Sacajawea. Die indianische Volksheldin


Fachbuch, 2014
298 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Vorwort. Kleine Frau mit großem Mut

Sacajawea. Die indianische Volksheldin

Teilnehmer der Lewis-und-Clark-Expedition

Chronologie der Lewis-und-Clark-Expedition

Literatur

Der Autor

Bücher von Ernst Probst

Vorwort
Kleine Frau mit großem Mut

Zum Gelingen der größten Forschungsreise in Nordamerika hat neben etlichen Männern auch die kleine Shoshonen-Indianerin Sacajawea (um 1787–1812) entscheidend beigetragen. Jene nach ihren weißen Anführern benannte „Lewis-und-Clark-Expedition“ (1804–1806) zum Pazifik und zurück bewältigte eine Gesamtstrecke von etwa 7.000 Meilen (über 13.000 Kilometer), knüpfte mit mehr als 50 Indianerstämmen Kontakte und entdeckte über 200 bis dahin unbekannte Pflanzenarten und 122 neue Tierarten. Dank der von den Captains Meriwether Lewis und William Clark angefertigten Landkarten konnten sich künftige Pioniere und Pelztierjäger bei Vorstößen in vorher unbekannte Gegenden nun im Westen orientieren. Sacajawea reagierte bei Gefahr mit großem Mut, hielt allein durch den Anblick von ihr und ihres Babys wiederholt Indianerstämme von Angriffen ab, wies oft den richtigen Weg, gab hilfreiche Hinweise, dolmetschte bei wichtigen Verhandlungen und verhinderte das Scheitern der Expedition. Ihr abenteuerliches Leben wird in dem Taschenbuch „Sacajawea. Die indianische Volksheldin“ des Wiesbadener Autors Ernst Probst geschildert. Aus seiner Feder stammen die Taschenbücher „Malinche. Die Gefährtin des spanischen Eroberers“, „Pocahontas. Die Indianer-Prinzessin aus Virginia“, „Cockacoeske. Die Königin der Pamunkey“, „Katerí Tekakwitha. Die erste selige Indianerin in Nordamerika“, „Sacajawea. Die indianische Volksheldin“, „Mohongo. Die Indianerin, die in Europa tanzte“, „Lozen. Die tapfere Kriegerin der Apachen“, „Sieben berühmte Indianerinnen“ und „Superfrauen aus dem Wilden Westen“.

Sacajawea
Die indianische Volksheldin

Die einzige weibliche Teilnehmerin an der legendären „Lewis-und-Clark-Expedition“ von 1804 bis 1806, die den fernen Wilden Westen erschloss, war die Shoshonen-Indianerin Sacajawea (um 1787–1812), nach anderer Schreibweise auch Sacagawea, Sahcahgahwea oder Sakakawea. Durch die Berichte über diese abenteuerliche Forschungsreise wurde sie zu einer wahren Volksheldin und beliebten indianischen Folklorefigur. Vermutlich ist sie bereits 1812 in jungen Jahren und nicht erst 1884 im hohen Alter gestorben.

Sacajawea kam um 1787 als Tochter eines Häuptlings der Nördlichen Shoshonen zur Welt. Der Begriff „Sho-Sho-ni“ bedeutete bei den Nachbarstämmen soviel wie „Grashüttenbewohner“. Die von den Weißen geprägte Bezeichnung „Snake“ („Schlangen“) für die Shoshonen hat gar nichts mit Schlangen zu tun. Möglicherweise bezog sie sich auf die S-förmigen „Schlangenlinien“ ihrer Zeichensprache, die einen schwimmenden Lachs symbolisierte.

Der Name Sacajawea heißt entweder „Vogelfrau“ oder „Die Frau, die das Kanu zu Wasser bringt“. Mit etwa 13 Jahren geriet sie 1800 oder 1801 bei einem der jährlichen Raub- und Jagdzüge, welche die Hidatsa-Indianer im Westen durchführten, in deren Gefangenschaft. Die Hidatsa (auch Minitari genannt), ein Stamm der Sioux-Sprachfamilie, nahmen Sacajawea in ihr Dorf am Oberen Missouri in North Dakota mit.

Der französisch-kanadische Trapper und Pelzjäger Toussaint Charbonneau (1758/1767–1843) kaufte bald danach Sacajawea und eine andere gefangene Shoshonin namens „Otter Woman“ von den Hidatsa und betrachtete sie als seine Ehefrauen. Charbonneau soll am 20. März 1767 in Bocherville (Quebec, Kanada) unweit von Montréal geboren worden sein. Nach anderen Angaben soll 1758 oder 1759 sein Geburtsjahr gewesen sein. Sein Geburtsort spielte bei Entdeckungsreisen und beim Pelzhandel eine Rolle.

Charbonneau arbeitete zeitweise als Pelzjäger für die „North West Company“, eine Handelskompanie für Pelze in Kanada. Mitte der 1790-er Jahre nahm er an einer Expedition teil, bei welcher er angeblich unangenehm auffiel. Der ebenfalls für die „North West Company“ tätige John Mcdonell schrieb über ihn am 30. Mai 1795 in sein Tagebuch: „Tousst. Charbonneau wurde von einer alten Saulteaux-Indianerin mit einer Ahle verletzt, als er ihre Tochter vergewaltigte – ein wohlverdientes Schicksal angesichts seiner Brutalität. Er konnte nur noch mit Schwierigkeiten gehen.“ Mcdonell kannte diese Geschichte, die sich am Lake Manitou in Kanada ereignete, allerdings nur vom Hörensagen, galt als sehr sittenstreng und hatte den Spitznamen „Der Priester“. Es war also auch gut möglich, dass Charbonneau die junge Salteaux-Indianerin mit Worten und Geschenken verführen und nicht vergewaltigen wollte.

Vermutlich während seiner Tätigkeit für die „North West Company“ gelangte Charbonneau erstmals in Siedlungen der Mandan-Indianer und Hidatsa-Indianer am Oberlauf des heutigen Missouri River im jetzigen North Dakota. Bei diesen Indianerstämmen ließ er sich nieder und arbeitete fortan auf eigene Rechnung für verschiedene Firmen als Fallensteller, Hilfsarbeiter und Dolmetscher für die Sprache der Hidatsa.

Am 30. April 1803 verkaufte der französische Kaiser Napoléon I. (1769–1821) für 15 Millionen US-Dollar das 2,1 Millionen Quadratkilometer große Louisiana-Territorium an die USA. Dieses riesige Gebiet erstreckte sich zwischen New Orleans im Süden und Kanada im Norden sowie zwischen dem Mississippi River im Osten und den Rocky Mountains im Westen. Pikanterweise hatte Napoléon I. die Kolonie Louisiana erst 1800 von Spanien mit der Auflage erworben, sie nicht an die USA zu verkaufen.

Dank dieser als „Louisiana Purchase“ bezeichneten Transaktion wuchs das damalige Gebiet der USA um etwa 140 Prozent. Thomas Jefferson (1743–1826), der dritte Präsident der USA, erntete wegen des Erwerbs von Louisiana teilweise heftige Kritik. Zweifler aus den Nordoststaaten der USA betrachteten die Kaufsumme als viel zu hoch und das neue Gebiet als wertlos. Napoléon hätte allerdings das für den Handel des Südens ungemein wichtige New Orleans und das Recht auf freie Schifffahrt auf dem Mississippi River nicht verkauft, wenn er nicht auch den „wertlosen

Nordwesten“ losgeworden wäre. Aus jenem „öden Land“ entstanden später das heutige Louisiana sowie Missouri, Arkansas, Iowa, Minnesota, Nord- und Süddakota, Nebraska, Oklahoma, der größte Teil von Kansas, Colorado, Wyoming und Montana.

Bereits einige Wochen nach diesem Landkauf ließ Präsident Jefferson den US-Kongress 2.500

US-Dollar bereitstellen, um intelligente Offiziere mit zehn oder zwölf Männern auszusenden, die das Land bis zum westlichen Ozean erkunden sollten. Wichtige Ziele waren die Suche nach einem schiffbaren Wasserweg vom Atlantik zum Pazifik, der beispielsweise den Handel mit China ermöglichen würde, die Gründung einer mächtigen Nation zwischen Atlantik und Pazifik sowie die Erforschung der Indianer, Tiere, Pflanzen und Geologie.

Jefferson ernannte Meriwether Lewis (1774–1809), der ab 1800 Captain bei der US-Armee und seit 1801 sein Privatsekretär war, zum Anführer der Expedition. Jefferson beschrieb ihn als furchtlos, klug und mit der Wildnis vertraut.

Im Frühsommer 1803 begann Lewis mit den Vorbereitungen der Forschungsreise zum Pazifik. Im Laufe der Zeit erhielt diese Expedition, die in die Geschichte der USA einging, verschiedene Namen. Zunächst sprach man von „Freiwilligen der Entdeckung des Westens“, später von „Corps of Discovery“ und zuletzt von der „Lewis-und-Clark-Expedition“.

Jefferson schickte Lewis nach Philadelphia, wo man ihn in medizinischen Fragen, im Anfertigen von Landkarten, im Umgang mit Sextanten und weiteren Fertigkeiten schulte. Die besten Wissenschaftler des Landes übernahmen die Ausbildung von Lewis. Der Arzt Benjamin Rush (1745–1813) machte ihn mit Grundlagen der Medizin vertraut. Der Astronom Andrew Ellicott (1754–1820) brachte ihm die Navigation anhand der Stellung der Sterne bei. Der Botanikprofessor Benjamin Smith Barton (1766–1815) unterrichtete ihn, wie man Pflanzen identifizierte und wissenschaftlich beschrieb. Während dieser Zeit erwarb Lewis für 20-US-Dollar seinen Hund „Seaman“.

Am 19. Juni 1803 fragte Meriwether Lewis brieflich beim ehemaligen Lieutenant William Clark (1770–1838), unter dem er zeitweise bei der US-Armee im „Fort Greenville“ gedient hatte, an, ob dieser sich mit ihm das Kommando bei der geplanten Expedition teilen wolle. Lewis schrieb an Clark, es gäbe niemand auf Erden, mit dem er seine Aufgabe mit gleicher Freude teilen würde wie mit ihm.

Zehn Tage später sagte Clark am 29. Juni 1803 dem „lieben Merne“ – so ein Spitzname von Meriwether Lewis aus dessen Kinderzeit – per Brief zu. Er antwortete, es gäbe sonst niemand, mit dem er etwas Derartiges unternehmen noch es ernstlich in Betracht ziehen würde. Ein weiterer Spitzname von Lewis war übrigens „Meri“.

Lewis und Clark gehörten angesehenen Pflanzerfamilien im US-Bundesstaat Virginia an. Lewis stammte aus der Locust Hill Plantation in Albemarle County und Clark aus Caroline County (beide in Virginia).

Meriwether Lewis wurde am 18. August 1774 in Ivy, etwa sieben Meilen (rund elf Kilometer) von Charlottesville, als Sohn von Lieutenant William Lewis und seiner Ehefrau Lucy Meriwether Lewis geboren. Sein Vater starb im November 1779, als er mit seinem Pferd in einen eiskalten Fluss stürzte. Damals war Meriwether erst fünf Jahre alt. Seine Mutter heiratete bereits sechs Monate später den Armee-Offizier Captain John Marks.

Im Alter von zehn Jahren zog Meriwether mit seiner wohlhabenden Familie nach Georgia. Mit 13 schickte man Meriwether nach Virginia zurück. Fortan erhielt er bei Privatlehrern eine Ausbildung, die ihn darauf vorbereitete, die Plantage seines Vaters zu übernehmen. Wie seine Mutter interessierte sich auch Meriwether für Pflanzen.

Obwohl Meriwether Lewis und William Clark aus derselben Gegend in Virginia stammten, lernten sie sich erst in den frühen 1790-er Jahren als junge Männer kennen, als beide freiwillig in der Miliz dienten. 1794 befehligten Clark und Lewis eine Armee von 1.600 Landwehrmännern aus Kentucky und marschierten zum „Fort Defiance“ am Great Miami River. Dort stießen sie zu General Anthony Wayne (1745–1796), genannt „Mad Anthony“ („Verrückter Anthony“). Dessen einige hundert Männer zählende Westarmee sollte die von Indianern bedrohten weißen Siedler nördlich des Ohio River schützen. Trotz langer Verhandlungen zwischen Wayne und Häuptlingen kam kein Vertrag zustande, der die Ansiedlung von Weißen erlaubte. Stattdessen erfolgten immer wieder Überfälle der Indianer, bei denen Weiße skalpiert und ihre Siedlungen niedergebrannt wurden. Aus diesem Grund entschloss sich Wayne, die Indianer zu vertreiben. In der „Schlacht von Fallen Timbers“ im westlichen Ohio, an der auch Clark und Lewis teilnahmen, besiegte er am 20. August 1794 die Indianer. Einige Monate später unterzeichneten die Indianerstämme den Vertrag, den General Wayne anbot.

Lewis gehörte auch einer Abteilung der Miliz an, welche 1794 die „Whiskey-Rebellion“ in Pennsylvania niederschlagen sollte. Dabei handelte es sich um den Aufstand der Siedler im Tal des Monongahela River im Westen von Pennsylvania, die gegen eine Steuer auf Alkohol und alkoholische Getränke kämpften. 1795 ging Lewis zur regulären US-Armee und diente zeitweise unter seinem späteren Partner William Clark. Ab 1. Mai 1795 war Lewis Fähnrich, ab 3. März 1799 Lieutenant und ab 5. Dezember 1800 Captain.

Die Familien von Meriwether Lewis und von US-Präsident Thomas Jefferson kannten sich schon lange. Locust Hill, die Farm der Familie Lewis, und Monticello, die Farm von Jefferson, lagen nicht weit entfernt voneinander. Nach seiner Ernennung zum Privatsekretär von US-Präsident Jefferson im Jahre 1801 begegnete Lewis zahlreichen Politikern und anderen einflussreichen Persönlichkeiten.

William Clark stammte aus einer kinderreichen Familie mit schottischen Vorfahren. Er kam am 1. August 1770 bei Charlottesville in Virginia als neuntes von zehn Kindern und als sechster Sohn von John und Ann (Rogers) Clark zur Welt. Sein Geburtsort lag in derselben Region von Virginia, aus der auch US-Präsident Jefferson und Captain Lewis kamen. 1785 zog seine Familie westwärts nach Louisville in Kentucky. Sein älterer Bruder George Rogers Clark (1752–1818) ging zur US-Armee und tat sich als Kämpfer im „Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg“ (1775–1783) gegen England und gegen Indianer hervor. George Rogers nahm mit 200 Männern nördlich des Ohio englische Festungen ein und den englischen Gouverneur General Henry Hamilton (um 1734–1796) gefangen. Hamilton trug den wenig schmeichelhaften Spitznamen „The Hair Buyer General“ („General Haarkäufer“), weil er angeblich Indianern für jeden amerikanischen Skalp eine Prämie zahlte.

William Clark trat 1789 als 19-Jähriger zunächst in die Miliz von Kentucky und 1792 in die reguläre US-Armee ein, wo er ab 7. März 1792 den Rang eines Lieutenant bekleidete. Man teilte ihn dem Regiment des bereits erwähnten Generals Anthony Wayne zu, nach dem die Stadt Fort Wayne in Indiana und mehrere US-Countys benannt sind. Clark diente vier Jahre lang bei der US-Armee. Unter anderem kämpfte er am 20. August 1794 bei der erwähnten siegreichen „Schlacht von Fallen Timbers“ gegen Indianer mit. Die indianischen Krieger gehörten zu einer Allianz von Anishinabe, Ottawa, Potawatomi, Shawnee, Lenni Lenape und Mingo, die von dem Kriegshäuptling der Shawnee namens Weyapiersenwah (um 1743–1810), genannt „Blue Jacket“, und dem Lenni-Lenape-Oberhaupt Buckongahelas (1750–1805) angeführt wurde. Dabei handelte es sich um die bis dahin stärkste Kampfgruppe nord-amerikanischer Indianer. Die Aufstände der Indianer zuvor waren vermutlich von den Engländern initiiert. 1796 verließ Clark die Armee und verbrachte danach die Zeit auf seinem Anwesen in Louisville oder auf Reisen. Lewis dagegen blieb noch einige Jahre bis 1801 beim Militär.

Meriwether Lewis und William Clark waren 1803 noch keine engen Freunde, schätzten sich aber einander sehr. Der einige Jahre ältere Clark machte damals wegen seiner militärischen Fähigkeiten auf Lewis einen großen Eindruck.

Dank einer stillschweigenden Übereinkunft zwischen Meriwether Lewis und William Clark sollten beide als Anführer der geplanten Expedition gleichberechtigt sein. Tatsächlich gab es zwischen ihnen in dieser Hinsicht keinerlei Probleme oder Rivalitäten. Vor Teilnehmern der Expedition sprachen sie sich jeweils als Captain an.

Captain Lewis war etwas kleiner und schlanker als der mehr als sechs Fuß (über 1,80 Meter) große Clark. Er hatte braune Haare, die über der Stirn mit einer Spitze endeten, feine Gesichtzüge, dunkle, nachdenkliche Augen und eine markante Nase. Lewis galt als melancholischer Denker, war zurückhaltend, schweigsam, fleißig und freundlich.

Captain Clark überragte Lewis ein wenig, war kräftig gebaut und wirkte derb und ungeschliffen. Seine roten Haare hatten links einen Scheitel und endeten hinten in einem kurzen Zopf. Die Stirn war hoch und breit, die Nase gerade und das Kinn eckig. Mit seinen hellblauen Augen blickte er manchmal wild drein, lächelte aber öfter damit. Wegen seines klaren Profils und seiner präzisen Urteilskraft war Clark mehr ein Praktiker als Lewis. Trotz ihres unterschiedlichen Charakters

verstanden sich Lewis und Clark sehr gut. Wo der Eine schwach war, war der Andere stark und umgekehrt. Bei ihren Untergebenen wussten sie sich Respekt und Gehorsam zu verschaffen, ohne deren Zuneigung zu verlieren. Beide waren streng, aber gerecht.

In Pittsburgh am Ohio River (Pennsylvania) ließ Captain Lewis im Sommer 1803 für die Expedition ein 55 Fuß (etwa 16,50 Meter) langes und 8 Fuß (rund 2,40 Meter) breites Kielboot mit Segel und Bänken für 22 Ruderer sowie zwei mehr als 40 Fuß (über 12 Meter) lange Pirogen bauen. Unter einer Piroge versteht man einen Einbaum, bei dem die Seitenwände durch aufgesetzte Planken erhöht sind. Eine der Pirogen malte man weiß an, die andere rot. Am 31. August 1803 war der Bau des

Kielbootes, das den treffenden Namen „Experiment“ erhielt, abgeschlossen. Lewis und elf weitere Männer unternahmen damit die erste größere Flussfahrt auf dem Ohio River.

Einen großen Teil der Ausrüstung kaufte Captain Lewis in Harpers Ferry (damals Virginia, heute West Virginia), dem Arsenal der US-Armee. Lewis erwarb fast 90 Kilogramm Trockensuppe, Feuerkessel, gut 450 Liter Whiskey, 15 Gewehre (Pennsylvania Rifles), 180 Kilogramm Blei, 90 Kilogramm Flintenpulver, Äxte, Messer, Angelhaken, weiße, rote und blaue Perlen, 288 Messing-Fingerhüte, einige Kilogramm Nähgarn, 4.600 Nähnadeln, Elfenbeinkämme, Armbänder,

Messingknöpfe, Ringe, Rüschenhemden, Papier, Tintenpulver und Stifte. Ein Teil dieser Artikel war als Tauschware für die Indianer vorgesehen.

Angelockt durch erhoffte spannende Abenteuer meldeten sich viele Freiwillige für die Expedition. Bei der Auswahl der Teilnehmer wurden unverheiratete, gesunde, ausdauernde und kräftige Männer, die nützliche Fähigkeiten als Soldat, Jäger, Schmied, Zimmermann oder Dolmetscher besaßen, bevorzugt. Außer Soldaten engagierte man auch Zivilisten. Diejenigen, welche die ganze Forschungsreise bis zum Pazifik und zurück mitmachen sollten, ordnete man der „Permanent Party“ zu, die Restlichen der „Extra Party“.

Clark nahm auch seinen großen und kräftigen schwarzen Sklaven York mit, den er nach dem Tod seines Vaters übernommen hatte. Vermutlich sind beide während ihrer Kindheit Spielkameraden gewesen. Auch der Vater, die Mutter Rose, die jüngere Schwester Rose und der jüngere Bruder Juba von York waren Sklaven der Familie
Clark.

Im Gästehaus von William Clark in Louisville am Ohio River in Kentucky informierte Meriwether Lewis im Oktober 1803 die Teilnehmer der Expedition erstmals umfassend über die Route, das Ziel und die Gefahren der bevorstehenden Forschungsreise. Präsident Jefferson hatte darum gebeten, dass keine Einzelheiten vorzeitig öffentlich bekannt wurden. Danach unterschrieben alle Männer mit einer frisch in die Tinte getauchten Kielfeder ein amtliches Dokument, auf dem sie ihre Teilnahme erklärten. Keiner ließ sich seine Entlassungspapiere aushändigen. Lewis und Clark schüttelten jedem neuen Freiwilligen die Hand. Die Freiwilligen hatten auch zugestimmt, dass sie militärischer Disziplin unterstanden, jeden Befehl der Captains befolgen mussten und bei Verstößen dagegen nach dem Militärgesetz bestraft werden sollten. Freiwillige, die keine Soldaten waren, bekamen ein Handgeld. Jeder Teilnehmer erhielt sechs Monate Sold im voraus. Wer es wünschte, konnte unmittelbar nach der Expedition aus dem Dienst entlassen werden und seinen restlichen Sold sowie ein Stück Land erhalten.

Am 26. Oktober 1803 brachen die Captains Lewis und Clark mitsamt dem Kern ihres Expeditionsteams in Clarksville (Indiana) mit dem Kielboot „Experiment“ und zwei großen Pirogen zu ihrer Forschungsreise auf. Clarksville befindet sich – durch den Grenzfluss Ohio River getrennt – gegenüber von Louisville (Kentucky). Anfangs fuhr man auf dem Ohio River mit Hilfe von Ruder und Segel täglich etwa 40 bis 50 Meilen (rund 64 bis 80 Kilometer) weit. Als man auf dem Missouri River ankam, wo Gegenwinde herrschten, schaffte man gelegentlich nur noch weniger als 20 Meilen (32 Kilometer).

Nach der Ankunft in Saint Louis, damals ein Nest mit zwei Straßen und schätzungsweise 180 Wohnhäusern, gab es eine böse Überraschung für die Expedition. Der aus Frankreich stammende spanische Kommandant und Gouverneur Don Carlos de Hault de Lassus (1767–1843) wusste in der zweiten Septemberhälfte 1804 noch nicht, dass Spanien das ganze Louisiana-Territorium an Frankreich übergeben und dass Frankreich dieses Gebiet an Amerika verkauft hatte. Davon erfuhr er erst durch einen Brief von US-Präsident Thomas Jefferson, den ihm Captain Lewis bei einem Empfang im Regierungsgebäude in Saint Louis vorgelegt hatte. Weil er die Order hatte, nur spanische und französische Schiffe dürften Saint Louis passieren, verbot de Lassus der amerikanischen Expedition die Weiterreise auf dem Missouri River. Der spanische Gouverneur in Saint Louis wollte sich von spanischen Beamten in New Orleans den Besitzwechsel des Louisiana-Territoriums an Amerika bestätigen lassen. In der Zwischenzeit könnten die Forschungsreisenden ein Lager errichten.

Einige Tage später wählte die Expedition mehr als eine Meile (über 1,6 Kilometer) von Saint Louis entfernt, dort wo der Dubois River (heute Wood River) von Osten in den Mississippi River mündet, einen Platz für ein Lager aus. Dieses Basislager bezeichnete man als „Camp Dubois“ (auch „Camp River Dubois“) oder „Camp Wood“ („Camp River Wood“). Es befand sich unweit der Mündung des Missouri River in den Mississippi River.

Am 20. Dezember 1803 ergriffen die USA offiziell Besitz vom unteren Teil von Louisiana („Upper Louisiana“). Im Februar 1804 verhielten sich in „Camp Dubois“ vier Soldaten – John Colter, John Boley, John Robertson und Peter Weiser – undiszipliniert. Sie missachteten den Befehl von Sergeant Ordway, ein Lokal zu besuchen und sich zu betrinken. Als Captain Lewis von der Feier am 10. März 1804 für die Aufnahme von „Upper Louisiana“ in die USA aus Saint Louis zurückkehrte, warnte er die Straftäter, die Anordnungen eines Serge-anten seien ebenso gültig wie die eines Captains. Danach durften die vier Übeltäter zehn Tage lang nicht das Camp verlassen. Boley und Robertson gehörten nur kurze Zeit dem Team an.

Ende April 1804 erhielten der spanische Gouverneur de Lassus und Captain Lewis die Nachricht, die USA hätten auch den oberen Teil von Louisiana übernommen. Am 9. Mai 1804 überreichte der spanische Kommandant de Lassus an Captain Lewis, der von US-Präsident Jefferson als sein offizieller Vertreter ernannt wurde, die Schlüssel zu den Befestigungen von Saint Louis. An der Übergabezeremonie nahm auch Captain Amos Stoddard (1762–1813), Kommandant der

amerikanischen Garnison in Cohaki (Illinois), an der Spitze seiner Truppen teil.

Eine Gruppe von mehr als 30 Männern unter Führung von Captain William Clark brach am 14. Mai 1804 in „Camp Dubois“ mit dem Kielboot „Experiment“ und zwei Pirogen zur geplanten langen Reise zum Pazifik und zurück auf. Diese Gruppe, zu der später noch Captain Lewis und einige Männer stießen, fuhr den Missouri River aufwärts gegen die Strömung. Das Kielboot wurde von zwölf Männern gerudert.

Am 16. Mai 1804 kam die Expedition nach Saint Charles, etwa 30 Kilometer nordwestlich von Saint Louis entfernt. In diesem 450 Einwohner zählenden Ort, der damals eine der letzten weißen Siedlungen am Missouri River war, erhielt am 14. Mai 1804 der Soldat John Collins 50 Peitschenhiebe auf den nackten Rücken. Zu dieser schmerzhaften Strafe wurde er wegen verschiede-ner Verstöße verurteilt. Er war unerlaubt abwesend gewesen, hatte sich am Abend des 16. Mai 1804 bei einem Ball in Saint Charles in ungehöriger Weise benommen und Befehle seiner Vorgesetzten im Camp missachtet.

Die Gruppe von Clark traf sich am 21. Mai 1804 mit dem auf dem Landweg aus Saint Louis anreisenden Captain Meriwether Lewis in Saint Charles. Dort nahmen die Captains an einem Essen mit gutsituierten Bürgern teil. Einer der Gäste war der in Frankreich geborene David Delaunay, der 1827 mit sechs Osage-Indianern nach Europa reiste und sie dort auftreten ließ.

Nach der Abfahrt mit ihren drei Booten aus Saint Charles folgten über 40 Männer dem Missouri River westwärts durch die Gegend der heutigen Städte Kansas City und Omaha. Außer der schweren Ausrüstung wurden 21 wasserdichte Säcke mit Geschenken für Indianer transportiert. Nach etwa 60 Meilen Fahrt passierte man den kleinen Ort La Charette mit sieben Häusern. Dies war die letzte weiße Siedlung am Missouri River.

Tagsüber ging Captain Lewis häufig am Flussufer zu Fuß, wobei er Pflanzen und Tiere studierte. Seine Erkenntnisse über die Natur, Geologie, Geographie, Indianerstämme sowie seine Einschätzungen für die Errichtung von Militär- und Handels-Stützpunkten notierte er in Tagebüchern und Berichten.

Beinahe wäre die Expedition für Lewis bereits nach zwei Tagen zu Ende gewesen. Als er mutig auf einem Felskliff etwa 90 Meter über dem Missouri River herumkletterte, stürzte er ab, konnte sich aber nach ungefähr sechs Metern wieder fangen. Am Tag darauf kenterte eine Piroge fast in der reißenden Strömung. Doch einige Männer sprangen in den Fluss und zogen die wild tanzende Piroge ins flache Wasser.

Captain Clark kommandierte die Männer auf dem Kielboot sowie den beiden Pirogen und fertigte Landkarten an. Lewis und Clark führten seit ihrem Zusammentreffen im Jahr zuvor Tagebücher, in denen sie die wichtigsten Ereignisse der Expedition notierten. Während der Fahrt kamen wissenschaftliche Beschreibungen, Berichte über Entdeckungen und Karten hinzu.

US-Präsident Jefferson hatte Lewis und Clark damit beauftragt, von Beginn an alles Bemerkenswerte ihrer Expedition aufzuzeichnen: Tiere, Pflanzen, Begegnungen mit Indianern sowie deren Sprache und Lebensverhältnisse, geographische Besonderheiten der Wegstrecke wie Flussmündungen, Stromschnellen oder Inseln. Der umsichtige Jefferson wünschte, für die Aufzeichnungen solle Birkenpapier verwendet werden, weil jenes nicht so anfällig gegen Feuchtigkeit war als gewöhnliches Papier. Außerdem ordnete er an, die wertvollen Informationen sollten noch während der Reise kopiert werden, um etwaigen Verlust möglichst auszuschließen.

Obwohl Jefferson ein universell gebildeter Mann war und viel Literatur über das riesige, unbekannte Land im Westen besaß, unterlag er einigen Irrtümern über das Louisiana-Territorium.

Beispielsweise glaubte er, die Blue Ridge Mountains in seiner Heimat Virginia im Osten der USA mit dem 2.037 Meter hohen Mount Mitchel als höchstem Berg seien das höchste Gebirge in Nordamerika. Denn Jefferson wusste über die Rocky Mountains (deutsch: „Felsengebirge“) mit dem 4.401 Meter hohen Mount Elbert in Colorado im Westen der USA noch nichts Genaues. Jefferson vermutete auch irrtümlich, Lewis und Clark würden am Oberlauf des Missouri River auf einen etwa eine Meile (1,6 Kilometer) langen Berg aus reinem Salz stoßen. Andere Amerikaner spekulierten damals, in Wäldern des Louisiana-Territoriums existiere ein jüdisches Indianervolk, bei dem es sich um einen der verlorenen Stämme des Volkes Israel handle. Weit verbreitet war zudem die Annahme, es gäbe eine Wasserverbindung zur Westküste der USA.

Die Fahrt gegen die Strömung auf dem Missouri River erwies sich für die Teilnehmer der Expedition oft als große Strapaze. Selten bot sich eine Gelegenheit, das Segel zu setzen. Meistens mussten die Männer rudern oder ihre Wasserfahrzeuge mit Seilen aus Hanf oder Hirschleder ziehen. Wiederholt riss ein Zugseil, wenn die zeitweise starke Strömung oder eine heftige Windböe ein Wasserfahrzeug zur Seite drückte. Außerdem bereiteten Klippen, Sandbänke, Stromschnellen und Baumstämme allerlei Probleme. Pro Tag kam man umgerechnet etwa 20 bis 30 Kilometer voran.

Die Teilnehmer der Expedition hatten auch zunehmend gesundheitliche Probleme. Sie litten an Durchfall, wegen einseitiger Ernährung (viel parasitenverseuchtes Fleisch von Wildtieren, wenig Gemüse oder Obst) an Skorbut sowie an Eitergeschwüren und Furunkeln. Zecken und Stechfliegen waren eine Plage. Teilweise waren Mückenschwärme so dicht, dass Insekten in den Augen,

Nasenlöchern, Ohren und in der Kehle klebten.

Gelegentlich machte mangelnde Disziplin des wilden Haufens der Expeditionsteilnehmer den Captains Lewis und Clark zu schaffen. Das war beispielsweise am 29. Juni 1804 der Fall. An jenem Tag musste ein Kriegsgericht einberufen werden, um zwei Soldaten zu verurteilen, die sich nachts heimlich am Whiskey-Fass zu schaffen gemacht und Alkohol getrunken hatten. Der Soldat John Collins büßte hierfür mit 100 Peitschenhieben, der von ihm überredete Soldat Hugh Hall mit 50.

Anfang Juli 1804 hatte die Expedition in der Gegend des heutigen Council Bluff („Beratungsklippe“) in Ohio erstmals Kontakt mit fremden Indianern. Den „Independence Day“ (Unabhängigkeitstag) am 4. Juli feierte man mit Kanonenschüssen und einer Extraration Whiskey. Ein Fluss nahe des heutigen Atchinson (Kansas) erhielt den Namen „Independence Creek“.

Dort, wo heute Omaha in Nebraska liegt, hielt die Expedition am 3. August 1804 eine Versammlung mit sechs Häuptlingen der Omaha-Indianer („Jene, die durch den Wind gehen“) und Oto-Indianer („Die Wollüstlinge“) sowie deren Gefolge ab. Das Treffen fand unter dem Großsegel des Kielschiffes statt, das man zum Schutz gegen die Sonne zwischen Bäumen aufgespannt hatte. Bei dieser Zusammenkunft verschenkten die Forschungsreisenden an ihre indianischen Gäste unter anderem Friedensmedaillen und US-Flaggen mit 15 Sternen (für jeden US-Staat ein Stern). Außerdem paradierten die weißen Männer und führten einen Magneten, Kompass, ein Fernglas und Gewehr von Captain Lewis vor. Ähnliches geschah auch bei künftigen Versammlungen mit Indianern.

Vier Expeditionsmitglieder kehrten am 4. August 1804 zum Dorf der Oto-Indianer zurück, um Liberté und den Soldaten Moses B. Reed, der angeblich sein verlorenes Messer suchen wollte, zurückzuholen. Doch die beiden verschwundenen Männer befanden sich nicht im Indianerdorf.

Einige Tage später kam der Häuptling „Big Horse“ nackt in das Lager der Expedition, um zu demonstrieren, wie arm er sei. Für ein Bündnis mit den Weißen forderte er statt Friedensmedaillen einen Löffel Whiskey. Ein anderer Häuptling beschwerte sich, er habe fünf Friedensmedaillen erhalten, aber er wolle fünf Pulverfässer. Doch die Expedition war nicht bereit, ihr Pulver zu verschenken.

Am 15. August 1804 kehrten die vier Expeditionsmitglieder, die – wie erwähnt – zwei

verschwundene Männer gesucht hatten, mit dem desertierten Soldaten Moses B. Reed zurück. Sie hatten auch Liberté, einen finsteren und unzufriedenen Mann, gefangen genommen, aber dieser war ihnen während der zweiten Nacht wieder entwischt. Danach hörte man nie wieder etwas von Liberté. Reed wurde am 18. August 1804 wegen Desertation und Waffendiebstahl zum

Spießrutenlaufen verurteilt. Er musste vier Mal durch die Gasse seiner Kameraden laufen, von denen ihn jeder schlagen musste.

Der erste und einzige Todesfall eines Teilnehmers der Expedition sowie der erste Tod eines US-Soldaten westlich des Mississippi River war am 20. August 1804 zu beklagen. An jenem Tag starb der erst 22 Jahre alte Sergeant Charles Floyd am Missouri River – nach heutiger Auffassung – wahrscheinlich an einer Blinddarmentzündung. Die Captains Lewis und Clark hatten irrtümlich eine Gallenkolik als Todesursache vermutet.

Floyd wurde auf einem felsigen Höhenzug über dem Missouri River begraben. An ihn erinnert der kleine Fluss Floyd River, der etwa eine Meile stromabwärts von seinem Sterbeort in den Missouri River mündet. Ein rund 30 Meter hoher Obelisk markiert heute das Grab von Floyd bei Sioux City im US-Bundesstaat Iowa.

In der Gegend des heutigen Yankton (South Dakota) hielt die Expedition eine Versammlung mit friedlichen Yankton Sioux-Indianern ab. Laut einer Legende wickelte Captain Lewis damals ein neugeborenes Indianerkind in eine US-Flagge ein und erklärte es als Amerikaner.

Anfang September 1804 traf die Expedition in den Great Plains („Große Ebenen“) im heutigen South Dakota ein. Dort gelang die Entdeckung von bis dahin für die weißen Amerikaner unbekannten Pflanzen und Tieren, beispielsweise Antilopen und Präriehunde (Cynomys), eine Gattung der Erdhörnchen. Der Name Präriehunde beruht auf dem Lebensraum und dem Warnruf dieser Tiere, der dem Bellen eines Hundes ähnelt. Außerdem stieß man auf unbekannte Indianerstämme. Die weite Landschaft erschien den Expeditionsteilnehmern wie der Eintritt in das Paradies mit schier unerschöpflichen Nahrungsquellen wie Bisons, Hirschen und Bibern.

Unerfreulich verlief ab 25. September 1804 eine mehrtägige Begegnung der Expedition mit Teton Sioux-Indianern beim heutigen Pierre in South Dakota. Zwei Indianer stahlen den Fields-Brüdern ein Pferd, mit dem sie vier erlegte Elche befördern wollten. Friedlich verlief eine Beratung der Expedition, bei der die Weißen dem Oberhäuptling „Black Buffalo“ („Schwarzer Büffel“) einen mit Tressen besetzten Soldatenmantel, einen Dreispitzhut, eine Feder und eine US-Flagge schenkten. Bei einer Führung von drei Häuptlingen auf dem Kielboot überreichte man jedem von ihnen ein Viertelglas Whiskey, was wohl ein Fehler war. Denn nun wollten die drei Häuptlinge nicht mehr gehen. Als man sie doch mit einer Barke ans Ufer ruderte, packten zwei Häuptlinge das Tau der Barke und einer umklammerte im Wasser stehend den Mast. Ein Häuptling rief, man habe ihm nicht genug Geschenke gegeben und er erlaube nicht, dass die Barke zurückfahre. Captain Clark warnte wütend, die Häuptlinge sollten sich in acht nehmen, denn seine Männer seien gewaltige Krieger. Dann sprang ein Dutzend der weißen Männer vom Kielboot in ein Kanu und fuhr mit der Flinte in der Hand zum Ufer. Außerdem richtete man das Drehgeschütz auf dem Kielboot in Richtung der Indianer, die bereits Pfeile auf ihre Bogen gelegt hatten. Nun befahl der Ober-häuptling „Schwarzer Büffel“ seinen Indianern, sie sollten weggehen.

Der Oberhäuptling und ein weiterer Häuptling kehrten zu den Weißen zurück, schlugen aber die Haus aus, die ihnen Captain Clark zur Versöhnung reichte. Darauf ruderten Clark und seine Männer mit der Barke zum Kielboot zurück. Die beiden Häuptlinge wateten mit zwei ihrer Krieger hinterher und riefen, sie wollten Freunde sein, worauf Clark sie mit an Bord des Kielbootes nahm. Anschließend ankerte das Kielboot vor einer Insel, die man auf Vorschlag von Captain Lewis als „Verdrussinsel“ bezeichnete. Beim Abendessen sprach niemand mit den Indianern. Für die Nacht wies man ihnen einen Schlafplatz zu und bewachte sie. Am nächsten Morgen luden die Häuptlinge die Weißen zu einem Abendessen in ihr Dorf ein. Dieser Einladung folgte nur Captain Lewis. Zu einem weiteren Treffen wurden die Captains Lewis und Clark mit Sänften aus Fell zum Versammlungshaus getragen. Dann rauchte man die Friedenspfeife, hielt Reden und reichte ein
Mahl, das vor allem aus Hundefleisch bestand. Während der Tänze zerbrach ein Indianer seine Trommel und warf zwei andere Trommeln ins Feuer. Dabei brüllte er, er habe keinen ausreichenden Anteil von dem Tabak erhalten, den die Weißen als Geschenk überreicht hatten. Irgendwann brachten die Frauen einige teilweise recht frisch wirkende Skalps von Maha-Indianern, mit denen die Teton Sioux gerade Krieg führten, herbei. Kurz vor Mitternacht machten sich die beiden Captains auf den Rückweg. Lewis und Clark bestiegen mit dem Oberhäuptling „Schwarzer Büffel“ und einem zweiten Häuptling an Bord des Kielbootes „Experiment“. Am nächsten Morgen wollte die Expedition weiterreisen, aber keiner der Häuptlinge das Kielboot verlassen. Man konnte sie aber schließlich doch abschieben. Nun hängten sich Krieger am Ufer an die Schiffstaue und wollten die Abfahrt verhindern. Daraufhin verloren die beiden Captains ihre Geduld. Sie befahlen ihren Männern, mit Flinten bewaffnet anzutreten und richteten ihre Kanonen auf die Indianer. Ein Dolmetscher warnte, gleich würde der Befehl zum Feuern erteilt. Daraufhin erklärte der Oberhäuptling „Schwarzer Büffel“, man wolle nur etwas Tabak für den zweiten Häuptling. Als dieser Wunsch erfüllt wurde, ließen die Indianer das Tau los. Kurz darauf rannte ein dritter Häuptling schreiend am Ufer entlang. Captain Lewis befahl dem Dolmetscher, er solle warnen, wenn noch jemand versuchen sollte, an Bord zu gelangen oder sie aufzuhalten, werde sofort geschossen.

Am nächsten Morgen bemerkte eine Wache auf der führenden Piroge, der zweite Häuptling der Teton Sioux laufe nahe am Ufer. Captain Clark sprang in die Piroge, als das Kielboot diese eingeholt hatte und ließ sich ans Ufer rudern. Dort stieß er auf einen Krieger, den zweiten Häuptling und drei Frauen. Die drei Frauen waren als Geschenke für die Weißen gedacht, mit denen die Indianer beweisen wollten, wie freundlich sie seien. Doch Clark nahm das unmoralische Geschenk nicht an und ließ nur einen Häuptling mitkommen, der etwas Tabak haben wollte und nach dem Essen wieder verschwand.

Am 1. Oktober 1804 hielten sich am Ufer zahlreiche Indianer einer anderen Gruppe der Teton Sioux auf, der die Expedition noch nicht begegnet war. Captain Lewis erklärte von einem Boot aus einem Häuptling, der auf ihn zu kam, er und seine Leute seien schlecht von den Teton Sioux behandelt worden und er wünsche kein Treffen mehr mit ihnen. Eine Einladung zu einem Abendessen nahm er nicht an, ließ aber den Häuptling auf dem Kielboot mitfahren. Auch dieser Häuptling wollte Tabak und bekam welchen. Als am Ufer viele Indianer schreiend mitrannten, forderte Clark den Häuptling auf, er solle seine Männer zurückschicken. Nach sechs Meilen (etwa neun Kilometer) brach ein Sturm los, der das Kielboot rollen und schlingern ließ. Dem Häuptling bekam dies nicht gut, er hatte Angst und wollte zu seinen Leuten zurück. Nachdem er Clark versprochen hatte, dass man keine Teton Sioux mehr sehen würde, brachte man den Häuptling mit einem Kanu ans Ufer.

Wie gefährlich die Begegnungen der Expedition Ende September 1804 mit den kindischen, lästigen und bettelnden Teton Sioux-Indianern tatsächlich waren, wird in der Literatur unterschiedlich geschildert. An die Anbahnung freundschaftlicher Beziehungen oder die Vorbereitung von Handelsbeziehungen mit den Teton Sioux war anscheinend nicht mehr zu denken. Diese unerfreulichen Ereignisse sprachen sich wie ein Lauffeuer bei anderen Indianerstämmen herum und brachten den Captains Lewis und Clark wegen ihrer entschlossenen Haltung die Hochachtung vieler Stämme ein.

In der Gegend des heutigen Bismarck (North Dakota) ereichte die Expedition am 24. Oktober 1804 einige Dörfer von Mandan-Indianern und Hidatsa-Indianern. In dieser Gegend lebten damals etwa 4.500 Indianer, also mehr Menschen als zu jener Zeit in Saint Louis. Ende Oktober 1804 war es in den Nächten bereits sehr kalt. Am 2. November 1804 fällte man das erste Bauholz für das geplante Winterlager am Missouri River. In der Nacht, die auf den 3. November 1804 folgte, bewunderten die Expeditionsmitglieder das Schauspiel eines Nordlichts.

Die Expedition bezeichnete das Winterlager am Missouri River nach den Mandan-Indianern als „Fort Mandan“. Dort wohnten die Männer in zwei langen Gebäuden, die fast im rechten Winkel aufgestellt waren. Jedes Gebäude hatte vier Räume mit einer jeweiligen Seitenlänge von 14 Fuß (etwa 4,20 Meter) und einer Höhe von sieben Fuß (2,10 Meter). Steinerne Kamine machten das Leben im Winter erträglich. Getrennt wurden die beiden Häuser durch einen viereckigen Vorratsraum. Der Platz davor wurde durch eine Palisade aus gespaltenen Baumstämmen geschützt. Rohe Felle hielten die Stämme zusammen. In der Mitte der Palisade gab es ein breites Tor, das nachts verschlossen wurde.

Die Mandan-Indianer lebten im 19. Jahrhundert in kuppelförmigen Erdhütten innerhalb von mit Palisaden geschützten Dörfern. Sie pflanzten Mais, Bohnen, Kürbisse und Sonnenblumen an, betrieben Töpferei und Korbmacherei und gingen in der Jagdsaison auf Bisonjagd. Laut Berichten von Lewis und Clark waren sie außerordentlich gastfreundlich, friedfertig, mitteilsam und praktizierten viele kultische Tänze. Auch die Hidatsa wohnten in kuppelartigen Erdhütten, betätigten sich als Maisbauern und Töpfer. Die Dörfer der Mandan-Indianer und Hidatsa-Indianer dienten als Handelsplätze, an denen man Mais, Tabak, Lederkleidung, Schmuck, englische Gewehre und Pferde tauschte.

In „Fort Mandan“ verpflichteten Lewis und Clark am 4. November 1804 den bereits erwähnten Trapper und Pelzjäger Toussaint Charbonneau als Scout (Kundschafter). Dieser hatte während einer Jagd mit Hidatsa-Indianern die Expedition besucht. Von dessen 17-jähriger schwangerer Frau Sacajawea, welche die Sprache der Shoshonen und Hidatsa beherrschte, erhofften sich die Expeditionsleiter, die beide nur Englisch sprachen, wertvolle Dolmetscherdienste. Mehr als zwei Wochen nach ihrer Verpflichtung als Expeditionsteilnehmer zogen Charbonneau und Sacajawea am 20. November 1804 ins „Fort Mandan“. Die Captains Lewis und Clark verwendeten in ihren Berichten über die Expedition die Schreibweisen „Chabono“ und „Sahcahgahwea“

In „Fort Mandan“ litten die Expeditionsteilnehmer unter dem bisher kältesten Winter, den sie jemals am eigenen Leib verspürt hatten. Am 11. Dezember 1804 fror der Missouri River zu. Mitte Dezember 1804 zeigte das Thermometer minus 29 Grad Celsius an. Bei einem Aufenthalt im Freien gefror die Atemluft.

Während einer gemeinsamen Jagd von Expeditionsteilnehmern mit Mandan-Indianern im Januar 1805 herrschte eine Temperatur von minus 24 Grad Celsius. Frostbeulen an den Füßen und bei dem Sklaven York sogar am Penis waren die Folgen.

Während des strengen Winters hielt die Expedition stets engen Kontakt mit Indianern aus der Umgebung. Dabei handelte man mit Lebensmitteln und Pelzen, tauschte Geschenke aus und besuchte sich gegenseitig.

Mandan-Indianer luden Weiße in ihre Erdhütten ein, wo sich in der Nacht nicht nur Menschen, sondern auch Pferde und Hunde um ein großes Feuer scharten. Dass bei den Indianern auch Sex zur Gastfreundschaft gehörte, nahmen viele der weißen Gäste gern an und litten fortan bis zum Ende ihres Lebens unter Syphilis. Laut einer Notiz von Captain Clark verbrachten die Männer nur wenige Nächte, ohne sich zu amüsieren.

Von den Hidatsa erfuhren Lewis und Clark, die Shoshonen seien der Indianerstamm, der sich am nächsten an den Rocky Mountains befinde und die meisten Pferde besäße. Händler berichteten auch Unerfreuliches: Die nur wenige Tagesreisen entfernten Teton Sioux-Indianer wollten angeblich die Expedition im Frühjahr ermorden.

In „Fort Mandan“ hielt sich die Expedition vom 2. November 1804 bis zum 7. April 1805 auf.

Am Abend des 11. Februar 1805 brachte Sacajawea in „Fort Mandan“ ihren Sohn Jean Baptiste Charbonneau (1805–1866) zur Welt, wobei der medizinisch bewanderte Captain Lewis assistierte. Die Geburt zog sich lange dahin und die Captains befürchteten allmählich, die junge Indianerin könne sterben. Als der besorgte Lewis deswegen mit dem französischen Dolmetscher René Jessaume sprach, riet dieser, eine kleine Dosis von den Klappern einer Klapperschlange sei eine gute Medizin. Erfreulicherweise besaß Lewis den Schwanz einer Klapperschlange und holt ihn herbei. Jessaume zermahlte einige Klappern und vermischte sie mit etwas Wasser. Dann gab man Sacajawea diese Mixtur zu trinken. Angeblich kam das Kind nach zehn Minuten wohlbehalten zur Welt. Captain Clark gab dem Jungen, der auf der Weiterreise zum Pazifik und zurück mit-genommen wurde, später den Spitznamen „Pomp“ oder „Pompy“. Angeblich amüsierte sich Clark über die „pompösen Possen“ des kleinen tanzenden Boys, als dieser größer war.

Spekulationen, Lewis oder Clark seien der Vater von Jean Baptiste gewesen, entbehren jeder Grundlage. Die beiden Captains hatten die bereits schwangere Sacajawea erstmals im November 1804 gesehen. Und die Geburt von „Pompy“ erfolgte bereits ein Vierteljahr später. Eine Schwangerschaft dauert aber bekanntlich neun Monate.

Zwischen Sacajawea und den beiden Captains entwickelte sich immer mehr eine Freundschaft. Vor allem Clark verstand sich sehr gut mit der Shoshonin. Er nannte sie „Janey“ oder gelegentlich „Vogelweibchen“, brachte ihr englische Worte bei und spielte gern mit ihrem Baby. Einen kleinen Bach, der in den Musselshell River („Muschelschalen-Fluss“) mündete, bezeichnete Clark nach Sacajawea. Diese sprach ihn wegen seiner roten Haare immer als „Captain Rotkopf“ an.

Am 14. Februar 1805 überfielen zahlreiche Sioux-Indianer eine vierköpfige Jagdgruppe der Expedition und raubten ihr zwei Pferde. Verletzt oder getötet wurde bei dieser Attacke glücklicherweise niemand. Die Männer waren mit drei Pferden und einem Schlitten losgeschickt worden, um Fleisch erlegter Büffel zu holen, das in einem aus Baumstämmen errichteten Versteck verstaut war. Das Büffelfleisch fiel den Indianern nicht in die Hände. Captain Lewis jagte zusammen mit eigenen Männern und einigen Mandan-Indianern erfolglos den Sioux nach.

Weil er damit unzufrieden war, dass er Wache stehen und arbeiten sollte wie alle anderen, verließ Toussaint Charbonneau am 12. März 1805 zusammen mit seiner Frau Sacajawea und seinem Sohn Jean Baptiste die Expedition. Vielleicht machte es ihm zu schaffen, dass etliche Expeditionsmitglieder merklich jünger als er waren. Doch bereits am 17. März 1805 kehrte er zurück, entschuldigte sich für sein Verhalten und erklärte, dass er sich der Gruppe gern wieder anschließen würde. Am nächsten Tag stellte man Charbonneau wieder ein.

Vor der Weiterreise am 7. April 1805 auf dem mittlerweile eisfreien Missouri River machten sich einige Soldaten unter der Führung von Korporal Richard Warfington mit dem langen Kielboot „Experiment“ bereits auf den Heimweg. Ihre Aufgabe bestand darin, einen ersten systematischen Bericht über Land und Leute entlang des Missouri River, Pfeile und Bogen, 108 Pflanzen, 68 Mineralien, Tierskelette und -häute, vier lebende Elstern, ein Rebhuhn und einen gefangenen Präriehund zu Präsident Jefferson zu bringen. Lewis und Clark zählten in ihrem Bericht fast 50 Indianerstämme auf, fertigten 14 Vokabellisten an, kategorisierten die Indianer nach Sprache und Erscheinungsbild. Clark zeichnete die erste halbwegs verlässliche Karte der Gebiete westlich des Mississippi.

Zu der als „Return Party“ bezeichneten Gruppe, die am 7. April 1805 auf dem Missouri River mit dem Kielboot „Experiment“ nach Saint Louis zurückfuhr, gehörten außer Korporal Warfington die Soldaten John Boley, John Dame, John Newman, Moses B. Reed, Ebenezer Tuttel, Isaac White und Alexander Willard. Außerdem waren der Dolmetscher Tabeau und vier weitere Franzosen an Bord.

Die Hauptgruppe der Expedition umfasste insgesamt 33 Personen. Drei davon waren Sergeanten (Patrick Gass, John Ordway, Nathaniel Pryor), 23 Soldaten und fünf Zivilisten (Toussaint Charbonneau, Sacajawea, das Kind Jean Baptiste Charbonneau, George Drouillard und der Sklave York). Fünf der Soldaten (William Bratton, John Collins, John Colter, die Brüder Joseph Fields und Reuben Fields) und ein Zivilist (George Drouillard) betätigten sich als Jäger. Der Soldat Pierre Cruzatte beherrschte die Sprache der Omaha und die Zeichensprache und konnte Geige spielen. Der Soldat François Labiche sprach Französisch. Der Soldat Jean Baptiste Lepage, der bei den Hidatsa und Mandan gelebt hatte, verstand diese Indianersprachen. Der erwähnte Jäger George Drouillard beherrschte die Zeichensprache und Französisch. Der Soldat John Shields war als Schmied tätig. Als einziger deutscher Teilnehmer ist der Soldat John Potts (1776–1808) bekannt, der Müller von Beruf war. Jüngster erwachsener, männlicher Teilnehmer war der erst 18 Jahre alte Soldat George Shannon (1785–1836).

Unter den Teilnehmern der Expedition dürfte Toussaint Charbonneau mit 37 Jahren der älteste Teilnehmer gewesen sein. Captain Lewis bezeichnete ihn später als „Mann ohne besondere Vorzüge“.

Nachdem das Kielboot „Experiment“ abgefahren war, standen der Expedition noch zwei Pirogen und sechs Kanus, die im Winterlager in „Fort Mandan“ gebaut worden waren, als Wasserfahrzeuge zur Verfügung. Die kleine rote Piroge führte meistens die kleine Flotte an. In der größeren weißen Piroge am Ende der Flotte reisten die beiden Captains sowie Sacajawea und ihr Baby. Alle Wasserfahrzeuge trugen Masten und Segel.

Einige Tage nach dem Aufbruch am windigen 7. April 1805 in „Fort Mandan“ brachte am 14. April 1805 ein plötzlicher Wind auf dem Missouri River die weiße Piroge zum Schlingern. Deswegen geriet Charbonneau, der das Steuerruder bediente, in Panik, weil er nicht schwimmen konnte, ließ das Sprietsegel umlegen und brachte das Boot fast zum Kentern. Auf einen Wink von Captain Lewis ergriff der Jäger George Drouillard (1773–1810) beherzt das Steuerruder, drehte die Piroge in den Wind, richtete sie wieder auf und verhinderte so ein größeres Unglück. In der weißen Piroge saßen drei Männer, die nicht schwimmen konnten, sowie Sacajawea und ihr Baby. Neben der normalen Ausrüstung beförderte diese Piroge alle Instrumente, Aufzeichnungen, Medikamente und die wertvollsten Geschenke für Indianer. Bereits am nächsten Tag wurde ihm aber eine besondere Ehre zuteil. Als man an einem namenlosen Fluss vorbeikam, an dem Charbonneau im Vorjahr einige Wochen zusammen mit Hidatsa-Indianern campiert hatte, bezeichnete man diesen als Charbonneau Creek. Heute heißt dieser Fluss allerdings Indian Creek.

Am 25. April 1805 erreichte die Expedition den Yellowstone River, der ein rechter Nebenfluss des Missouri River ist. Der Yellowstone River wurde von den Hidatsa-Indianern wegen der gelblichen Färbung des Gesteins an seinen Ufern als „Mi tse a-da-zi“ bezeichnet. Französische Trapper übersetzten dies mit „Riviére des Roches Jaunes“ und Rene Jessaune 1798 für den kanadischen Forschungsreisenden David Thompson (1779–1857) mit dem englischen Begriff „Yellow Stone“. An jenem 25. April war es morgens immer noch so kalt, dass das Wasser auf den Ruderblättern gefror. Vier Tage später erlegte die Expedition nahe des Yellowstone River den ersten Grizzlybären.

Nahe der Mündung des Milk River in den Missouri River glänzte Charbonneau als Koch. Er bereitete eine Wurst aus Bisonfleisch („Boudin Blanc“ genannt) mit Salz, Pfeffer und Mehl zu, die allen Mitgliedern der Expedition sehr mundete. Captain Lewis lobt diese leckere Wurst als eine der größten Delikatessen, die er je gegessen hatte.

Bei einem weiteren Zwischenfall mit der weißen Piroge auf dem Missouri River nahe des Musselshell River machte Toussaint Charbonneau am 16. Mai 1805 erneut keine gute Figur. An Bord waren fünf Männer sowie Sacajawea und ihr Baby. Als die von ihm gesteuerte weiße Piroge von einer Böe erfasst wurde, verlor Charbonneau seine Selbstbeherrschung. Er ließ das Ruder los und flehte Gott um Hilfe an. Der an Bord befindliche Soldat Pierre Cruzatte drohte Charbonneau, ihn zu erschießen, wenn er nicht wieder das Ruder ergreifen würde. Mittlerweile füllte sich die Piroge mit Wasser und kenterte beinahe. In dieser misslichen Lage befahl Cruzatte zwei Männern, das Wasser aus dem Boot zu schöpfen, während er und zwei andere ans Ufer ruderten. Nachdem Ausrüstungsgegenstände und Aufzeichnungen ins Wasser fielen, rettete die im Heck sitzende Sacajawea die meisten Gegenstände aus dem Fluss. Vom Ufer aus beobachteten die Captains Lewis und Clark besorgt diese Szene. Lewis notierte danach, Charbonneau sei „der wohl ängstlichste Bootsfahrer auf der Welt“.

Für die junge Mutter Sacajawea war die strapaziöse Forschungsreise nicht einfach. Neben der zeit-aufwändigen Pflege ihres Babys gehörten das Graben nach essbaren Wurzeln, das Sammeln genießbarer Pflanzen, das Pflücken von leckeren Beeren und Dolmetscherdienste beim Aufeinandertreffen mit Indianern zu ihren Pflichten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 298 Seiten

Details

Titel
Sacajawea. Die indianische Volksheldin
Autor
Jahr
2014
Seiten
298
Katalognummer
V275824
ISBN (eBook)
9783656681922
ISBN (Buch)
9783656682059
Dateigröße
26237 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sacajawea, Meriwether Lewis, William Clark, Lewis-and-Clark-Exepedition, Lewis-und-Clark-Exepedition, Indianerinnen, Shoshonen, Forschungsreise, Indianer
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2014, Sacajawea. Die indianische Volksheldin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275824

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