Literaturkritik zu "Combat de nègre et de chien" von Bernard-Marie Koltès, 1983


Rezension / Literaturbericht, 2012
4 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Literaturkritik zu „Combat de nègre et de chien“ von Bernard-Marie Koltès, 1983

Auf einer französisch geführten Baustelle in Westafrika stirbt ein schwarzer Arbeiter. Kurz darauf taucht dessen Bruder, Alboury, auf, um den Leichnam des verstorbenen Familienmitgliedes abzuholen und zu bestatten. Doch der Baustellenleiter Horn verweigert Alboury die Zusammenarbeit, denn er weiß, dass es sich nicht um einen Unfall, sondern um vorsätzlichen Mord handelt. Der Arbeiter war mit dem jähzornigen weißen Bauingenieur Cal in einen Streit geraten und hatte diesem vor die Füße gespuckt. Daraufhin hatte Cal sich zur Rache gezwungen gesehen und den Arbeiter umgebracht. Besonders für Horn kommt diese Situation äußerst ungelegen: Gerade erst hat er eine junge Pariserin, Léone, kennengelernt und zu sich nach Afrika eingeladen. Mit ihr will er sich unter einem letzten Feuerwerk von dem ihm unverständlichen Kontinent verabschieden und ein neues Leben in Europa beginnen. All seine Versuche, Alboury von seinem Vorhaben abzubringen scheitern jedoch, weder Geld noch Alkohol erweisen sich als wirksame Lockinstrumente. Zu allem Überfluss verliebt sich währenddessen Léone in Alboury, die keinerlei erotisches Interesse an Horn oder dem sie bedrängenden Cal hat. Es wird ein vielschichtiger Konflikt entfesselt, der in einem erbitterten Kampf mündet: Gier, Lebenslügen, Betrug, Verrat und Mord.

Beschäftigt man sich mit den Begriffen Merkantilismus und Kolonialismus entsteht leicht die scheinbare Authentizität, die Zeiten der europäischen Expansionsbestrebungen seien passé. Bernard-Marie Koltès schuf mit seinem Drama „Combat de nègre et de chien“ eine exzellente Negation entgegen eben dieser allgemeinen Vorstellungen. Sein gesellschafts- und weltbildkritisches Werk ist anhand seiner Konstruktion weit über den afrikanischen Kulturraum hinaus von Gültigkeit: Die Baustelle steht für unser von Interessenkonflikten geprägtes Leben, die unfertige Brücke für die Herausforderungen und teilweise unüberbrückbaren Gegensätze denen wir begegnen. Damit ist das Stück voller Metaphern und Bedeutung bzw. innerer Komplexität. Die weiterhin andauernde indirekte Beherrschung der Entwicklungsländer Afrikas über die Spielregeln des gnadenlosen kapitalistischen Weltmarktes ohne Rücksicht auf jegliche „infant industry“ finden ebenso Anklang in „Combat de nègre et de chien“ wie nicht erwiderte Liebe, Wut, Trauer, Neid und Missgunst. Damit wird ein vielschichtiger Stoff geschaffen, der einerseits wirtschaftliche Abhängigkeiten und Kontrollmechanismen und andererseits menschliche Bedürfnisse und Gefühle einbindet.

Zur Zeit der Entstehung von Koltès Werk und seiner Reisen u.a. auch auf den afrikanischen Kontinent befindet sich dieser in den Jahren nach der Abschlussphase der Entkolonialisierung. Im „Jahr Afrikas“ (1960) ist ein Großteil der ehemaligen französischen Kolonien in die Unabhängigkeit aufgebrochen- jedoch lassen sich bis heute Tendenzen eines Mangels an Souveränitätstransfer konstatieren. Die Apartheid in Südafrika hat ihren Höhepunkt erreicht und obwohl Westafrika nicht der Hauptkonzentrationspunkt ist, so haben die Vorgänge im Süden doch Auswirkungen auf z.B. den Senegal. Diese Zeit der unbeschreiblichen Repressionen gegen Schwarze findet sich auch zwischen den Zeilen von Koltès Werk: Immer wieder wird von „Nègres“ und „Blancs“ gesprochen (S.92, 95 etc.). Die auf Kosten der vorwiegend nicht-weißen Bevölkerung durchgeführte faktische wirtschaftliche und soziale Aufteilung spiegelt sich meiner Meinung nach deutlich in der Lebenssituation auf der Baustelle und erinnert stark an den Prozess der Kolonialisierung, so wird doch vom Autor gleich zu Beginn klar gemacht, dass die Arbeiter schwarz, die Federführenden weiß sind. Unter dem Deckmantel einer afrikanischen Baustelle als Mordschauplatz illustriert der Autor also die postkoloniale Situation des Neokolonialismus der europäischen Nationen. Besonders gut gelingt dabei die Figurenkonzeption:

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Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Literaturkritik zu "Combat de nègre et de chien" von Bernard-Marie Koltès, 1983
Hochschule
Universität Bremen
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
4
Katalognummer
V275142
ISBN (eBook)
9783656684138
ISBN (Buch)
9783656684169
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
literaturkritik, combat, bernard-marie, koltès
Arbeit zitieren
Laura Baier (Autor), 2012, Literaturkritik zu "Combat de nègre et de chien" von Bernard-Marie Koltès, 1983, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275142

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