Die thematische Relevanz der eingeschobenen Geschichten (Episoden) in La princesse de Clèves


Seminararbeit, 2004

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung und Überblick

2. Detaillierte Analyse anhand einiger Beispiele
2.1. Erzählung von Mme de Chartres über Mme de Valentinois
2.1.1. Structure de la cour
2.1.2. Maîtressenwirtschaft
2.1.3. Constance und inconstance
2.1.4. Rivalité entre les femmes
2.1.5. Passion als zentrales Thema ( Im Bezug auf die Entwicklung Mme de Clèves)
2.1.6. Jalousie und haine
2.1.7. Passion und intrigue
2.1.8. Histoire als Rahmen der Handlung
2.1.9. Blick hinter die Kulissen
2.1.10. Dissimulation als Wert
2.2. Erzählung von M. de Clèves über Mme de Tournon
2.2.1. Dissimulation als Wert Parallelität zwischen Mme de Tournon und Mme de Clèves
2.2.2. Sincérité als Wert Þ Vorbereitung des Geständnisses
2.2.3. Indiscrétion als Grund von amitié ohne sincérité Parallelität zwischen Sancerre und M. de Nemours
2.2.4. Parallelität zwischen Sancerre und M. de Clèves
2.2.5. Passion und jalousie als zentrale Themen
2.3. Erzählung des Vidame über seine Beziehung zur Königin (reine)
2.3.1. M. de Nemours als Adressat der Episode
2.3.1. amitié entre homme et femme amitié und confidence als zentrale Themen
2.4 . Erzählung der reine Dauphine über die Maîtresse Nemours Inhaltliche Verknüpfung mit der Haupthandlung

3. Fazit: Polyfunktionalität der Episoden

4. Systematisierung der Episoden

5. Bibliographie

1. Einleitung und Überblick

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mme de Lafayette hat in ihren Roman insgesamt sieben Geschichten eingeschoben. Nun stellt sich die Frage, ob diese Episoden nur reine Ornamente darstellen, die den Roman schmücken, oder ob Mme de Lafayette die Absicht hatte, mit diesen Einschüben spezielle Funktionen zu erfüllen. Mme de Lafayette greift das gattungsgeschichtliche Element der Digressionen auf und erfüllt damit die Kon- ventionen des klassischen Romans, allerdings sind zu viele inhaltliche und formale Aspekte auffällig, um die eingeschobenen Geschichten nur mit der Erfüllung der Gattungsregeln des Romans zu rechtfertigen.

Sofort fällt dem Leser ins Auge, dass hauptsächlich Mme de Clèves die Adressatin der Episoden ist. Daraus lässt sich folgern, dass die Inhalte der Episoden vor allem die Protagonistin in ihrem Denken und Handeln beeinflussen werden. Ein weiterer auffälliger Aspekt ist die Länge der Einschübe. Sie stellen mit 27 Seiten ca. 1/6 des Gesamtromans dar, was auf ihre Wichtigkeit für den Adressaten, den Leser und das Gesamtbild des Romans hinweist. Die Episoden scheinen vor allem für den Anfang des Romans nicht unbedeutend zu sein, da sie sich in den ersten beiden Teilen häufen und dann seltener werden. Die Episoden könnten am Anfang wichtig sein, um Atmosphäre zu schaffen, die Handlung und zentralen Probleme der Protagonistin einzuleiten und diese in ein Umfeld einzubetten. Je mehr man im Roman fortschreitet, desto mehr scheint die Geschichte an Bedeutung zu verlieren und die Handlung sowie die psychologische Entwicklung der Protagonistin tritt in den Vordergrund.

2. Detailliertere Analyse anhand einiger Beispiele

2.1. Erzählung von Mme de Chartres über Mme de Valentinois

2.1.1. Structure de la cour

Im gesamten Roman liefert Mme de Lafayette drei unterschiedliche Beschreibungen der französischen Hofstruktur: die Hofstruktur unter FranVois I, unter Henri I und unter FranVois II (historische Reihenfolge). Sie beginnt zunächst in der Einleitung mit der Darstellung des Hofes unter Henri II. Sie beschreibt die Beziehungsstrukturen sehr ausführlich und stellt sie in ihrer ganzen Komplexität dar. In dieser Episode wird der Leser, aber auch Mme de Clèves, die über die höfische Gesellschaft von ihrer Mutter noch nicht aufgeklärt wurde,

"Bien loin de vous accuser, reprit Mme de Clèves, de redire les histoires passées, je me plains, madame, que vous ne m'ayez pas instruite des présentes et que vous ne m'avez point appris les divers intérêts et le liaisons de la cour." (p.71)

in die Vergangenheit des französischen Hofes geführt und in die Beziehungsverflech- tungen unter FranVois I, dem feu roi, eingeleitet. Die Verbindung zur Gegenwart und damit zur Beschreibung der Einleitung wird dadurch geschaffen, dass nochmals der Hof unter Henri II angesprochen wird. Der Leser wie auch der Zuhörer der Episode folgt den verschiedenen Positionen der Mme de Valentinois am französischen Hofe über zwei Herrschaftsperioden hinweg, wobei die Beziehungen unter dem "feu roi" im Vordergrund stehen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

"La division des deux frères donna la pensée à la duchesse d'Étampes de s'appuyer de M. le duc d'Oléans pour la soutenir auprès du roi contre mme de Valentinois. Elle y réussit; ce prince, sans être amoureux d'elle, n'entra guère moins dans ses intérêts que le Dauphin était dans ceux de Mme de Valentinois. Cela fit deux cabales dans la cour, telles que vous pouvez vous les imaginer, mais ces intrigues ne se bonèrent pas seulement à des démêlés des femmes." (p.73)

2.1.2. Maîtressenwirtschaft

Durch die Beschreibung des feu roi, wird die Maitressenwirtschaft als beherrschende Beziehungsstruktur des Hofes sehr deutlich :

"Ce prince n'avait pas une fidélité exacte pour ses maîtresses; il y en avait toujours une qui avait le titre et les honneurs, mais les dames que l'on appelait de la petite bande le partageaient tour à tour."(p.72)

Er vergnügt sich stets mit mehreren Maîtressen, hat jedoch immer eine andere Hauptmaîtresse, die seine Gunst genießt. Diese Art der Konstellation kann nie von Beständigkeit zeugen und bedeutet immer infidélité. Nicht ohne Grund wird gerade diese Episode von Mme de Chartres erzählt. Sie versucht, durch den Inhalt der Erzählung ihre Tochter zu beeinflussen und zu erziehen. Sie möchte ihrer Tochter klarmachen, dass ein Mann, der Herr der galanterie ist und Maîtressen hat, nicht treu sein kann und nicht in der Lage ist, vraie amour zu empfinden. Liebe und constance werden für den Leser in der durch galanterie gekennzeichneten Gesellschaft unvereinbar. Und da vor allem M. de Nemours als ein Frauenliebhaber bekannt ist, scheint die Dauer seiner passion für Mme de Clèves nach dieser Episode fast unmöglich. Um die in dieser Episode bereits angesprochene inconstance noch stärker zu betonen, bezieht Mme de Chartres diese in einem späteren Gespräch mit ihrer Tochter direkt auf M. de Nemours. Sie versucht seine Gefühle für Mme de Clèves abzuwerten und ihn in ein schlechtes Licht zu rücken:

"Elle [Mme de Chartres] se mit un jour à parler de lui; elle lui en dit du bien et y mêla beaucoup de louanges empoisonnées sur la sagesse qu'il avit d'être incapable de devenir amoureux et sur qu'il ne faisait qu'un plaisir et non pas un attachement sérieux du commerce des femmes." (p.82)

So möchte Mme de Chartres das Bild der Einheit von galanterie und inconstance, das sie mit ihrer Erzählung der Mme de Valentinois in ihrer Tochter bereits hervorgerufen hat, noch stärker festigen.

2.1.3. Constance und inconstance

Nicht nur durch die Maîtressenwirtschaft wird die inconstance angesprochen. Die Schlüsselbegriffe constance und inconstance werden auch im Zusammenhang mit den allgemeinen Beziehungsstrukturen der zwei Königshäuser unter FranVois I und Henri II eingeführt. Sofort nach dem Untergang eines Königs werden vom Nachfolger die Maîtressen, Favoriten , aber auch die Minister ausgetauscht und gegen neue Personen ersetzt. Es werden sogar teilweise vom Hof verbannte Personen wieder an den Hof zurückgeholt:

"Le roi ne survécut guère au prince son fils; il mourut deux ans après. Il recommanda à M. le Dauphin de se servir du cardinal de Tournon et de l'admiral d'Annebauld, et ne parla point de M. de connétable, qui était pour lors relégué à Chantilly. Ce fut néanmois la première chose que fit le roi, son fils, de le rappeler et de lui donner le gouvernement des affaires." (p.75)

Diese inconstance ist allerdings nur oberflächlich, denn es treten immer die gleichen Beziehungsstrukturen auf. Der Hof wird durchgängig von Dreieckskonstellationen, Maîtressenwirtschaft, die Eifersucht hervorruft, feindlich gesinnte Clans und haines féminines bestimmt. Am Hofe herrscht inconstance durch die sich äußerlich verändernde Hofstruktur, durch den Platzhaltertausch der Personen, gleichzeitig herrscht aber auch constance durch die gleich bleibenden menschlichen Zusammenhänge. Dass dieses gleichzeitige Wirken von Beständigkeit und Unbestän- digkeit nicht nur für die Vergangenheit gilt, sondern auch für die Lebenszeit Mme de Clèves, wird von Mme de Lafayette dadurch gezeigt, dass sie einen Herrschafts- wechsel, verursacht durch den Tod von Henri II, in den Handlungsverlauf des Romans einbaut :

"[...] sitôt que le roi fut mort [...] On donna le commandement des armées au duc de Guise et les finances au cardinal de Lorraine. La duchesse de Valentinois fut chassée de la cour; on fit revenir le cardinal de Tournon, ennemi déclaré du connétable, et le chancelier Olivier, ennemi déclaré de la duchesse de Valentinois. Enfin, la cour changea entièrement de face." (p.185)

2.1.4. Rivalité entre les femmes

Ein weiteres Kennzeichen der Herrschaft am Hofe stellt die Frauenrivalität dar. Sie wird zwar durch die Einleitung bereits deutlich, aber durch diese Episode noch stärker hervorgehoben. Unter Henri II ist die Rivalität zwischen Mme de Valentinois und der Königin vorherrschend, die wiederum der Dauphine feindlich gegenüber stehen. Unter Francois I bestimmt die Feindseligkeit von Mme de Valentinois und Mme d'Étampes das gesamte Hofleben und spaltet den Hof in zwei Lager. Mme de Valentinois zeigt im Bezug auf Mme d'Étampes große Eifersucht, da diese ihr den Rang der bevorzugten Maîtresse streitig gemacht hat: " La duchesse de Valentinois ne pouvait pardonner à Mme d'Étampes de lui avoir ôté le titre de maîtresse du roi." (p.72) Diese ist es, die den König beeinflusst und damit die Politik beherrscht. Nach dem Untergang Francois I, wird Mme de Valentinois zur Hauptmaîtresse Henri II. Sie ist nun an der Macht und dominiert den König und seine Politik. Wiederum ist es eine Frau, die die neuen Minister aussucht, und nicht der König selbst:

"la duchesse de Valentinois se vengea alors pleinement, et de cette duchesse, et de tous ceux qui lui avaient déplu. Son pouvoir parut plus absolu sur l'esprit du roi, qu'il ne paraissait encore pendant qu'il était dauphin. Depuis douze ans que ce prince règne, [Mme de Valentinois] est maîtresse absolue de toutes choses; elle dispose des charges et des affaires; elle a fait chasser le cardinal de Tournon, le chancelier Olivier, et Villeroy. Ceux qui ont voulu éclairer le roi sur sa conduite ont péri dans cette entreprise." (p.75)

Daran erkennt der Leser sofort, dass der Hof durch eine Frauenherrschaft gekenn- zeichnet ist. Nicht der König selbst bestimmt das politische Leben, sondern die Maîtresse, die ihn unter ihrer Kontrolle hat. Es also die Frauen, die die politische Macht innehaben, nicht die Könige, die den obersten Rang am Hofe einnehmen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die thematische Relevanz der eingeschobenen Geschichten (Episoden) in La princesse de Clèves
Hochschule
Universität Mannheim  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Libertinage und Empfindsamkeit im Roman des 17./18.Jhs
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V27582
ISBN (eBook)
9783638295925
Dateigröße
759 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Relevanz, Geschichten, Clèves, Libertinage, Empfindsamkeit, Roman
Arbeit zitieren
Maike Siedentopf (Autor), 2004, Die thematische Relevanz der eingeschobenen Geschichten (Episoden) in La princesse de Clèves, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27582

Kommentare

  • Gast am 9.5.2005

    Plagiat.

    Diese Arbeit wurde im WS 2004/2005 an der Universität Tübingen von einer Studentin als eigene Hausarbeit eingereicht, was zu einer Benotung mit "ungenügend" und der Notwendigkeit führte, noch einmal ein anderes literaturwissenschaftliches Seminar zu besuchen. Jede Quelle muss in einer Hausarbeit ausgewiesen werden; die Übernahme fremder Texte ohne Quellenangabe aus dem Internet ist ein schwerwiegender Verstoß gegen die akademischen Regeln und wird als solcher geahndet, sobald das herauskommt. Auch die Dozenten recherchieren im Internet, so dass die Chance, beim Plagiieren unentdeckt zu bleiben, geringer ist, als die Benutzer dieser Datenbank offenbar annehmen.
    Dr. Max Grosse
    Universität Tübingen
    Romanisches Seminars
    Wilhelmstr. 50
    72074 Tübingen

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