Biografien im Comic. Die Inszenierung des Helden und politischer Ideologien in "Che Guevara" und "Vida y Obra de Eva Perón"


Hausarbeit, 2013

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kontrastive Analyse von La vida del Che (1968) und Evita, vida y obra de Eva Perón (1970)
2.1 Entstehungshintergrund der beiden Werke
2.2 Formale Gestaltung
2.3 Darstellung des Helden
2.3.1 Evita als starke Frau und Engel der Armen
2.3.2 Che - der klassische Held und seine menschliche Seite
2.4 Inszenierung der Ideologien
2.4.1 Evita als Verkörperung des Peronismus
2.4.2 Che als Vorbild für die revolutionäre Bewegung

3 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die argentinische Primera Dama, Eva Duarte de Perón und der Revolutionär, Che Ernesto Guevara gelten als unsterbliche Ikonen der argentinischen und südamerikanischen Geschichte. Zu ihren Lebzeiten beeinflussen sie breite Gesellschaftsschichten, verändern die politische Landschaft und werden von einigen Teilen der Bevölkerung verehrt und gefeiert und von anderen gehasst und verfolgt. Nach ihrem Tod werden sie zum Symbol ihrer politischen Ideale und finden auf vielfältige Weise Eingang in die Geschichtsschreibung, Literatur und Film.

Ende der sechziger Jahre beschäftigt sich der bekannte argentinische Szenarist und Autor zahlreicher Kurzgeschichten, Héctor Germán Oesterheld, mit dem Leben dieser historischen Persönlichkeiten und inszeniert gemeinsam mit Alberto und Enrique Breccia ihre Lebensgeschichten im Medium des Comics. Die beiden Comic-Biografien entstehen in einem instabilen, durch strake politische Turbulenzen und wachsende soziale Probleme sowie militärische Repressionen geprägten geschichtlichen Kontext und gehören zu den letzten zunehmend politisch orientierten Werken Germán Oesterhelds.

Vor diesem Hintergrund widmet sich die vorliegende Arbeit der Untersuchung der Darstellung der Protagonisten und der Inszenierung der politischer Ideologien in Oesterhelds Werken La vida del Che (1968 ) und Evita, vida y obra de Eva Perón (1970).

Wie wird der Comic politisch instrumentalisiert, um eine Inszenierung des Protagonisten als Held zu erreichen und eine bestimmte Ideologie zu vermitteln? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten lassen sich dabei in der Darstellung beobachten?

Um die aufgeworfenen Fragestellungen zu untersuchen, werden die beiden Comic-Biografien im Hinblick auf ihre formale Gestaltung, die Heldendarstellung und die literarische Inszenierung der Ideologien vergleichend untersucht.

Im zweiten Kapitel erfolgt die kontrastive Analyse der beiden Werke. Dabei wird zunächst der historisch gesellschaftliche Entstehungshintergrund der Comic- Biografien in Kürze dargelegt, mit dem Ziel diese zeitgeschichtlich einzuordnen.

Im Unterkapitel 2.2 werden die beiden Comics im Bezug auf ihre formale Gestaltung, wie den Handlungsaufbau, die erzählerische Vermittlung sowie die TextBildgestaltung, kontrastiv untersucht.

Im Anschluss folgt eine vergleichende Analyse der Darstellung des Helden (2.3) und der Inszenierung der Ideologie (2.4) in Vida y Obra de Eva Perón und La vida del Che.

Das Fazit resümiert abschließend die wesentlichen Ergebnisse und zieht Schlussfolgerungen im Hinblick auf die anfangs aufgeworfene Fragestellung.

2 Kontrastive Analyse von La vida del Che (1968) und Evita, vida y obra de Eva Perón (1970)

2.1 Entstehungshintergrund der beiden Werke

Der zeitgeschichtliche Entstehungskontext der beiden Werke ist durch enorme politische Instabilität, häufige Wechsel zwischen der zivilen und der militärischen Regierungen sowie durch strake innergesellschaftliche Differenzen gekennzeichnet (vgl. Bodemer 2007: k.S.).

Seit den 30er Jahren, in denen der erste Militärputsch stattfindet, wechseln sich zahlreiche, wenig erfolgreiche Militär-und Zivilregierungen ab. Im Jahr 1943 gelingt es dem Oberst Juan Domingo Perón mittels eines Staatsstreichs die politische Bühne Argentiniens zu betreten und diese im Laufe der Zeit nachhaltig zu beeinflussen (vgl. Cramer 1999: S. 1). Im Jahr 1944 lernt Perón seine zukünftige Frau, Eva Duarte, kennen, die mit ihrer charismatischen Art große Bevölkerungsgruppen, vor allem die Arbeiterklasse, überzeugt und seine Popularität im Volk steigert. Im Jahr 1946 wird Juan Perón demokratisch zum Präsidenten gewählt (vgl. Seeler 2009: S.40). Während seiner Regierungszeit bewirkt er zahlreiche nachhaltige Sozialreformen im Bereich des Bildungs- und Gesundheitswesens und setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen ein.

Die peronistische Regierung findet ihre Unterstützung vor allem in der Arbeiterschaft sowie der unteren sozialen Klasse und vollzieht sich unter dem Leitbild des justicialismo (Politik der sozialen Gerechtigkeit). In diesem Zusammenhang ist vor allem Eva Peróns hohes soziales Engagements hervorzuheben (vgl. ebd.: S. 40). Im Jahr 1952 schwindet mit Evitas Tod und der zunehmenden Staatsverschuldung Peróns politische Popularität. So dass im Jahr 1955 erneut ein Militärputsch stattfindet, der den peronistischen Staatsführer ins Exil versetzt.

In den nachfolgenden 25 Jahren wechseln sich erneut Militär-und Zivilregierungen ab und wirtschaftliche Probleme, soziale Ungerechtigkeit sowie die steigende Repression und politische Gewalt der Militärregierung bestimmten den Alltag der argentinischen Bevölkerung (vgl. Fuchs 2010: S. 57). Vor diesem politisch instabilen Hintergrund entstehen erste Widerstandsbewegungen, die so genannten Guerillaorganisationen. Dabei sind vor allem die marxistisch gesinnte Revolutionäre Volksarmee, Ejército Revolucionario del Pueblo (ERP), und die linksperonistisch gesinnte Bewegung Montonero, Movimiento Peronista Montonero, hervorzuheben. In dieser Phase steigt das politische Engagement Oesterhelds und er schließt sich der Guerillaorganisation Montonero an (vgl. Vazquez 2010: S. 157).

Diese turbulenten Zeiten begrenzen sich nicht nur auf Argentinien, sondern dehnen sich auf weitere Teile Südamerikas aus. In Kuba ereignet sich in den Jahren 1956-59 eine von der Widerstandsbewegung durchgeführte Revolution. Ihre zentralen Anführer sind Fidel Castro und der Argentinier Ernesto Rafael Guevara, die infolgedessen zu nationalen Helden erhoben werden. Ernesto Guevara, der im Volk unter dem Spitznamen Che bekannt wird, bemüht sich das kubanische Revolutionsmodell in den nachfolgenden Jahren ebenfalls in Kongo und Bolivien umzusetzen. Sein revolutionäres Vorhaben scheitert jedoch in Bolivien, wo er 1967 hingerichtet wird (vgl. Kirsten 2004: S. 215).

In diesem historischen Kontext verfasst Héctor Oesterheld seine zunehmend politisch engagierten Werke, die seine politische Entwicklung wiederspiegeln. Dazu gehören unter anderem die neue Version vom seinem berühmten Comicstrip Eternauta sowie die Comic-Biografien der bedeutenden politischen Akteure, Che Guevara und Eva Duarte Perón.

Die Lebensgeschichte Ches verfasst der argentinische Schriftsteller bereits im Jahr 1968, nur ein paar Monate nach der Hinrichtung des Revolutionärs. Daran wird deutlich, dass dieses Werk keine zeitliche Distanz zu der dargestellten historischen Person aufzeigt. Im Gegensatz dazu, wurde die Comic-Biografie Vida y Obra de Eva Perón von Héctor Oesterheld als Fortsetzung zu der ersten Comic-Biografie erst im Jahr 1970 verfasst und weist somit einen deutlich größeren historischen Abstand von fast zwanzig Jahren auf.

Im Folgenden soll die formale Gestaltung der beiden Werke vergleichend untersucht werden.

2.2 Formale Gestaltung

Der Comic Che ist in sieben Kapitel aufgeteilt, die unterschiedliche Lebensabschnitte des Protagonisten darstellen. Die jeweiligen Kapitelüberschriften wie „Ernestito“, „El chancho“, „El Che“ stellen die verschiedenen Lebensphasen des Revolutionärs dar und veranschaulichen somit in chronologischer Weise seine persönliche Entwicklung vom kleinen Jungen (Ernestito) zu dem berühmten Revolutionär (Che). Weitere Kapitel wie „Bolivia“, „Sierra Maestra“, „El Yuro“ und „Higueras” beziehen sich auf die wichtigsten Kämpfe Guevaras in Kuba (Sierra Maestra) und Bolivien. Dabei teilt sich die Handlung in zwei Handlungsstränge auf.

Der erste Handlungsstrang, mit dem die Darstellung beginnt und endet, stellt die letzten Kämpfe Guevaras in Bolivien sowie seine Ermordung dar. Der zweite Handlungsstrang inszeniert die Lebensgeschichte des Revolutionärs in einer chronologischen und episodenhaften Weise. Die beiden Handlungen werden zunächst parallel erzählt, bis sie inhaltlich zusammenlaufen und die letzten Kämpfe Ches in Bolivien das Ende darstellen.

Die Tatsache, dass die Darstellung der Lebensgeschichte Guevaras mit einer Rückblende auf seine letzte Zeit in Bolivien beginnt und diese sich durch die gesamte, weitere Handlung zieht, weist auf die große Bedeutung dieses Lebensabschnittes hin. Dadurch entsteht der Eindruck, dass sein letztes Vorhaben, in Bolivien eine Revolution nach dem kubanischen Modell durchzuführen, eine zentrale Rolle in der Darstellung seiner Biografie einnimmt.

Im Gegensatz zu diesem durch zwei parallele Handlungsstränge und mehrere Kapitel strukturiertem Aufbau vollzieht sich die Handlung in dem Comic La vida y obra de Eva Perón chronologisch und ist in keine weiteren Kapitel untergliedert. Dennoch lassen sich Auffälligkeiten in dem formalen Aufbau beobachten. Der chronologischen Inszenierung der Lebensgeschichte sind ein Vorwort des Autors sowie drei Panels, die die Tragweite und den Einfluss Eva Peróns nach ihrem Tod hervorheben, vorangestellt. Außerdem endet die Biografie nicht mit ihrem Tod, sondern mit der Darstellung ihres Weiterlebens in den Erinnerungen des Volkes, die sich über elf weitere Panels erstreckt.

Somit wird deutlich, dass die Comic-Biografie das Weiterleben der argentinischen Primera Dama sowie ihren immensen Einfluss auf die argentinische Gesellschaft und Geschichte hervorheben soll.

Im Hinblick auf die erzählerische Vermittlung lässt sich feststellen, dass im Comic Che drei verschiede Erzählinstanzen vorzufinden sind. Zum einen wird durch das für das Genre charakteristische grafische Symbol der Sprechblase eine personale Erzählsituation erzeugt. Somit werden mittels der Symbole zur Redepräsentation Dialoge inszeniert, wodurch der Eindruck der Unmittelbarkeit sowie der Nähe zum Geschehen erweckt wird.

Des Weiteren wird eine allwissende, auktoriale Erzählinstanz durch die Beschreibungen und Kommentare in den Blocktexten inszeniert, wie zum Beispiel:

„Ernesto Geuvara acaba de ser bautizado por segunda vez. Y para siempre. Desde ahora sera el Che.“ (S. 50); „Pero Granado no le cree, a Ernesto le falta todavía doce materias. Lástima. Ernesto médico como pocos, aunque siempre va tan lejos. Las enfermedades que en verdad quisiera curar no se llaman tifus, malaria, lepra, se llaman hambre, exlplotacion, injusticia.” (S. 40)

Dabei handelt es sich um eine rätselhafte Erzählinstanz, da die auktoriale Erzählung oftmals in der Wir-Form inszeniert wird und die Identität des Erzählers unbekannt bleibt. So entsteht an vielen Stellen der Eindruck, durch die kollektive Wir-Stimme werde das Volk repräsentiert. Vor allem am folgenden Beispiel, das sich auf die letzten Kämpfe der Guerilla-Revolutionäre in Kuba bezieht, kommt dieser Aspekt zum Vorschein: „Por fin los refuerzos, ahora somos ochenta, pero hay que instruirlos. En los caserios de la sierra el che vuelve a la medicina. [...].” (Oesterheld 2007: S. 65). Dabei wird durch den Ausdruck ahora somos ochenta der Wir-Erzähler als ein Kollektiv, das ebenfalls in die Handlung miteinbezogen ist und auf der Seite der Guerilla kämpft, dargestellt.

Bei der dritten Erzählinstanz, die lediglich in dem Handlungsstrang, der sich in Bolivien abspielt, auftaucht, handelt es sich um einen Ich-Erzähler. Dieser tritt durch die Ausschnitte aus Guevaras Tagebucheinträgen hervor, wie beispielsweise: „´Antes de salir reuní a todo el mundo y les tiré una descarga sobre los problemas confrontados.“ (Oesterheld 2007: S.41). Somit wird durch den Rückbezug auf außertextuelle Quellen, wie in diesem Fall die Reise-Tagebücher des Revolutionärs, der Protagonist als Ich- Erzähler in seine eigene Lebensdarstellung miteinbezogen. Dadurch entsteht erneut der Eindruck der Unmittelbarkeit, der Authentizität sowie der Schein einer Autobiografie und der Anspruch an die Faktizität der Darstellung wird veranschaulicht. Ähnlich dazu wird der Anspruch an die historische Genauigkeit in der Darstellung der Lebensgeschichte Eva Peróns bereits durch die erzählerische Vermittlung erzeugt, die jedoch anders als in Biografie Ches inszeniert wird. Zunächst fällt auf, dass den Comicfiguren in dem Werk La Vida y obra de Eva Perón keine personale Erzählinstanz zu Grunde liegt. Auf das charakteristische grafische Symbol der Sprechblase wird in diesem Werk verzichtet. Die Handlung wird durch einen auktorialen Erzähler über Blocktexte vermittelt, der häufig Ausschnitte aus der Autobiografie Eva Peróns, La Razón de mi vida, in Form von Zitaten in die Darstellung einbindet. Die Rückbezüge auf die Autobiografie erzeugen ebenfalls den Eindruck der Authentizität sowie den Schein einer historiografischen Vorgehensweise. Dazu trägt wesentlich die Tatsache bei, dass die Comicfiguren keine Sprechblasen aufweisen, denn dadurch wird eine Distanz zum Geschehen vermittelt und der Eindruck der Objektivität erweckt, da das Geschehen nicht aus den subjektiven Perspektiven der einzelnen Comicfiguren dargelegt wird, sondern aus der distanzierten Perspektive des sich scheinbar auf historische Quellen berufenden auktorialen Ich-Erzählers. Schließlich sollen die Bildgestaltung sowie das Text-Bild Verhältnis in den beiden Comic-Biografien untersucht werden.

Im Hinblick auf die Bildgestaltung lässt sich feststellen, dass die beiden Handlungsstränge deutliche Unterschiede im Zeichenstil und den Text-Bild Relationen aufweisen. Während der biografisch ausgerichtete Handlungsstrang, der die Lebensgeschichte Ches von Beginn an darstellt, einen fast durchgängig realistischen, detaillierten Stil erkennen lässt, erscheint die Bildgestaltung in dem Bolivien- Handlungsstrang weniger lebensecht, grotesk und verzerrt. Dazu dominiert in diesem Handlungsstrang die schwarze Farbe, so dass eine düstere Stimmung vermittelt wird. Im Gegensatz zu der genauen, detaillierten und wirklichkeitsnahen Darstellung der Personen im ersten Handlungsstrang, werden die Figuren in der Bolivien-Handlung durch grobe, verzogene und ungenaue Linien gekennzeichnet und wirken somit grotesk. Diese verzerrte Darstellung nimmt vor allem am Ende der Handlung zu, so dass die bolivianischen Soldaten als eine homogene, entstellte Masse erscheinen. Sie wirken dadurch als eine Symbolisierung des Bösen und Grausamen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Biografien im Comic. Die Inszenierung des Helden und politischer Ideologien in "Che Guevara" und "Vida y Obra de Eva Perón"
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V275945
ISBN (eBook)
9783656689522
ISBN (Buch)
9783656689539
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
biografien, comic, inszenierung, helden, ideologien, guevara, vida, obra, perón
Arbeit zitieren
Elvira Peters (Autor), 2013, Biografien im Comic. Die Inszenierung des Helden und politischer Ideologien in "Che Guevara" und "Vida y Obra de Eva Perón", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275945

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Biografien im Comic. Die Inszenierung des Helden und politischer Ideologien in "Che Guevara" und "Vida y Obra de Eva Perón"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden