Erlebnispädagogik im Rahmen der Identitätsstiftung von Jugendlichen


Hausarbeit, 2013

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Kurt Hahn als Begründer der Erlebnispädagogik
2.1 Kurzbiographie
2.2 Die Erlebnistherapie

3. Erlebnispädagogik
3.1 Definition
3.2 Ziele und Prinzipien

4. Pädagogik als Identitätshilfe
4.1 Definition
4.2 Pädagogik als Hilfe zur Identitätsbildung

5. Erlebnispädagogik und ihre Wirkung in der Identitätsstiftung

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einführung

„Gebt den Kindern Gelegenheit, sich selbst zu entdecken…La(ß)t sie Triumph und Niederlage erleben…Weist ihnen verantwortliche Aufgaben zu, bei denen zu versagen, den kleinen Staat gefährden heißt...Übt die Phantasie.“ (Reiners, 1991, S.1)

Das ist die Aufforderung von Kurt Hahn, dem Urvater der Erlebnispädagogik. Man mag sich vielleicht die Frage stellen, warum Kinder Niederlagen erleben sollen- leben wir doch in einer Gesellschaft, die stark durch das „Motto“ der Enkulturationspädagogik „kannst du was, dann bist du was“ (Callo, 2002, S.108) beeinflusst ist. Doch ist es möglich, dass gerade Herausforderungen, die zunächst unmöglich zu bewältigen scheinen und ein hohes Maß an Kreativität, Flexibilität und Spontanität fordern, Jugendlichen in ihrer Entwicklung entscheidend beeinflussen können?

Immer häufiger werben Reiseunternehmen mit erlebnispädagogischen Angeboten, es gibt kaum noch eine Bildungsstätte, die sich nicht dem erlebnispädagogischen Lernen zugewandt hat.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, in wieweit Erlebnisse und Abenteuer in der Erlebnispädagogik die Identitätsbildung Jugendlicher beeinflussen können. Zunächst werde ich kurz die Geschichte und die Ursprünge der Erlebnispädagogik darstellen, anschließend wird die Erlebnispädagogik mit ihren Zielen und Prinzipien aufgezeigt. Im dritten Teil möchte ich dann auf den Begriff der Identität eingehen, während ich im vierten und wichtigsten Teil Schlüsse auf die Auswirkungen der Erlebnispädagogik auf die Identitätsbildung ziehen werde.

Abschließend werde ich ein Fazit ziehen, sowie einen Ausblick auf die Rolle der Erlebnispädagogik in der Sozialen Arbeit geben.

2. Kurt Hahn als Begründer der Erlebnispädagogik

2.1 Kurzbiographie

Kurt Hahn, geboren am 05. Juni 1886, gilt in Deutschland als der „Vater der Erlebnispädagogik“. Obwohl er weder „studierter Pädagoge noch Politiker mit Mandat“ (Heckmair/Michl, 2003, S.22) war, hat er die Pädagogik in einem ihrer Teilbereiche als anerkannter Reformpädagoge entscheidend beeinflusst. 1920 gründete der „Idealist mit pädagogischen Ansprüchen“ (Heckmair/Michel, 2002, S.22) das Internat Schloss Salem, das er bis 1933 leitete. Nachdem er 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft und seinen innovativen Ideen von den Nationalsozialisten verhaftet und nach Vermittlungen des britischen Premierministers Ramsay MacDonald und des Markgrafen von Baden freigelassen worden war, wurde er nach Schottland ausgewiesen. Dort gründete er 1934 in Gordonstoun die „British Salem School“. Gemeinsam mit dem Reeder Laurence Holt gründete Hahn die „Outward Bound“ in Aberdovey (Wales), eine Bildungsstätte für 16- 20 jährige Schüler, in der ausschließlich kurzzeitpädagogische Kurse durchgeführt wurden (Heckmair/Michl, 2002, S.25).

Am 14. Dezember 1974 verstarb Kurt Hahn schließlich in Salem.

2.2 Die Erlebnistherapie

Kurt Hahns Ziel war es, Kinder und Jugendliche zu mündigen Staatsbürgern zu erziehen, die Verantwortung für sich und ihre Umwelt übernehmen (Heckmair/Michl, 2003, S.24). Hahn war der Meinung, dass jede/r Jugendliche/r bestimmte Erfahrungen braucht, um sich den Problemen des Lebens stellen zu können. Er war überzeugt von der unbewussten Wirkung des Erlebnisses auf das Verhalten, die Einstellung und das Wertesystem der/s Betroffenen. Doch bei den meisten Jugendlichen konnte er diese Erfahrungen nicht finden, sondern stellte immer häufiger fest, dass an Jugendlichen regelrechte „Verfallserscheinungen“ bemerkbar waren. So fehlte es den jungen Menschen an Körperkraft, Sorgsamkeit, Initiative, Spontaneität und Empathie. „Mit einem erlebnistherapeutischen Konzept sollten diese Verfallserscheinungen bekämpft werden, um so heilenden Kräften zur Entfaltung zu verhelfen“ (Heckmair/Michl, 2002, S.24). Orientiert an den Defiziten der jungen Menschen, sollte sein Angebot vor allem therapeutisch Wirkung haben- daher der Name Erlebnistherapie (Reiners, 1995, S.15).

Immer bemüht darum, möglichst viele Jugendliche zu erreichen, bot Hahn zunächst Lehrgänge an, bei denen das körperliche Training an erster Stelle stand. Später versuchte Hahn in seiner Bildungsstätte in Aberdovey den „Verfallserscheinungen“ der Jugendlichen durch vier Elemente seiner Erlebnistherapie entgegen zu wirken. Diese waren „Das körperliche Training“, „Die Expedition“, „Das Projekt“ und das wichtigste Element „Der Dienst am Nächsten“ (Heckmair/Michl, S. 25). Hahn war der Meinung, dass für eine dauerhafte Änderung des Verhaltens und des Wertesystems jedoch nicht die Dauer eines Erlebnisses, sondern die Intensität, mit der die Erfahrung gemacht wird und das persönliche Engagement der/des Betroffenen von Bedeutung sind. Eine Erfahrung bleibt in Erinnerung und kann den Jugendlichen in entscheidenden Augenblicken helfen (Heckmair/Michl, 2002, S.26).

3. Erlebnispädagogik heute

3.1 Definition

Nachdem ich die Grundlegung der Erlebnispädagogik durch Hahns Erlebnistherapie dargestellt habe, stellt sich nun die Frage, was Erlebnispädagogik ist. Hier ist zu bemerken, dass man in der Fachliteratur keine einheitliche Definition zu finden.

Bernd Heckmair und Werner Michl haben den Begriff folgendermaßen abgegrenzt: „Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse, in denen junge Menschen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen gestellt werden, diese in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie dazu befähigen ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten“ (Heckmair/Michl, 2002, S.90).

Auch einige Schlagwörter umschreiben die Erlebnispädagogik sehr gut. Am besten treffen es wohl „Learning by doing“, „Erleben und Lernen“, „Gemeinschaftserlebnis“, „Grenzsituation“, „Ganzheitlichkeit“ und „Praktische Erfahrung und Bewährung statt theoretischer Belehrung (Reiners, 1995, S.17)- um nur einige Schlagwörter zu nennen.

3.2 Prinzipien und Ziele der Erlebnispädagogik

In der Erlebnispädagogik geht es nicht „nur“ darum kognitive Fähigkeiten zu erwerben, oder „nur“ um soziales Lernen, es geht vielmehr um alle Lernebenen. Ganzheitliches Erleben steht im Vordergrund, das heißt kognitive, emotionale und vor allem aktionale Ebenen werden angesprochen (Ostenrieder/Weiß, 1994, S.31).

Dies wird durch Vorgabe von Problemstellungen versucht, die Strategie, Flexibilität, Entscheidungskompetenz und Konfliktfähigkeit fordern. Dabei ist es zwar nicht unwesentlich, das Problem zu lösen, aber weit wichtiger als die Zielerreichung ist der Prozess der Problemlösung. In diesem Prozess spielt auch die Gruppe als Gesamtes eine große Rolle. Bei den meisten erlebnispädagogischen Aufgabenstellungen ist die Gruppe auf Zusammenarbeit, Konsensfähigkeit sowie den Einsatz der unterschiedlichen Stärken und Schwächen der einzelnen Gruppenmitglieder angewiesen. Die Erlebnispädagogik will bei den Stärken der TeilnehmerInnen ansetzen. Jede/r muss seinen/ihren eigenen Kompetenzen vertrauen und diese weiterentwickeln (Reiners, 1995, S.25). So wird zum einen also die Entwicklung individueller Persönlichkeitsmerkmale wie Spontanität, Eigeninitiative, Kreativität, Verantwortungsbewusstsein und Selbstvertrauen unterstützt, andererseits aber auch das soziale Lernen. Denn ohne Rücksichtnahme auf die anderen Gruppenmitglieder, ohne Kooperationsbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit und gemeinsame Konfliktbewältigung kann die Aufgabenstellung nicht bewältigt werden. Durch das eigene Verhalten in und mit der Gruppe kann außerdem dem/der Einzelnen aufgezeigt werden, wie er/sie sich im Umgang mit Mitmenschen verhält und so Positives und Negatives zu tage gebracht werden. Heute zeigen sich die von Kurt Hahn beschriebenen Verfallserscheinungen noch deutlicher auf. Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und soziales Engagement spielen in der Freizeit von Jugendlichen keine große Rolle. Immer mehr wird die wenige freie Zeit, die neben zunehmenden Frontalunterricht übrig bleibt von Computer, Internet und Fernsehen dominiert.

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Details

Titel
Erlebnispädagogik im Rahmen der Identitätsstiftung von Jugendlichen
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V276033
ISBN (eBook)
9783656688563
ISBN (Buch)
9783656688556
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erlebnispädagogik, rahmen, identitätsstiftung, jugendlichen
Arbeit zitieren
Babs Maier (Autor), 2013, Erlebnispädagogik im Rahmen der Identitätsstiftung von Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276033

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