Das Herabwürdigen, Verschweigen, Minderbewerten weiblicher Leistungen, die Darstellung von Frauen als Sexobjekte oder von Männern abhängige Personen, das Denken in Geschlechtsstereotypen und das Setzen alles Männlichen als Norm sind nur einige Aspekte von Sexismus. Sowohl Männer als auch Frauen werden dabei in der Entfaltung ihrer individuellen Fähigkeiten und Interessen durch anachronistische Vorstellungen von geschlechtsangemessenen Rollen eingeschränkt. Unter sexistischen Unterrichtsinhalten kann man im Folgeschluss geringere Identifikationsinhalte für Schülerinnen und eine nicht sachgemäße Widerspiegelung des weiblichen Alltags in puncto gesellschaftlicher Leistung und Lebenserfahrung erwarten. Durch Erziehungs- und Lernsituationen wird die althergebrachte Geschlechterhierarchie durch Frauendiskriminierung bestätigt. Diese Hausarbeit befasst sich mit der Fragestellung inwieweit Sexismus in der "Deutsch als Fremdsprachenliteratur" überhaupt Bestand hat. Dabei werden diesbezügliche Kritiken aus deutsch- und fremdsprachigem Raum aufgegriffen und mit der aktuellen DaF Literatur, für die repräsentativ das „Ja genau!“ von dem Verlagshaus Cornelsen und den Ergebnissen der Analyse des Fernsehsprachkurses „Alles Gute“ aus dem Jahre 1994 verglichen.4 Um die Arbeit ordnungsgemäß in einen situativen Kontext einzubetten, wird unter „2.1. Deutschland ein Einwanderungsland“ noch einmal die Geschichte der Migration nach Deutschland beleuchtet und einige aktuelle Fakten und Zahlen genannt. Im Rahmen von „2.2. Geschlechterproblematik im Unterricht“ wird eine ausländische Studie von David Caroll und Johanna Kollwitz und ein Teil ihrer Ergebnisse zur Gewährleistung der Sensibilisierung auf das Thema vorgestellt. Kapitel 3 widmet sich der Vorstellung der o.g. Lehrwerke und ihrem formalen Aufbau und geht in folgenden Unterpunkten auf einzelne Kriterien zur näheren Analyse, Bewertung und Vergleich über.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deutschland- ein Einwanderungsland
2.1. Geschlechterproblematik im Unterricht
3. Sexismus in deutschsprachigen Unterrichtsmaterialien
3.1. Unterrepräsentation von Frauen
3.2. Unterordnung und Abhängigkeit
3.3. Stereotypisierung
3.4. Sexistischer Sprachgebrauch
3.5. Nachlässigkeit und Ungenauigkeit
3.6. Degradierung, Isolierung, Oberflächlichkeit
4. Fazit
5. Literaturliste
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Vorkommen von sexistischen Inhalten in der Literatur für Deutsch als Fremdsprache (DaF). Ziel ist es, kritisch zu beleuchten, inwieweit Lehrmaterialien veraltete Geschlechterrollen reproduzieren oder diskriminierende Strukturen aufrechterhalten, und wie dies die Lernumgebung sowie das Rollenverständnis von Lernenden beeinflusst.
- Analyse von Geschlechterstereotypen in aktuellen DaF-Lehrmitteln.
- Vergleich von Fernsehsprachkursen und modernen Lehrbüchern hinsichtlich der Rollendarstellung.
- Untersuchung von Sprache und Bildsprache in Bezug auf Frauendiskriminierung.
- Bewertung der Bedeutung von landeskundlichen Inhalten für ein modernes Frauenbild.
- Diskussion über die Notwendigkeit von Diversität und Gleichberechtigung in der Integrationspolitik.
Auszug aus dem Buch
3.1. Unterrepräsentation von Frauen
In dem Fernsehsprachkurs herrscht im Studioteil ein ausgewogenes 2:2 Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Das Begleitbuch ist mit Lesetexten zu landeskundlichen Themen ausgestattet, die nicht personenbezogen sind. In den Spielfilmen zeigt sich jedoch ein leichtes Missverhältnis, welches dadurch bedingt ist, dass dargestellte Arbeitsbereiche ausnahmslos von „männlichem Zusammenhang“ übernommen sind und geschlechtsneutrale Arbeitsstätten ebenfalls von Männern besetzt sind. Das aktuelle Lehrwerk von Cornelsen wurde überwiegend sowohl in Bild- als auch Textform von Frauen erarbeitet, dennoch fällt auf, dass Frauen in den Illustrationen in der Unterzahl sind. Die dargestellten Arbeitsbereiche sind ebenfalls von Frauen besetzt, allerdings mit einer auffälligen Trennung zwischen Modeberufen, wie Radiomoderator Fernsehmoderator, Fußballer, Akrobat und Musiker oder Polizist, welche von den dargestellten Männern ausgeübt werden und Berufen aus dem Tätigkeitsbereich „Bedienen und Beraten“, wie Kassiererin, Hausfrau und Mutter, Kellnerin, Sekretärin oder Kundenberaterin, die laut Ausbildungsstatistik wesentlich zahlreicher im wahren Leben vertreten sind als (Ausbildungs)Berufe, die eher selten sind, obwohl sie in Film, Fernsehen und eben auch Medien, wie diesen, stärker repräsentiert sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert Sexismus im Bildungskontext und stellt die Forschungsfrage nach dessen Präsenz in der DaF-Literatur anhand ausgewählter Beispiele.
2. Deutschland- ein Einwanderungsland: Dieses Kapitel skizziert die Migrationsgeschichte Deutschlands und beleuchtet die Rolle von Integrationskursen sowie die geschlechterspezifische Problematik im Unterricht.
3. Sexismus in deutschsprachigen Unterrichtsmaterialien: Im Hauptteil werden verschiedene Kriterien wie Unterrepräsentation, Rollenbilder und Sprachgebrauch analysiert, um sexistische Tendenzen in Lehrmitteln zu identifizieren.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, Frauenbilder in Lehrmaterialien im Einklang mit gesellschaftlichen Werten zu modernisieren.
5. Literaturliste: Die Literaturliste enthält alle im Text verwendeten wissenschaftlichen Quellen, Lehrwerke und Internetressourcen.
Schlüsselwörter
Sexismus, DaF-Literatur, Deutsch als Fremdsprache, Geschlechterstereotype, Unterrichtsmaterialien, Frauenbild, Integration, Lehrmittelanalyse, Rollenbilder, Geschlechterhierarchie, Sprachgebrauch, Didaktik, Bildungsforschung, Diskriminierung, Gleichberechtigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Vorhandensein und die Auswirkungen von Sexismus in Lehrmaterialien für das Fach Deutsch als Fremdsprache (DaF).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Geschlechterstereotype, die Unterrepräsentation von Frauen in Lehrmitteln, sexistischer Sprachgebrauch und die Rolle der Frau in der Landeskunde.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt kritisch danach, inwieweit Lehrwerke veraltete Geschlechterhierarchien durch ihre inhaltliche Gestaltung und Bebilderung aktiv bestätigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine exemplarische Inhalts- und Bildanalyse von spezifischen Lehrwerken (z. B. "Ja genau!" und "Alles Gute") durchgeführt und mit existierenden fachdidaktischen Studien verglichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Lehrwerke anhand spezifischer Kriterien: Repräsentation von Frauen, Rollenverteilung, Abhängigkeiten, Sprache und die Qualität landeskundlicher Informationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sexismus, DaF-Literatur, Geschlechterstereotype, Lehrmittelanalyse und gesellschaftliche Rollenbilder.
Inwieweit unterscheiden sich die untersuchten Werke?
Die Analyse zeigt, dass ältere Materialien wie "Alles Gute" deutlich konservativere Bilder transportieren als neuere Werke, wobei letztere zwar Fortschritte machen, aber dennoch subtile Rollenfixierungen aufweisen.
Welche Rolle spielt die Integration laut Autorin?
Die Autorin betont, dass Sprachkurse eine zentrale Brückenfunktion haben und eine moderne, ebenbürtige Darstellung der Frau essentiell für eine gelungene gesellschaftliche Orientierung ist.
- Quote paper
- Seda Markhoff (Author), 2010, Sexismus in der "Deutsch als Fremdsprache"-Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275822