Wirtschaftsinstrumentelles Rechnungswesen als erfolgsversprechender Ansatz im Lernfeld Warenverkehrs


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
40 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Grundzüge des wirtschaftsinstrumentellen Rechnungswesens

3 Rechnungswesen des Warenverkehrs unter Betrachtung wirtschafts-instrumenteller Gesichtspunkte
3.1 Fachliche Inhalte des Themengebiets
3.2 Einbettung des Lernfelds in den Gesamtzusammenhang
3.3 Didaktisches Jahresteilkonzept
3.3.1 Vorstellung des Modell-Unternehmens
3.3.2 Schilderung der wirtschaftsinstrumentellen Komponenten
3.4 Konkrete Unterrichtsstunde zum Thema „Warenrücksendung an einen Lieferanten und dessen Verbuchung“
3.4.1 Ablauf der Unterrichtsstunde
3.4.2 Vorteile des wirtschaftsinstrumentellen Rechnungswesens im Vergleich zum traditionellen hinsichtlich Kompetenzförderung
3.4.3 Nachteile des wirtschaftsinstrumentellen Rechnungswesens im Vergleich zum traditionellen hinsichtlich Kompetenzförderung
3.4.4 Synthese

4 Ausblick anhand empirischer Ergebnisse

Literaturverzeichnis

Anhang

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Allgemeines Unternehmensmodell

Anhang 2: Industriekontenrahmen

Anhang 3: Vereinfachter Kontenplan

Anhang 4: Checkliste zum Verbuchen von Belegen

Anhang 5: Informationen zum Modell-Unternehmen Mike‘s Bikes

Anhang 6: Übersicht zu den Bestandteilen der einzelnen Motorradtypen

Anhang 7: Schlussbilanz von Mike’s Bikes zum 31.12.2011

Anhang 8: Didaktischer Jahresplan zum Thema Warenverkehr

Anhang 9: Großauftrag von Frau Rupprecht

Anhang 10: Bestellübersicht zur Bearbeitung des Auftrags von Frau Rupprecht

Anhang 11: Artikulationsschema zur Unterrichtsstunde "Warenrücksendung an einen Lieferanten und dessen Verbuchung"

Anhang 12: E-Mail des Leiters der Fertigungsabteilung

Anhang 13: Ursprüngliche Eingangsrechnung der Sauer KG

Anhang 14: Gutschriftsanzeige der Sauer KG bezüglich der Rücksendung

Anhang 15: Neue Eingangsrechnung der Sauer KG

Anhang 16: Konzeptpapier zur Erstellung des Buchungssatzes

Anhang 17: Grundbuch von Mike‘s Bikes mit den eingetragenen Buchungen der Unterrichtsstunde

Anhang 18: Hauptbuch von Mike‘s Bikes mit den eingetragenen Buchungen der Unterrichtsstunde

Anhang 19: Sicherungspapier zur Verbuchung einer Rücksendung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung

Seit über zwanzig Jahren wird über die Konzeption des Rechnungswesenunterrichts intensiv und kontrovers diskutiert. Grund dafür ist unter anderem der Rückgang von beruflichen Routineaufgaben aufgrund des vermehrten EDV-Einsatzes (Preiß & Tramm, 1996a, S. 10), was dazu führt, dass die klassische Buchung von Geschäftsvorfällen durch Verwendung spezieller Programme immer mehr automatisiert wird (Preiß, 1999,S. 4; Preiß & Tramm, 1996b, S. 229-230) und dadurch zunehmend in den Hintergrund rückt. Darüber hinaus wird die Erstellung des Jahresabschlusses von Unternehmen verstärkt an Steuerberater ausgelagert (Tramm, 2003, S. 5), sodass der traditionelle Unterricht den Anforderungen des 21. Jahrhunderts nicht gerecht wird (Preiß & Tramm, 1996b, S. 222). Trotz dieser Entwicklung in der professionellen Tätigkeit sind Kenntnisse im Rechnungswesen nach übereinstimmender Meinung nach wie vor von großer Bedeutung (Tramm, 2003, S. 5; Preiß, 1999, S. 31), wobei heutzutage die Tendenz weg vom klassischen und hin zum „denkende[n] Buchhalter“ (Reinisch, 1996, S. 55) geht, da die Interpretation von Ergebnissen und somit das Verständnis von ökonomischen Zusammenhängen im Mittelpunkt steht (Preiß & Tramm, 1996b, S. 240).

Diese Veränderungen spiegeln sich auch in den zwei Hauptkritikpunkten des bisherigen Rechnungswesenunterrichts wider, welche sich auf curriculare und unterrichtsmethodische Aspekte beziehen. Zum einen wird das Modell der Bilanzmethode kritisiert, da hierbei fast ausschließlich Buchungstechniken von Bedeutung sind (Seifried, 2004, S. 328) und ökonomische Gesichtspunkte des Faches zu wenig einbezogen werden (Preiß & Tramm, 1996a, S. 3). Auch wird die vollständige und korrekte Verbuchung von Geschäftsvorfällen ohne Hinterfragung hingenommen (Preiß & Tramm, 1996b, S. 249) sowie zwischen Buch- und Istwerten zu wenig differenziert, weshalb die Problematik von Inventurabweichungen vernachlässigt wird (Seifried, 2004,S. 327) und der Bezug zur Praxis verloren geht. Zum anderen wird die „lehrerzentrierte Ausgestaltung der Lehr-Lern-Prozesse“ (Seifried, Wolf, Klüber & Sembill, 2005, S. 124) beanstandet, die zu kleinschrittigem Lernen, Monotonie im Unterricht und trägem Wissen führt sowie die Problemlöse- und Handlungskompetenz der Schüler nicht ausreichend unterstützt (Seifried, 2004, S. 327).

Aufgrund dieser Kritikpunkte wird eine vollständige Überarbeitung des traditionellen Rechnungswesenunterrichts unter Einbeziehung fachlicher und didaktischer Aspekte gefordert (Seifried, 2003, S. 15). Eine mögliche Lösung stellt der von Preiß & Tramm (1990; 1996a; 1996b; Preiß, 1999) entwickelte wirtschaftsinstrumentelle Ansatz dar, der bereits durch zwei Lehrbücher (Joost, Kripke & Tramm, 2002; Getsch & Preiß, 2001) in die Praxis umgesetzt wurde und Möglichkeiten zur Förderung von Problemlösefähigkeit und Handlungskompetenz bietet (Seifried, 2003, S. 2). Im Folgenden wird diese Methode vorgestellt und anhand eines selbst entwickelten Unterrichtskonzepts zum Thema Warenverkehr angewandt und diskutiert.

2 Grundzüge des wirtschaftsinstrumentellen Rechnungswesens

Bei der Entwicklung des wirtschaftsinstrumentellen Rechnungswesens haben sich mitt- lerweile die Göttinger und Hamburger Linie herausgebildet, die sich zwar in einigen fachdidaktischen Punkten unterscheiden, aber grundsätzlich deckungsgleich sind (Tramm, 2002, S. 101), weshalb der Ansatz im Folgenden nicht näher differenziert wird.

Einer der entscheidenden Punkte ist sicherlich der konsequente Bezug des Unterrichts auf ein spezielles Modell-Unternehmen (Preiß & Tramm, 1996a, S. 4; Preiß, 1999, S. 153). Anhand diesem werden aufeinander aufbauende (Seifried & Sembill, 2005, S. 9), komplexe Geschäftsvorfälle (Tramm, 2003, S. 6 & 10; Rückwart, 2009, S. 60) betrachtet, die auf den „Erfahrungs- und Erwartungshorizont“ (Preiß & Tramm, 1996b, S. 244) der Schüler aufbauen. Damit diese authentisch und praxisrelevant wirken (Tramm, 2002, S. 103; Tramm, 2003, S. 6), werden die verschiedenen Situationen von Anfang an mittels realitätsnaher Belege präsentiert (Preiß, 1999, S. 153; Preiß & Tramm, 1996b, S. 252- 254), wodurch dem Anspruch des wirtschaftsinstrumentellen Konzepts an einen problemlöse- (Tramm, 2003, S. 9; Minnameier, 2005, S. 309) und handlungsorientieren (Preiß & Tramm, 1996b, S. 241-242 & 248; Minnameier & Link, 2010, S. 108) Unterricht nachgekommen wird. Um zusätzlichen Praxisbezug herzustellen und den veränderten beruflichen Anforderungen nachzukommen, werden PCs in den Unterricht integriert (Preiß & Tramm, 1996b, S. 246 & 266-267). Bei der Bearbeitung der Geschäftsvorfälle sollen verschiedene Perspektiven eingenommen (Preiß & Tramm, 1996a, S. 10-11) und ökonomische Zusammenhänge (Preiß, 1999, S. 8; Tramm, 2003, S. 9) sowohl im als auch außerhalb des Unternehmens hergestellt werden. Zudem wird die Bedeutung des Rechnungswesens hinsichtlich Planung, Steuerung und Kontrolle von Unternehmensprozessen herausgestellt (Tramm, 2002, S. 102-103).

Als weiterer bedeutender Aspekt des vorliegenden Ansatzes ist das Buchen von Belegen mittels der Modellierungsmethode anzusehen (Tramm, 2003, S. 4 & 7; Preiß & Tramm, 1996a, S. 19), wodurch der Kosten- und Leistungsprozess bereits zu Beginn als Kernbereich des Betriebs vermittelt wird (Tramm, 2003, S. 8). Zentral bei dieser Buchungstechnik ist die Abbildung von Transaktionen des Unternehmens mit dessen Umwelt und den dadurch entstehenden Wertflüssen anhand eines Unternehmensmodells (Tramm, 2003, S. 7; Preiß & Tramm, 1996b, S. 287), welches nicht mit dem oben genannten Modell-Unternehmen zu verwechseln ist. Durch dieses Vorgehen wird die einheitliche Regel, dass Wertzugänge im Soll und Wertabgänge im Haben zu buchen sind, vermittelt, womit die Schüler die Ausgeglichenheit von Zu- und Abflüssen des Unternehmens erkennen (Tramm, 2002, S. 106). Auch bei den Erfolgskonten setzt sich diese Logik fort, indem Aufwendungen (Erträge) als dem Unternehmen zufließende (abfließende) Inputfaktoren (Outputfaktoren) des Leistungsprozesses gesehen werden (Preiß, 1999, S. 95; Tramm, 2003, S. 8).

Weiterhin gilt der Vergleich von Buch- und Istwerten als Kernelement des wirtschafts- instrumentellen Rechnungswesens, welcher insbesondere bei Abweichungen zwischen Inventur- und Buchbeständen thematisiert wird. Dabei sollen die Schüler erkennen, dass die Schlussbestände der Bestandskonten nicht automatisch in die Bilanz übernommen, sondern mit Inventurdaten abgeglichen und eventuell Korrekturbuchungen vorgenommen werden (Preiß & Tramm, 1990, S. 44-47; Preiß & Tramm, 1996b, S. 249-251).

3 Rechnungswesen des Warenverkehrs unter Betrachtung wirtschaftsinstrumenteller Gesichtspunkte

3.1 Fachliche Inhalte des Themengebiets

Die vorliegende Arbeit stellt ein Unterrichtskonzept zur Vermittlung der Grundlagen des Rechnungswesens bezüglich des Warenverkehrs dar. Demzufolge werden folgende, fachlich zentrale Inhalte vermittelt:

Bestellung von benötigten Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen (RHB) bzw. Handelswaren Verbuchung von Eingangsrechnungen mit Bezugskosten Warenrücksendungen an Lieferanten und deren Verbuchung Verbuchung von Ausgangsrechnungen und dessen Frachtkosten Warenrücksendungen von Kunden und deren Verbuchung Hinsichtlich der Verbuchung von Beschaffungen steht das Bestands- und Aufwandsverfahren zur Auswahl, wobei letzteres aus nachfolgenden Gründen verwendet wird.

Beim Bestandsverfahren werden zunächst alle Warenzugänge auf Bestandskonten erfasst. Anschließend werden Rohstoffe bei der Entnahme aus dem Lager zum Produktionseinsatz, was hier dem Beginn des Leistungsprozesses entspricht, mit Hilfe von Materialentnahmescheinen als Aufwand verbucht, während der Einsatz von Hilfsund Betriebsstoffen sowie von Handelswaren erst am Ende des Jahres aufwandsrechnerisch erfasst wird (Preiß & Tramm, 1996b, S. 294).

Nach wirtschaftsinstrumenteller Sichtweise beginnt der Leistungsprozess allerdings bereits mit der Beschaffung (Preiß, 1999, S. 103; Preiß & Tramm, 1990, S. 81), sodass sämtliche RHB bereits bei Zugang zum Unternehmen als Aufwand zu verbuchen sind. Um ein einheitliches Vorgehen sicherzustellen, empfiehlt sich dies auch bei Handelswaren (Preiß & Tramm, 1996b, S. 284 ), wobei hier auch entscheidend ist, dass diese nicht mit der Absicht zum Behalten, sondern zum Weiterverkauf angeschafft werden (Minnameier, 2005, S. 296) und somit ebenfalls unter den Leistungsprozess fallen. Weiterhin wird dadurch die unlogische Vorgehensweise beim Bestandsverfahren, dass zwar Zugänge bei Handelswaren, nicht aber deren Abgänge, auf Bestandskonten erfasst werden, vermieden (Preiß & Tramm, 1996b, S. 294). Konsequenterweise sollten somit alle Inputfaktoren, die von einer Außenbeziehung ins Unternehmen eingehen, bereits bei Zugang als Aufwand verbucht werden. Obwohl Minnameier (2005, S. 296) auch das Bestandsverfahren nach wie vor als gängig erachtet, ist das Aufwandsverfahren aus den genannten Gründen klar zu befürworten, wozu auch Brunner (1990, S. 176) plädiert.

3.2 Einbettung des Lernfelds in den Gesamtzusammenhang

Um eine bestmögliche Vermittlung des Themas Warenverkehr sicherzustellen, wird für folgenden Ablauf der einzelnen Lerninhalte plädiert.

Zunächst werden anhand eines Kassenbuchs die Bestandskonten und einfache Bu- chungssätze erarbeitet, wozu das Unternehmensmodell (Anhang 1, S. 21) eingeführt wird, welches eine visuelle Veranschaulichung der Auswirkungen einzelner Geschäftsvorfälle ermöglicht. Anschließend rückt mit der Buchung auf Erfolgskonten der Leistungsprozess in den Mittelpunkt, wobei hier sinnvollerweise bereits die Unterteilung in RHB erfolgt. Daran anknüpfend wird der Industriekontenrahmen (Anhang 2, S. 21) thematisiert, wobei aufgrund didaktischer Reduktion und der Orientierung am Unternehmensmodell ein vereinfachter Kontenplan (Anhang 3, S. 23) für die nachfolgenden Buchungen verwendet wird. Um für diese ein einheitliches Vorgehen zu gewährleisten, wird zum Ende jener Lerneinheit eine Checkliste zum Verbuchen von Belegen (Anhang 4, S. 24) von den Schülern erstellt, wobei zu beachten ist, dass sämtliche Buchungen fortlaufend in ein einheitliches Grund- und Hauptbuch eingetragen werden.

Nachdem die Schüler die grundsätzlichen Aspekte des Rechnungswesens, nämlich den Weg von der Eröffnungs- zur Schlussbilanz kennen, kann anschließend das Lernfeld Umsatzsteuer behandelt werden. Darauf aufbauend werden nun die Details des Warenverkehrs vermittelt, ehe auf Preisnachlässe und Rabatte sowie die Ein- und Verkaufskalkulation eingegangen wird. Mit diesem Wissen können im Folgenden die Anschaffungskosten von Vermögensgegenständen des Anlagevermögens, bei denen Bezugskosten sowie Preisminderung eine zentrale Rolle spielen, behandelt werden. Für die zeitliche Einordnung an diesem Punkt spricht auch, dass ein Unternehmen normalerweise erst eine gewisse Zeit wirtschaftet bevor eine Expansion in Form von Anlagekäufen erfolgt. An dieser Stelle ist es auch sinnvoll, die Abschreibungen auf Sachanlagevermögen zu lehren, sodass man bei der Erstellung der Bilanz angekommen ist. Hier wird dann der Abschluss der Aufwandskonten von RHB über die dazugehörigen Bestandskonten sowie die Ermittlung des Jahresverbrauchs der Einsatzgüter näher beleuchtet. Die Behandlung des Themas an dieser Position und nicht unmittelbar nach dem Warenverkehr ist zu befürworten, da hierbei auch Preisnachlässe, welche erst später eingeführt werden, entscheidend sind und man sich durch das Abschreibungsthema gedanklich bereits bei der Bilanzerstellung und dem damit verbundenen Kontenabschluss befindet.

Daran anschließend können im neuen Geschäftsjahr nun noch einige weitere Spezialthemen des Rechnungswesens wie die Buchungen im Privatkonto oder von Löhnen sowie finanzwirtschaftliche Aspekte in Augenschein genommen werden.

3.3 Didaktisches Jahresteilkonzept

3.3.1 Vorstellung des Modell-Unternehmens

Um durchgängige und praxisnahe Geschäftsabläufe während des gesamten Schuljahres zu ermöglichen, wird eine fiktive Firma als Modell-Unternehmen herangezogen. Dies ist hier der Motorradhersteller „Mike‘s Bikes“ (Anhang 5, S. 25), welcher verschiedene Motorradtypen (Anhang 6, S. 26) anbietet. Die Schlussbilanz von Mike‘s Bikes zum 31.12.2011 (Anhang 7, S. 26) ist der Arbeit beigefügt.

3.3.2 Schilderung der wirtschaftsinstrumentellen Komponenten

Im Folgenden wird unter Herausstellung der wichtigsten wirtschaftsinstrumentellen Aspekte auf die einzelnen Unterrichtsstunden des Lernfelds Warenverkehr eingegangen, welche ausführlich im didaktischen Jahresplan (Anhang 8, S. 27) erläutert sind.

Vorab ist zu erwähnen, dass mit der Bestellung von Frau Rupprecht (Anhang 9, S. 29) ein großer Geschäftsfall herangezogen wird, anhand dessen sämtliche Inhalte aus 3.1 durchgängig in logischer Reihenfolge betrachtet werden. Dadurch wird dem Anspruch „Problemstellungen nicht isoliert zu betrachten, sondern in einen größeren Kontext einzubinden“ (Seifried, 2003, S. 8) nachgekommen. Zudem werden grundsätzlich alle Geschäftsvorfälle in Form von praxisrelevanten Belegen präsentiert, welche die Schüler in einem Belegheft sammeln und die Bildung von Buchungssätzen erfolgt mit der Modellierungsmethode, wobei die genaue Erörterung dieser vorteilhaften Gestaltungsprinzipien der Unterrichtskonzeption später erfolgt.

In der ersten Stunde werden die Schüler mit dem Auftragseingang von Frau Rupprecht (Anhang 9, S. 29) bei Mike‘s Bikes konfrontiert. Für die dadurch induzierte Bestellung von RHB und Handelswaren gleichen die Schüler zunächst den aktuellen Lagerbestand mit dem erforderlichen Materialaufwand selbständig ab, sodass problemlöseorientiertes und systematisches Vorgehen gefördert wird. Dabei nehmen die Schüler durch die Verwendung einer Lagerkartei, wie sie in der Praxis vorzufinden ist, die Sichtweise eines Lagermitarbeiters ein, wodurch ein Perspektivenwechsel stattfindet und die Zusammenhänge im Unternehmen aufgezeigt werden. Weitere Fachkompetenz erlangen die Schüler bei der Berücksichtigung der aktuell schlechten Konjunkturlage hinsichtlich der Bestellmenge, indem sie keine Einsatzgüter auf Lager ordern und sich somit als denkende Buchhalter verhalten, wie es oft in der Literatur gefordert wird. Um diese Einschätzung treffen zu können, werden die einzelnen Konjunkturphasen idealerweise schon vorher im Fach Volkswirtschaftslehre unterrichtet. Schließlich halten die Schüler die durchgeführten Bestellungen in einer Übersicht (Anhang 10, S. 29) fest.

Bezüglich der nachfolgenden Unterrichtseinheit ist erwähnenswert, dass die Lernenden eigenständig Ideen entwickeln, wie mit den bisher unbekannten Bezugskosten zu verfahren ist. Durch die damit verbundene Diskussion zwischen den Schülern und der anschließenden Entscheidung wird deren Methodenkompetenz verbessert.

Der wirtschaftsinstrumentelle Aspekt, den Leistungsprozess als Kernbereich des Unter- nehmens zu sehen, wird in der dritten Stunde besonders berücksichtigt. Die Bezugskosten werden bei der Verbuchung nach der Modellierungsmethode nämlich als notwendige Voraussetzung für den Eingang der Produktionsfaktoren betrachtet, sodass sie selbst einen Inputfaktor und damit einen Wertzufluss darstellen. Zu beachten ist hier, dass aufgrund didaktischer Reduktion auf die anfallenden Zollkosten bei der Lieferung von Harley Davidson Inc. aus der USA verzichtet wird, die Schüler aber auf diese Problematik hingewiesen werden.

Auf die nächste Unterrichtssequenz zur Verbuchung einer Rücksendung an den Lieferanten aufgrund einer Falschlieferung wird an dieser Stelle nicht eingegangen, da dazu im späteren Verlauf der Arbeit unter dem Gliederungspunkt 3.4 eine intensive Analyse erfolgt.

In der fünften Lerneinheit werden die Schüler mit der praxisrelevanten Frage, welcher Geschäftspartner die Frachtkosten zu übernehmen hat, konfrontiert. Zur eigenständigen Lösung dieses Problems erkennen sie mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch die einschlägige Informationsquelle und finden dabei die relevanten Paragraphen, wodurch ihre Lernkompetenz weiter aufgebaut wird. Dabei werden aus Gründen der didaktischen Reduktion nicht alle möglichen Regelungen zur Frachtkostenübernahme behandelt.

Vielmehr wird empfohlen, darauf in einer der folgenden Stunden im Rechtslehreunterricht einzugehen.

Die starke Problemlöseorientierung ist auch in der vorletzten Unterrichtsstunde erkenn- bar, da die Schüler hier selbstständig der Ursache für die Rücksendung nachgehen und erkennen, dass die beiden Motorradjacken in braun statt schwarz geliefert wurden.

In der abschließenden Einheit wird den Lernenden die Verwendung des Rechnungswesens als Kontrollinstrument bewusst, indem sie die Eintragungen im Grund- und Hauptbuch dahingehend nutzen, um die Vollständigkeit der notwendigen Zahlungen zu prüfen. Außerdem reflektieren die Schüler die komplette Abwicklung des Auftrags von Frau Rupprecht und erkennen die Unternehmenszusammenhänge im gesamten Leistungsprozess.

Aufgrund dieses didaktischen Konzepts bietet es sich an, als nächste Situation ein Schreiben der Geschäftsleitung vorzulegen. Darin werden die Schüler gebeten, angesichts der Falschlieferung des Öl-Lieferanten und dessen relativ hohen Einkaufspreise, Angebote von anderen Lieferanten einzuholen sowie diese aus Qualitäts- und Kostengründen zu analysieren, wodurch das nachfolgende Thema „Preisnachlässe und Rabatte sowie die Ein- und Verkaufskalkulation“ eingeführt wird.

3.4 Konkrete Unterrichtsstunde zum Thema „Warenrücksendung an einen Lieferanten und dessen Verbuchung“

3.4.1 Ablauf der Unterrichtsstunde

Im Folgenden wird nun die Lerneinheit zur Verbuchung von Rücksendungen an Lieferanten vorgestellt, wozu das Artikulationsschema in Anlehnung an Tausch & Tausch (1970, S. 409) (Anhang 11, S. 30) als Orientierung dient.

Als Einstieg zeigt die Lehrkraft den Schülern eine E-Mail des Leiters der Fertigungsabteilung (Anhang 12, S. 31) auf dem Tageslichtprojektor und lässt diese vorlesen. Dabei wird mitgeteilt, dass das gelieferte Öl, welches in den vorherigen Stunden bestellt und dessen Eingangsrechnung bereits verbucht wurde, für die Produktion nicht verwendbar ist und um Lösung des Problems gebeten. Daraufhin sammeln die Schüler mögliche Fehlerquellen zur genannten Problematik, wobei sie eine Falschbestellung nach Überprüfung der Auftragsdaten von Frau Rupprecht (Anhang 9, S. 29), den damit einhergehenden benötigten Fertigungsbestandteilen1 (Anhang 6, S. 26) sowie der in einer vorherigen Stunde angefertigten Bestellübersicht (Anhang 10, S. 29) ausschließen. Durch Abgleich der Bestellung mit der Eingangsrechnung bezüglich der Öl-Lieferung der Sauer KG (Anhang 13, S. 32) stellen die Schüler nun fest, dass mit dem Leichtöl der Marke Castrol das falsche Produkt geliefert wurde. Hierbei ist anzumerken, dass aus Gründen der didaktischen Reduktion kein separater Lieferschein bei Wareneingängen verwendet wird, wie es auch in der Praxis durchaus anzufinden ist. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass die Güter der Lieferung mit denen auf der eingehenden Rechnung übereinstimmen. Nachdem der Fehler zugeordnet wurde, wird die Frage geklärt, ob auch die Mitarbeiter von Mike‘s Bikes eine Teilschuld dahingehend trifft, dass der Fertigung nicht das passende Öl zur Verfügung steht. Wie die Schüler erörtern, hätte auch der zuständige Lagermitarbeiter beim Einsortieren des noch nie verwendeten Öls kritisch nachfragen bzw. sie selbst hätten bei der Verbuchung der Eingangsrechnung die falsche Marke des Leichtöls bemerken müssen.2 In der Strategiephase klären die Schüler, wie mit dem falsch gelieferten Öl zu verfahren ist und entscheiden sich nach Abwägung der Alternativen, wie beispielsweise Weiterverkauf, für die Rücksendung an die Sauer KG mit gleichzeitiger Neubestellung der gewünschten Ware. Bis zu diesem Punkt erfolgt der Unterricht im Lehrer-Schüler-Gespräch, um eine effektive Nutzung der Zeit sicherzustellen und die Schüler durch geeignete Impulse zu unterstützen.

Danach erhalten die Schüler die Gutschriftsanzeige zur Rücksendung (Anhang 14, S. 33) sowie die neue Eingangsrechnung (Anhang 15, S. 34) und den Auftrag, diese ordnungsgemäß zu verbuchen. Dazu überlegen sich die Schüler vorab unter Verwendung des Konzeptpapiers (Anhang 16, S. 35), der Checkliste zum Verbuchen von Belegen (Anhang 4, S. 24) sowie des Kontenplans (Anhang 3, S. 23) die Buchungssätze in Einzelarbeit, ehe sie in idealerweise vierköpfigen Gruppen eine Teamlösung finden. Zum Einsatz kommt dabei eine Puzzlebox, in der das Unternehmensmodell sowie die verschiedenen Konten in Einzelteilen enthalten sind. Die Lösungszusammenführung wird von zwei durch Losverfahren zufällig bestimmten Schülern moderiert, wobei diese die Ergebnisse der Klasse an zwei Metaplanwänden, auf denen das Unternehmensmodell abgebildet ist, darstellen. Dabei werden einzelne Karten auf denen die Konten, Außenbeziehungen zu etwa Lieferanten und Pfeile für die einzelnen Wertströme dargestellt sind, an die richtige Stelle geheftet, sodass der jeweils korrekte Buchungssatz ersichtlich wird.

[...]


1 Aus Gründen der didaktischen Reduktion wurden die benötigten Bauteile auf ein angemessenes Minimum reduziert.

2 Es wird davon ausgegangen, dass die Schüler den falsch gelieferten Artikel bei der Verbuchung der Eingangsrechnung trotz Verwendung der Checkliste nicht bemerkt haben, da das Produkt an sich als Leichtöl richtig ist und lediglich die Marke als kleines Detail abweicht. Außerdem befindet sich diese Angabe in Klammer und ist deshalb möglicherweise leicht zu überlesen. Sollten die Schüler entgegen dieser Annahme dennoch auf den Fehler aufmerksam werden, hat das Konzept nach wie vor Bestand, da jeder Beleg und somit auch die Eingangsrechnung mit dem falsch gelieferten Öl zu verbuchen ist. Lediglich die Problemanalyse zu Beginn der Stunde aufgrund der eingegangenen E-Mail würde schneller erfolgen, da bereits klar ist, dass es sich um eine Falschlieferung handelt.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Wirtschaftsinstrumentelles Rechnungswesen als erfolgsversprechender Ansatz im Lernfeld Warenverkehrs
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
40
Katalognummer
V275157
ISBN (eBook)
9783656701644
ISBN (Buch)
9783656702320
Dateigröße
7537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechnungswesen, wirtschaftsinstrumenteller Ansatz, wirtschaftsinstrumentelles Rechnungswesen, Warenverkehr, Buchführung, wirtschaftsinstrumentell, Buchführung Didaktik, Didaktik Rechnungswesen, Lernfeld Warenverkehr, Buchführung Unterricht, Rechnungswesen Unterricht, Rechnungswesenunterricht, Buchführungsunterricht
Arbeit zitieren
Marlene Fleschutz (Autor), 2013, Wirtschaftsinstrumentelles Rechnungswesen als erfolgsversprechender Ansatz im Lernfeld Warenverkehrs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275157

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