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Heinrich von Kleists "Michael Kohlhaas" im Zwiespalt zwischen Recht und Gerechtigkeit

Title: Heinrich von Kleists "Michael Kohlhaas" im Zwiespalt zwischen Recht und Gerechtigkeit

Term Paper , 2011 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anja Brauer (Author)

Literature - Romance Literature
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Soziale Gemeinschaften beschäftigen sich seit Jahrhunderten mit einem Aspekt, der entscheidend zur Gestaltung ihres Zusammenlebens beiträgt – mit der Frage nach
Recht und Gerechtigkeit. Anfangs drückte Gerechtigkeit allein die Übereinstimmung mit dem geltenden Recht aus. Seit längerem rückt gleichermaßen ihre moralische Bedeutsamkeit stärker in den Vordergrund. Aus objektiver Sicht wird hierbei die inhaltliche Richtigkeit des Rechts sowie subjektiv die Rechtschaffenheit eines Menschen betrachtet. So scheinen beide in einem kausalen Zusammenhang zu stehen. Der Mensch als moralisches Wesen handelt nach den inhaltlichen Vorgaben ihm bekannter Rechte. Die Rechte selbst sind mitunter Ergebnis der Vorstellungen einer moralischen Wertegemeinschaft. Dabei ist das Verlangen nach Gerechtigkeit allen Kulturen gleich. In diesem Sinne spricht Otfried Höffe ferner von der „gesamte[n] Menschheit als eine[r] Gerechtigkeitsgemeinschaft“, der gemein das Gleichheitsgebot ist. Demnach sollte jedem dasselbe Recht geschehen, unabhängig
von seiner Person. Ein Zeugnis für die literarische Auseinandersetzung mit dem Thema Recht und Gerechtigkeit bildet bis heute Heinrich von Kleists 1810 veröffentliche Charakternovelle „Michael Kohlhaas“. Den Protagonisten Michael Kohlhaas und sein Verbrechen wählte Kleist nach einem historischen Vorbild aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, dessen Geschichte er nutzte, um ein Werk zu schaffen, welches Recht und Unrecht, Verbrechen und Strafe in einen großen geistigen Zusammenhang stellt. Gegenstand dieser Hausarbeit wird es sein, die Momente des Verbrechens in Augenschein zu nehmen, die ausschlaggebend für die Konstituierung des Unrechts am Protagonisten sind und ihn in den angenommenen Zwiespalt zwischen Recht und Gerechtigkeit treiben. Besondere Beachtung kommt dabei den Umständen zu, die das Auslösen und den Verlauf der Tat außerhalb juristischer Normen begünstigen, sowie dem Charakter des Verbrechers.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kleist und die Rechts- und Staatsphilosophien seiner Zeit

2.1. Naturrecht bei Hobbes und Rousseau

2.2. Adam Müllers Staatstheorie

2.3. Das Recht des Staates in Europa und Preußen

3. Michael Kohlhass im Zwiespalt mit dem Recht auf dem Weg zur Gerechtigkeit

3.1. Der Anlass zur Rache

3.2. Der Rachefeldzug Michael Kohlhaas und seine Gefolgschaft

3.3. Das Gespräch mit Luther und die Amnestie

3.4. Dresden und der Rechtsspruch

3.5. Berlin und die Hinrichtung

4. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen individuellem Rechtsempfinden und staatlicher Rechtsausübung anhand von Heinrich von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“, um zu analysieren, wie Unrecht und gesellschaftliche Korruption den Protagonisten in die Selbstjustiz treiben.

  • Rechts- und Staatsphilosophien der Aufklärung (Hobbes, Rousseau, Adam Müller)
  • Die historische und rechtliche Situation in Europa und Preußen um 1800
  • Der psychologische Werdegang des Protagonisten vom rechtschaffenen Bürger zum Räuber
  • Die Rolle von Gerechtigkeit, Sühne und staatlicher Souveränität

Auszug aus dem Buch

3.1. Der Anlass zur Rache

Schon im ersten Abschnitt weist Kleist auf das Wesen des Michael Kohlhaas’ und eröffnet die Handlung mit einer Ambivalenz die den Kohlhaas Charakter ausmacht. So heißt es eingangs, das er „einer der rechtschaffensten und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“(S. 3) und zugleich „das Muster eines Staatsbürgers“(ebd.) ist. Nach Meinung Bernd Hesses wirft diese Widersprüchlichkeit in der Person des Rosshändlers Michael Kohlhaas beim Leser schon die Frage auf, wer dieser ist und was er will. Was veranlasst einen rechtschaffenen Bürger, in seiner „Tugend“ auszuschweifen sowie aus seinem „Rechtsgefühl“ heraus zu einem „Räuber und Mörder“ (ebd.) zu werden, wie es abschließend im ersten Absatz heißt.

Im ersten Teil der Geschichte wird das Unrecht, welches der wohlhabende Rosshändler Michael Kohlhaas auf der Tronkenburg erleidet, und das Scheitern seiner Rechtssuche geschildert. Auf einer geschäftlichen Reise von Brandenburg nach Sachsen wird er auf dem Territorium des Junkers von Tronka an der Weiterreise gehindert. Zuerst soll er an einem Schlagbaum ein Zollgeld bezahlen, dessen Entrichtung er nicht erfreut, aber noch bereitwillig tätigt – ein neues landesherrliches Privileg. Das Verlangen nach einem Passschein führt bei ihm dazu, dass ihn „diese ungesetzlichen Erpressungen zu erbittern, anfingen“ (S. 5). Nach dem er sich seiner selbst besonnen hat, möchte er mit dem Schlossherrn Tronka auf diplomatischen Weg über diesen „landesherrlichen Erlaubnisschein“ (S. 4) verhandeln.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Problematik des Rechts und der Gerechtigkeit ein und stellt die Relevanz von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ als literarisches Zeugnis für den Konflikt zwischen Individuum und staatlicher Ordnung dar.

2. Kleist und die Rechts- und Staatsphilosophien seiner Zeit: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Aufklärung durch Hobbes, Rousseau und Adam Müller, um das Verständnis für Rechtsverhältnisse im Kontext von Kleists Werk zu schärfen.

3. Michael Kohlhass im Zwiespalt mit dem Recht auf dem Weg zur Gerechtigkeit: Der Hauptteil analysiert die konkreten Ereignisse der Novelle, angefangen beim auslösenden Unrecht bis hin zur Transformation des Protagonisten durch Rachefeldzug, juristische Scheitern und die Begegnung mit Luther.

4. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass die Novelle die Ambivalenz von Recht und Gerechtigkeit aufzeigt und trotz des tragischen Endes keine einfache Lösung bietet, sondern zum kritischen Denken über das Rechtssystem anregt.

Schlüsselwörter

Michael Kohlhaas, Heinrich von Kleist, Rechtsphilosophie, Gerechtigkeit, Selbstjustiz, Naturrecht, Rechtsstaat, Aufklärung, Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau, Adam Müller, Preußen, Widerstandsrecht, Ethik, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die Untersuchung von Heinrich von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ im Hinblick auf den Konflikt zwischen individuellem Gerechtigkeitsstreben und dem staatlichen Rechtssystem.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen rechtsphilosophische Grundlagen, die historische Rechtssituation im 19. Jahrhundert, die Psychologie von Selbstjustiz und die Rolle der Moral.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu analysieren, welche Momente des Unrechts den Protagonisten zur Selbstjustiz treiben und ob am Ende der Geschichte eine tatsächliche Gerechtigkeit durch das Recht erreicht wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext in den Kontext zeitgenössischer Rechts- und Staatsphilosophien sowie historischer Gegebenheiten stellt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert die Erzählung in fünf Ereignisetappen und beleuchtet den psychologischen Werdegang von Kohlhaas sowie die Rolle wichtiger Nebenfiguren und Institutionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Recht, Gerechtigkeit, Selbstjustiz, Naturrecht, Rechtsstaat und der Protagonist Michael Kohlhaas selbst.

Warum spielt das „Kohlhaas-Mandat“ eine so wichtige Rolle?

Das Mandat dient als Instrument seiner Selbstlegitimierung, mit dem er versucht, seinen gewaltsamen Kampf nach außen hin als juristisch gerechtfertigte Unternehmung darzustellen.

Wie bewertet der Autor das Ende der Novelle?

Der Autor stellt fest, dass Kleist durch den narrativen Kunstgriff der Zigeunerin zwar eine Art Gerechtigkeit für den Helden erreicht, jedoch keine allgemeine Lösung für die Ambivalenz von Recht und Gerechtigkeit liefert.

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Details

Title
Heinrich von Kleists "Michael Kohlhaas" im Zwiespalt zwischen Recht und Gerechtigkeit
College
University of Hagen  (Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft)
Course
Kriminalanthropologie: Repräsentation von Kriminalität und Strafverfolgung in Literatur und Film
Grade
1,0
Author
Anja Brauer (Author)
Publication Year
2011
Pages
24
Catalog Number
V275865
ISBN (eBook)
9783656688105
ISBN (Book)
9783656688112
Language
German
Tags
heinrich kleists michael kohlhaas zwiespalt recht gerechtigkeit Thema Kleists Kohlhaas
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anja Brauer (Author), 2011, Heinrich von Kleists "Michael Kohlhaas" im Zwiespalt zwischen Recht und Gerechtigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275865
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