Kommunikation - Isolation. Seriegraphie 50 x 70 cm - Bericht zur fachpraktischen Prüfung


Unterrichtsentwurf, 2004

40 Seiten, Note: Sehr gut


Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. „ERZÄHLEN IN ZEICHNERISCHEN UND FOTOGRAPHISCHEN SEQUENZEN“
1.1 HINTERGRÜNDE DER VERANSTALTUNG
1.2 PRAKTISCHE VORÜBUNGEN IM SEMINAR

2. THEORETISCHER EXKURS UND HINTERGRÜNDE DES GESAMTKONZEPTES
2.1 POP ART ALS SPIEGEL DER VERMASSUNG: ANDY WARHOLS AVANTGARDE
2.2 DIE SERIE - VERORTUNG EINER KUNSTFORM
2.3 SIEBDRUCK ALS KLASSISCHES KÜNSTLERISCHES VERFAHREN IM ÜBERBLICK
3. DOKUMENTATION DER KÜNSTLERISCHEN AUSEINANDERSETZUNG
3.1 DER WEG ZUR IDEE
3.2 BESCHREIBUNG DER WERKREIHE
3.3 INTENTIONALE ANMERKUNGEN
3.4 UMSETZUNG DES ARBEITSVORHABENS IM DETAIL
3.4 ABSCHLUSSBETRACHTUNG UND REFLEXION

5. LITERATURHINWEISE

6. ABBILDUNGSNACHWEIS

7. ANHANG / BILDTEIL

1. „Erzählen in zeichnerischen und fotographischen Sequenzen“

1.1 Hintergründe der Veranstaltung

Im Sommersemester 2004 startet an der Universität Oldenburg ein Seminar im Kontext der ästhetisch - wissenschaftlichen Praxis mit dem Titel „Erzählen in zeichnerischen und fotographischen Sequenzen“ unter der Leitung von Prof. Dr. Jens Thiele und Sabine Wallach. Ziel der Veranstaltung ist die künstlerische Auseinandersetzung der Kunststudierenden mit bildnerischen Serien, Sequenzen und Zyklen. Theoretische und praktische Arbeitsanteile wechseln dabei einander ab. Die Studierenden1 haben die Möglichkeit eine Bandbreite verschiedener Techniken und Stile zu erproben. Schwerpunkte der aus den Praxisphasen erwachsenden Ideen und Arbeitsvorhaben liegen dabei unter anderem auf Zeichnung, Malerei, Collage und Fotographie.

Während sich der theoretische Veranstaltungsteil neben der exemplarischen Präsentation von Werken aus dem Repertoire diverser Gegenwartskünstler auch dem Training analytischen ´Handwerkszeugs´ zu spezifischen Werkformen erstreckt, bietet sich im Praxisteil die Möglichkeit, literarische Texte oder Textfragmente sowie weitere Impulse in Bildsequenzen umzusetzen und dabei selbst bildnerisch produktiv zu werden. Ebenso bleibt ausreichend Raum für umfassenden Austausch und Befruchtung der TeilnehmerInnen untereinander sowie zur Besprechungen eigener und fremder Arbeiten sowohl im gruppeninternen als auch individuellen Rahmen.

Hauptaufgabe zum Ende des Seminars ist die Durchführung eines eigenständigen Projekts in Form von Entwurf und Planung einer bildnerischen Konzeption sowie deren Übertragung in verschiedene mediale Formen.

Gegenstände und Auslöser dieser Konzeption können beispielsweise emotionale, materielle oder motivische Aspekte sein, Verfremdung, Aufladung oder Transformation vorhandener Bildfolgen sowie auch Dokumentation oder Konstruktion visueller Realitäten. Als primäre Medien kommen auch hierbei Zeichnung, Malerei, Collage und Fotographie zum Einsatz. Neben der Kreation eines ästhetischen Objekts in Form einer Bildfolge, welche über die Verdichtung eines Einzelbildes hinausgeht, beschreiben die Studierenden ihr Arbeitsvorhaben

in kurzer Berichtsform. Aus diesem Zusammenhang erwächst ebenso die fachpraktische Prüfung, deren Konzeption und Dokumentation dieser Bericht zum Inhalt hat.

Kapitel 1.2 dieses Berichtes beschreibt die wesentlichen Vorübungen, welche im Laufe des Semesters im Seminarrahmen stattfinden. Anschließend wird im Kapitel 2 das theoretische Hintergrundwissen meiner Konzeption erschlossen und aufgearbeitet. Kapitel 3 erläutert und reflektiert die Konzeption sowie deren praktische Umsetzung umfassend.

1.2 Praktische Vorübungen im Seminar

Aus den zahlreichen praktischen Übungen, die an nahezu jedem Sitzungstermin stattfinden, sollen hier die drei primären Praxisaufgaben, teils in Einzel- teils in Gruppenarbeit, als Vorbereitung des eigenen Projektes kurz dargestellt und deren eigene Ausgestaltung in Auszügen visuell dokumentiert werden.

Zu Semesterbeginn eröffnet die Veranstaltung nach der Klärung organisatorischer Fragen mit der Präsentation einer Auswahl sequentieller und serieller Arbeiten bekannter Künstler wie beispielsweise Andy Warhol, Hilla und Bernd Becher oder Duane Michals. Gleichzeitig werden auch anhand dieser Werke zentrale Begriffe und Kategorien thematisiert, sowie spezifische archetypische Werkformen herauskristallisiert.

Im Anschluss an diese Theoriephase vollzieht sich die Bearbeitung der ersten Praxisaufgabe. Hierbei gilt es, einen in schwarzweiß reproduzierten Auszug von sechs Illustrationen aus dem Kinderbuch von Peter Schössow mittels motivischer und sequenzieller Variation in eine neue Dramaturgie zu überführen. Die Ergebnisse werden anschließend im Seminar ausführlich besprochen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. I Gestaltungsanlass für die erste Praxisaufgabe: Illustrationen von Peter Schössow

In der zweiten praktischen Seminaraufgabe geht es um die bildnerisch narrative Ausgestaltung eines vorgegebenen Textfragmentes in Einzelarbeit. Der folgende Textauszug gilt als Impuls2 für die Kreation einer Folge von drei bis sechs Einzelbildern bei freier Technik. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Schaffung motivischer Konstanten innerhalb der Bildfolge. Auf der Folgeseite befindet sich ein Beispiel der Ausgestaltung mit zeichnerischen Mitteln:

- „ Ein Hund kam in die Küche und stahl dem Koch ein Ei. Da nahm der Koch den Löffel und schlug den Hund entzwei …“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. II Bildfolge zum Textfragment mit motivischen Konstanten (Leserichtung)

Im dritten Praxisblock dienen Fotographien oder Filmstills als Auslöser zur Gestaltung einer Serie oder Sequenz mit maximal zehn Einzelbildern. Die vorgegebenen Motive gilt es dabei innerhalb der Bildfolge einzubetten.

Während einer Seminarsitzung bilden sich Kleingruppen. Nach Motivwahl und Konzeptionierung produzieren die Gruppen ihre Bildfolge zumeist innerhalb eines Nachmittages mit den im universitären Rahmen zur Verfügung stehenden Materialien und Requisiten. In digitaler Form stehen die Ergebnisse in der folgenden Sitzung zwecks Nachbesprechung zur Verfügung. Eine Auswahl wird anderen Studierenden und Kunstinteressierten im Internetauftritt des Faches zur Verfügung gestellt.

Das folgende Motiv liegt dem Beispiel der Ausgestaltung zu Grunde:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. III Impulsmotiv zur Gestaltung einer fotographischen Sequenz

Im Ergebnis der Gruppenarbeit entsteht eine Sequenz von 10 Einzelfotographien in

Schwarzweiß, welche den Titel „Isolation“ trägt. Das Auslösermotiv wird innerhalb der Fotographien nachgestellt. Andere SeminarteilnehmerInnen stellen sich als Figuren zur Verfügung, so dass ebenso ein reger Austausch zwischen den Gruppen stattfindet. Die Darstellung demonstriert auf der ersten Ebene eindrucksvoll die Blickverengung des Protagonisten bis hin zum völligen Verlust des Sichtfeldes, welche in der Folge auf der zweiten Ebene nach und nach zum Verlust seines sozialen Netzes führt. Erreicht wird dies mit der Methode von Schuss und Gegenschuss, indem Außen- und Innensicht einander abwechseln. Je stärker die Hauptfigur mittels ihrer Hände ihr Blickfeld beschneidet, desto mehr verliert sie gleichzeitig sukzessive den Bezug zu den ihr wichtigen Menschen bis sie am Ende sowohl in der Innen- als auch Außensicht völlig isoliert auftritt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. IV Bildfolge „Isolation“ (Leserichtung mit Schuss - Gegenschuss - Methode)

Die beschriebenen Praxisteile mit den drei Primäraufgaben legen dabei sowohl methodisch als auch inhaltlich den Grundstein für das spätere individuelle Arbeitsvorhaben der Studierenden. Die zahlreichen Hinweise und Anregungen der SeminarleiterInnen beispielsweise bezüglich Literatur, Materialien und Medien stellen hierfür eine wichtige Hilfestellung dar. Nach dem Abschluss der Aufgabendurchführung im Seminarrahmen werden Präsentationstermine für die Zwischenergebnisse aus eigenen Projekten festgelegt. Teilweise steht zusätzlich Zeit für die häusliche Arbeit zur Verfügung. Infolge der Besprechung der Ideen, Konzepte und ergeben sich vielfältige wichtige Impulse für die weitere individuelle Ausgestaltung und Vollendung des eigenen Arbeitsvorhabens.

2. Theoretischer Exkurs und Hintergründe des Gesamtkonzeptes

2.1 Pop Art als Spiegel der Vermassung: Andy Warhols Avantgarde

Aufgrund der Tatsache, dass sich die Konzeption meiner Serie deutlich an Werkreihen aus der Epoche der Pop Art anlehnt, folgt an dieser Stelle ein kurzer theoretischer Exkurs. Im Besonderen sollen dabei die seriellen Arbeiten Andy Warhols fokussiert und dokumentiert werden, der sicherlich zu den konsequentesten und bedeutendsten Vertretern dieser Epoche gezählt werden darf. Daneben erschließt Kap. 2.2 verschiedene Aspekte zur Werkform Serie; in Kap. 2.3 soll die Technik des Siebdrucks als Medium und Grundlage meines Arbeitsvorhabens erläutert werden.

Der Begriff Pop Art bezeichnet aus heutiger Sicht eine Strömung der bildenden Kunst, die sich in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts herausbildete. Als Kürzel für popular art bezeichnet sie ein Konstrukt, welches sich am ehesten mit volkstümlicher oder populärer Kunst übersetzen lässt. Der Ursprung des Begriffs ist nach gegenwärtigem Stand der Forschung nicht vollständig geklärt. Immer noch wird der Neologismus dem englischen Kunstkritiker Lawrence Alloway zugeschrieben. Dieser schwächte jedoch schon frühzeitig die Behauptung ab, diesen Begriff geprägt zu haben. Im Jahre 1966 versuchte er klarzustellen:

- „ Imübrigen meinte ich damals mit diesem Begriff auch nicht dasselbe, was er heute beinhaltet. Ich benutzte den Ausdruck ebenso wie ´ Pop Culture ´ , um die Produkte der Massenmedien zu kennzeichnen und nicht die Kunstwerke, für die Elemente dieser Volkskultur Verwendung finden ( … ). “ 3

Trotzdem hatte sich die Bezeichnung spätestens ab Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts bereits etabliert. Sammler und Kunstkritiker wurden sukzessive für Arbeiten der Pop Art sensibilisiert, die Kunstrichtung erhielt schließlich die musealen Weihen. Die Strömung entwickelte sich in zwei voneinander unabhängigen Richtungen in London sowie den USA. Zumindest für die Schöpfungen der transatlantischen Künstler resümiert Klaus Honnef zum Teil das moderne Kommunikationswesen als Quelle dieser Kunst.4 Bilder und Motive der Pop Art wurden hauptsächlich Produkten der Massenindustrie entlehnt. Bedeutende Vertreter der Pop Art waren neben Andy Warhol unter anderem Roy Lichtenstein, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Claes Oldenburg und David Hockney.

Insbesondere neue Materialien wie Plastik, Kunstharzschaum und Acrylfarbe bevorzugten die Pop Art Künstler in ihren Gemälden, Collagen, Drucken, Skulpturen und Happenings, in denen oftmals profane Alltagsgegenstände dargestellt und verfremdet wurden. Die Strömung der Pop Art entstand auch als Reaktion auf den vorausgegangenen Expressionismus in den 40er Jahren. Diesen empfanden die Pop Art Künstler als zu intellektuell und von der Wirklichkeit losgelöst. Eine ihrer Hauptintentionen war die Überbrückung der Kluft zwischen Kunst und Leben, indem sie sich auf die Wirklichkeit des Alltags einließen. Damit beeinflussten sie nachhaltig nicht nur das Schaffen nachfolgender Künstler sondern auch Werbung, Musik, Mode und Design.

In ihren Werken spiegelte sich die Vulgarität der Massenkultur wider. Auf diese Weise versuchten sie eine Wahrnehmung der Realität zu erreichen, wie sie die realistische Malerei nicht erreicht hatte. Damit entsprach die Pop Art in vielerlei Hinsicht einem Ziel zeitgenössischer Strömungen der Kunst, Dinge der Alltagskultur ins Bewusstsein des Rezipienten zu rücken.

Entsprechend des Aufgreifens von Motiven aus der Massenkultur manifestierte sich die Pop Art vielfach in der Übernahme von Techniken der Massenproduktion. Das einzelne Kunstwerk wurde durch große Bildfolgen substituiert. Reproduktionstechniken wie den Siebdruck nutzen die Künstler zur Herstellung identischer Drucke in hoher Auflage. In diesem Umfeld nahm Andy Warhol eine wichtige Position ein. Geboren 1928 als Andrew Warhola in Pittsburgh beschäftige er sich bereits in seiner Jugendzeit intensiv mit Autogrammkarten, Drucken und Comic - Heften und zeigte ein ausgeprägtes zeichnerisches Talent. Nach dem Studium am Institute of Technology siedelte er 1949 nach New York über und arbeitete zunächst als Werbegraphiker für die aufstrebende Massenpresse. Sein Ruf machte ihn als Illustrator schnell über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Seine erste eigene Ausstellung bekam Warhol bereits 1952 in der Hugo Gallery in New York, es folgte eine weitere im Jahre 1959 im Museum of Modern Art.

Seine heute bekanntesten Werke entstanden in den 60er Jahren. Warhol malte alltägliche Artikel aus Massenproduktionen wie Suppendosen oder Cola Flaschen. Während er in seiner frühen Schaffensperiode noch mit klassischen Techniken wie Ölfarben und Leinwänden operierte, wird spätestens ab diesem Zeitpunkt der Siebdruck zur bevorzugten Technik des Künstlers. Hintergrund dieses methodischen Wandels war seine Idee, Massenprodukte nicht nur als Gegenstand seiner Kunst zu begreifen, sondern seine Kunstwerke selbst wie Massenprodukte zu vervielfältigen. Dieser Aspekt stellt die grundlegendste Neuerung seines Kunstschaffens dar.

[...]


1 Der Kürze halber sowie zwecks Übersichtlichkeit des Textbildes werden in diesem Aufsatz entweder nur die männliche, nur die weibliche oder beide Formen nacheinander verwendet. Die gewählte Form enthält somit keinerlei geschlechtsdifferenzierende Aussagen. Andernfalls wird an entsprechender Stelle gesondert darauf hingewiesen.

2 Der Textauszug gilt als Auslöser, darf aber nicht Grundlage zum Verständnis der Bildfolge sein.

3 Alloway, Lawrence. Die Entdeckung von Pop in England. In: Honnef, Klaus (Hrsg.). Pop Art. S. 6.

4 Honnef, Klaus. Pop Art. S.10.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Kommunikation - Isolation. Seriegraphie 50 x 70 cm - Bericht zur fachpraktischen Prüfung
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Kunst und Medien)
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
40
Katalognummer
V27544
ISBN (eBook)
9783638295741
Dateigröße
3533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Isolation, Seriegraphie, Bericht, Prüfung
Arbeit zitieren
Frank Kretschmann (Autor), 2004, Kommunikation - Isolation. Seriegraphie 50 x 70 cm - Bericht zur fachpraktischen Prüfung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27544

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