Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Identitätskrisen literarischer Figuren um 1900

Title: Identitätskrisen literarischer Figuren um 1900

Bachelor Thesis , 2012 , 34 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Ina Schumacher (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der Begriff Identität ist eines der zentralen Wörter der Moderne und besonders des 20. Jahrhunderts. Ein Grund dafür liegt vor allem in der interdiskursiven Verwendung dieses Themas, wodurch sich verschiedene Definitionsansätze ergeben. Je nach wissenschaftlicher Disziplin eröffnen sich diverse Anwendungsbereiche des Identitätsbegriffs, mit dem Probleme und wissenschaftliche Fragestellungen geklärt werden sollen und können. Auch für die Literatur bietet der Identitätsbegriff eine Fülle an Auseinandersetzungsmöglichkeiten, die es ermöglichen, gesellschaftliche, kulturelle und politische Herausforderungen im 20. Jahrhundert zu thematisieren. Identität wird gerade deshalb zu einem geflügelten Wort der Moderne, weil es die Konstellation von Bezügen eines bestimmten Subjekts zu seiner Außenwelt erfasst. Dabei sind Subjekt und Außenwelt variable Elemente, die sich mit dem Begriff der Identität erfassen lassen.
Parallel mit dem Begriff der Identität beschreibt die Identitätskrise einen dysfunktionalen Ich-Weltbezug. Diese Störung, in der ein Individuum nicht mehr fähig ist, ein funktionierendes Bezugssystem zu seiner Lebensumwelt zu schaffen, wird in zahlreichen literarischen Werken um 1900 aufgegriffen und zum Gegenstand einer differenzierten Betrachtung. Die Zeit des "Fin de Siècle", welche grob die Jahrhundertwende von "1885 bis ca. 1910" umfasst, bietet dabei einen besonders breiten Fundus an literarischen Werken, die das Thema der Identitätskrise aufgreifen. Dabei basieren die Krisen, die von den literarischen Figuren durchlebt werden, auf verschiedenen gesellschaftlichen und kulturellen Subsystemen, welche die diskursive Vielfalt dieser "Epoche" widerspiegeln.
Um sich der Identitätskrise als charakteristisches Thema für die Zeit um 1900 zu nähern, werden in dieser Arbeit die drei Hauptprotagonisten der Erzählungen "Tod in Venedig" von Thomas Mann, "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" von Rainer Maria Rilke und "Sterben" von Arthur Schnitzler hinsichtlich der Krise analysiert, welche die Charaktere Gustav Aschenbach, Malte Laurids Brigge und Felix durchleben. Ziel ist es, die Prozesse nachvollziehbar darzustellen, die eine Identitätskrise bewirken, aber auch ihren Verlauf aufzuzeigen. Hierzu ist es notwendig, die jeweilige Krise in ihrem kulturellen Bezugssystem zu betrachten, welches eng mit dem Verlauf und dem Ausgang der Identitätskrise verknüpft ist. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ich-Auflösung in Thomas Manns "Tod in Venedig"

2.1 Aschenbachs Identitätskrise im Rahmen eines Übergangs vom apollinischen zum dionysischen Weltbild

2.2 Die Identitätsthematik im Rahmen von Décadence-Symbolen

3. Die Identitätskrise im Urbanisierungsprozess des frühen 20. Jahrhunderts in Rainer Maria Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge"

3.1 Die Großstadt und das Ich

3.2 Identitätskrise und die Rolle des Erzählers

4. Autonomieverlust als Identitätskrise bei Arthur Schnitzlers „Sterben“?

4.1 Krankheit als Identitäts- oder Ich- Krise?

4.2 Krankheit und Tod

4.3 "Sterben" als Identitätswechsel im Vergleich zu Mann und Rilke

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Identitätskrisen dreier Protagonisten der literarischen Moderne um 1900 und analysiert, wie gesellschaftliche und kulturelle Umbrüche sowie die Konfrontation mit Krankheit und Tod den Zusammenbruch stabiler Ich-Konzepte in den Erzählungen von Thomas Mann, Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler bedingen.

  • Analyse der Ich-Auflösung bei Gustav Aschenbach vor dem Hintergrund des apollinischen und dionysischen Weltbildes.
  • Untersuchung der Auswirkungen des urbanen Großstadtlebens auf die Subjektkonstitution in Rilkes Malte-Roman.
  • Betrachtung des Autonomieverlusts und des Identitätswechsels durch Krankheit in Schnitzlers Novelle "Sterben".
  • Vergleichende Analyse der Rolle von Décadence-Motiven und Krankheitsdarstellungen für das Identitätsempfinden.
  • Reflektion der Erzählinstanzen und ihrer Funktion bei der Vermittlung von Identitätsverlust.

Auszug aus dem Buch

Verlust des Inneren

Der Verlust einer Ich-Konzeption wird in "Tod in Venedig" durch verschiedene sprachliche und kontextuelle Mittel ausgedrückt. Nur zu Beginn der Novelle spricht der Erzähler von einem "Ich", welches Aschenbach Aufgaben stellt. Dieses "Ich" wird jedoch im weiteren Verlauf durch andere attributive Pronomen ersetzt werden, wodurch deutlich wird, dass souveränes selbstbestimmtes Handeln für Aschenbach nicht mehr möglich ist. Um Aschenbach zu benennen, wählt der Erzähler substantivierte Verb- und Adjektivformen, die der jeweiligen Situation angepasst werden, in welcher sich der Protagonist gerade befindet. So ist Aschenbach etwa "der Betrachtende" (Mann, Venedig, S.11), der "Flüchtling" (ebd. S. 48), der "Enthusiasmierte" (ebd. S. 53) oder der "Einsame" (ebd. S. 71). Der auffallend häufige Gebrauch solcher Bezeichnungen reduziert die Person Aschenbach auf spezifische Empfindungen oder situative Funktionen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Identitätsbegriff der Moderne ein und definiert die Identitätskrise als einen dysfunktionalen Ich-Weltbezug, der anhand der Werke von Mann, Rilke und Schnitzler untersucht wird.

2. Ich-Auflösung in Thomas Manns "Tod in Venedig": Das Kapitel analysiert Aschenbachs Identitätsdekonstruktion durch das Spannungsfeld zwischen apollinischem und dionysischem Weltbild sowie die symbolische Bedeutung Venedigs.

2.1 Aschenbachs Identitätskrise im Rahmen eines Übergangs vom apollinischen zum dionysischen Weltbild: Hier wird untersucht, wie die Adaption von Nietzsches Philosophie Aschenbachs Künstleridentität erschüttert und ihn in den Verlust seiner Selbststeuerung führt.

2.2 Die Identitätsthematik im Rahmen von Décadence-Symbolen: Dieses Unterkapitel beleuchtet die Rolle von Venedig als Ort des Verfalls und wie Krankheitssymbole Aschenbachs zunehmende Entfremdung von seinem bürgerlichen Leben unterstützen.

3. Die Identitätskrise im Urbanisierungsprozess des frühen 20. Jahrhunderts in Rainer Maria Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge": Der Fokus liegt hier auf der Großstadtthematik und wie die Reizüberflutung in Paris das Ich-Konzept des Protagonisten zersetzt.

3.1 Die Großstadt und das Ich: Die Untersuchung zeigt, wie die technische Beschleunigung und urbane Anonymität ein "neues Sehen" erzwingen, das die Grenzen zwischen Innen- und Außenwelt auflöst.

3.2 Identitätskrise und die Rolle des Erzählers: Dieses Kapitel erläutert, wie der Ich-Erzähler versucht, das Ich durch das Schreiben zu retten, bis er schließlich in einer polyperspektivischen Struktur aufgeht.

4. Autonomieverlust als Identitätskrise bei Arthur Schnitzlers „Sterben“?: Schnitzlers Novelle wird hier als Fallstudie für einen Identitätswechsel durch Krankheit behandelt, der jenseits der bewussten Gestaltung durch das Subjekt erfolgt.

4.1 Krankheit als Identitäts- oder Ich- Krise?: Hier wird analysiert, wie die Tuberkulose-Diagnose Felix' Weltbezug monopolisiert und sein bisheriges Identitätsgefüge durch eine krankheitsbedingte Isolation ersetzt.

4.2 Krankheit und Tod: Das Kapitel untersucht, wie Angst vor dem Tod und die Verdrängung desselben die Beziehung zwischen Marie und Felix bestimmen und das Fehlen eines stabilen Ichs offenbaren.

4.3 "Sterben" als Identitätswechsel im Vergleich zu Mann und Rilke: Es wird abschließend herausgearbeitet, dass Felix' Identitätswandel weniger ein aktiver Prozess der Konstruktion als vielmehr ein passives Ergebnis der Exklusion durch Krankheit ist.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Identitätskrise ein zentrales Merkmal der Jahrhundertwende ist und die untersuchten Autoren das Scheitern des Individuums an den Anforderungen der Moderne auf je unterschiedliche Weise darstellen.

Schlüsselwörter

Identität, Identitätskrise, Moderne, Fin de Siècle, Thomas Mann, Rainer Maria Rilke, Arthur Schnitzler, Tod, Krankheit, Décadence, Subjektzerfall, Großstadt, Ich-Konzeption, Neurasthenie, Autonomieverlust.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das literarische Motiv der Identitätskrise im Kontext der Epoche um 1900 anhand dreier ausgewählter Erzählungen von Mann, Rilke und Schnitzler.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit befasst sich mit der Konfrontation des Subjekts mit urbanen Räumen, dem Einfluss der Philosophie Nietzsches, Décadence-Symbolik sowie den psychologischen Auswirkungen von Krankheit und Tod.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Prozesse nachvollziehbar zu machen, die in den jeweiligen Werken zu einer Destabilisierung oder dem Verlust der Ich-Identität der Hauptfiguren führen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die philosophische und soziologische Konzepte (z.B. den Identitätsbegriff von Mach oder Luhmann) heranzieht, um die literarischen Texte differenziert zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden nacheinander die Novellen "Tod in Venedig", "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" und "Sterben" im Hinblick auf das Ich-Welt-Verhältnis der Protagonisten detailliert analysiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Identitätskrise, Moderne, Entpersonalisierung, Großstadt, Décadence und Subjektkonstitution.

Wie unterscheidet sich die Identitätskrise bei Arthur Schnitzler von der bei Thomas Mann?

Während bei Mann die Identitätskrise als Resultat eines gescheiterten Versuchs zur bewussten Neukonstruktion eines Künstlers erscheint, zeigt Schnitzler bei Felix einen passiven Identitätswechsel, der primär durch eine medizinische Diagnose forciert wird.

Welche Rolle spielt die Großstadt in Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge"?

Die Großstadt fungiert als Raum, der durch seine Überpräsenz an Eindrücken das Ich zur Aufgabe seiner souveränen Filterfunktionen zwingt, was zum Zerfall des Individuums in einen bloßen Wahrnehmungskörper führt.

Excerpt out of 34 pages  - scroll top

Details

Title
Identitätskrisen literarischer Figuren um 1900
College
Ruhr-University of Bochum  (Germanistisches Institut)
Grade
2,3
Author
Ina Schumacher (Author)
Publication Year
2012
Pages
34
Catalog Number
V275249
ISBN (eBook)
9783656763307
ISBN (Book)
9783656763291
Language
German
Tags
Tod in Venedig Arthur Schnitzler Thomas Mann Malte Laurids Brigge Identitätskrise Rainer Maria Rilke Sterben
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ina Schumacher (Author), 2012, Identitätskrisen literarischer Figuren um 1900, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275249
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  34  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint