Die argentinische Primera Dama, Eva Duarte de Perón und der Revolutionär, Che Ernesto Guevara gelten als unsterbliche Ikonen der argentinischen und südamerikanischen Geschichte. Zu ihren Lebzeiten beeinflussen sie breite Gesellschaftsschichten, verändern die politische Landschaft und werden von einigen Teilen der Bevölkerung verehrt und gefeiert und von anderen gehasst und verfolgt. Nach ihrem Tod werden sie zum Symbol ihrer politischen Ideale und finden auf vielfältige Weise Eingang in die Geschichtsschreibung, Literatur und Film. Ende der sechziger Jahre beschäftigt sich der bekannte argentinische Szenarist und Autor zahlreicher Kurzgeschichten, Héctor Germán Oesterheld, mit dem Leben dieser historischen Persönlichkeiten und inszeniert gemeinsam mit Alberto und Enrique Breccia ihre Lebensgeschichten im Medium des Comics. Die beiden Comic-Biografien
entstehen in einem instabilen, durch strake politische Turbulenzen und wachsende soziale Probleme sowie militärische Repressionen geprägten geschichtlichen Kontext und gehören zu den letzten zunehmend politisch orientierten Werken Germán Oesterhelds. Vor diesem Hintergrund widmet sich die vorliegende Arbeit der Untersuchung der Darstellung der Protagonisten und der Inszenierung der politischer Ideologien in Oesterhelds Werken La vida del Che (1968 ) und Evita, vida y obra de Eva Perón (1970). Wie wird der Comic politisch instrumentalisiert, um eine Inszenierung des Protagonisten als Held zu erreichen und eine bestimmte Ideologie zu vermitteln? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten lassen sich dabei in der Darstellung beobachten? Um die aufgeworfenen Fragestellungen zu untersuchen, werden die beiden Comic-Biografien im Hinblick auf ihre formale Gestaltung, die Heldendarstellung und die literarische Inszenierung der Ideologien vergleichend untersucht. Im zweiten Kapitel erfolgt die kontrastive Analyse der beiden Werke. Dabei wird zunächst der historisch gesellschaftliche Entstehungshintergrund der Comic-Biografien in Kürze dargelegt, mit dem Ziel diese zeitgeschichtlich einzuordnen. Im Unterkapitel 2.2 werden die beiden Comics im Bezug auf ihre formale Gestaltung, wie den Handlungsaufbau, die erzählerische Vermittlung sowie die Text-Bildgestaltung, kontrastiv untersucht. Im Anschluss folgt eine vergleichende Analyse der Darstellung des Helden (2.3) und der Inszenierung der Ideologie (2.4) in Vida y Obra de Eva Perón und La vida del Che. Das Fazit resümiert abschließend die Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kontrastive Analyse von La vida del Che (1968) und Evita, vida y obra de Eva Perón (1970)
2.1 Entstehungshintergrund der beiden Werke
2.2 Formale Gestaltung
2.3 Darstellung des Helden
2.3.1 Evita als starke Frau und Engel der Armen
2.3.2 Che – der klassische Held und seine menschliche Seite
2.4 Inszenierung der Ideologien
2.4.1 Evita als Verkörperung des Peronismus
2.4.2 Che als Vorbild für die revolutionäre Bewegung
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kontrastiv die literarische Inszenierung politischer Ideologien sowie die Darstellung der Protagonisten als Helden in Héctor Germán Oesterhelds Comic-Biografien „La vida del Che“ (1968) und „Evita, vida y obra de Eva Perón“ (1970). Ziel ist es, die instrumentelle Nutzung des Mediums Comic zur Heldenkonstruktion und ideologischen Vermittlung aufzudecken.
- Vergleichende Analyse der formalen Gestaltung beider Comic-Biografien.
- Untersuchung der Heldenkonstruktion im Kontext von Geschichte und Mythos.
- Analyse der Inszenierung politischer Ideologien (Peronismus und revolutionärer Kampf).
- Bewertung der Manipulation und der Authentizität der historischen Darstellung.
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Evita als starke Frau und Engel der Armen
Bereits zu Beginn des Comics Vida y obra de Eva Perón wird im Vorwort des Autors seine Intention sowie sein Anspruch an das Werk manifestiert. Dieser wird vor allem durch folgenden Satz verdeutlicht: “Confieso que tengo una ambición, una sola y gran ambición personal: quisiera que el nombre de Evita figurase alguna vez en la historia de mi Patria.” (Oesterheld 2007: S.105). Hierdurch wird deutlich, dass der Comic die peronistische Primera Dama als eine bedeutende, unvergessliche Persönlichkeit der argentinischen Geschichte darstellen soll. Mit dem abschließend eingefügten Zitat aus Evas Autobiografie: “Y me sentiría debidamente, sobradamente compensada si la nota terminase de esta manera: ´De aquella mujer sólo sabemos que el pueblo la llamaba, cariñosamente, Evita.´“ (Oesterheld 2007: S. 104) wird auf den ersten Blick der Eindruck der Bescheidenheit hervorgerufen, da das Volk lediglich ihren Namen kennen soll.
Dennoch wird hieran bereits die intendierte Darstellung Eva Peróns als Held des argentinischen Volkes erkennbar, denn allein der Ausdruck que el pueblo la llamaba, cariñosamente, Evita impliziert, dass das ganze Volk sie kennen und sich herzlich an sie erinnern soll, womit eine wichtige Eigenschaft des Heldentums erfüllt wird. Denn sie wird als eine Person, die aufgrund ihrer Taten, Bewunderung und Anerkennung einer breiten Bevölkerungsschicht erlangt hat, präsentiert.
In den ersten drei Panels, welche die Situation nach ihrem Tod darstellen, wird die Protagonistin durch folgende Beschreibung des Erzählers als eine unsterbliche, bedeutsame historische Person beschrieben, die in ihrem Leben Aufmerksamkeit breiter Gesellschafsgruppen erweckt hat.: „ [...] una figura excepcional, que trascendió fronteras y triunfa del tiempo. Idolatrada por los humildes y desvalidos, odiada por los persioneros der prvilegio, ni unos ni otros pueden olvidarla.” (ebd: S. 105). Zusätzlich wird durch den Ausdruck idolatrada por los humildes angedeutet, dass sie von der armen Bevölkerungsschicht vergöttert (idolatrar) wird, was die Assoziation mit einer Heiligen hervorruft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung von Eva Perón und Che Guevara ein und erläutert Oesterhelds Intention, diese Ikonen in Comic-Biografien politisch zu inszenieren.
2 Kontrastive Analyse von La vida del Che (1968) und Evita, vida y obra de Eva Perón (1970): In diesem Hauptteil werden die Werke hinsichtlich ihres historischen Entstehungskontexts, ihrer narrativen Form und der unterschiedlichen Helden- und Ideologiekonstruktion kritisch gegenübergestellt.
2.1 Entstehungshintergrund der beiden Werke: Dieses Kapitel verortet die Comics im politisch instabilen Argentinien der 1960er und 1970er Jahre, geprägt von Militärputschen und sozialem Wandel.
2.2 Formale Gestaltung: Es erfolgt ein Vergleich der erzählerischen Vermittlung, des Handlungsaufbaus und der Text-Bild-Gestaltung, wobei insbesondere die unterschiedliche Bildsprache analysiert wird.
2.3 Darstellung des Helden: Hier wird die Definition des Heldenbegriffs erläutert und auf die Protagonisten angewandt.
2.3.1 Evita als starke Frau und Engel der Armen: Analyse der stilisieren Heldenfigur Eva Perón, deren Biografie kritische Aspekte ausspart, um ein heiligenhaftes Bild zu erzeugen.
2.3.2 Che – der klassische Held und seine menschliche Seite: Untersuchung von Che Guevara als reale, menschliche Figur, deren körperliche Schwächen und Zweifel eine Identifikation mit dem revolutionären Vorbild ermöglichen.
2.4 Inszenierung der Ideologien: Dieses Kapitel befasst sich mit der Vermittlung politischer Weltanschauungen durch die Comic-Narrative.
2.4.1 Evita als Verkörperung des Peronismus: Darstellung von Eva Perón als Symbolfigur, in deren Person die Ideologie des Peronismus vollständig verschmilzt.
2.4.2 Che als Vorbild für die revolutionäre Bewegung: Analyse der Darstellung Ches als aktives, motivierendes Beispiel für revolutionäre Ideale und konkretes Handeln.
3 Fazit: Das Fazit fasst die vergleichenden Ergebnisse zusammen und unterstreicht das manipulative Potenzial der Comic-Biografien bei der Konstruktion historischer Identitäten.
Schlüsselwörter
Comic-Biografie, Héctor Germán Oesterheld, Che Guevara, Eva Perón, Heldeninszenierung, Peronismus, revolutionäre Ideologie, Kontrastive Analyse, politische Instrumentalisierung, Bild-Text-Verhältnis, Zeitgeschichte, Argentinien, Heldenbegriff, Narratologie, Historizität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in der Arbeit?
Die Arbeit analysiert zwei Comic-Biografien von Héctor Germán Oesterheld, um zu verstehen, wie politische Ikonen wie Eva Perón und Che Guevara grafisch und erzählerisch als Helden sowie als Träger politischer Ideologien inszeniert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Heldenkonstruktion, die visuelle Darstellung politischer Ideologien (Peronismus vs. revolutionärer Marxismus), das Verhältnis von Text und Bild sowie der Einfluss historischer Authentizität auf die Comic-Narrative.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist ein systematischer Vergleich der beiden Werke, um aufzudecken, wie das Medium Comic eingesetzt wird, um subjektive, politisch motivierte Heldenbilder zu erschaffen und beim Leser bestimmte Ideologien zu verankern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kontrastive Analyse angewandt. Dabei werden narrative, formale und bildgestalterische Elemente der beiden Comics direkt gegenübergestellt, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Hinblick auf die Helden- und Ideologieinszenierung herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet den historischen Entstehungskontext, die formale Gestaltung (wie z.B. Erzählinstanzen), die unterschiedliche Konstruktion der Heldenfiguren und die spezifische Art und Weise, wie politische Weltanschauungen in das visuelle Narrativ eingebettet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Comic-Biografie, Heldeninszenierung, politische Ideologie, Peronismus, Kontrastive Analyse, Historizität und visuelle Rhetorik.
Warum wird Eva Perón in dem Comic als „Heilige“ dargestellt?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Autor bewusst kritische biografische Aspekte ausblendet und eine bildliche Rhetorik (z.B. lichtvolle Umrandungen) nutzt, um eine unantastbare, heilige und zeitlose Symbolfigur des Peronismus zu kreieren.
Worin liegt der Hauptunterschied zwischen der Darstellung von Che und Eva Perón?
Während Eva Perón als übermenschliche, heilige und unfehlbare Symbolfigur ohne private Schwächen präsentiert wird, zeigt der Comic Che Guevara bewusst mit körperlichen Leiden, Zweifeln und menschlichen Zügen, um ihn als nahbares, reales Vorbild für eine revolutionäre Bewegung zu etablieren.
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- Elvira Peters (Author), 2013, Biografien im Comic. Die Inszenierung des Helden und politischer Ideologien in "Che Guevara" und "Vida y Obra de Eva Perón", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275945