Die deutsche Westgrenze und die französische Ostgrenze existieren seit sehr langer Zeit. Nach der Spaltung des Fränkischen Reiches, und seit dem Vertrag von Meerssen aus dem Jahr 870, gab es eine gemeinsame Grenze zwischen dem Ostfränkischen Reich und dem Westfränkischen Reich. Auch die nachfolgenden französischen sowie deutschen Staaten und Staatenverbunde behielten die gemeinsame Grenze bei. Dieser Grenzverlauf unterlag in mehr als 1000 Jahren einer kontinuierlichen Veränderung. Die letzte faktische Veränderung der Grenze ereignete sich am 1. Januar 1957, als das spätere Bundesland Saarland ein Teil der Bundesrepublik Deutschland wurde.
Natürlich gab es verschiedene Ursachen des Zustandekommens solcher Grenzveränderungen. Es gab Verträge, die eine friedliche Umsetzung der Veränderungen herbeiführten. Aber auch Kriege wie die Koalitionskriege von 1792 bis 1815, der Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und natürlich der Ersten und der Zweiten Weltkrieg, um nur einen Teil der Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Deutschland zu nennen. Diese Arbeit wird sich aber auf eine Phase beziehen, welche etwa 100 Jahre vor der Französischen Revolution liegt. Genauer gesagt geht es um die Zeit der Kriege Ludwigs XIV. und der sogenannten Reunionen.
Reunionen, beziehungsweise Reunionspolitik, nennt man die Angliederungen, oder wie der französische Begriff nahelegt, die Vereinigungen deutscher Gebiete mit dem französischen Mutterland. Dabei bezogen sich die Franzosen auf alte Vertragswerke und vor allem auf die Gebiete die durch den Westfälischen Frieden im Jahre 1648 und den späteren Verträgen von Nimwegen aus den Jahren 1678/79 unter die Lehnsherrschaft Frankreichs gelangten. Ein wichtiger Teil der Reunionspolitik waren, neben den Reunionskriegen, die Reunionskammern, welche den Angliederungen der deutschen Gebiete an Frankreich eine juristische Legitimation geben sollten. Hier stellt sich nun die Frage, ob die Reunion von Reichsterritorium wirklich ein korrekter Vorgang war oder ob hier lediglich ein Scheinprozess unter französischer Feder stattfand.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Vorgeschichte
3.Außenpolitik und Kriege Ludwigs XIV.
4.Die Reunionskammer zu Metz
4.1. Zur Legitimation der Reunionsansprüche
4.2. Die Ziele der Reunionspolitik
4.3. Die Arbeit der Reunionskammer
4.4. Folgen der Reunionspolitik
5.Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die juristische Legitimation der französischen Reunionen unter Ludwig XIV., wobei der Fokus auf der Arbeit der Reunionskammer zu Metz zwischen 1679 und 1688 liegt. Dabei wird analysiert, inwieweit die Kammer als Instanz tatsächlich eine rechtliche Grundlage für die Annexionen bot oder ob es sich um einen Scheinprozess handelte.
- Historischer Kontext der französischen Expansionspolitik unter Ludwig XIV.
- Strukturen und Arbeitsweisen der Reunionskammer zu Metz
- Die Rolle juristischer Argumentationen bei territorialen Gebietsgewinnen
- Die Wahrnehmung und Folgen der Reunionspolitik im Heiligen Römischen Reich
Auszug aus dem Buch
4.3 Die Arbeit der Reunionskammer
Neben dem Gerichtshof zu Metz, gab es auch in Breisach, Besançon und Tournai solche Institutionen. Diese wurden, auf Vorschlag von Charles Colbert, durch König Ludwig XIV. errichtet. Dabei unterscheidet sich Metz von den anderen Städten. Zwar ist in der Literatur meist von Reunionskammern in allen vier Städten die Rede aber Metz ist hierbei jedoch die einzige wirkliche Kammer, da in Breisach und Besançon die Urteile zu den Reunionen direkt von den Gerichtshöfen selbst gefällt worden sind. In Metz hingegen gab es eine Reunionskammer unter der Führung von Louvois.
Durch den königlichen Erlass vom 23. Oktober 1679, welcher sich an die drei Bischöfe von Metz, Toul und Verdun richtete, wurde die Kammer einberufen. Es war eine Art Gerichtsverfahren angedacht, in dem die Bischöfe George d’Aubusson de la Feuillade für das Bistum Metz, Jaques de Fieux für das Bistum Toul und zuletzt Armand de Monchy d’Hoquincourt für Verdun als Kläger auftreten sollten. Der Bischof von Verdun verstarb kurz nach dem Erlass, so dass sein Stuhl während den Verhandlungen vakant blieb. Im Erlass stand an die Bischöfe geschrieben: „Sur la requête, présentée au roi, étant en son conseil par messire […] tant pour eux que pour le clergé séculier et régulier de leurs églises; contenant, qu’ils ont eu avis, que le procureur général du parlement, chambre des comptes Metz, voulait faire saisir les revenues temporels de leurs évêchés et du clergé séculier et régulier de leurs dites églises de Metz, Toul et Verdun, et ce, faute d‘avoir par eux fait reprises de Sa Majesté des biens et droits temporels dépendants des leurs églises et fourni á la chambre des comptes […].“
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Einführung in die Thematik der deutsch-französischen Grenzkonflikte und Definition des Begriffs der Reunionen im Kontext der Politik Ludwigs XIV.
2.Vorgeschichte: Darstellung der historischen Entwicklung und der Friedensschlüsse des 17. Jahrhunderts, die den Grundstein für die späteren französischen Gebietsansprüche legten.
3.Außenpolitik und Kriege Ludwigs XIV.: Analyse der expansiven Außenpolitik des Sonnenkönigs anhand ausgewählter Kriege und deren Bedeutung für die französische Hegemonie.
4.Die Reunionskammer zu Metz: Detaillierte Untersuchung der Funktionsweise, Legitimation und praktischen Umsetzung der Reunionspolitik durch die Metzer Kammer.
5.Fazit: Abschließende Bewertung, dass die Reunionen trotz formaler Berufung auf alte Rechtsgrundlagen im Kern ein Instrument machtpolitischer Expansion waren.
Schlüsselwörter
Ludwig XIV., Reunionen, Reunionskammer, Metz, Außenpolitik, Frankreich, Heiliges Römisches Reich, territoriale Expansion, juristische Legitimation, Lehenswesen, Westfälischer Friede, 17. Jahrhundert, Grenzkonflikte, Geschichte, Souveränität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der juristischen Strategien, die Frankreich unter Ludwig XIV. nutzte, um deutsche Gebiete einzugliedern, fokussiert auf die Reunionskammer zu Metz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die französische Außenpolitik des 17. Jahrhunderts, die Geschichte der sogenannten Reunionen sowie die Rolle rechtlicher Institutionen bei territorialen Expansionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die Reunionskammer zu Metz tatsächlich eine juristisch korrekte Instanz zur Gebietswahrung war oder ob sie lediglich als Scheinprozess für französische Expansionsziele diente.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, insbesondere der Dissertation von Hermann Kaufmann aus dem Jahr 1889, basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Voraussetzungen, die militärischen Konflikte sowie die konkrete Arbeitsweise und Argumentationsstruktur der Reunionskammer zu Metz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Reunionen, Ludwig XIV., Reunionskammer, juristische Legitimation und die deutsch-französische Grenzgeschichte.
Welche Rolle spielte die Reunionskammer zu Metz im Vergleich zu anderen Orten?
Metz war laut Autor die einzige "wirkliche" Kammer, da dort ein spezifisches Verfahren stattfand, während in Städten wie Breisach oder Besançon die Urteile direkt durch örtliche Gerichtshöfe gefällt wurden.
Wie bewertet der Autor die Legitimität der Reunionen?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Reunionen juristisch entbehrlich waren, da sie zwar auf alten Verträgen fußten, letztlich jedoch machtpolitisch motivierte Annexionen darstellten.
- Arbeit zitieren
- Marcel K. Schwertel (Autor:in), 2013, Die juristische Legitimation der französischen Réunionen unter Ludwig XIV. anhand der Reunionskammer zu Metz (1679-1688), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275305