Die Netzwerkgesellschaft nach Manuel Castells. Entstehung, Charakteristika, Tendenzen


Hausarbeit, 2013
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Problemaufriss

2. Entstehung der Netzwerkgesellschaft
2.1 Revolution der Informationstechnologie
2.2 Restrukturierung des Kapitalismus
2.3 Aufkommen neuer sozialer Bewegungen

3. Charakteristika der Netzwerkgesellschaft
3.1 Netzwerk- Unternehmen
3.2 Transformation von Arbeit und Beschäftigung
3.3 Kultur der realen Virtualität
3.4 Raum der Ströme
3.5 Zeitlose Zeit

4. Tendenzen und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

1. Problemaufriss

In einer modernen Gesellschaft, in welcher wir leben, kann sich kaum einer noch einen Tag ohne Technologie, Medien oder elektronische Kommunikation vorstellen. Eine Vielzahl von Informationen aus den verschiedensten Bereichen wirkt jede Minute auf uns ein und strebt nach unserer Aufmerksamkeit. Durch Medien wie das Internet und Fernsehen sind wir global und zu jeder Zeit mit anderen Menschen verbunden und vernetzt. Um die Hintergründe dieses neuen Zeitalters verstehen zu können, widme ich meine Hausarbeit Manuel Castells These der „Netzwerkgesellschaft“. Im kommenden Verlauf meiner Arbeit werde ich genauer auf sein Konzept eingehen, das er im Zuge seiner Trilogie „Das Informationszeitalter“ in den Jahren 1996 bis 1998 verfasst hat. Manuel Castells liefert mit seiner Theorie Erklärungsansätze für die neue, moderne, globalisierte und mediatisierte Gesellschaft, in der wir uns seit einigen Jahren befinden.

Beginnen möchte ich meine Hausarbeit mit der Entstehung der Netzwerkgesellschaft, die laut Castells in drei unabhängigen Entwicklungen seit der 60er Jahre ihren Ursprung findet. Die erste Entwicklung war die Revolution der Informationstechnologie, die den Informationalismus aufkommen ließ. Die zweite Entwicklung in den 80er Jahren stellte die Restrukturierung des Kapitalismus dar, der durch die neuen Informationstechnologien zu einem neuen, globalen und informationellen Kapitalismus heranwuchs. Die dritte wichtige Entwicklung beinhaltet das Auftauchen von neuen gesellschaftlichen Bewegungen, die sich durch ein noch nicht dagewesenes kulturelles Denken, das sich nach Normen richtet, auszeichnet. (Steinbicker 2001: 81)

Danach werde ich auf die verschiedenen Charakteristika der Netzwerkgesellschaft zu sprechen kommen, die das Netzwerkunternehmen, die Transformation von Arbeit und Beschäftigung und die Kultur der realen Virtualität beinhalten. Des Weiteren wird die Netzwerkgesellschaft noch durch den Raum der Ströme und die zeitlose Zeit charakterisiert. Abschließend wird noch auf Tendenzen der Netzwerkgesellschaft von Manuel Castells eingegangen und zuletzt ein Fazit gezogen.

2. Entstehung der Netzwerkgesellschaft

Wie bereits oben angedeutet, findet die Netzwerkgesellschaft ihren Ursprung in drei voneinander unabhängigen Entwicklungen seit den 60er Jahren. (Steinbicker 2001: 82) Im Folgenden wird nun die Revolution der Informationstechnologie näher beleuchtet, die den Anfang markiert.

2.1 Revolution der Informationstechnologie

In den Bereichen verschiedenster Technologien, wie Internet, Hörfunk, Telekommunikation, aber auch Gentechnik, ist es in den letzten Jahrzehnten zu bedeutenden Errungenschaften und Umbrüchen gekommen. (Castells 2001: 32) Diese Periode charakterisiert sich im Gegensatz zur ersten industriellen Revolution durch angetriebene und ganz neue technologische Entwicklungen. (ebd.: 37)

Kennzeichnend für diese technologische Revolution

„ist nicht die zentrale Bedeutung von Wissen und Information, sondern die Anwendung dieses Wissens und dieser Information zur Erzeugung neuen Wissens und zur Entwicklung von Geräten zur Informationsverarbeitung und zur Kommunikation, wobei es zu einer kumulativen Rückkopplungsspirale zwischen der Innovation und ihrem Einsatz kommt.“

(ebd.: 34)

Castells spielt in diesem Zitat darauf an, dass es in der heutigen Zeit viel schneller geht, eine Technologie einzuführen, anzuwenden und weiterzuentwickeln als im Gegensatz zur industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. Das bedeutet unter anderem, dass jeder Mensch Entwickler, Anwender oder Kontrolleur über Technologie sein, beziehungsweise werden kann. (ebd.: 34) Ein aktuelles Beispiel zur Verdeutlichung wäre das Internet, vielmehr Wikis oder Weblogs, in denen Internet-Nutzer gleichzeitig Informationen produzieren und rezipieren können.

Auch die kurze Zeit, welche die neuen Technologien brauchen, um sich auf dem Kontinent zu verbreiten, stellt nach Castells eine Neuerung und somit Revolution dar. Demnach können Kommunikationssysteme und Computer als eine Ausweitung und Intensivierung des menschlichen Geistes gesehen werden. Alles was wir denken, wie wir leben und arbeiten, mündet in einem neuen technologischen System. Mensch und Maschine werden zunehmend eins. (ebd.: 35)

Es ist nicht mehr die Rede von einer post- industriellen Gesellschaft, die sich durch den Übergang von Güterproduktion zu Dienstleitungen charakterisiert. Produktion, Landwirtschaft und Dienstleistungen können in identischer Weise von Informationen durchdrungen werden. Es erfolgt also kein Wechsel zu einem anderen Zweig wirtschaftlicher Tätigkeit, sondern das menschliche Geschick wird zur Bearbeitung von Symbolen als eine direkte Produktivkraft genutzt. (Steinbicker 2001: 83)

Durch diese Revolution entstand ein Informationalismus, der sich durch Flexibilität und der Fähigkeit zur Umgestaltung auszeichnet. Prozesse sind demzufolge veränderbar, Institutionen und Organisationen können variiert oder grundlegend umgeformt werden, vorausgesetzt man ordnet ihre Komponenten neu an. (ebd.: 84)

Zusammengefasst kann angemerkt werden, dass die informationstechnologische Revolution fünf entscheidende Merkmale aufweist. Erstens handelt es sich um Technologien, die Informationen beeinflussen, und nicht um Informationen, die durch Technologie beeinflusst werden. Das zweite Merkmal besteht in dem globalen Effekt der Technologien. Dies bedeutet, dass jede menschliche Aktion durch neue technische Medien geprägt und verändert wird. Das dritte Merkmal ist die Beschaffenheit von Netzwerken eines jeden Systems oder von Beziehungskonstellationen, die von diesen neuen Informationstechnologien ihren Nutzen ziehen. Ein Netzwerk ist gut geeignet für Komplexität und Flexibilität, die in der modernen und verflochtenen Welt vorherrschen, da es Struktur und Ordnung schafft. (Castells 2001: 76) Viertens kennzeichnet sich die Revolution der Informationstechnologie durch Verformbarkeit, die es möglich macht, sämtliche Prozesse und Regeln zu variieren. Das fünfte Kennzeichen ist das fortschreitende Zusammenwachsen spezifischer Technologien zu einem eingegliederten System. Hiermit meint Castells, dass Unterscheidungen zwischen Technologien zunehmend verschwimmen, da alles zusammenhängt und aufeinander aufbaut. (ebd.: 77)

Das immense Wachstum der Technik und der Telekommunikation waren entscheidend für den globalen Zusammenschluss und die Verbindung von Produktion und Handel weltweit, die in der nächsten Entwicklung, der „Restrukturierung des Kapitalismus“ münden. (ebd.: 65)

2.2 Restrukturierung des Kapitalismus

Aus der Revolution der Informationstechnologie entspringt die im Folgenden beschriebene Restrukturierung des Kapitalismus, die in den 80er Jahren begann. Es entstand eine neue Wirtschaftsform, die Manuel Castells mit den Worten informationell, global und vernetzt beschreibt. (ebd.: 83)

Die Restrukturierung des Kapitalismus findet ihren Anfangspunkt in einer erheblichen wirtschaftlichen Krise: Der öffentliche Sektor war nicht mehr fähig, seine Kaufkraft zu erhöhen, woraufhin Unternehmen nach neuen Möglichkeiten suchten, um dem Verlust ihrer Gewinne zu entkommen. Das wichtigste Ziel war, Marktanteile auszubauen und neue Märkte zu ergründen, um den Absatz der Güter zu gewährleisten. Folglich kam es zu einer großen Zunahme des Außenhandels, zu einer erstaunlichen Beweglichkeit des Kapitals und zu verbesserten Kommunikationsmöglichkeiten der Unternehmen. (Steinbicker 2001: 85)

Die Voraussetzung dafür schufen unter anderem die neuen Informationstechnologien und die Deregulierung gemeinsam. Seit Beginn der 1980er Jahre wurde außerdem auch die globale Verknüpfung der Finanzmärkte wiederum durch die Informationstechnologien ermöglicht. Durch die globale Expansion, die Integration von Märkten und die Verbesserung der Standortqualitäten erhöhten Kapital, Kapitalisten und Unternehmen ihre Wirtschaftlichkeit deutlich. (Castells 2001: 101-104)

In den 90er Jahren fand die neue Wirtschaftsform ihren Höhepunkt in den USA, vor allem ging sie von den Schlüsselbranchen Informationstechnologie und Finanzen aus. Sie breitete sich aber flott nach Europa, Japan und auf die ganze Welt aus und bringt Prozesse der Neustrukturierung und Krisen mit sich. Die Restrukturierung des Kapitalismus, die eine neue Art der Wirtschaft ausbildete, führt auch zu einem tiefgreifenden Strukturwandel: Wirtschaften und Gesellschaften suchen sich neue und eigene Methoden, den Übertritt zu einem anderen Zeitalter, dem Informationalismus, zu meistern. (ebd.: 172)

Der neue globale Kapitalismus ist gekennzeichnet durch die Fähigkeit, als Ganzes in Echtzeit oder in bestimmter Zeit auf globaler Stufe mit Erfolg zu wirken. Das unterscheidet ihn vom früheren Kapitalismus, der immer nur versucht hat, die Grenzen von Zeit und Raum zu bezwingen. (ebd.: 108)

Für Manuel Castells hängen die Revolution der Informationstechnologie und die Restrukturierung des Kapitalismus eng zusammen, denn

„Produktivität wie Wettbewerb sind Teil eines globalen Netzwerks von Interaktionen, deren materielles Fundament die neuen Informationstechnologien bilden.“ (Steinbicker 2001: 86)

[...]

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Details

Titel
Die Netzwerkgesellschaft nach Manuel Castells. Entstehung, Charakteristika, Tendenzen
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V275254
ISBN (eBook)
9783656680031
ISBN (Buch)
9783656680000
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
netzwerkgesellschaft, manuel, castells, entstehung, charakteristika, tendenzen
Arbeit zitieren
Verena Schindler (Autor), 2013, Die Netzwerkgesellschaft nach Manuel Castells. Entstehung, Charakteristika, Tendenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275254

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