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Die Kommune I. Protest- und Selbstinszenierung mithilfe der Medien

Titel: Die Kommune I. Protest- und Selbstinszenierung mithilfe der Medien

Hausarbeit , 2012 , 26 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Anja Brauer (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Nahezu keine andere politisch motivierte Gruppierung der 1960er Jahre steht so exemplarisch für die Nutzung der Massenmedien für die eigene Selbstinszenierung wie die Kommune I. Die kleine Gruppe von jungen Leuten, die sich von 1967 bis1969 in Berlin zusammenfand, konnte ihre Wirkung in der Öffentlichkeit vor allem mit Hilfe des Multiplikationseffekts der Massenmedien entfalten. Die K I verfolgte als Vertreter der 68er-Bewegung unter anderem deren spezifische Aktions- und Kommunikationsstrategien. Um die größtmögliche Aufmerksamkeit der Massenmedien zu erlangen, nutzten sie die Kommunikationsstrategie der „symbolischen Politik“. Ihre Umsetzung erfolgt durch die Inszenierung von „Pseudoereignissen“. Es soll bewusst nicht der Schein als real dargestellt werden, sondern durch die dramatische Darstellung der Aktion der Zuschauer aufgeklärt und Reflexionsprozesse bei ihm hervorgerufen werden. Die Achtundsechziger-Bewegung sprach in diesem Zusammenhang nicht von symbolischer Politik, vielmehr von der begrenzten symbolischen Regelverletzung. Bei den inszenierten Aktionen handelte es sich meistens um kleinere Delikte, deren Ziel nicht der Gesetzesbruch war, sondern vielmehr die Offenbarung des welches der K I im April 1967 zu einer breiten massenmedialer Aufmerksamkeit verhalf, die in den kommenden Monaten bis zum Ende der Kommune bestehen blieb. Wolfgang Kraushaar bescheinigt den Kommunarden ein „Talent zur Selbstinszenierung“, welches sich bei ihren provokativen Inszenierungen genauso zeigt wie bei den Strafverhandlungen vor Gericht. Aus diesem Grund wird der seit Juni 1967 gegen Mitglieder der K I laufende so genannte „Brandstifter-
Prozess“ näher betrachtet. Beide unterschiedlichen symbolischen Inszenierungen zeigen deutlich den Umgang der Kommune mit den Medien und das Echo der Medien ihrerseits auf die Gruppe.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Symbolische Inszenierung und Provokation als Protestform

2.1. Die Vorstellungen zum Protest

2.2. Die Umsetzung durch die K I

3. Massemedien in den 1960er Jahren

3.1. Die Studentenbewegung und die Medien

3.2. Die K I und die Medien

4. Das „Pudding-Attentat“

4.1. Das Geschehen

4.2. Mediales Echo und öffentliche Reaktion

5. Der „Brandstifter-Prozess“

5.1. Die Inszenierung der „Moabiter Seifenoper“

5.2. Mediales Echo und öffentliche Reaktion

6. Resümee

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht, wie die Kommune I (K I) mittels gezielter Provokation und medienwirksamer Selbstinszenierung die Massenmedien der 1960er Jahre für ihre politischen Ziele nutzte. Dabei wird analysiert, inwiefern die Gruppe durch symbolische Aktionen die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum sowie zwischen politischem Protest und medialer Unterhaltung aktiv verschob.

  • Protest- und Kommunikationsstrategien der 68er-Bewegung
  • Die Rolle der Massenmedien als Bühne für subversiven Protest
  • Analyse des „Pudding-Attentats“ als Symbolpolitik
  • Die Inszenierung vor Gericht: Der „Brandstifter-Prozess“
  • Das Spannungsfeld zwischen politischem Anspruch und medialer Selbstdarstellung

Auszug aus dem Buch

4.1. Das Geschehen

Die Idee für ein Happening anlässlich der Visite Humphreys in West-Berlin stammt von Fritz Teufel. Nach seiner Vorstellung soll bei der Durchführung vorwiegend nur die Kommune-Gruppe agieren, da man sich aufeinander verlassen kann, außerdem werde eine gemeinsame Aktion sowie auch die folgenden Aktionen, den Zusammenhalt fördern. Der Vorschlag findet Anschluss in der Gemeinschaft. An diesem 28. März 1967 beginnen erste Gespräche über Einzelheiten. Es wird als Protestform ein politisches Happening geplant. Da sich die Kommune zum Ziel setzt Politik mit Spaß zu verbinden, soll ein Scheinangriff auf den Konvoi des Vizepräsidenten die Öffentlichkeit nicht in ein Furcht- oder Bedrohungsszenario versetzen, sondern vielmehr für Heiterkeit sorgen. Die öffentliche Aufmerksamkeit soll wieder auf Vietnam gerichtet werden und die Lächerlichkeit solcher Staatsbesuche durch eine andersartige Gegeninszenierung bloß gestellt werden. Während in Nordvietnam Bomben auf Dörfer und Städte fallen, sollen jetzt symbolisch Bomben auf einen Mitverantwortlichen für die Bombardierungen fallen.

Die Bomben sollen aus Schlagsahne, Mehltüten, Eiern und Torten bestehen, um etwaige Verletzungen zu verhindern. Rauchbomben sollen den Weg durch die polizeilichen Absperrungen zum Konvoi ermöglichen und generelles Chaos verursachen, während die einzelnen Protestierenden die Bomben werfen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in den Mythos der Kommune I ein und umreißt die zentrale Forschungsfrage nach der Nutzung von Massenmedien für die eigene Selbstinszenierung.

2. Symbolische Inszenierung und Provokation als Protestform: Dieses Kapitel erläutert den gesellschaftlichen Kontext der 1960er Jahre und die theoretischen Grundlagen der symbolischen Politik sowie deren Anwendung durch die K I.

3. Massemedien in den 1960er Jahren: Es wird das ambivalente Abhängigkeitsverhältnis zwischen der Studentenbewegung und den Medien beleuchtet, wobei besonders auf die Strategien der K I eingegangen wird.

4. Das „Pudding-Attentat“: Anhand dieses konkreten Ereignisses wird die Umsetzung eines politischen Happenings und dessen mediale Verarbeitung detailliert nachgezeichnet.

5. Der „Brandstifter-Prozess“: Das Kapitel analysiert, wie die Kommunarden den Gerichtssaal als Bühne für eine subversive Inszenierung („Moabiter Seifenoper“) nutzten und wie die Presse darauf reagierte.

6. Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die K I erfolgreich eine neue Form der Protestinszenierung etablierte, dabei jedoch Gefahr lief, die ursprüngliche politische Zielsetzung zugunsten einer rein medialen Selbstvermarktung zu verlieren.

Schlüsselwörter

Kommune I, 68er-Bewegung, Medieninszenierung, symbolische Politik, Pudding-Attentat, Brandstifter-Prozess, Studentenbewegung, Provokation, Happening, Gegenöffentlichkeit, Selbstinszenierung, politischer Protest, 1960er Jahre, Axel Springer Verlag, Subkultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie die Kommune I die Massenmedien der späten 1960er Jahre als Werkzeug für ihre Proteste und zur bewussten Selbstinszenierung einsetzte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf den Proteststrategien der 68er, der Rolle von Massenmedien, dem Spannungsfeld zwischen Politik und Spektakel sowie der Bedeutung symbolischer Regelverletzung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu ergründen, wie die K I lernte, mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen und ob dies tatsächlich zur gesellschaftlichen Veränderung beitrug oder in einer reinen Selbstinszenierung endete.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf zeitgenössische Quellen, Presseberichte und Sekundärliteratur zur Mediengeschichte der Studentenbewegung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit zwei Fallbeispielen: dem geplanten „Pudding-Attentat“ und dem sogenannten „Brandstifter-Prozess“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kommune I, Medieninszenierung, symbolische Politik, Protestform und kultureller Wandel.

Wie reagierte die Presse auf die Aktionen der Kommune I?

Die Reaktionen waren gespalten: Während konservative Medien von „Bombenattentaten“ und „Geisteskranken“ sprachen, griffen liberale Medien den satirischen Charakter und das Amüsement hinter den Aktionen auf.

Was verstand die K I unter dem „Pudding-Attentat“?

Es handelte sich um ein geplantes politisches Happening mit symbolischen „Bomben“ aus Schlagsahne und Mehl, um gegen den Vietnamkrieg und Staatsbesuche zu protestieren und Heiterkeit statt Angst zu erzeugen.

Warum wurde der Gerichtsprozess als „Moabiter Seifenoper“ bezeichnet?

Weil die Angeklagten den Prozess durch ihr Verhalten, ihre Kleidung und bewusste Provokationen in ein „Kasperle-Theater“ verwandelten und die symbolische Ordnung des Gerichts als Bühne für ihre Zwecke umdeuteten.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Kommune I. Protest- und Selbstinszenierung mithilfe der Medien
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Erfahrungsgeschichte und Erinnerungskultur: Die 60er Jahre in West- und Ostdeutschland
Note
2,0
Autor
Anja Brauer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
26
Katalognummer
V275870
ISBN (eBook)
9783656688044
ISBN (Buch)
9783656688037
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neuere deutsche Geschichte Mediengeschichte Kommune I Kommune 1 60er Jahre Erfahrungsgeschichte Erinnerungskultur Protestbewegung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anja Brauer (Autor:in), 2012, Die Kommune I. Protest- und Selbstinszenierung mithilfe der Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275870
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Leseprobe aus  26  Seiten
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