Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Funktionieren, aber auch mit den möglichen Störungen und Problemen der zwischenmenschlichen Verständigung. Hierbei werden wir uns vorwiegend auf die nonverbale Kommunikationsebene konzentrieren, wobei es sich aber nicht verhindern läßt, teilweise zur Erklärung verbale Aspekte mit einzubeziehen.
Es gibt verschiedene Ansätze zur Klärung der verschiedenen Ebenen oder Funktionen zwischenmenschlicher ‚Nachrichtenübermittlung‘. Der bekannteste ist sicherlich der Ansatz Watzlawicks mit seinen vier pragmatischen Axiomen und den zwei Ebenen der Kommunikation.
Es gibt jedoch noch einige andere Ansätze, von denen hier mindestens zwei erwähnenswert scheinen. Der älteste Ansatz von Bühler unterscheidet „drei Aspekte der Sprache“:
Darstellung, Ausdruck und Appell. Der neueste Ansatz stammt von Friedemann Schulz von Thun und verbindet die beiden älteren Ansätze Bühlers und Watzlawicks. Hierbei verlagert er gleichzeitig den Fokus von der Makro-Ebene (= Kommunikation/Sprache) auf die Mikro-Ebene (= einzelne Nachricht): unterschieden werden „vier Seiten einer Nachricht“ : Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell. Da dieser Ansatz unserer Meinung nach besonders gut geeignet ist, um Funktionen und Funktionieren menschlicher Kommunikation zu erklären, liegen unseren nachfolgenden Ausführungen verstärkt Erklärungsansätze Schulz von Thuns zu Grunde.
aus dem Inhalt:
- Funktionen nonverbaler Kommunikation;
- bewusste und unbewusste Signale;
- Wirkungen und Probleme
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Funktionen und Funktionieren nonverbaler Kommunikation
3. Die Ebenen der nonverbalen Kommunikation
4. Bewußte Signale
5. Unbewusste Signale
5.1 Der Gesichtsausdruck - auch eine Form der Kommunikation
5.2 Territorialität – Der Umgang mit Raum
6. Wirkungen und Probleme der nonverbalen Kommunikation
6.1 Der erste Eindruck
6.2 Der Pygmalion-Effekt
6.3 Das Feedback
6.4 Kongruentes und inkongruentes Verhalten
6.5 Ein Problem des Empfängers – die Vielfalt der möglichen Ursachen
7. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Funktionieren, die Potenziale sowie die Störungsursachen in der zwischenmenschlichen Kommunikation, wobei ein besonderer Fokus auf nonverbalen Aspekten und deren Wechselwirkung mit verbalen Botschaften liegt.
- Grundlagen der nonverbalen Kommunikation und ihre theoretische Einordnung.
- Differenzierung zwischen bewussten und unbewussten Signalen.
- Analyse der Raumnutzung und körperlicher Ausdrucksformen.
- Untersuchung von Wirkungsweisen wie dem ersten Eindruck und dem Pygmalion-Effekt.
- Herausforderungen durch Fehlinterpretationen und inkongruentes Verhalten.
Auszug aus dem Buch
6.4 Kongruentes und inkongruentes Verhalten
Um eine Information relativ eindeutig erkennen zu können, müssen drei bis fünf Körpersignale in dieselbe Richtung weisen. Ist dies der Fall bzw. wird das verbal Kommunizierte von passenden oder erwarteten Körpersignalen begleitet, sprechen wir von ‚Kongruentem Verhalten‘. Weisen jedoch einige Körpersignale in verschiedene Richtungen (z.B. Lächeln in Verbindung mit der geballten Faust als Drohgebärde) oder widersprechen sich verbale und nonverbale Botschaften (z.B. Weinen in Verbindung mit der Beteuerung: „Es ist alles in Ordnung.“) steckt der Empfänger der Nachricht in einer Zwickmühle. Welcher Botschaft soll er Glauben schenken, auf welche Botschaft soll er reagieren?
Es gibt viele verschiedene Gründe für inkongruentes Verhalten: Ironie, Lügen und eine unabgeschlossene Selbstklärung sind häufig der Anlaß, den der Empfänger freilich erst entschlüsseln muß, um angemessen reagieren zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der zwischenmenschlichen Verständigung ein und begründet die Fokussierung auf den Ansatz von Schulz von Thun zur Erklärung nonverbaler Kommunikation.
2. Funktionen und Funktionieren nonverbaler Kommunikation: Es wird erläutert, wie Kommunikation durch das Modell der vier Seiten einer Nachricht funktioniert und welchen Stellenwert nonverbale Signale bei der Übermittlung von Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell einnehmen.
3. Die Ebenen der nonverbalen Kommunikation: Das Kapitel kategorisiert die Kanäle nonverbaler Kommunikation in kinästhetische, visuelle, auditive, olfaktorische und gustatorische Ebenen.
4. Bewußte Signale: Hier werden verschiedene Arten bewusster Gesten wie technische, mimische, schematische, symbolische und kodierte Gesten vorgestellt und deren Nutzen erläutert.
5. Unbewusste Signale: Dieses Kapitel behandelt die Bedeutung des Gesichtsausdrucks bei sozialen Interaktionen sowie das Konzept der Territorialität und die Einteilung des Raumes in vier Zonen.
6. Wirkungen und Probleme der nonverbalen Kommunikation: Der Abschnitt widmet sich den Herausforderungen bei der Interpretation von Signalen, angefangen beim ersten Eindruck und dem Pygmalion-Effekt bis hin zu Feedback-Prozessen und inkongruentem Verhalten.
7. Schluss: Der Autor resümiert die Bedeutung nonverbaler Kompetenz in einer zunehmend digitalisierten Welt und plädiert für ein gezieltes Training zur Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen.
Schlüsselwörter
Nonverbale Kommunikation, Körpersprache, Schulz von Thun, Nachrichtenübermittlung, Bewusste Signale, Unbewusste Signale, Gesichtsausdruck, Territorialität, Erster Eindruck, Pygmalion-Effekt, Feedback, Inkongruentes Verhalten, Metakommunikation, Zwischenmenschliche Verständigung, Kommunikationsstörung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Mechanismen, Funktionen und Problemen zwischenmenschlicher Kommunikation, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der nonverbalen Ebene.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen der Nachrichtenübermittlung, die Differenzierung zwischen bewussten und unbewussten Signalen sowie die Analyse von Kommunikationsstörungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für das Funktionieren der nonverbalen Kommunikation zu schaffen und aufzuzeigen, wie durch Metakommunikation und bewusste Signale Missverständnisse vermieden werden können.
Welche wissenschaftlichen Ansätze werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf das Modell der „vier Seiten einer Nachricht“ von Friedemann Schulz von Thun sowie auf Ergänzungen von Watzlawick und weitere kommunikationswissenschaftliche Erkenntnisse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ebenen der Körpersprache, unterscheidet zwischen bewussten und unbewussten Signalen und untersucht kritische Wirkungsfaktoren wie den ersten Eindruck und den Pygmalion-Effekt.
Was charakterisiert die Arbeit?
Sie zeichnet sich durch die Verknüpfung theoretischer Modelle mit praktischen Beispielen aus dem Alltag und den Fokus auf die Verantwortung des Empfängers bei der Interpretation von Botschaften aus.
Welche Bedeutung hat die „Intimzone“ im Kontext der Arbeit?
Die Intimzone wird als ein von kulturellen und situativen Faktoren abhängiger Raum definiert, dessen Verletzung zu Unwohlsein oder Abwehrmechanismen beim Menschen führt.
Wie definiert der Autor das Phänomen des inkongruenten Verhaltens?
Inkongruentes Verhalten liegt vor, wenn verbale Botschaften und die begleitenden körpersprachlichen Signale widersprüchliche Informationen vermitteln, was den Empfänger vor Herausforderungen in der Interpretation stellt.
- Quote paper
- Jan Kercher (Author), 2001, Nonverbale Kommunikation. Signale, Wirkung und Probleme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275226