Bedeutung des Theodizee-Gedankens in Albrecht von Hallers Lehrgedicht "Die Alpen"


Seminararbeit, 2008

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Lyrik als Lehrdichtung

3. Der Theodizee-Gedanke

4. Konklusion

1. Einführung

Die Alpen sind das höchste Gebirge Europas. Heute machen die Längs- und Quertäler sie zu einem der wegsamsten Gebirge der Erde. Wichtige Straßen führen über die Pässe und wirken als Magnet für den Fremdenverkehr. Die Haupterwerbszweige sind Viehzucht, Holzwirtschaft, in den Tälern der Ackerbau sowie der Weinbau im Süden. Die Wasserkraftnutzung, Mineralienförderung und der Bergbau werden stetig ausgebaut.1

1732 veröffentlichte der Berner Verlag Niklaus Emanuel Haller den schmalen Gedichtband der Versuch Schweizerischer Gedichten [sic!]. Dieser enthielt u.a. das Gedicht Die Alpen. Zu dieser Zeit waren die Alpen noch längst nicht so bequem zu passieren wie heute, wirkten auf den Betrachter mit ihren schroffen Gebirgsmassiven und tiefen Abgründen eher bedrohlich als anziehend2 und wurden „von den in den Süden Reisenden stets nur als zu überwindendes Schrecknis empfunden“3.

Albrecht von Haller, im 18. Jahrhundert von Goethe als „der unsterbliche Haller“4 betitelt und neben Rousseau, Voltaire und Lambert als berühmtester Gelehrter des philosophischen Jahrhunderts gepriesen5, war der Verfasser dieses Gedichtbandes, welchen er bis zu seinem Tod 1777 noch weitere elf Mal überarbeiten sollte. Besonders große sprachliche Veränderungen erfuhr der Band zwischen der zweiten und dritten Auflage, in der bis zu 470 Änderungen pro Ausgabe notiert wurden. Die Vermeidung von Helvetismen und die Annäherung an die Hochsprache waren dabei die Hauptanliegen des Verfassers.6 Spätere Überarbeitungen waren eher stilistischer, metrischer und inhaltlicher Natur.

Geschuldet wird die lebenslange Arbeit an diesem Gedichtband zum einen dem angeborenen Perfektionismus und Arbeitseifer Albrecht von Hallers und zum anderen der Kritik aus Leipzig. Anlass für diese Kritik waren die Eigentümlichkeiten seiner Dichtersprache, die er fortwährend einzugrenzen versuchte.

2. Lyrik als Lehrdichtung

Lyrik war in der Frühaufklärung vor allem Lehrdichtung. Albrecht von Haller, seines Zeichens Mediziner und Botaniker, war neben dem Juristen und späteren Ratsherren Barthold Heinrich Brockes, einer jener Lyriker, die ihrer Generation maßgeblich mit ihren Natur- und Landschaftsgedichten den Weg zu neuen Gedichtformen wiesen. Dennoch bezeichnete Haller seine dichterische Fertigkeit als „poetische Krankheit“7. Entschuldigend erklärte er in mehreren Vorreden sein Werk als das Produkt von „Nebenstunden vieler Monate“8, obwohl er bereits mit zwölf Jahren erste deutsche Verse verfasst hatte.

Ein Indiz dafür, dass er seine dichterische Arbeit nicht als Produkt unbedeutender Beschäftigung verstand, liefert ein Portrait aus dem Jahre 1736, auf dem er als 28 jähriger Dichter in den Alpen dargestellt wird. (siehe Deckblatt) Dennoch beurteilte er den Wert eines Dichters in einer Vorrede zu den Gedichten des Dichters Paul Gottlieb Werlhof: „Ein Dichter vergnügt eine Viertelstunde; ein Arzt verbessert den Zustand eines ganzen Lebens.“9

Frömmigkeit, Tugend und Menschenliebe waren für Haller Handlungsmaximen - sowohl in der Wissenschaft als auch in der Dichtung. Die Poesie hatte für ihn „nicht nur die Aufgabe dem Verstand zu gefallen, sondern auch das Herz zu rühren.“10 Der Beitrag seiner philosophischen Gedichte für die zeitgenössische Literatur bestand hauptsächlich in der Rehabilitierung ernster Literatur, die ein hohes Maß an Gedankenreichtum versprach.11

3. Der Theodizee-Gedanke

Ziel dieser Seminararbeit soll es sein, zu zeigen, dass Albrecht von Haller das Lehrgedicht Die Alpen angelehnt hat an die Tradition des TheodizeeGedankens nach Leibniz über die Gutheit Gottes und die Freiheit des Menschen als Ursache des Bösen“12.

Die Darstellung erfolgt anhand der Benennung und Beschreibung zweier Lebensbereiche, die konträr zueinander verlaufen. Einer ist vollkommen, erstrebenswert und ideal, der andere ist verkommen und wird durch materielle Leitsätze, Standesdünkel und menschliches Übel regiert.

Das Lehrgedicht Die Alpen besteht aus 49 Strophen zu zehn jambischen Alexandriner-Versen mit dem Reimschema ababcdcdee. Weibliche und männliche Versenden alternieren bis auf die letzten beiden Zeilen. Diese eigentümliche Form, die sich aus der Kombination von zwei Quartetten und dem schließenden Reimpaar mit alexandrinischem Langvers ergibt, war besonders im Spätbarock populär, „insbesondere für Begräbnisgedichte“.13 In einigen Strophen schließt ein Paarreim die Bewegung der Kreuzreime ab.

„O dreimal seligs Paar! Euch muss ein Fürst beneiden, Dann Liebe balsamt Gras und Ekel herrscht auf Seiden. […] Und wenn die Nachbarn sich zu seinem Herde setzen, So weiß ihr klug Gespräch auch Weise zu ergötzen.“14

Die Strophen widmen sich fast durchgehend einem Themenkomplex und enden auch zum Ende fast alle mit einem Paarreim, der eine moralische Bedeutung innehat. Die Wahl des Metrums und der Strophenbau ermöglichen ein optimales Einprägen des Lehrinhalts.

Das Gedicht lässt sich sinngemäß in drei größere Einheiten einteilen, welche den Leser zu der Einsicht führen sollen, dass die natürliche Welt ohne materielle und gesellschaftliche Zwänge eine bessere und gesündere wäre, dies aber gleichwohl eine Utopie ist.

In der ersten Einheit werden allgemeine sittliche Betrachtungen vorgenommen, „die auf der Entgegensetzung enthaltsamer Glückseligkeit und unstillbarer Gier beruhen“15. Im Weiteren werden die Älpler und ihr Leben im Einklang mit der Natur beschrieben. Das Gedicht findet sein Ende in einer kurzen Berührung beider Lebensbereiche und einer abschließenden Konklusion des Dichters. Albrecht von Haller sorgte nicht nur mit der Wahl des Metrums dafür, dass seine Gedichte in Erinnerung blieben. Auch die Einbeziehung aktueller, historischer Ereignisse oder Persönlichkeiten, wie Lord Clive in der zweiten Strophe, der allerdings erst in der elften Auflage dazukam, hatten exemplarischen Wert und den Effekt in Erinnerung zu bleiben. Haller bedient sich in allen Strophen Metaphern um eine „Versinnbildlichung abstrakter Gedankengänge [zu] ermöglichen, die seine philosophische Dichtung beinhaltet.“16 Auch die Miteinbeziehung biblischer Termini, wie in der dritten Strophe „Und ein verirrtes Lamm bei Wölfen sicher schlief“17 lenkt die Aufmerksamkeit in Richtung christlicher Tugenden. Alles in allem wirkt das Gedicht durch die Wahl der rhetorischen Figuren und seinen formalen Aufbau sehr dunkel.

[...]


1 Vgl. Anger, Eberhard (Hrsg.) (1992) Der Brockhaus in einem Band, 4. Aufl., S. 23 (Art. Alpen).

2 Vgl. Nusser, Peter (2002): Deutsche Literatur von 1500 bis 1800, S. 370.

3 Von Haller, Albrecht: Die Alpen und andere Gedichte, Elschenbroich, Adalbert: Nachwort, S.98.

4 Steinke, Wolfgang; Boschung, Urs; Proß, Wolfgang: Albrecht von Haller, S. 7.

5 Vgl. ebd. S.7.

6 Vgl. Siegrist, Christoph: Albrecht von Haller, S. 18.

7 Ebd., S. 31.

8 Von Haller, Albrecht: Die Alpen und andere Gedichte, S.3.

9 Achermann, Erich: Dichtung in Steinke, Wolfgang; Boschung, Urs; Proß, Wolfgang: Albrecht von Haller, S. 124.

10 Ebd. S.125.

11 Ebd. S.126

12 Bieger, Eckhard S.J.: Theodizee, Onlinepublikation, http://www.kath.de/lexikon/philosophie_theologie/theodizee.php, Stand: 3. August 2010.

13 Vgl. Frank, Horst J.: Handbuch der deutschen Strophenformen, S.691.

14 Von Haller, Albrecht: Die Alpen und andere Gedichte, S.13.

15 Achermann, Erich: Dichtung in Steinke, Wolfgang; Boschung, Urs; Proß, Wolfgang: Albrecht von Haller, S. 134.

16 Vgl. Siegrist, Christoph: Albrecht von Haller, S. 22.

17 Von Haller, Albrecht: Die Alpen und andere Gedichte, S.4.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Bedeutung des Theodizee-Gedankens in Albrecht von Hallers Lehrgedicht "Die Alpen"
Hochschule
Universität Potsdam
Veranstaltung
Lessing und die Lyrik
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
11
Katalognummer
V275817
ISBN (eBook)
9783656687580
ISBN (Buch)
9783656687573
Dateigröße
1011 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, theodizee-gedankens, albrecht, hallers, lehrgedicht, alpen
Arbeit zitieren
Seda Markhoff (Autor:in), 2008, Bedeutung des Theodizee-Gedankens in Albrecht von Hallers Lehrgedicht "Die Alpen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275817

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Bedeutung des Theodizee-Gedankens in Albrecht von Hallers Lehrgedicht "Die Alpen"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden