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Die Norwegisierung der Sámi im 19. und 20. Jahrhundert

Titel: Die Norwegisierung der Sámi im 19. und 20. Jahrhundert

Magisterarbeit , 2012 , 65 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Galina Koleva (Autor:in)

Skandinavistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Begriff ‚Sámi‘ bezeichnet ein Urvolk in dem nördlichen Teil Europas. Die Sámi formen eine ethnische Gruppe in den modernen Staaten Norwegen, Finnland, Schweden und Russland. Sie sind eines der zahlreichsten indigenen Völker, die in Europa überlebt haben und faszinieren die Forscher seit Jahrhunderten. Bis heute stellen sich Fragen, was der anthropologische Ursprung dieses Volkes ist, woher die sámischen Sprachen stammen und wann die Territorien in Nordeuropa von ihnen zum ersten Mal bewohnt wurden.
Die Geschichte dieses indigenen Volkes ist lang. Archäologischen Befunden nach ist das heutige Lebensgebiet der Sámi seit langem eine Heimat für Menschen gewesen: „Entlang der Küste Finnmarkens hat man Steinwerkzeuge gefunden, die als Beweis für eine Besiedlung des Gebietes vor 8000 Jahren dienen“. Wann genau die Sámi das Gebiet besiedelten, ist laut unterschiedlichen Quellen schwer einzuschätzen. Aber das Jäger- und Fischervolk, das diese Gebiete in Nordeuropa schon seit Tausenden von Jahren besiedelt hat, bestand höchstwahrscheinlich aus den Vorfahren der heutigen Sámi. Durch die Jahrhunderte mussten die Sámi die Vereinnahmung ihres Landes beobachten und miterleben. Als ein friedliches Volk, dessen „eigene Sprache den Begriff ‚Krieg‘ nicht aufweist“, nahmen die Sámi ihre Kolonisatoren gewaltlos auf und lebten ihren Anforderungen nach, was manchmal eine Steuerzahlung an drei unterschiedliche Mächte bedeutete, die eine extreme Armut für die Sámi zur Folge hatte. Die reichen natürlichen Ressourcen von Nordeuropa – ein ergiebiger Fischbestand in dem Meer und den Seen, weitreichendes Weideland und eine Tierwelt reich an Jagdwild lockten schon immer Opportunisten an. Das war sowohl ein Segen als auch ein Fluch für die Ureinwohner des europäischen Nordens. Die Neuerungen, die die neuen Siedler mit sich brachten, hatten nicht immer einen positiven Einfluss auf das indigene Volk. Der Alkohol zum Beispiel, der unter anderem das Ende für die Ureinwohner von Amerika als einzige Herrscher ihres Kontinentes bedeutete, übte seinen verderblichen Einfluss auch auf die sámische Gesellschaft aus. Auf der anderen Seite führten die Kolonisatoren viele Modernisierungen und Verbesserungen des Lebens in dem sámischen Alltag ein.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Über das sámische Volk

1.2. Früheste Quellen und sámische Geschichte

2. Zentrale Begrifflichkeit

3. Geschichtliche Entwicklung in Norwegen nach 1814. Die norwegische Identitätskonstruktion

3.1. Die Rolle des technischen Progresses

3.2. Die Erschaffung des ,nynorsk‘

3.3. Der kulturelle Nationalismus

4. Gründe für die Norwegisierung

4.1. Sozialdarwinismus

4.2. Die Gefahr im Osten

4.3. Die Besiedlung in Norwegen

5. Mittel der Norwegisierung

5.1. Die Reform in der Bildung

5.2. Norwegisierungsstrategien in anderen Sphären

5.2.1. Administrative Veränderungen

5.2.2. Das Gesetz für Grundbesitzrecht

5.2.3. Der Pomorhandel

5.2.4. Rentierzucht

6. Die Endphase der Norwegisierung

6.1. Die Gründung des Sámikomitees

6.2. Der Alta-Fall

7. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert die Handlungsweisen, die im 19. und 20. Jahrhundert zur sogenannten Norwegisierung der Sámi führten, und untersucht in diesem Kontext die Wechselbeziehung zwischen dem norwegischen Identitätsbildungsprozess und der Unterdrückung der sámischen Kultur und Sprache.

  • Historische Grundlagen der sámischen Identität und ihre Konstruktion
  • Einfluss des norwegischen Nationalismus auf die Minderheitenpolitik
  • Analyse ideologischer und politischer Motive für die Assimilationspolitik
  • Konkrete Maßnahmen der Norwegisierung im Bildungs- und Verwaltungswesen
  • Reaktionen der sámischen Bevölkerung und Beginn der Identitätsrückbesinnung

Auszug aus dem Buch

4.1. Sozialdarwinismus

Wie schon in dem vorherigen Kapitel belegt, sah der sich gerade entwickelnde norwegische Nationalismus keinen Raum für nicht-norwegische Bevölkerungsgruppen, Sinn und Zweck der Norwegisierung war eine kulturelle und nationale Einheit. Ein weiterer zeitlicher Diskurs, der diese Idee verstärkte, war der damals populäre ,Sozialdarwinismus‘ – eine Lehre, die auf Darwins Evolutionstheorie basierte. Dieser Lehre nach waren die Völker Teil einer ,Rassenhierarchie‘ aufgrund der natürlichen Selektion, wie nach dem ,survival of the fittest‘-Prinzip. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewann sie viele Anhänger sowohl in Norwegen als auch im restlichen Europa. Die norwegische Gesellschaft, die von dem technischen Progress der Zeit den vollen Vorteil wahrnahm und mit ihrer viel besseren Kenntnis der Landbebauung als entwickelter und somit ,höher-rangiert‘ als die sámische Nomadengesellschaft galt, die ihrerseits für ,aandelig og legemlig‘ weniger entwickelt gehalten wurde. Der Sozialdarwinismus gab eine scheinbar wissenschaftliche Begründung und Rechtfertigung für einen Prozess der Norwegisierung dieser ,niedrigstehenden Rasse‘. Somit war auch die logische Konsequenz der Verbreitung einer solchen ,wissenschaftlichen‘ Theorie ein Versuch der Assimilation der weniger entwickelten Gesellschaften innerhalb der Staatsgrenzen. In Norwegen waren das die Sámi und die Kven. Die beste Lösung schien eine Assimilation zu sein, diese Völker in die norwegische Gesellschaft so zu integrieren, dass sie selber Norweger wurden, sowohl sprachlich als auch kulturell. Weil ihre eigene Kultur für wertlos und primitiv gehalten wurde, war es auch unwichtig, dass die sámischen Sprachen verschwinden würden: „Vort maal er at utrydde det finske sprog – dog derinde paa fjeldet i Kautokeino kan vi jo bevare det som en museums-gjenstand.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Geschichte und den Hintergrund des indigenen Volkes der Sámi sowie in das zentrale Forschungsthema der Arbeit ein.

2. Zentrale Begrifflichkeit: In diesem Kapitel werden grundlegende Termini wie Identität, Ethnizität, Minderheit und Nationalismus für die weitere Analyse definiert.

3. Geschichtliche Entwicklung in Norwegen nach 1814. Die norwegische Identitätskonstruktion: Dieses Kapitel erläutert den norwegischen Staatsbildungsprozess und die Entstehung eines nationalen Identitätsgefühls durch technischen Fortschritt, Sprache und Kultur.

4. Gründe für die Norwegisierung: Es werden die ideologischen und politischen Motive hinter der Assimilationspolitik analysiert, insbesondere Sozialdarwinismus und Sicherheitsbedenken an den Staatsgrenzen.

5. Mittel der Norwegisierung: Hier werden die praktischen Maßnahmen gegen die Sámi, etwa durch Bildungsreformen, Sprachverbote und administrative Veränderungen, detailliert dargestellt.

6. Die Endphase der Norwegisierung: Dieses Kapitel behandelt das Aufkommen der sámischen Gegenbewegungen, die Gründung des Sámikomitees und den Alta-Fall als Wendepunkte zur Anerkennung sámischer Rechte.

7. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der untersuchten Prozesse der Assimilation und der schließlichen Stärkung des sámischen Identitätsbewusstseins.

Schlüsselwörter

Norwegisierung, Sámi, Assimilation, Identitätskonstruktion, Nationalismus, Sozialdarwinismus, indigene Völker, Minderheitenpolitik, Rentierzucht, Kultur, Sprachverlust, Sámikomitee, Alta-Fall, Norwegen, Ethnizität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit befasst sich mit der systematischen Norwegisierung der sámischen Bevölkerung im 19. und 20. Jahrhundert und den damit verbundenen Auswirkungen auf die sámische Identität.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder umfassen die Entstehung der norwegischen Nationalidentität, die theoretischen Hintergründe der Assimilationspolitik, wie den Sozialdarwinismus, sowie die konkreten politisch-administrativen Eingriffe in das Leben der Sámi.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist es, die Handlungsweisen zu analysieren, die zur Norwegisierung der Sámi dienten, und die Wechselwirkung zwischen dem norwegischen Staatsbildungsprozess und der Unterdrückung der sámischen Kultur zu erforschen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde für diese Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine geschichtswissenschaftliche und ethnologische Analyse, die auf einer Literaturrecherche und der Auswertung historischer Quellen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der politischen Identitätskonstruktion in Norwegen, die Analyse der ideologischen Gründe für die Norwegisierung sowie die detaillierte Beschreibung der administrativen und bildungspolitischen Maßnahmen, die auf die Assimilation der Sámi abzielten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Norwegisierung, Assimilation, Sámi, Nationalismus und Identitätskonstruktion.

Welche Rolle spielte der Sozialdarwinismus bei der Norwegisierung?

Der Sozialdarwinismus lieferte eine scheinbar wissenschaftliche Rechtfertigung dafür, die Sámi als ein als "niedrigstehend" eingestuftes Volk anzusehen, dessen Kultur im Zuge der nationalen Einigung Norwegens durch Assimilation in die norwegische Gesellschaft aufgehen sollte.

Warum war der Alta-Fall so bedeutend für die sámische Bewegung?

Der Alta-Fall wurde zu einem global beachteten Ereignis, das den Widerstand gegen staatliche Eingriffe in sámische Siedlungsgebiete kristallisierte und maßgeblich dazu beitrug, die sámische Situation ins öffentliche Bewusstsein zu rücken sowie deren Selbstverständnis und Rechte zu stärken.

Ende der Leseprobe aus 65 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Norwegisierung der Sámi im 19. und 20. Jahrhundert
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Autor
Galina Koleva (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
65
Katalognummer
V275770
ISBN (eBook)
9783656729686
ISBN (Buch)
9783656740896
Sprache
Deutsch
Schlagworte
norwegisierung sámi jahrhundert
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Galina Koleva (Autor:in), 2012, Die Norwegisierung der Sámi im 19. und 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275770
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Leseprobe aus  65  Seiten
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