Am 14. September 2013 jährte sich die Insolvenz der US-Investmentbank Leh-man Brothers zum fünften Mal. Diese Insolvenz gilt u.a. als Auslöser der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit und führte zu ei-nem schwerwiegenden Vertrauensverlust, infolge dessen sich Banken untereinander kein Geld mehr liehen. Aufgrund der aggressiven Refinanzierung und den daraus resultierenden Liquiditätsproblemen im stockenden Interbankenmarkt geriet u.a. auch die deutsche Hypo Real Estate in Schieflage. Der Autor schrieb in diesem Zusammenhang im Jahr 2009 im Rahmen des Leistungskurses Wirtschaft und Recht am Clavius-Gymnasium-Bamberg eine Facharbeit zum Thema „Banken im Strudel der internationalen Finanzkrise – Beispiel Hypo Real Estate“. Deswegen war es für den Autor sehr spannend zu untersuchen, was in der Zwischenzeit aus aufsichtsrechtlicher Sicht unternommen wurde, um künftige Krisen zu vermeiden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher mit der Darstellung und kritischen Würdigung der neuen Liquiditätsregelungen nach Basel III.
Nach der Einleitung werden zunächst im zweiten Kapitel die Grundlagen erläutert. Hier wird das Liquiditätsrisiko in Kreditinstituten definiert, in das bankbetriebliche Zielsystem eingeordnet und begründet, weshalb eine Regulierung des Liquiditätsrisikos notwendig ist. Danach wird die Regulierung des Liquiditätsrisikos vor Basel III dargestellt und auf die aktuelle Regulierung durch die LiqV und die MaRisk anhand quantitativer und qualitativer Normen eingegangen. Anschließend wird der Weg von Basel I zu Basel III beschrieben sowie die rechtliche Umsetzung von Basel III erklärt. Das dritte Kapitel widmet sich ausführlich den neuen Liquiditätsregelungen nach Basel III. Im Kapitel 3.1 werden die neuen Regelungen, Liquidity Coverage Ratio, Net Stable Funding Ratio sowie die Beobachtungskennzahlen dargestellt. Die Auswirkungen der neuen Liquiditätsregeln im Hinblick auf Kunden, Banken und die Volkswirtschaft werden im Kapitel 3.2 kritisch gewürdigt, woraus sich im letzten Kapitel das Fazit erschließt.
Spannend und zugleich herausfordernd für den Autor war beim Erstellen dieser Projektarbeit v.a. die Dynamik des Themas. Aufgrund dessen basieren die Kapitel zur rechtlichen Umsetzung sowie zur Darstellung und kritischen Würdigung der neuen Liquiditätsregelungen nach Basel III auf dem Stand des 01. August 2013.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Grundlagen
2.1 Liquiditätsrisiko
2.1.1 Definition des Liquiditätsrisikos
2.1.2 Einordnung des Liquiditätsrisikos
2.1.3 Begründung der Regulierung des Liquiditätsrisikos
2.2 Regulierung des Liquiditätsrisikos vor Basel III
2.2.1 Historische Entwicklung
2.2.2 Quantitative und Qualitative Normen
2.2.3 Liquiditätsverordnung und MaRisk als Umsetzungsinstrumente
2.3 Der Weg von Basel I zu Basel III
2.3.1 Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht
2.3.2 Basel I
2.3.3 Basel II
2.3.4 Basel III
2.4 Rechtliche Umsetzung
3. Die neuen Liquiditätsregelungen für Banken nach Basel III
3.1 Darstellung der neuen Liquiditätsregelungen
3.1.1 Liquidity Coverage Ratio (Mindestliquiditätsquote)
3.1.2 Net Stable Funding Ratio (Strukturelle Liquiditätsquote)
3.1.3 Überwachungsinstrumente
3.2 Kritische Würdigung
3.2.1 Auswirkungen für Kunden
3.2.2 Auswirkungen für Banken
3.2.3 Auswirkungen auf die Volkswirtschaft
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die neuen Liquiditätsregelungen nach Basel III darzustellen und kritisch zu würdigen, insbesondere unter Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf Kreditinstitute, deren Kunden sowie die gesamtwirtschaftliche Stabilität.
- Grundlagen des Liquiditätsrisikos und dessen aufsichtsrechtliche Historie
- Entwicklung und Funktionsweise der Liquidity Coverage Ratio (LCR)
- Analyse der Net Stable Funding Ratio (NSFR) zur langfristigen Refinanzierungsstabilität
- Kritische Diskussion der Auswirkungen auf Banken und Kunden
- Betrachtung der volkswirtschaftlichen Konsequenzen und systemischer Risiken
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Liquidity Coverage Ratio (Mindestliquiditätsquote)
Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat rund zwei Jahre nach der Veröffentlichung des finalen Regelungstextes zur internationalen Harmonisierung der aufsichtsrechtlichen Regulierung des Liquiditätsrisikos am 07. Januar 2013 ein überarbeitetes Liquiditätsrahmenwerk veröffentlicht. Im Gegensatz zum ursprünglichen Standard umfasst das überarbeitete Dokument nur noch Regelungsinhalte der LCR und der Überwachungsinstrumente, während die Anforderungen an die NSFR weiterhin auf dem ursprünglichen Regelungstext basieren.
Die LCR soll sicherstellen, dass ein Kreditinstitut über ausreichend erstklassige liquide Aktiva (HQLA) verfügt, um eine erhebliche, 30 Kalendertage andauernde Stresssituation zu überstehen. Das Stressszenario für diesen Standard fasst viele der Schocks, die in der 2007 einsetzenden Finanzkrise verzeichnet wurden, in einem erheblichen Krisenszenario zusammen. Dieses Krisenszenario beinhaltet gleichsam einen einzelfallspezifischen und marktweiten Schock. Beispiele hierfür sind der Abzug eines Teils der Einlagen von Privatkunden und der teilweise Verlust der Möglichkeit von unbesicherten Refinanzierungen am Kapitalmarkt.
Der Zähler besteht aus dem Bestand der hochliquiden Aktiva, die in Stressphasen an den Märkten liquide und im Idealfall notenbankfähig sein sollten. Darüber hinaus sollten sie operationelle Mindestanforderungen erfüllen, damit der Bestand an HQLA so verwaltet wird, dass die Bank diesen im Notfall als Mittelquelle nutzen kann, um Barmittel zu generieren. Des Weiteren sollte der Bestand an HQLA gut diversifiziert sein, auch innerhalb der einzelnen Vermögenswertkategorien. Hiervon ausgenommen sind Staatsschuldtitel des Herkunftslandes oder des Sitzlandes der Bank, Zentralbankguthaben, Schuldtitel der Zentralbank und Barmittel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel erläutert den Anlass der Arbeit vor dem Hintergrund der Finanzkrise und skizziert den Aufbau sowie die Zielsetzung der Untersuchung.
2. Grundlagen: Hier werden das Liquiditätsrisiko definiert, in das bankbetriebliche Zielsystem eingeordnet und die Notwendigkeit der Regulierung sowie deren historische Entwicklung vor Basel III dargelegt.
3. Die neuen Liquiditätsregelungen für Banken nach Basel III: Dieser Hauptteil präsentiert die neuen Standards wie LCR und NSFR sowie weitere Überwachungsinstrumente und unterzieht diese einer kritischen Würdigung hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Kunden, Banken und die Volkswirtschaft.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Chancen und Risiken der neuen Regelungen zusammen und ordnet die Maßnahmen in den Kontext der internationalen Finanzmarktregulierung ein.
Schlüsselwörter
Basel III, Liquiditätsrisiko, LCR, NSFR, Bankenaufsicht, HQLA, Finanzstabilität, Kreditvergabe, Refinanzierung, Liquiditätsverordnung, MaRisk, Eigenkapital, Bankenregulierung, Finanzkrise, Systemrisiko
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den regulatorischen Neuerungen für Kreditinstitute durch das Basel-III-Rahmenwerk, mit einem speziellen Fokus auf die Liquiditätsregelungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Liquiditätsrisikos, die Darstellung der neuen Standards (LCR und NSFR) sowie die kritische Analyse ihrer Auswirkungen auf den Finanzsektor.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Darstellung der neuen Liquiditätskennziffern und eine kritische Auseinandersetzung mit den damit verbundenen Chancen und Herausforderungen für Banken und Wirtschaft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung aufsichtsrechtlicher Dokumente und Veröffentlichungen internationaler Gremien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die neuen Kennzahlen (LCR, NSFR, Überwachungsinstrumente) beschrieben und anschließend deren Folgen für Kunden, Kreditinstitute und die Volkswirtschaft kritisch gewürdigt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Basel III, Liquiditätsrisiko, LCR, NSFR, Bankenaufsicht und Finanzstabilität maßgeblich charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die LCR von der bisherigen Liquiditätskennzahl nach LiqV?
Die LCR ersetzt die bilanzielle Betrachtungsweise der LiqV durch einen cashflow-orientierten Ansatz und integriert striktere Anrechnungskriterien für liquide Aktiva sowie ein simuliertes Stressszenario.
Welche Risiken ergeben sich für Banken durch die neue Regulierung?
Ein zentrales Risiko ist der Anreiz, vermehrt in Staatsanleihen zu investieren, was zu einer Angleichung der Geschäftsmodelle führt und die Rentabilität sowie die Rolle der Bank als Finanzintermediär einschränken kann.
Warum wird die NSFR für Kreditinstitute als besonders herausfordernd angesehen?
Die NSFR erfordert aufgrund ihrer Komplexität und der Notwendigkeit einer mittel- bis langfristigen Refinanzierungsplanung einen erheblichen Implementierungsaufwand, der insbesondere kleinere Banken belastet.
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- Johannes Steger (Author), 2013, Die neuen Liquiditätsregelungen nach Basel III. Darstellung und kritische Würdigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275126