Im ersten Abschnitt seiner "Enquiry Concerning Human Understanding" hält David Hume ein Plädoyer für die "schwerverständliche", spekulative Philosophie, die er gegenüber der erbaulichen, "leichten" Lebensphilosophie zu kurz gekommen glaubt. Als Beispiel eines unzureichend gewürdigten Vertreters der "schwerverständlichen" Philosophie nennt er dabei N. de Malebranche. Dies hat mich dazu bewogen, die "Enquiry" mit Bezug auf Malebranche zu untersuchen. Den Perzeptionsbegriff zum Gegenstand dieser Untersuchung zu machen, war dann insofern naheliegend, als er einer der wichtigsten Schlüsselbegriffe der Humeschen Philosophie darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorbemerkung
2 Allgemeines zum Perzeptionsbegriff
2.1 Mehrdeutigkeit des Wortes
2.2 Begriffsgeschichte
3 Die Perzeption in Humes »Enquiry«
3.1 Perzeptionsarten
3.2 Ablauf und Stellenwert des Perzipierens
3.3 Bewusstes und unbewusstes Perzipieren
3.4 Perzipieren und Realität
4 Die Perzeption in Malebranches »Recherche«
4.1 Perzeptionsarten
4.2 Ablauf und Stellenwert des Perzipierens
4.3 Bewusstes und unbewusstes Perzipieren
4.4 Perzipieren und Realität
5 Die Konzepte im Vergleich
6 Kritik
6.1 Die Intersubjektivität der Grenzziehung Eindruck/Vorstellung
6.2 Das Problem angeborener Vorstellungen
6.3 Humes eigener Einwand: Das Problem der Farbähnlichkeit
7 Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der Perzeption bei David Hume unter gezielter Bezugnahme auf die Philosophie von Nicolas de Malebranche, um zentrale erkenntnistheoretische Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Umgang mit Wahrnehmung und Realität herauszuarbeiten.
- Analyse des Perzeptionsbegriffs bei Hume und Malebranche
- Vergleich der erkenntnistheoretischen Konzepte von "Eindruck" und "Idee"
- Untersuchung der Rolle Gottes versus des instinktiven Naturalismus
- Kritische Reflexion der Grenzziehung zwischen Perzeption und Realität
Auszug aus dem Buch
Die Perzeption in Humes »Enquiry«
Im Zentrum von Humes Überlegungen zum Perzipieren steht die scharfe Unterscheidung zwischen unmittelbaren Perzeptionen (z. B. »[der] Schmerz übermäßiger Hitze oder die Wohltat angenehmer Wärme«) und ihrer Reflexion, wie im Erinnern an vergangene, im Vorwegnehmen zukünftiger Perzeptionen oder in ihrer sprachlichen Wiedergabe. Zu den unmittelbaren Perzeptionen gehören dabei auch Gefühlsregungen wie Zorn – es wird also nicht primär zwischen inneren und äußeren Perzeptionen differenziert.
Der Unterschied zwischen unmittelbaren und reflektierten Perzeptionen besteht in der unhintergehbaren großen ‘Lebendigkeit’ (»vivacity«, vom Adjektiv »lively«) der ersteren; nie kann eine Reflexion so deutlich sein wie eine unmittelbare Perzeption: »Der lebendigste Gedanke ist immer noch schwächer als die dumpfeste Wahrnehmung.« Für Hume ist dieser Unterschied völlig evident: »Es bedarf keines Scharfsinnes oder eines metaphysischen Kopfes, um den Unterschied zwischen beiden festzustellen.«
Es werden darauf Termini für diese beiden Perzeptionsarten definiert: Die primären, klaren sollen Eindrücke (»impressions«) heißen, die sekundären, unklaren dagegen Gedanken bzw. Vorstellungen (»thoughts« bzw. »ideas«); ich werde hier durchgängig »Vorstellung« verwenden, da das Wort »Idee« nicht nur stärker belastet ist, sondern bei Malebranche anders gebraucht wird. Die Eindrücke differenzieren sich dabei in äußere und innere (»outward and inward sentiments«). Es ergibt sich also das Schema nach Abbildung 1.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorbemerkung: Einleitung in die Themenstellung und Begründung der Wahl von Hume und Malebranche als Untersuchungsobjekte.
Allgemeines zum Perzeptionsbegriff: Klärung der Begrifflichkeiten und der historischen Einordnung des Perzeptionsbegriffs.
Die Perzeption in Humes »Enquiry«: Detaillierte Analyse von Humes Einteilung in Eindrücke und Vorstellungen sowie die Rolle des instinktiven Naturalismus.
Die Perzeption in Malebranches »Recherche«: Untersuchung der bei Malebranche zentralen Rolle Gottes und seiner spezifischen Ideenlehre.
Die Konzepte im Vergleich: Systematische Gegenüberstellung der beiden erkenntnistheoretischen Modelle hinsichtlich Bewusstheit und Realitätsbegründung.
Kritik: Kritische Auseinandersetzung mit Humes Grenzziehung zwischen Eindruck und Vorstellung sowie dem Problem der Farbähnlichkeit.
Schlussbemerkung: Fazit zur Bedeutung Humes für den modernen Empirismus und Zusammenfassung der Erkenntnisse aus dem Vergleich mit Malebranche.
Schlüsselwörter
David Hume, Nicolas de Malebranche, Perzeption, Wahrnehmung, Eindruck, Vorstellung, Erkenntnistheorie, Empirismus, Naturalismus, Kausalität, Gottesbegriff, Intelligible Ausdehnung, Erkenntniskritik, Philosophie des 17. Jahrhunderts.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Perzeptionsbegriff bei David Hume, insbesondere in seiner »Enquiry«, und vergleicht diesen mit den Auffassungen von Nicolas de Malebranche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Natur der Wahrnehmung, die Unterscheidung zwischen Eindrücken und Vorstellungen sowie die erkenntnistheoretische Begründung der Realität der Außenwelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hume und Malebranche den Prozess des Perzipierens definieren und wie sie jeweils mit den Grenzen der menschlichen Erkenntnis umgehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende Textanalyse, die beide Autoren in den Kontext ihrer erkenntnistheoretischen Voraussetzungen stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Perzeption bei Hume und Malebranche, gefolgt von einem direkten Vergleich und einer kritischen Auseinandersetzung mit Humes Modell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Perzeption, Eindruck, Vorstellung, Empirismus, Naturalismus und Erkenntnistheorie.
Wie unterscheidet sich Malebranches Ansatz von Humes Naturalismus?
Malebranche begründet die Sicherheit der Wahrnehmung durch Gott, während Hume den Rückgriff auf Metaphysik ablehnt und sich auf einen instinktiven Naturalismus beruft.
Welche Bedeutung hat das "Problem der Farbähnlichkeit" in der Arbeit?
Es dient als Beispiel für einen von Hume selbst formulierten Einwand gegen seinen empiristischen Hauptsatz, der die Schwierigkeiten bei der strikten Trennung von Eindruck und Vorstellung verdeutlicht.
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- Matthias Warkus (Author), 2004, Der Begriff der Perzeption in David Humes "Enquiry" unter Bezugnahme auf de Malebranche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27552