In der qualitativen, wie auch quantitativen Sozialforschung herrscht eine zunehmende methodische Vielfalt, mit einer jeweils inhaltlich unterschiedlichen Komplexität. Aus diesem Grund und in Hinblick auf eine Masterarbeit, war es ein großes Anliegen meinerseits, sich näher mit einer ausgewählten Methode zu beschäftigen.
In dieser Ausarbeitung wird daher ausführlich auf die Methodologie der Grounded Theory nach Anselm Strauss und Juliet Corbin eingegangen. Dabei wird zunächst allgemein in die qualitative Forschungsweise eingeführt (Kapitel 2). Anschließend folgt in Kapitel 3 der Kern der Arbeit: Die Grounded Theory wird in ihrer Vorgehensweise ausführlich expliziert. Schließlich folgt ein kritischer Teil (Kapitel 4) und das Schlusswort (Kapitel 5).
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Qualitative Sozialforschung – Paradigmen
3. Grounded Theory (nach Strauss & Corbin)
3.1 Theoretische Sensibilität
3.2 Theoretisches Sampling
3.3 Vergleichende Analyse
3.4 Theoretisches Kodieren – Herzstück der Grounded Theory
3.4.1 Offenes Kodieren
3.4.2 Axiales Kodieren
3.4.3 Selektives Kodieren
4. Kritik
5. Schlusswort
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich intensiv mit der Methodologie der Grounded Theory nach Anselm Strauss und Juliet Corbin auseinander, um deren Anwendungsprozess in der qualitativen Sozialforschung fundiert zu explizieren und kritisch zu reflektieren.
- Grundlagen der qualitativen Sozialforschung und deren Paradigmen
- Die systematischen Analyseschritte der Grounded Theory (Kodierverfahren)
- Methoden der Theoriebildung durch theoretisches Sampling und vergleichende Analyse
- Kritische Auseinandersetzung mit Validität und praktischer Umsetzung
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Offenes Kodieren
In diesem ersten Analyseschritt geht es um das Benennen und Kategorisieren interessanter Phänomene anhand der gesammelten Daten. Dies geschieht, indem die Daten auf Ähnlichkeiten und Unterschiede hin verglichen werden (Anstellen von Vergleichen) und kontinuierlich Fragen bezüglich der Phänomene gestellt werden, wie sie in den Daten zu finden sind (Stellen von Fragen) (vgl. Strauss/Corbin 1996, 44).
Um die Phänomene zu benennen, wird jeder einzelner Vorfall, der für ein Phänomen stehen kann - beispielsweise in einer Beobachtung, einem Satz oder Abschnitt – nach Auffälligkeiten und Brüchen untersucht und kodiert. Über jede Einheit werden Fragen gestellt wie: ‚Was ist das Grundproblem? Worum geht es? Warum? Wie? Wer? Wo?‘.
Auf der Suche nach Antworten kann der Forscher sein Vorwissen bezüglich der vermuteten Sinnzusammenhänge einbringen. Sodann entstehen zahlreiche Konzepte, die anschließend auf ihre Ähnlichkeit und Unterschiedlichkeit verglichen werden. Immer wenn kodiert wird empfiehlt es sich, direkt am Rand der Interviews oder Ähnlichen Memos zu schreiben.
Werden ähnliche Konzepte vorgefunden, die zu demselben Phänomen zu gehören scheinen, werden sie in einem nächsten Schritt in eine Kategorie eingruppiert. Zu diesem Zeitpunkt wird die Zusammenlegung der Konzepte in Kategorien jedoch noch als provisorisch angesehen. Jeder erstellten Kategorie wird ein Name zugewiesen, der jedoch abstrakter sein sollte, als die Namen, der um das Phänomen gruppierten Konzepte. Er sollte inhaltlich zu allen von ihm repräsentierten Daten logischerweise passen. Abbildung 3 soll die ersten Schritte veranschaulichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Diese Einleitung stellt die wachsende methodische Vielfalt in der Sozialforschung dar und skizziert das Ziel der Auseinandersetzung mit der Grounded Theory.
2. Qualitative Sozialforschung – Paradigmen: Dieses Kapitel erläutert die Grundpostulate qualitativer Forschung, wie die Einzelfallbezogenheit und die Bedeutung der Forscher-Gegenstands-Interaktion im Vergleich zur quantitativen Forschung.
3. Grounded Theory (nach Strauss & Corbin): Hier wird der Kern der Methodologie mit Fokus auf die induktive Vorgehensweise und die Verknüpfung von Datenerhebung und Analyse beschrieben.
3.1 Theoretische Sensibilität: Dieses Unterkapitel definiert die Fähigkeit des Forschers, Daten durch theoretisches Vorwissen und persönliche Erfahrung mit Bedeutung zu versehen.
3.2 Theoretisches Sampling: Es wird erklärt, wie die Datensammlung systematisch durch die theoretische Relevanz und die laufende Analyse gesteuert wird.
3.3 Vergleichende Analyse: Dieses Kapitel beschreibt das zentrale Werkzeug der ständigen Überprüfung von Hypothesen durch den Vergleich von Daten und Kategorien.
3.4 Theoretisches Kodieren – Herzstück der Grounded Theory: Hier wird die Brücke zur systematischen Theorieentwicklung geschlagen, die zwischen gegenstandsbezogenen und formalen Theorien unterscheidet.
3.4.1 Offenes Kodieren: Fokus auf das Aufbrechen von Daten und die erste Gruppierung in Kategorien.
3.4.2 Axiales Kodieren: Erläuterung der Zusammenhänge zwischen Kategorien mittels des Kodier-Paradigmas.
3.4.3 Selektives Kodieren: Beschreibung der Integration aller Ergebnisse zur zentralen Kernkategorie.
4. Kritik: Eine reflektierte Auseinandersetzung mit methodischen Einwänden, etwa zur Frage der Validität und des Fehlens klarer Abbruchkriterien.
5. Schlusswort: Zusammenfassende Einschätzung der Grounded Theory als Bereicherung der qualitativen Forschung zur Theoriegenerierung.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Grounded Theory, Qualitative Sozialforschung, Kodier-Paradigma, Theoretisches Sampling, Theoretische Sensibilität, Offenes Kodieren, Axiales Kodieren, Selektives Kodieren, Kernkategorie, Theoriebildung, Induktives Vorgehen, Empirische Forschung, Gegenstandsbezogene Theorie, Vergleichende Analyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine fundierte methodische Dokumentation der Grounded Theory nach Anselm Strauss und Juliet Corbin als zentrales Verfahren qualitativer Sozialforschung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben den theoretischen Grundlagen stehen die systematischen Kodierschritte (offen, axial, selektiv), das Sampling und der Umgang mit theoretischer Sensibilität im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die explizite Darstellung der methodischen Vorgehensweise, um dem Leser den Prozess der Theorieentwicklung aus Daten heraus nachvollziehbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit selbst ist eine theoretische Ausarbeitung (Literaturanalyse), die sich auf die Methodologie der Grounded Theory stützt, um deren Anwendungsmöglichkeiten in der Sozialforschung zu erörtern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Grounded Theory, die Erklärung der Kodiertechniken sowie die kritische Reflexion des Verfahrens anhand fachwissenschaftlicher Einwände.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Kodier-Paradigma, Theoriebildung, Induktion, Kernkategorie und theoretische Sättigung geprägt.
Was ist die Besonderheit des „Kodier-Paradigmas“ in der Arbeit?
Das Kodier-Paradigma dient als Instrument, um Phänomene in ihrem Kontext, unter Berücksichtigung von Handlungsstrategien und Konsequenzen, in ein Beziehungsgeflecht zu bringen.
Wie begegnet die Arbeit der Kritik an der Grounded Theory?
Die Arbeit führt kritische Stimmen, wie etwa von Spöhring oder Lamnek, an und kontrastiert diese mit dem Anspruch von Strauss und Corbin, eine Brücke zwischen Theorie und empirischer Realität zu schlagen.
Welchen Stellenwert nimmt die Kernkategorie ein?
Die Kernkategorie stellt das zentrale Phänomen dar, welches alle anderen entwickelten Kategorien integriert und somit die Grundlage der theoretischen Aussage bildet.
- Arbeit zitieren
- Caroline Siwiecki (Autor:in), 2012, Grounded Theory als Methodologie qualitativer Sozialforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275514