) bestand. Die Teilung

erfolgte vor allem aus religiösen Gründen. Der Großteil der indischen Bevölkerung ist

hinduistisch geprägt und die pakistanische Bevölkerung hauptsächlich muslimisch.

Verschiedene politische Unstimmigkeiten führten nach und nach zu einem Konflikt zwischen

Ost- und Westpakistan, welcher im Jahre 1971 im Krieg gipfelte. Mit der Hilfe Indiens gelang

es der unterlegenen bengalischen Armee, zu siegen. So konnte der unabhängige Staat

Bangladesch entstehen. (Vgl. van Schendel, 2009, 105ff.) Aufgrund dieser sehr wechselhaften

und neuen Geschichte sind die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen

noch rudimentär. Eine weitere strukturelle Schwierigkeit stellt die geografische Lage dar. Das

Land liegt im Delta zwischen Ganges, Meghna, Brahmaputra und Indischem Ozean. Diese

extrem wasserreiche Lage sorgt oft für Überschwemmungen, welche manchmal bis zu 70%

des Landes mit Wasser bedecken. (Vgl. van Schendel, 2009, S. 4) So wird infrastruktureller

Fortschritt schnell zum Opfer der Fluten. Aufgrund dieser Faktoren ist die Wirtschaft

Bangladeschs in den letzten Jahrzehnten immer noch sehr landwirtschaftlich geprägt. Neben

der Landwirtschaft werden vor allem Textilien gefertigt. Eine große Industrie, welche vielen

Menschen Arbeit gibt, ist aber nicht vorhanden. Außerdem sorgt der muslimische Glaube,

welcher die Männer als Familienoberhaupt positioniert, dafür, dass Frauen vor

wirtschaftlichen Handlungen um Erlaubnis bei ihren Männern fragen müssen und somit

weitestgehend ausgeschlossen werden. Indien ist, wie oben geschildert, ebenfalls aus Britisch-

Indien entstanden. Wirtschaftlich ist Indien neben der Landwirtschaft auch intensiv im IT und

Dienstleistungsbereich positioniert. Ein wichtiger Grund für die Armut in Indien ist das

Kastenwesen. Dieses teilt die indische Bevölkerung in 4 Kasten und die Unberührbaren.

Letztgenannte stellen den niedrigsten Stand dar. Dabei machen sie mit 250 Millionen

Menschen fast 25% der indischen Bevölkerung aus. (Vgl. Wieck, 2005, S.1) Die

Unberührbaren sind vom gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt, was sich auch auf den

finanziellen Bereich auswirkt. Die riesige Bevölkerung Indiens und deren schnelles

Wachstum haben dazu geführt, dass viele Menschen in großer Armut leben. Somit kann man

zusammenfassen, dass es in diesen beiden Ländern eine hohe Zahl an „Bonsai-Menschen“

gibt, wie Mohammed Yunus sie nennt, welchen der richtige Nährboden zum wachsen fehlt.

1.2. Definition von Mikrofinanz

„Money, says the proverb, makes money. When you have got a little, it is often easy to get

more. The great difficulty is to get that little. (Smith, 1776, S. 195)” Genau dieses “Kleine“,

wie es Adam Smith nennt, können Mikrokredite sein.

Die Task Force für unterstützende Politik und einen regulatorischen Rechtsrahmen im Bezug

auf Mikrokredite definiert Mikrofinanz wie folgt: “Provision of thrift, credit and other

financial services and products for very small amounts to the poor in rural, semi-urban or

urban areas for enables them to raise their income levels and improve living standards”.

(Singh, 2009, S. 2) Der Betrag, bis zu welchem ein Mikrofinanzprodukt als solches

klassifiziert wird, liegt bei 25000 Rupie, also circa 380 Euro. Es existieren 3 verschiedene

Untergruppen von Krediten. Zunächst der Individualkredit, der nur einer Person gewährt wird

und dies meist gegen Sicherheiten oder ab einem bestimmten Einkommen. Die zweite Gruppe

sind informelle Kredite von Familien, Geldverleihen und Freunden. Die dritte und wichtigste

Kreditform ist der Gruppenkredit, auf welche im Folgenden der Fokus gelegt werden wird.

Immer wichtiger werden nach und nach auch andere Produkte aus dem Mikrofinanzbereich

wie Mikrosparen oder Lebens-, Kranken,- und Naturkatastrophenversicherungen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Mikrokredite. Chancen und Risiken
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V275118
ISBN (eBook)
9783656679240
ISBN (Buch)
9783656679189
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mikrokredite, chancen, risiken
Arbeit zitieren
Sven Schwarz-Minuge (Autor:in), 2011, Mikrokredite. Chancen und Risiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275118

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