Anfang der 80er Jahre lag in der Sportdidaktik eine sehr einseitige Sportorientierung vor, die sich nur sehr wenig mit pädagogisch relevanten Fragestellungen beschäftigte.
Dieses Konzept wird auch die pragmatische Sportdidaktik genannt. Dieses Konzept geriet unter den nächsten Jahren immer mehr unter Kritik, welches unter Dieter Lenzens verstärkt wurde, der die Berechtigung des Schulfaches Sport anzweifelte. Dieses führte zu einer großen Diskussion und Infragestellung des
damaligen Konzeptes des Sportunterrichts. Dadurch, dass die Kritik immer mehr an dem pragmatischen Konzept zunahm, kam es zu einer Umgestaltung des bisher vorherrschenden Models.
Ende der 90er Jahre entwickelte sich das vorangegangene Konzept in den erziehenden Sportunterrichts.
Unter einem erziehenden Unterricht versteht man einen sogenannten Doppelauftrag des Sportunterrichts, der eine Erziehung zum Sport und eine Erziehung durch Sport
gewährleisten. In diesem Zusammenhang stellt sich also die zentrale Frage im schulischen Alltag, was denn überhaupt guter Sportunterricht ist. Hierzu dienen sog. Gütekriterien, die sich auf
den praktischen Unterricht anwenden lassen und so Auskunft über die Qualität des tatsächlich erfolgten Unterricht geben können. In seiner Begrifflichkeit ist der Sportunterricht sehr komplex und fordert daher zur Bildung von Kriterien heraus. Diese Kriterien wiederum dienen der Zergliederung in die
Merkmale guten Unterrichts. In diesem Zusammenhang ist der Entwurf von Gütekriterien eine Möglichkeit den Begriff „guter zielführender Sportunterricht“ aus der individuellen in eine verbindliche Erklärung zu überführen. (...)
Die Auswahl der Inhalte des Sportunterrichts und ihre Umsetzung zu gutem Sportunterricht, also Gütekriterien, führt nicht zum entwicklungsförderlichen und bildungsrelevanten Ergebnisses, sondern die Art der didaktischen Thematisierung.
Es stellt sich also die Frage:
Was ist guter Sportunterricht? Und welche Normen und Qualitätsmerkmale sind wichtig für den Sportunterricht?
Die vorliegende Ausarbeitung basiert auf den Erfahrungen meines Sportfachpraktikums an einer Grundschule mit einer 4 Klasse. Ziel dieser Arbeit ist es eine der in der Literatur gebildeten Gütekriterien, die von mir ausgewählt und zu Beginn vorgestellt werden, darzustellen. Die Kriterien wurden beachtet bei dem entwerfen meiner Unterrichtsstunde und wurden anhand dessen analysiert und bewertet.nde und wurden anhand dessen analysiert und bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gütekriterien des Sportunterrichts
2.1 Strukturierung des Unterrichts
2.2 Optimale Nutzung der zur Verfügung stehenden Zeit
2.3. Lange motorische Aktivitäten
2.4 Methodenvielfalt
2.5 Stimmigkeit der Ziel-, Inhalts- und Methodenentscheidungen
2.6 Förderliches Unterrichtsklima
2.7 Sinnstiftendes Unterrichtsgespräch
2.8 Bewusstes Fördern und Üben
2.9 Schülerfeedback
2.10 Klare Leistungserwartungen und Kontrollen
3. Die Anwendung der Gütekriterien auf die Unterrichtsstunde vom 16.12.11
3.1 Klare Strukturierung der Unterrichtsstunde „Schlagball“
3.2 Optimale Zeitnutzung der Unterrichtsstunde
3.3 Lange motorische Aktivitäten der Schülerinnen
3.4. Angewandte Vielfalt der Methoden
3.5 Stimmigkeit der Ziel-, Inhalts- und Methodenentscheidung in der analysierten Sportstunde
3.6 Förderliches Unterrichtsklima während meiner Unterrichsstunde
3.7 Sinnstiftende Unterrichtsgespräche
3.8 Bewusstes Fördern und Üben in Gruppen bzw. individuell
3.9 Schüler-Feedback innerhalb meiner Sportstunde
3.10 Klare Leistungserwartungen ohne Benotungskontrolle in diesem Sportunterricht
4. Reflexion der Unterrichtsstunde vom 21.06.12
5. Kritische Betrachtung der Gütekriterien
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die theoretische Auseinandersetzung mit Gütekriterien im Sportunterricht und deren praktische Anwendung, Analyse und Bewertung in einer selbst durchgeführten Unterrichtsstunde an einer Grundschule.
- Entwicklung und Darstellung von Gütekriterien für guten Sportunterricht
- Analyse des erziehenden Sportunterrichts als pädagogisches Konzept
- Praktische Erprobung und Reflexion unterrichtsbezogener Gütekriterien
- Bedeutung von Lehrerpersönlichkeit und individueller Förderung
- Evaluation von Methodenvielfalt und Feedback-Kulturen im Sportunterricht
Auszug aus dem Buch
3.8 Bewusstes Fördern und Üben in Gruppen bzw. individuell
Die Gruppe variiert in den Punkten Leistungsstand, Vorerfahrungen und körperlicher Entwicklungsstand, bzw. Dispositionen. Von den 10 Schülerinnen war mir bekannt, dass die Schülerin K. in der Freizeit dem Fußballspiel auf Vereinsebene nachgeht. Bereits in der vorangegangenen Stunde zeigte sich der vergleichsweise höhere Leistungsstand der Schülerin K., so dass ich für sie eher anspruchsvollere Übungen im Vorfeld ausgewählt habe. Neben der Schülerin K. zeigte auch Schülerin A. in der vorgeschalteten Stunde, dass sie über ein hohes fußballerisches Potenzial verfügt.
Basierend auf diesen Beobachtungen entschied ich mich beide Schülerinnen als Unterstützung in den Lehrprozess einzubinden. In beiden Übungsformen sollten sie daher ihren Mitschülerinnen zur Seite stehen, in dem sie ihnen Verbesserungstipps gaben oder auf mögliche Fehler aufmerksam machten. Die Übungsformen waren in sich durch drei Teilaufgaben, der Schwierigkeit nach aufsteigend, untergliedert. Dies sollte gewährleisten, dass jede Schülerin zumindest die erste Stufe erfolgreich meistern konnte (Grundtechnik des Dribblings und der Ballannahme). Wurde die erste Stufe erfolgreich durchlaufen, sollten sie anschließend nun die zweite und dritte Stufe absolvieren.
Bei der ersten Übungsform habe ich die Gruppe in zwei Teilgruppen unterteilt und jeweils eine Schüler-Tutorin zugewiesen. Diese Form (Peer Teaching) sollte mich zum einen entlasten und zum anderen profitierten alle anderen Schülerinnen von dem Erfahrungsschatz der Gleichaltrigen. Diese Form band die Schülerinnen durch Teilhabe am Unterrichtsgeschehen in den Ablauf aktiv ein. Dadurch entstand ein Unterricht auf Augenhöhe ohne Verlust an Anleitungsfunktion. Somit war gesichert, dass jede Schülerin individuell und bewusst in ihren Möglichkeiten gefördert wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Wandel der Sportdidaktik von der pragmatischen Ausrichtung hin zum erziehenden Sportunterricht und stellt die Relevanz von Gütekriterien für die Unterrichtsqualität heraus.
2. Gütekriterien des Sportunterrichts: Das Kapitel definiert zehn unverzichtbare Qualitätsmerkmale für einen guten Sportunterricht basierend auf wissenschaftlichen Studien und didaktischen Ansätzen.
3. Die Anwendung der Gütekriterien auf die Unterrichtsstunde vom 16.12.11: In diesem Hauptteil wird die im Rahmen des Fachpraktikums gehaltene Sportstunde detailliert anhand der zuvor definierten zehn Gütekriterien analysiert und evaluiert.
4. Reflexion der Unterrichtsstunde vom 21.06.12: Die Reflexion blickt auf die subjektive Wahrnehmung der praktischen Unterrichtserfahrung zurück, thematisiert Stärken und Schwächen des eigenen Lehrverhaltens und identifiziert Optimierungspotenziale.
5. Kritische Betrachtung der Gütekriterien: Abschließend erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Eignung und den Grenzen der gewählten Gütekriterien, insbesondere im Hinblick auf die Bedeutung der Lehrerpersönlichkeit und des Leistungsbegriffs.
Schlüsselwörter
Sportunterricht, Gütekriterien, Sportdidaktik, Erziehender Sportunterricht, Unterrichtsqualität, Methodenvielfalt, Lehrerpersönlichkeit, Differenzierung, Schülerfeedback, Schulsport, Lehrkompetenz, motorische Aktivität, Unterrichtsgestaltung, Sportpädagogik, Leistungsbewertung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendung und kritischen Reflexion von Gütekriterien im Sportunterricht, basierend auf einer selbst durchgeführten Unterrichtseinheit im Rahmen eines Fachpraktikums.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Strukturierung von Sportunterricht, der Methodenvielfalt, der individuellen Förderung durch Peer Teaching und der Bedeutung des Feedbacks für den Lernprozess.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die theoretischen Anforderungen an einen „guten Sportunterricht“ in die eigene Unterrichtspraxis zu übertragen und diese Anwendung fundiert zu analysieren und kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Analyse verwendet?
Es wurde eine praxisorientierte Unterrichtsanalyse angewandt, bei der die eigene gehaltene Sportstunde mit den theoretischen Qualitätsmaßstäben nach Gebken verglichen wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Überprüfung von zehn spezifischen Gütekriterien an einer konkreten Unterrichtsstunde zum Thema Fußball in den Klassen 8 und 9.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Sportunterricht, Gütekriterien, Sportdidaktik, Unterrichtsqualität, Differenzierung, Lehrerpersönlichkeit und Schülerfeedback.
Warum spielt die Lehrerpersönlichkeit eine so große Rolle für den Autor?
Der Autor argumentiert, dass die Persönlichkeit des Lehrenden durch Authentizität, Sach- und Sozialkompetenz entscheidend motivierend auf den gesamten Lernprozess einwirkt.
Wie wurde das Problem der Heterogenität in der Klasse gelöst?
Durch den Einsatz von Peer Teaching, bei dem leistungsstärkere Schülerinnen als Tutorinnen fungierten, wurde eine individuelle Förderung aller Teilnehmerinnen trotz unterschiedlicher Leistungsniveaus ermöglicht.
Wie bewertet der Autor die eigene Unterrichtsleistung?
Der Autor sieht das Unterrichts-Arbeitsbündnis als gelungen an, merkt jedoch selbstkritisch an, dass die Zeitplanung durch organisatorische Hürden und längere Erklärungsphasen Optimierungsbedarf hatte.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Arts (B.A.) Tobias Zapf (Autor:in), 2012, Merkmale guten Sportunterrichts. Anwendung von Gütekriterien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275548