Das Phänomen Amok

Grundlagen, Medien und Prävention


Hausarbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Phänomen Amok
2.1 Begriffserklärung
2.2 Beispiele
2.3 Phasenartiger Ablauf
2.4 Ursachen

3 Medialer Rahmen
3.1 Analyse des Songs Momo für Alle
3.2 Zensur als Konsequenz?
3.3 Amok- Medien-Normalität?

4 Prävention für Amokläufe
4.1 Warnsignale
4.2 Verantwortlichkeiten
4.3 Beispiele für Präventionsmaßnahmen
4.4 Fazit

5 Literaturangaben

1. Einleitung

Nicht erst durch den Amoklauf eines 18jährigen im September 2009 in Ansbach ist ein derartiges Gewaltverhalten in aller Munde. Der Begriff „Amok“ wird vielfach mit der Assoziation eines besonders irrationalen Verhaltens verbunden, welches sich durch eine starke Dynamik und einen hohen Kontrollverlust äußert. In dieser Ausarbeitung wird zum einen die Handlung und die Präventionsmöglichkeiten von Amokläufen behandelt, aber auch der Begriff Amok in Verbindung mit den Medien. Durch Berichtserstattungen von z.B. Massenmedien wie TV, Zeitung oder Radio wird Amok immer mehr publiziert, aber auch durch den „lockeren“ Sprachgebrauch heutzutage „scheint“ Amok bzw. Amoklauf zur „Tagesordnung“ zu gehören. Hieraus resultiert die Frage, ob derartige Gewaltausbrüche zur Normalität gehören bzw. akzeptiert werden?

Es werden zwar viele Informationen über das Phänomen in wissenschaftlichen Literaturen gegeben, doch auch bei genauerer Recherche erweist sich schon allein der Versuch einer Definition als schwierig, da ein Amoklauf sich nicht durch eine einzige Handlung charakterisieren lässt, sondern verschiedene Handlungen benutzt werden, die strafrechtlich zu Konsequenzen führen. Ein weiterer Problempunkt ist natürlich auch die medizinische Sicht, die ein Täterprofil über die Betrachtung vorübergehender oder dauerhafter Persönlichkeitsstörungen nur begrenzt erstellen kann.

Nicht wenige Amokfälle scheinen aus alltäglichen Situationen heraus zu entstehen, die durch ihre Gewöhnlichkeit und Vertrautheit nicht darauf schließen lassen, dass sie Grundlage für eine extrem aggressive Handlung werden könnten. Die Frage, die sich hier zu stellen lässt, ist zum einen, in wieweit Medien dazu beitragen, dass Amok in unserer heutigen Gesellschaft akzeptiert wird und zum anderen, ob die Medien selber aufgrund dessen stärker zensieren werden sollten. Stellvertretend für Gewaltdarstellungen in Medien ziehe ich hierfür einen Song heran.

2. 1 Begriffserklärung

Etymologisch gesehen leitet sich das Wort „Amok“ aus dem malaiischen Begriff „amuk“ ab, das „zornig“ oder „rasend“ bedeutet. Unter den Völkern des malaiischen Archipels kannte man den spontanen, ungeplanten und mörderischen Angriff gegen unbeteiligte Personen, der sowohl als Kampftaktik verwendet wurde als auch individuelle Gründe hatte, um z.B. der Versklavung zu entkommen und einen „ehrenvollen“ Tod zu finden . Ein Jahrhundert später wird zudem von religiösen Ursachen berichtet. Bis zum Ende der Kolonialzeit galt in diesen

Regionen Amok als eine mehr oder weniger akzeptierte Form des politischen Widerstandes.

Im 17. Jahrhundert wandert der Ausdruck ins portugiesische, holländische und englische Vokabular ein, da die Kolonialbehörden dieser Länder mit diesem Extremverhalten erhebliche Probleme hatten. Aber Amokläufe sind nicht regional oder zeitlich beschränkt. Soweit die Forschung herausgefunden hat, gab und gibt es Amok in mehr oder minder ähnlicher Form auch in anderen Kulturen zu allen Zeiten. Umgangssprachlich gilt Amok inzwischen als erweiteter Begriff für jede blindwütige Aggression.

Eine eindeutige Definition von Amok liegt zur Zeit nicht vor. Laut Wikipedia ist Amok „eine psychische Extremsituation, die durch Unzurechnungsfähigkeit und absolute Gewaltbereitschaft gekennzeichnet werden kann“.1 Der Amokläufer befindet sich demzufolge in einer derart schwierigen Situation, die ihn unberechenbar werden lässt, er eine Art „Tollwut“ an den Tag legt, sodass er alles anfällt, was ihm über den Weg läuft. Der Täter realisiert nicht, was er seinen Mitmenschen antut. Problematisch ist an dieser Definition die Aussage, dass der Amokläufer unzurechnungsfähig ist und zudem strafrechtlich nicht für seine Taten belangt werden kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Amok sehr allgemein als eine „willkürliche, anscheinend nicht provozierte Episode mörderischen oder erheblichen fremd zerstörerischen Verhaltens“.2 Der Psychiater Lothar Adler erweitert den Begriff und sieht im Amoklauf eine Sonderform der Gewalttat, die durch eine zumindest äußerlich gesehen impulsive Handlung, die zum Tode führen kann, sowie durch die Grund- und Wahllosigkeit des Tötens, und dem suizidalem Charakter der Handlung gekennzeichnet ist. Dabei sei es „kein kurzer ´Ausraster´ Betrunkener, sondern eben eine Tat mit überwiegend klarem Entschluss“.3

2.2 Beispiele zu Amokläufen

„Gleichgültig zu welchem Zeitpunkt, es liegen aktuelle, unter Amok publizierte Fälle von forcierten, massakerartigen Gewaltausbrüchen in Schulen, Arbeitsämtern, Kirchen oder Bahnhöfen nur wenige Tage oder Wochen zurück“.4

- 7. 11. 2007 , Finnland (Tuusula), eine 18- jährige tötet sieben Schüler und eine Schulleiterin
- 15.4.2007, USA (Blacksburg), ein 23 jähriger südkoreanischer Student tötete 31 Studenten und Dozenten in einer Hochschule
- 31. 7. 2005, Mexiko (Acapulco), ein 35 jähriger tötet mit Messer und Pistole zehn Menschen
- Im März 1996, Schottland, (Dunblane), ein 43 Jahre alter Jugendbetreuer erschießt in einer Turnhalle 16 Erstklässler, deren Lehrerin und sich selbst.
- 4. 12.1986 Kolumbien (Bogota) , ein Vietnam-Veteran ersticht und erschießt 29 Menschen, bevor ihn die Polizei tötet5

Deutsche Amokläufe:

- 17.9.2009, Ansbach, ein 18 jähriger stürmt mit Axt, Messer und Molotowcocktails ein Gymnasium und verletzt 10 Schüler
- 11.3.2009 Winnenden, eine 17jähriger erschießt 11 Menschen
- 20.11.2006, Emsdetten, ein 18-jähriger erschießt elf Menschen in seiner ehemaligen Realschule.
- 27.5.2006, Berlin, ein 16 jähriger sticht im Hauptbahnhof auf 35 Passanten ein.
- 26.4.2002, Erfurt , ein 18-jähriger erschießt an seiner alten Schule 16 Menschen6

Das Fazit, das aus diesen Beispielen herauskristallisiert werden kann, ist zum einen, dass Amok in der ganzen Welt passiert. Zum anderen sind Amokläufer eher in einer jungen Altersgruppe von 14- 40 Jahren zu finden, doch insgesamt gesehen verstreuen diese sich auf alle Altergruppen. Ebenfalls beweisen Statistiken, dass es überwiegend männliche Amokläufer gibt, die zu solchen derartigen Gewaltausbrüchen fähig sind. Die Orte des schrecklichen Geschehens sind in verschiedenen Institutionen vorzufinden, aber auch an öffentlichen Plätzen.

2.3 Phasenartiger Ablauf

Beim Vergleich von Amokläufen der Vergangenheit hat Schünemann 1992 einen phasenartigen Ablauf festgestellt.

Der Täter befindet sich zu Anfang im Vorstadium, in dem er laut Schünemann „brütet“ und „grübelt“. Diese Phase ist gekennzeichnet durch Zurückweisungen, Demütigungen, Kränkungen zumindest aus der Sicht des Betroffenen, die zu einem depressiven und von der Umwelt isolierenden Verhalten führt. Wenn die Belastung unerträglich wird und derjenige eine bestimmte Wesensart hat, ist ein Amoklauf nicht mehr auszuschließen. Er entwickelt einen Plan (Form, Ort, Zeit, Waffenwahl), um die Gesellschaft, die ihm Schaden zugefügt hat, ebenso zu verletzten bzw. zu zerstören. Irgendetwas, oftmals für die Umgebung gar nicht so gravierendes, belastendes Ereignis löst die Tat letztendlich aus. Untersuchungen Adlers zeigen Konflikte mit Behörden, Arbeitgebern, in Partnerschaften oder Objektverluste als Auslöser. Es sind Situationen, die bei anderen höchstens zu einer Krise geführt hätten. In der zweiten Phase befindet er sich in der Tat, wo er den massakerartigen Gewaltausbruch auslebt und entweder gezielt Menschen verletzt oder sogar tötet. Dies findet in öffentlichen Räumen statt. Oftmals beginnt der Amoklauf bei sozial nahestehenden Personen und weitet sich dann wahllos auf Fremde aus. Die oft mehrstündige „Raserei“ endet mit einem Suizid oder der Überwältigung des Täters bis hin zur Tötung desselben. Überlebende Täter geben vor, keine Motive gehabt zu haben bzw. sich nicht an die Tat erinnern zu können.7

2.4 Ursachen

Ein einzelnes Motiv bzw. eine Ursache für den Amoklauf gibt es nicht. Es treffen unterschiedliche Gründe aufeinander, so dass es zu einem Ursachengeflecht wird. Generell ist zu sagen, dass auslösende Motive die Anlässe, aber nicht die eigentlichen Ursachen sind. z. T. ist es sehr schwierig, fundierte Untersuchungsergebnisse zu erhalten, da häufig der Amoklauf für den Täter tödlich endet. Diskutiert werden Ursachen aus psychiatrischer, biologischer und psychosozialer Sicht.

Dass Amokläufer seelisch krank sind, ist allein schon aufgrund der Tat nachvollziehbar. Laut amerikanische Untersuchungen weisen die bisherigen Täter 40- 67% psychische Störungen wie Psychosen, Wahnerkrankungen, Persönlichkeitsstörungen auf, nach Adler 55%. Dazu können ebenso Drogen beitragen.

Eine ganz neue Theorie ist aber ein eher von der Natur beeinflussbarer Faktor. Dieser derartige Gewaltausbruch kann auch durch eine biologische Störung im Gehirn verursacht werden, Das Hauptmerkmal dieser Störung ist das Auftreten von Episoden, in denen Betroffene nicht in der Lage sind ihre aggressiven Impulse zu widerstehen. Die eigentliche Ursache dieses Problems liegt im Gehirn, denn dann liegt ein Mangel von Serotonin (Botenstoff im Gehirn) vor, der z.B. bei frühen Entwicklungsstörungen auftritt.8

[...]


1 http://de.wikipedia.org/wiki/Amok

2 http://www.psychosoziale-gesundheit.net/seele/pdf/amok_int2_faust.pdf

3 http://www.db-thueringen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-1297/adler.html

4 Christian s,H.(2008).Amok, S. 15 .

5 vgl. Christian s,H.(2008).Amok, S. 15,16

6 http://www.spiegel.de/thema/amoklaeufer/

7 vgl. ebenda

8 vgl. http://www.psychosoziale-gesundheit.net/seele/pdf/amok_int2_faust.pdf, S. 3- 7).

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Phänomen Amok
Untertitel
Grundlagen, Medien und Prävention
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Sportwissenschaft und Sportpädagogik)
Veranstaltung
Sport und Gewalt
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V275540
ISBN (eBook)
9783656682516
ISBN (Buch)
9783656682493
Dateigröße
1304 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
phänomen, amok, grundlagen, medien, prävention
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts (B.A.) Tobias Zapf (Autor), 2010, Das Phänomen Amok, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275540

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