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Ich denke nicht daran, was in zehn Jahren sein wird

Ein Lebenskonzept begrenzter Freiheit - Ablauf einer psychologisch-philosophischen Beratung

Titel: Ich denke nicht daran, was in zehn Jahren sein wird

Diplomarbeit , 2009 , 27 Seiten

Autor:in: MMag.Dr.Dr.Dr.MA.MSc. Reinhard Neumeier (Autor:in)

Psychologie - Beratung und Therapie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die überdurchschnittlich gebildete einundfünfzigjährige Klientin hat nicht den Weg in ein normales Erwerbsleben gefunden. Aus der Sicht der Schematherapie von Jeffrey Young ist sie in die Lebensfalle ‚Berufliches Versagen’ geraten. Die Folgen sind gravierend: Sie lebt als kinder- und partnerloser Single zumeist auf bescheidenem Konsumniveau und sieht materiell nicht abgesicherten Jahren und Jahrzehnten im Alter entgegen. Die eingeübten Bewältigungsstrategien der langfristig bedrohten Existenz bestehen aus Flucht in Form von Themenvermeidung oder mittels semantisch gekonnten Relativierens. Am Ende der acht durchgeführten Beratungsgespräche gab es – entsprechend der Youngschen Annahmen von der widerständigen und nur schwer zu ändernden Grundkonstellation eines Schemas - kaum Hinweise auf dauerhafte bewusste Antizipation ihrer zukünftigen Lage als erste Stufe eines Entkommens aus der Lebensfalle.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Nichtverpflichtung als Lebenskonzept

1 Einführung

2 Problem und Thesen

2.1 Problembeschreibung

2.2 Motivation und Anlass für Erstkontakt

2.3 Thesen

3 Theoretische Ansätze

3.1 Methodische Leitidee

3.2 Lebensphilosophischer Ansatz: Grenzsituationen nach Jaspers

3.3 Fragenkatalog für Übergänge nach Brocher

3.4 Provokative Therapie nach Farrelly

3.5 Lebensfallen nach Young und Klosko

4 Arbeitsvereinbarung

5 Einzelne Beratungssitzungen

5.1 Kontaktanbahnung

5.2 Erste Beratung

5.3 Zweite Beratung

5.4 Dritte Beratung

5.5 Vierte Beratung

5.6 Fünfte Beratung

5.7 Sechste Beratung

5.8 Siebente Beratung

5.9 Achte Beratung

6 Gespräche und Ergebnisse: eine Gesamtsicht

6.1 Anwendung der theoretischen Konzepte

6.2 Supervision

6.3 Ablauf

6.4 Mögliche Antworten zu den Thesen

6.5 Setting-Aspekte

6.6 Persönliche Lernprozesse

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Ziel der Arbeit ist die Reflexion und wissenschaftliche Aufarbeitung eines Beratungsfalles, bei dem eine 51-jährige Klientin ein Lebenskonzept der „Nichtverpflichtung“ verfolgt, welches sie jedoch in eine materielle und existenziell bedrohte Lebenslage im Alter führt.

  • Analyse von Lebenskonzepten und Identitätsbildung im mittleren Erwachsenenalter.
  • Anwendung existenzphilosophischer Ansätze und klinischer Therapiemethoden zur Verhaltensreflexion.
  • Untersuchung von Bewältigungsstrategien gegenüber existenzieller Unsicherheit.
  • Kritische Evaluation der Wirksamkeit unterschiedlicher Beratungsmethoden in einem realen Setting.

Auszug aus dem Buch

3.2.2 Begriffsbestimmung „Grenzsituation“

Situation ist eine „Wirklichkeit für ein an ihr als Dasein interessiertes Subjekt“ (Jaspers 1973, S. 202). Situation heißt sinnbezogene Wirklichkeit und gehört zum immanent bleibenden Bewusstsein (ebd., S. 202 f). Im Spezifischen sind Grenzsituationen jene Situationen, in welchen nicht ohne Kampf und ohne Leid gelebt werden kann, in welchen unvermeidlich Schuld aufgeladen wird (ebd., S. 203).

Auf Grenzsituationen reagieren „wir daher sinnvoll nicht durch Plan und Berechnung, um sie zu überwinden, sondern (..) durch das Werden der in uns möglichen Existenz; wir werden wir selbst, indem wir in die Grenzsituation offenen Auges eintreten. (..) In der Hilflosigkeit des Daseins ist es der Aufschwung des Seins in mir.“ (ebd., S. 204). Aus Grenzsituationen besteht kein Herauskommen. Wohl aber schafft philosophierendes Denken einen Raum, in dem die Existenz erhellt wird. Grenzsituationen bieten „eine Perspektive in das Dasein, in der dieses als Ganzes befragt und als möglich oder nicht möglich oder anders möglich gedacht wird.“ (ebd. S. 209). Die Fragwürdigkeit des Seins der Welt und meines Seins in ihr wird möglicherweise offenbar.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Vorstellung der Klientin Alicia S., ihres unkonventionellen Lebensstils und der daraus resultierenden Problematik im Hinblick auf die Altersvorsorge.

2 Problem und Thesen: Detaillierte Problembeschreibung und Aufstellung von Thesen zur Aufrechterhaltung des Lebensstils sowie der zunehmenden Schwierigkeit, diesen beizubehalten.

3 Theoretische Ansätze: Darstellung der methodischen Leitideen, einschließlich Jaspers' Grenzsituationen, Brochers Fragenkatalog, Farrellys Provokativer Therapie und Youngs Lebensfallen.

4 Arbeitsvereinbarung: Vereinbarung über den Rahmen der philosophisch orientierten Beratungsgespräche sowie die Zielsetzung der Reflexion.

5 Einzelne Beratungssitzungen: Dokumentation der acht durchgeführten Sitzungen inklusive inhaltlicher Schwerpunkte, methodischer Vorgehensweise und Reflexion.

6 Gespräche und Ergebnisse: eine Gesamtsicht: Zusammenfassende Analyse der theoretischen Anwendung, der Erkenntnisse aus den Beratungssitzungen und der persönlichen Lernprozesse des Beraters.

Schlüsselwörter

Nichtverpflichtung, Lebenskonzept, Psychosoziale Beratung, Lebensfalle, Berufliches Versagen, Existenzphilosophie, Karl Jaspers, Provokative Therapie, Lebenskrisen, Altersvorsorge, Bewältigungsstrategien, Identität, Beratungssituation, Schematherapie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit dokumentiert einen Beratungsfall, in dem eine Klientin trotz materieller Unsicherheit an einem Lebenskonzept ohne feste Verpflichtungen festhält.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit thematisiert Lebensentwürfe, die psychologischen Hintergründe von Lebensfallen sowie die Grenzen und Möglichkeiten verschiedener Beratungsansätze.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist die Reflexion und Beratung zur Klärung der existenziellen Lebenssituation der Klientin unter Berücksichtigung ihrer Altersvorsorge und persönlichen Lebensgestaltung.

Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?

Der Autor nutzt unter anderem die existenzphilosophische Analyse nach Karl Jaspers, den Fragenkatalog von Tobias Brocher, Elemente der Provokativen Therapie und das Schema der Lebensfallen nach Young und Klosko.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil dokumentiert chronologisch die acht Beratungssitzungen, den jeweils gewählten methodischen Ansatz und die unmittelbare Selbstreflexion des Autors zum Beratungsprozess.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nichtverpflichtung, Lebensfalle, Berufliches Versagen, existenzielle Beratung und Altersvorsorge beschreiben.

Warum wurde ein Wiener Kaffeehaus als Setting für die Beratung gewählt?

Der Autor wählte diesen Ort anfangs als entspannten und anregenden Rahmen für die beabsichtigten philosophischen Gespräche, erkennt jedoch später dessen Ungeeignetheit für tiefgehende Beratungsarbeit.

Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Anwendung der Methoden?

Der Autor reflektiert kritisch, dass die Anwendung zu vieler verschiedener Methoden im Rahmen der Diplomarbeit das volle Potenzial der jeweiligen Ansätze teilweise einschränkte.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Ich denke nicht daran, was in zehn Jahren sein wird
Untertitel
Ein Lebenskonzept begrenzter Freiheit - Ablauf einer psychologisch-philosophischen Beratung
Hochschule
ARGE Bildungsmanagement Wien
Autor
MMag.Dr.Dr.Dr.MA.MSc. Reinhard Neumeier (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
27
Katalognummer
V276034
ISBN (eBook)
9783656704195
ISBN (Buch)
9783656707493
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nichtverpflichtung lebenskonzept ablauf darstellung beratungsfalles
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
MMag.Dr.Dr.Dr.MA.MSc. Reinhard Neumeier (Autor:in), 2009, Ich denke nicht daran, was in zehn Jahren sein wird, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276034
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Leseprobe aus  27  Seiten
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