Die vorliegende Hausarbeit hat sich zum Ziel gesetzt, die Schreibentwicklungsmodelle C. Bereiters und H. Feilkes im Hinblick darauf zu untersuchen, inwiefern eine entwicklungspsychologische Deutung der Modelle, wie sie Augst und Faigel unternommen haben, Erkenntnisse über den Entwicklungsstand eines Schülers zulässt, oder an ihre Grenzen stoßen kann. Hierzu sollen Bereiters und Feilkes Theorien vorgestellt und empirisch, anhand eines Schülertextes, überprüft werden. In diesem Kontext wird ein Exkurs über „Mündlichkeit und Schriftlichkeit“ erfolgen, der ein grundlegendes Problem von Schülern im Umgang mit schriftlicher und mündlicher Sprache thematisiert. Abschließend geht es darum, einige Alternativen zum entwicklungspsychologischen Ansatz zu nennen und in einer Schlussbeobachtung die Essenz der Studie zusammenzufassen.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
1.1 Vorbemerkung
1.2 Tendenzen der Schreibentwicklung
2.0 Erläuterung der Modelle C. Bereiters und H. Feilkes
2.1 Das Schreibentwicklungsmodell Modell C. Bereiters
2.2 Das Schreibentwicklungsmodell Modell H. Feilkes
3.0 Analyse eines Schülertextes
3.1 Deutung nach C. Bereiters und H. Feilkes Modell
3.2 Revidierung der entwicklungspsychologischen Sicht
3.3 Fazit
4.0 Alternativen zum entwicklungspsychologischen Ansatz
4.1 Der philologische Blick
4.2 Der lernsensitive Blick
5.0 Abschließende Beobachtung
6.0 Bibliographie
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die Schreibentwicklungsmodelle von C. Bereiter und H. Feilke auf ihre Eignung, den Entwicklungsstand von Schülern mithilfe entwicklungspsychologischer Deutungen zu erfassen. Ziel ist es, die Grenzen dieser Ansätze aufzuzeigen, sie anhand eines konkreten Schülertextes zu überprüfen und alternative, didaktisch sinnvollere Perspektiven auf den Schriftspracherwerb zu erörtern.
- Vergleich der kognitionspsychologischen und entwicklungspsychologischen Schreibmodelle
- Empirische Analyse eines Schülertextes zur kritischen Überprüfung der Theorien
- Diskussion über Mündlichkeit und Schriftlichkeit im schulischen Kontext
- Einführung alternativer Ansätze wie des philologischen und lernsensitiven Blicks
Auszug aus dem Buch
Deutung nach C. Bereiters und H. Feilkes Modell
Im Folgenden soll anhand der Inhaltsangabe zu Irmela Benders Erzählung „Caroline über Wiesen laufend“ gezeigt werden, wie entwicklungspsychologische Deutung versucht C. Bereiters und H. Feilkes Modell auf den Entwicklungstand kindlicher Schreibkompetenz zu übertragen.
Der vorliegende Text eines Achtklässlers erfüllt auf den ersten Blick einige Beurteilungskriterien der Inhaltsangabe. Er ist kurz, in diesem Fall nur noch ein Viertel des Originals. Die Einleitung enthält einen Titel, den Namen der Autorin, die Nennung der Textsorte und gibt den Kern der Erzählung in einem Satz wieder. Kurzum sie repetiert „das schulische Ritual“ von der Einleitung einer Inhaltsangabe. Der Schüler verwendet wie verlangt keine wörtliche Rede, er wählt als Tempus erwartungsgemäß das Präsens und versucht sich in der Verwendung des Konjunktivs, um das Verbot direkter Rede zu umschiffen.
Nach entwicklungspsychologischer Sicht auf Bereiters Modell hat der Schreiber die Stufe kommunikativen Schreibens erlangt. Er ist prinzipiell fähig einen fremden Leser seines Textes zu imaginieren, dem er sachlich und strukturiert eine Geschichte wiedergeben möchte.
In Feilkes Schema entspräche der Text dem material-sytematischen Muster, da der Schüler die Sache, also den Inhalt des Textes, wie zum Beispiel in der Einleitung, objektiv einordnen und stellenweise im Hauptteil neutral wiedergeben kann. Das linear entwickelnde Muster kommt allerdings auch noch latent zum Ausdruck.
Feilkes formal-systematisches Muster wird nicht realisiert, da der Schüler den Text und seine logische Struktur noch nicht in den Mittelpunkt des Interesses rückt. Er scheitert schon an der distanzlosen Einführung der Personen. Diese geschieht sozusagen „medias in res“ und bleibt größtenteils Paraphrase des Originaltextes.
Kapitelzusammenfassungen
1.0 Einleitung: Definition der Zielsetzung der Arbeit, die Schreibmodelle von Bereiter und Feilke im Hinblick auf ihre entwicklungspsychologische Aussagekraft zu hinterfragen.
2.0 Erläuterung der Modelle C. Bereiters und H. Feilkes: Detaillierte Darstellung der kognitiven Stufenmodelle von Bereiter sowie der vier Schreibmuster von Feilke.
3.0 Analyse eines Schülertextes: Anwendung der theoretischen Modelle auf einen konkreten Schülertext, inklusive einer kritischen Rezeption der entwicklungspsychologischen Sichtweise.
4.0 Alternativen zum entwicklungspsychologischen Ansatz: Vorstellung des philologischen und des lernsensitiven Ansatzes als Alternativen zur normativen Leistungsbewertung.
5.0 Abschließende Beobachtung: Synthese der Ergebnisse und Plädoyer für eine Verschränkung verschiedener Ansätze zur besseren Erfassung von Schreibentwicklung.
6.0 Bibliographie: Auflistung der verwendeten Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Schreibentwicklung, Schreibkompetenz, Bereiter, Feilke, Schülertext, Inhaltsangabe, Schriftspracherwerb, kognitive Operationen, Entwicklungspsychologie, Textproduktion, philologischer Blick, lernsensitiver Ansatz, Schreibmodelle, Textanalyse, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert, inwiefern die Schreibentwicklungsmodelle von C. Bereiter und H. Feilke dazu geeignet sind, den Schreibentwicklungsstand von Schülern zu beurteilen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die kognitiven und entwicklungspsychologischen Theorien des Schreibens, deren empirische Anwendung auf Schülertexte sowie didaktische Reflexionen über den Schriftspracherwerb.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Hinterfragung der entwicklungspsychologischen Deutung dieser Modelle und das Aufzeigen von Grenzen in der schulischen Bewertung von Texten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Modellanalyse mit einer empirischen Fallstudie, bei der ein konkreter Schülertext nach den vorgestellten Kriterien analysiert und reflektiert wird.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der Vorstellung der Theorien von Bereiter und Feilke, der Analyse eines Textbeispiels und der Diskussion über die Problematik konventioneller "schulischer Rituale" beim Aufsatzschreiben.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Schreibentwicklung, Schreibkompetenz, kognitive Prozessmodelle, sowie die Abgrenzung von konzeptueller Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
Warum tendieren manche Schüler eher zur Nacherzählung als zur Inhaltsangabe?
Die Arbeit führt dies auf eine mangelnde Differenzierung zwischen konzeptueller Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie auf zu emotionale Textvorlagen zurück, die den Schüler in seiner Erlebniswelt verhaften lassen.
Was schlägt die Autorin als Alternative zur klassischen Fehlerdiagnose vor?
Anstatt Texte nur als "defizitär" zu markieren, plädiert sie für einen philologischen und lernsensitiven Blick, der die individuellen Ausgangskompetenzen und Potenziale des Schülers in den Vordergrund stellt.
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- Magistra artium Yvonne Rudolph (Author), 2003, Schreibentwicklung als Erkenntnismodell, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27531