Giacomo Leopardis Canto XXI "A Silvia". Eine Analyse


Hausarbeit, 2014

19 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Giacomo Leopardi - sein Leben und Werk

3 Analyse des Canto A Silvia
3.1 Entstehungsgeschichte
3.2 Metrik
3.3 Stil
3.4 Inhalt

4 Schlussbetrachtung

5 Literaturangabe

6 Anhang

1. Einleitung

Questo io conosco e sento,
Che degli eterni giri,
Che dell’esser mio frale,
Qualche bene o contento
Avrà fors’altri; a me la vita è male.[1]

Mit diesen Versen (V. 100-104) aus Leopardis Canto notturno di un pastore errante möchte ich diese Hausarbeit beginnen. Tatsächlich scheint sein Leben vom Unglück geprägt gewesen zu sein: Leopardi war schmächtig, introvertiert, melancholisch, morbid. In der Kindheit sehnte er sich nach Mutterliebe, im fortgeschrittenen Alter nach Zuwendung der Frauen, wurde aber stets abgewiesen. Zeit seines Lebens war er ohne feste Anstellung und damit stets in Geldnot.

Dies erklärt, warum Benedetto Croce von Leopardis Leben als ”una vita strozzata“[2] sprach. August Graf von Platen, der Leopardi 1834 kennenlernte, schrieb über ihn: „Leopardi ist klein und bucklicht, sein Gesicht bleich und leidend […]. Ohne Bewegung und ohne sich, bei dem Zustande seiner Nerven, beschäftigen zu können, führt er ein allerdings trauriges Leben.“[3]

Dennoch ist Leopardi ”il poeta più celebrato dell’Ottocento italiano.“[4] Sein Gedicht A Silvia [5] soll in dieser Hausarbeit von zentraler Bedeutung sein.

Bevor ich mich jedoch dem Canto widme, möchte ich zuvor das Leben Giacomo Leopardis etwas näher beleuchten, da man sein Werk wohl kaum davon losgelöst betrachten kann.

In der Schlussbetrachtung sollen die gewonnen Erkenntnisse in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht werden.

2. Giacomo Leopardi – sein Leben und Werk

Giacomo Leopardi wurde am 29. Juni 1798 als Giacomo Taldegardo Francesco Salesio Saverio Pietro Leopardi in Recanati (gehört heute zur Provinz Macerata in der italienischen Region Marken), im damaligen Kirchenstaat, geboren.[6] Er war das älteste von zehn Kindern des Grafen Monaldo Leopardi und seiner Frau Adelaide Antici. Von seinen Geschwistern erreichten nur vier das Erwachsenenalter: Carlo (1799-1878), Paolina (1800-1869), Luigi (1804-1824) und Pierfrancesco (1813-1851). Zu den beiden erstgenannten hatte er eine äußerst innige Bindung. Leopardi wurde in ein strenges uns gefühlsarmes Elternhaus hineingeboren und wuchs in einer bedrückenden und reaktionären Atmosphäre auf.[7]

1803 wurde das Hause Leopardi aufgrund von Spekulationen des Vaters zahlungsunfähig. Zwar gelang es der Mutter, die fortan das Familienvermögen verwaltete, den finanziellen Ruin abzuwenden, doch war die Familie nun heillos zerstritten.[8] Nachdem Leopardis Vater das wirtschaftliche Regiment abgegeben hatte, kümmerte er sich um die Erziehung der Kinder und um sein Steckenpferd, die Privatbibliothek des Hauses: ”Per Monaldo, quella biblioteca era il cuore dell’universo […].“[9] Die finanzielle Lage stabilisierte sich, aber die Kinder litten unter dem familiären Ambiente und hatten kaum soziale Kontakte: ”Nel palazzo non doveva entrare nessuno: né gli amici di Monaldo e di Giacomo né le amiche di Paolina […]. E nessuno doveva uscire, perché la casa era un’immensa fortezza […].“[10]

Von 1807 bis 1812 wurde Giacomo zusammen mit seinen Geschwistern von drei geistlichen Privatlehrern unterrichtet: Don Sebastiano Sanchini, Don Vincenzo Diotallevi und dem Jesuiten Giuseppe de Torres. Bereits im Alter von elf Jahren begann Leopardis selbstständige Beschäftigung mit der antiken Literatur.[11] Zeitgleich schrieb er verschiedene kleine Werke, zu denen auch Verse und Prosa in lateinischer Sprache gehören.[12]

1812 löste sich Leopardi von seinen Lehrern und legte in der Bibliothek seines Vaters die Grundlagen einer ungewöhnlich reichen und intensiven Bildung. Diesen Lebensabschnitt bezeichnete er später rückblickend in einem Brief vom 2. März 1818 an den Mentor seiner frühen Jahre, den liberalen Ex-Benediktiner und vorübergehenden Mitherausgeber der Biblioteca Italiana, Pietro Giordani (1774-1848), als Jahre eines ”studio matto e disperatissimo“.[13]

Ab 1813 widmete er sich neben dem Studium des Lateinischen, Französischen und Spanischen als Autodidakt zudem dem Griechischen und Hebräischen. Er verfasste eine Storia dell’Astronomia und erhielt die Erlaubnis auch Werke zu lesen, die auf dem Index standen. Im Jahr darauf entstanden erste Übersetzungen aus dem Griechischen und Lateinischen sowie philologische Aufsätze. 1815 übersetzte Leopardi den damals noch Homer zugeschriebenen Froschmäusekrieg, im folgenden Jahr den ersten Gesang der Odyssee und das zweite Buch der Äneis. In derselben Zeit entstand sein Saggio sopra gli errori popolari degli antichi sowie die Schrift Lettera ai compilatori della Biblioteca Italiana, worin er die Klassik gegen die von Madame de Staël propagierte Romantik verteidigte. Seine Äneis -Übersetzung erschien 1817 in der Zeitschrift Lo spettatore italiano e straniero des Mailänder Verlegers Antonio Fortunato Stella und erntete Lob von Seiten des Philologen Angelo Mai sowie den Schriftstellern Vincenzo Monti und Pietro Giordani. Mit letzterem, der ihn ein Jahr darauf in Recanati besuchte, entwickelte sich, wie bereits angedeutet, ein reger Briefwechsel. 1817 begann Leopardi zudem mit den Aufzeichnungen, aus denen ab 1827 sein Zibaldone hervorgehen sollte. Jenes Werk kann wohl als aufschlussreichstes Dokument seiner Gefühls- und Gedankenwelt angesehen werden. Seine Gesundheit war zu dem Zeitpunkt bereits angegriffen.[14] Ebenfalls im Jahre 1817 besuchte seine Cousine Gertrude Cassi Lazzari seine Familie in Recanati. Leopardi verliebte sich heftig,

[...]


[1] Leopardi, Giacomo, Canto notturno di un pastore errante, V. 100-104.

[2] Croce, Benedetto (1923): Poesia e non poesia. Note sulla letteratura europea del secolo decimonono, Bari: Laterza & Figli, S. 108.

[3] Platen, August Graf von (1969): Die Tagebücher des Grafen August von Platen, Hildesheim [u.a.]: Olms, S. 964.

[4] http://www.raistoria.rai.it/articoli-programma/le-poesie-di-giacomo-leopardi/13453/default.aspx#l (Zu-griff: 17.12.2013).

[5] Der Canto befindet sich im Anhang auf Seite 18f.

[6] Vgl. Citati, Pietro (2010): Leopardi, Milano: Mondadori, S. 9.

[7] Vgl. Hösle, Johannes (1995): Kleine Geschichte der italienischen Literatur, München: Beck, S. 144.

[8] Vgl. Minore, Renato (1997): Leopardi. L’infanzia, le città, gli amori, Milano: Bompiani, S. 13.

[9] Citati (2010), S. 21.

[10] Ebd., 15.

[11] Vgl. Endrulat, Helmut (1990): „Daten zu Leben und Werk Leopardis“, in: Leopardi, Giacomo: Canti e Frammenti. Gesänge und Fragmente. Italienisch/Deutsch, Stuttgart: Reclam, S. 291-296, hier: S. 291.

[12] Mehr dazu in Leopardi, Giacomo (1972): Tutti gli scritti inediti, rari e editi 1809-1810, a cura di Maria Corti, Milano: Bompiani.

[13] Leopardi, Giacomo (21859): Epistolario di Giacomo Leopardi. Con le iscrizioni greche Triopee da lui tradotte e le lettere di Pietro Giordani e Pietro Colletta all’autore; raccolto e ordianto da Prospero Viani, Vol. I, Napoli: Tipografia Vitale, S. 81.

[14] Vgl. Endrulat (1990), S. 291f.

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Details

Titel
Giacomo Leopardis Canto XXI "A Silvia". Eine Analyse
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
3,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V275889
ISBN (eBook)
9783656687801
ISBN (Buch)
9783656687825
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leopardi, Canti, A Silvia, canzone libera, canzone leopardiana
Arbeit zitieren
Patrizia Scamarcio (Autor:in), 2014, Giacomo Leopardis Canto XXI "A Silvia". Eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275889

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