Kinder in ihrem Tun zu beobachten und wahrzunehmen ist schon lange ein wichtiger Bestandteil im Handeln von frühpädagogischen Fachkräften und insofern nicht neu. Jedoch fand erst binnen des letzten Jahrzehnts die Beschreibung der Kindertageseinrichtungen als Bildungsorte, in bildungspolitischen Maßnahmen und in der frühpädagogischen Praxis, eine Entsprechung. Besonders hervorzuheben sei in diesem Kontext die Publikation der ersten PISA Ergebnisse. Obwohl es sich in dieser Untersuchung um unzureichende Leistungen von Schülerinnen und Schüler handelt, trug diese maßgeblich zu einer „gesellschaftlichen Neuentdeckung der Bedeutung frühkindlicher Bildung“ bei (Leu u.a. 2007, S. 11). Seitdem entstanden neben Veröffentlichungen von Rahmen-, Orientierungs- und Bildungsplänen, auch eine Bandbreite an Maßnahmen, die kindliche Bildungsprozesse professionell unterstützen sollen - so zum Beispiel vielfältige Beobachtungs und Dokumentationsverfahren.
Es wird ein kurzer Überblick über die bunte Landschaft der Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren gezeigt Anschließend wird auf die wahrnehmende Beobachtungsform nach Gerd Schäfer einzugehen. Dieses Verfahren ist für die pädagogische Praxis sehr empfehlenswert, um kindliche Bildungsprozesse nachvollziehbar zu machen und um diese im Anschluss begleitend unterstützen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren in der frühpädagogischen Landschaft in Deutschland
2.1 Vielfalt und Varianz
2.2 Wahrnehmendes, entdeckendes Beobachten als wesentlicher Teil professioneller Kompetenz von pädagogischen Fachkräften
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Beobachtung und Dokumentation als zentrale Instrumente zur Begleitung kindlicher Bildungsprozesse im frühpädagogischen Alltag und reflektiert dabei kritisch auf die praktische Umsetzung aktueller bildungspolitischer Anforderungen.
- Methodische Vielfalt und Varianz von Beobachtungsverfahren
- Kritische Analyse der Anforderungen in Bildungsplänen
- Unterscheidung zwischen gerichteter und ungerichteter Aufmerksamkeit
- Bedeutung der wahrnehmenden, entdeckenden Beobachtung nach Gerd Schäfer
- Reflexion als Voraussetzung für professionelles pädagogisches Handeln
Auszug aus dem Buch
2.2 Wahrnehmendes, entdeckendes Beobachten als wesentlicher Teil professioneller Kompetenz von pädagogischen Fachkräften
Der Grundgedanke ist die Annahme, dass jeglichem kindlichen Tun ein Sinn zugrunde liegt, auch wenn es aus der Außenansicht unsinnig erscheinen mag. Insofern ist die Voraussetzung einer wertschätzenden Haltung gegenüber dem zu beobachtenden Kind gegeben, zumal es in seiner Individualität respektiert und anerkannt wird.
Um möglichst vieles wahrzunehmen, was Kinder indirekt oder direkt über sich, ihre Erlebnisse und Gedanken mitteilen werden zum einen eine Vielperspektivität und zum anderen eine Aufmerksamkeit für das Unerwartete gefordert. Es geht darum, alles zu erfassen, was die Aufmerksamkeit der eigenen Wahrnehmungen erregt.
Die Herangehensweise der Beobachtung zeichnet sich also speziell durch ihre Offenheit aus, indem möglichst viele Blickweisen und überraschende, von den eigenen Erwartungen oder mental vorgefertigten Kategorien abweichende, Verhalten zugelassen werden (vgl. ebd.). Schäfer spricht in diesem Kontext von wahrnehmender Beobachtung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel verortet die Beobachtung und Dokumentation im Kontext aktueller bildungspolitischer Diskurse und betont deren Notwendigkeit für die Gestaltung kindlicher Bildungsprozesse.
2. Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren in der frühpädagogischen Landschaft in Deutschland: Hier wird die methodische Vielfalt der Beobachtungsverfahren kritisch beleuchtet und das Modell der wahrnehmenden, entdeckenden Beobachtung als professionelle Kernkompetenz herausgearbeitet.
Schlüsselwörter
Beobachtung, Dokumentation, Frühpädagogik, Bildungsprozesse, pädagogische Fachkräfte, wahrnehmende Beobachtung, Bildungspläne, pädagogische Praxis, Reflexion, Selbstbildung, Professionalisierung, Kindertageseinrichtungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der zentralen Rolle von Beobachtung und Dokumentation als professionelle Aufgaben für Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen zur Unterstützung kindlicher Bildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die methodische Vielfalt der Beobachtungsverfahren, die Umsetzung bildungspolitischer Vorgaben in die Praxis sowie die Bedeutung einer wahrnehmenden Haltung der Fachkraft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen geforderten Beobachtungsverfahren in Bildungsplänen und deren praktischer Anwendung aufzuzeigen und das Konzept nach Gerd Schäfer als Lösung für eine ganzheitliche Beobachtung vorzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse von Fachliteratur, Bildungsplänen und einschlägigen Beobachtungskonzepten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die aktuelle Beobachtungslandschaft in Deutschland, diskutiert Probleme der Strukturvorgaben und erläutert detailliert das Prinzip der wahrnehmenden, entdeckenden Beobachtung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Frühpädagogik, Bildungsprozesse, Dokumentation, professionelle Reflexion und wahrnehmende Beobachtung geprägt.
Welche Problematik sieht die Autorin bei den gängigen Beobachtungsbögen?
Die Autorin kritisiert, dass viele standardisierte Beobachtungsbögen zu einer einseitigen Defizitorientierung führen und die Ganzheitlichkeit der kindlichen Entwicklung vernachlässigen.
Warum ist die Reflexion für die pädagogische Fachkraft so wichtig?
Reflexion ist essenziell, um die eigenen Gefühle und biographischen Erfahrungen vom beobachteten Kind zu unterscheiden und so eine professionelle, entdeckende Beobachtungshaltung einzunehmen.
Wie unterscheidet sich die "gerichtete" von der "ungerichteten" Aufmerksamkeit?
Gerichtete Aufmerksamkeit folgt vorgegebenen diagnostischen Kategorien, während ungerichtete Aufmerksamkeit offen für individuelle, unerwartete Bildungsprozesse des Kindes bleibt.
- Arbeit zitieren
- Caroline Siwiecki (Autor:in), 2012, Beobachten und Dokumentieren. Eine zentrale Aufgabe frühkindlicher Fachkräfte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275522