Waldorf und Montessori. Vergleich der beliebtesten alternativen Schulformen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

1. Einleitung:

Ein Grund, warum Waldorfschulen und Montessori Schulen so häufig in einem Kontext thematisiert werden, ist der, dass diese beiden Schulformen die beliebtesten alternativen Schulformen darstellen. Insgesamt gestaltet sich ein direkter Vergleich jedoch schwieriger, als man meint.

Um einen Überblick zu liefern, soll im Verlauf dieser Arbeit, anhand der für mich als wichtig erachteten Aspekte, ein Vergleich der Reformkonzepte Montessoris und Waldorf angestellt werden. Hierbei werde ich in verkürzter Form auf die Grundprinzipien der beiden eingehen. Innerhalb dieses Aspekts soll auf das Menschenbild, die Rolle des Lehrers und auf charakteristische Merkmale der Unterrichtsgestaltung eingegangen werden. Hier sollen vor allem praktische/unterrichtliche Gesichtspunkte im Vordergrund stehen. Die theoretischen Bezüge sollen lediglich dem Verständnis dienen und werden, aufgrund ihrer Komplexität (insbesondere bei der Steiner-Theorie), reduziert dargestellt. Desweiteren soll eine kompakte Gegenüberstellung erfolgen, bei der auch zuvor nicht berücksichtigte Aspekte erwähnt werden sollen. Mit einem abschließendem Fazit soll noch einmal resümierend dargestellt werden, dass beide Konzepte, sofern man ihren theoretischen Überbau berücksichtigt, nicht so leichtfertig in einem Atemzug genannt werden sollten.

2. Zu den Personen

Im folgenden Abschnitt werde ich, in knapper Form auf die Personen Maria Montessori und Rudolf Steiner eingehen.

2.1 Kurzbiographie von Maria Montessori: (1870-1952)

Maria Montessori wurde am 31. August 1870 in Chiaravelle bei Ancona (in der Nähe von Rom) geboren. Sie wächst in einem behüteten Elternhaus als Einzelkind auf. Ihre universitäre Karriere beginnt zunächst mit einem naturwissenschaftlichen Studium in Biologie und Mathematik.[1] 1986 beendet sie mit der Promotion als erste Frau Italiens ihr anschließendes Medizinstudium. Nach Beendigung ihres Studiums praktiziert sie als Assistenzärztin in einer Kinderklinik in Rom, wo sie mit geistig behinderten Kindern zusammen arbeitet. Sie stößt auf das Werk des französischen Arztes Séguin, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Erziehungssystem für geistig behinderte Kinder entwickelt, welches sich mit didaktischen Materialeien insbesondere mit Sinnesübungen beschäftigt. Daran anknüpfend baut Montessori die Überlegungen des Arztes erfolgreich aus. 1907 eröffnet sie in San Lorenzo ihr erstes Kinderhaus "Casa dei Bambini". Hier entwickelt Montessori ihre Methode der Vorschulerziehung und baut später ihre pädagogische Praxis auch für das Grundschulalter aus. Sie widmet sich ab diesem Zeitpunkt mit völliger Hingabe ihren pädagogischen Arbeiten. Auch während des Weltkriegs reist sie um den Globus, um den Kindern zu helfen. Am 06. Mai 1952 verstirbt sie in ihrem Wohnort in den Niederlanden.

2.2 Kurzbiographie von Rudolf Steiner: 1861-1925

Rudolf Steiner erblickte am 25. Februar 1861 in Kraljevec, einem kleinen Ort in Kroatien, das Licht der Welt. Im Gegensatz zu Montessori, wächst Steiner eher in einfachen Verhältnissen mit zwei jüngeren Geschwistern auf. Steiner besucht zunächst eine Realschule und beginnt 1879 an der technischen Hochschule in Wien ein Studium der Fächer Biologie, Chemie, Physik und Mathematik. Neben seinem technischen Interesse, entwickelt Steiner eine Leidenschaft zur Philosophie. Erste pädagogische Erfahrungen macht er als Hauslehrer eines schwer behinderten Jungen (mit Hydrocephalus). Diese Tätigkeit prägt ihn sehr, für ihn "war diese Erziehungsaufgabe eine reiche Quelle des Lernens".[2] Für Steiner eröffnet sich durch die Lehrtätigkeit ein Einblick in den Zusammenhang zwischen Geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen. Des Weiteren beschäftigt er sich intensiv mit Goethe, insbesondere mit dessen Naturwissenschaft und der Idee der Metamorphose. Insgesamt wendet er sich fast fünfzehn Jahre seinem intensiven Goethe-Studium zu. Nach zahlreichen Vorträgen, in denen über Steiners Pädagogik referiert wird, gelingt 1919 mit Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart auch endlich eine praktische Verwirklichung seiner Ideen. Nach einer schweren Erkrankung verstirbt er am 30. März 1925 in Dornach.

3. Blick auf das Kind vor Montessori

In diesem Abschnitt soll kurz darauf eingegangen werden, wie Montessori die Sichtweise auf das Kind zum Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschreibt.

In der modernen Gesellschaft wurde das Kind oft als ein Außenseiter betrachtet .[3] Das Kind ist zu gewissen körperlichen Leistungen noch nicht fähig und ist in jeglicher Hinsicht auf den Erwachsenen angewiesen. Es wird in eine Gesellschaft hineingeboren und muss mit den Lebensbedingungen des Elternhauses zurechtkommen. In der menschlichen Gesellschaft mangelt es ihm an Anpassungsvermögen.[4] Zwischen den Erwachsenen wird es als Störfaktor angesehen und wird dementsprechend nicht angemessen geachtet. Die logische Konsequenz ist, dass man das Kind dazu zwingen muss, sich zurückzuhalten, und sich den Benimmregeln der Erwachsenen zu unterwerfen. Die moralischen Regeln und die Anpassungsfähigkeit erlernt es in der Schule, die Montessori auch mit dem Exil vergleicht.[5] Erzieher und Eltern gehen von der Grundannahme aus, Erwachsene seien Herr und Meister, Schöpfer, Herrscher oder der Richter des Kindes. Das Kind hat die Aufgabe, sich diesen Erwachsenen zu beugen, und zu gehorchen. Die sozialen Rechte werden in dieser Auffassung des Kindes völlig ignoriert und missachtet.

[...]


[1] Ellinghagen, Karl: Maria Montessori (1870-1952)(Im Folgenden zitiert als: Ellinghagen, Montessori), in: Scheuerl, Hans (Hrsg.), Klassiker der Pädagogik. Bd. 2. Von Karl Marx bis Jean Piaget. Zweite, überarbeitete und um ein Nachwort ergänzte Auflage. München 1991. S. 141.

[2] Lindenberg, Christoph: Rudolf Steiner (1861-1925), in: Scheuerl, Hans (Hrsg.),Klassiker der Pädagogik. Bd. 2. Von Karl Marx bis Jean Piaget. Zweite, überarbeitete und um ein Nachwort ergänzte Auflage. München 1991. S. 173.

[3] vgl. Montessori, Maria: Der vergessene Mitbürger, das Kind in der modernen Gesellschaft (im Folgenden zitiert als: Montessori, Der Vergessene Mitbürger), in: Oswald, Paul / Schulz-Benesch, Günter (Hrsg.), Grundgedanken der Montessori-Pädagogik, 7. Aufl., Freiburg 1967, S.10.

[4] vgl. ebd.

[5] vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Waldorf und Montessori. Vergleich der beliebtesten alternativen Schulformen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Migration
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V275243
ISBN (eBook)
9783656680611
ISBN (Buch)
9783656680598
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Montessori, Steiner, Waldorf, Reformpädagogik
Arbeit zitieren
Ina Schumacher (Autor), 2011, Waldorf und Montessori. Vergleich der beliebtesten alternativen Schulformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275243

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