Wenn man von deutscher Einwanderung in Brasilien spricht, verbindet man damit in erster Linie die große Einwanderungswelle im 19. Jahrhundert und die vielen Gründungen von deutschen Kolonien im Süden Brasiliens. Und tatsächlich konzentrieren sich viele Forschungen auf die Geschichte der deutschen Einwanderer im 19. und 20. Jahrhundert. Doch es existieren einige Dokumente aus der Zeit, als die Kolonisierung des Landes erst begann, die von deutscher Präsenz in Brasilien zeugen. Noch bevor die ersten deutschen Kolonien in Brasilien entstanden, haben bereits Abenteuersucher und Reisende, Schriftsteller und Künstler, Wissenschaftler und Intellektuelle das Land für sich entdeckt.
Deutsche Einwanderer haben im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung des Landes einen bedeutenden Beitrag geleistet. Heutzutage findet man in Brasilien immer noch Spuren deutscher Einwanderer: Nicht nur die vielen Menschen, die Nachkommen, die einen deutschen Namen tragen, sondern auch viele Orte (wie z.B. Blumenau). In den vergangenen 200 Jahren haben sich die Deutschen an das Leben in Brasilien angepasst. Sie sind mittlerweile gut in die Gesellschaft integriert und es ist bemerkenswert, dass sie ihre Sprache, ihre Traditionen und ihr gesamtes Kulturgut durch die Jahrhunderte getragen und an nachkommende Generationen weitergegeben haben. Die Vielzahl an Organisationen und Vereinen, die sich heute mit der Erhaltung der deutschen Sprache und Kultur in Brasilien beschäftigen, zeugen davon wie stark die Deutschen an die Geschichte, Sprache und Kultur ihrer Vorfahren gebunden sind.
In der vorliegenden Seminararbeit konzentriere ich mich auf die Zeit der großen Einwanderungswelle im 19. Jahrhundert, erläutere die Gründe für die Auswanderung der Deutschen nach Brasilien und beleuchte die Hintergründe für ihre Anwerbung seitens der brasilianischen Regierung. Des Weiteren gehe ich darauf ein, wie sich das Leben der Deutschen in Brasilien im 20. Jahrhundert angesichts der politischen Spannungen und Umbrüche in Europa sowie in der ganzen Welt verändert hat und welche Auswirkungen der Nationalsozialismus in Deutschland und der Zweite Weltkrieg auf die Deutschstämmigen in Brasilien hatte. Weitere Schwerpunkte, die ich im Rahmen meiner Seminararbeit behandeln möchte, sind die Frage der Integration und Identität der Deutschstämmigen in Brasilien.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Deutsche Einwanderung im 19. Jahrhundert
3. Der Nationalisierungsprozess und die „deutsche Gefahr“
4. Klärung der Identitätsfrage vor dem Hintergrund des Deutschtums
5. Deutsche Sprache in Brasilien
6. Nachwort
7. Literatur- und Quellenverzeichnis
7.1. Printquellen
7.2. Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die soziokulturelle Integration der deutschen Einwanderer in Brasilien, insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert, unter besonderer Berücksichtigung von Identitätsbildung, Sprachwandel und den Auswirkungen politischer Repressionen während der Ära des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs.
- Historische Hintergründe der Auswanderungswellen im 19. Jahrhundert
- Die Assimilationspolitik und der Nationalisierungsprozess unter Getúlio Vargas
- Entwicklung und Wandel der deutsch-brasilianischen Identität
- Erhalt und Transformation deutscher Dialekte, insbesondere des Hunsrückischen
- Einfluss deutscher Vereine und kultureller Organisationen auf die Integration
Auszug aus dem Buch
3. Der Nationalisierungsprozess und die „deutsche Gefahr“
Die Auswanderung nach Brasilien im 20. Jahrhundert trug einen überwiegend politischen Charakter. Vor allem zu Zeiten des Dritten Reiches in Deutschland wurde ein Strom von Einwanderer in Brasilien verzeichnet. Meist waren das Menschen, die aus politischen Gründen ihre Heimat verlassen mussten, weil sie von den Nationalsozialisten verfolgt und diskriminiert wurden. Das Jahrhundert war geprägt von politischen Umbrüchen und schweren Krisen, die zu zwei Weltkriegen führten. Die Rolle Deutschlands während der beiden Weltkriege, wirkte sich negativ auf das Leben der Deutschen in Brasilien aus.
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Brasilien die Angst vor der sogenannten „deutschen Gefahr“. In vielen Städten Brasiliens wie z.B. in Rio de Janeiro und Porto Alegre wurden nach der Kriegserklärung an das Deutsche Reich im Jahr 1917 deutsche Geschäfte, Vereinsgebäude und Fabriken zerstört, deutsche Schulen geschlossen und Publikationen, die in deutscher Sprache erschienen, eingestellt. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges entspannte sich die Lage, viele Einschränkungen und Verbote wurden wieder aufgehoben, doch in den 30er Jahren gerieten die Deutschen in Brasilien im Rahmen der Nationalisierungspolitik unter Getúlio Vargas wieder unter enormen Druck. Die wachsende Anzahl an NSDAP-Organisationen in Brasilien ließen die Angst vor einer möglichen „deutschen Gefahr“ erneut aufsteigen. Die Aktivitäten der NSDAP waren zahlreich und vielfältig, doch alle mit dem Ziel die Deutschen im Ausland für die nationalsozialistische Idee zu begeistern und in einem Bewusstsein als Deutsche zu stärken, das mit dem Nationalsozialismus in Einklang stand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der deutschen Einwanderungsgeschichte in Brasilien und definiert den Fokus der Arbeit auf die Einwanderungswelle des 19. Jahrhunderts sowie die soziokulturelle Situation der Deutschstämmigen im 20. Jahrhundert.
2. Deutsche Einwanderung im 19. Jahrhundert: Hier werden die sozioökonomischen Gründe für die Auswanderung aus Europa beleuchtet und die brasilianische Kolonisierungspolitik sowie die Ansiedlung der ersten deutschen Kolonien beschrieben.
3. Der Nationalisierungsprozess und die „deutsche Gefahr“: Dieses Kapitel analysiert den politischen Druck und die Repressionen gegen deutsche Einwanderer in Brasilien während des 20. Jahrhunderts, insbesondere im Kontext der Nationalisierungskampagne unter Getúlio Vargas.
4. Klärung der Identitätsfrage vor dem Hintergrund des Deutschtums: Die Ausführungen untersuchen die Entwicklung einer deutsch-brasilianischen Identität im Spannungsfeld zwischen Assimilationsdruck und der Wahrung eigener kultureller Wurzeln.
5. Deutsche Sprache in Brasilien: Der Abschnitt befasst sich mit der Entstehung deutscher Sprachinseln und der Entwicklung deutscher Dialekte, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Hunsrückischen liegt.
6. Nachwort: Das Kapitel bietet ein Fazit über die dauerhafte Präsenz deutscher Einwanderer, ihre gelungene Integration in die brasilianische Gesellschaft sowie ihre fortdauernde kulturelle Verbundenheit mit der historischen Heimat.
7. Literatur- und Quellenverzeichnis: Diese Sektion listet alle primären und sekundären Quellen auf, die für die wissenschaftliche Bearbeitung des Themas herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Deutsche Einwanderung, Brasilien, Deutschtum, Assimilation, Nationalisierungsprozess, Identitätsbildung, Sprachinseln, Hunsrückisch, Zweiter Weltkrieg, Integration, Deutschbrasilianer, Kulturvereine, Kolonialpolitik, Migration, 19. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Einwanderung von Deutschen nach Brasilien, ihrem Beitrag zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Landes sowie den Herausforderungen, die sie während politischer Umbrüche des 20. Jahrhunderts bewältigen mussten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Gründe für die Auswanderung, die Auswirkungen des Nationalisierungsprozesses in Brasilien, die Bewahrung der deutschen Sprache und kultureller Identität sowie die Integration der Nachfahren in die moderne brasilianische Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Entwicklung der deutsch-brasilianischen Gemeinschaft und ihre Identitätsfindung unter Berücksichtigung der historischen politischen Spannungen sowie der bewahrten kulturellen Traditionen, wie etwa der deutschen Dialekte, zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Seminararbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und die Einwanderungssituation anhand historischer Dokumente und soziologischer Perspektiven untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Einwanderungswellen des 19. Jahrhunderts, die Auswirkungen der Nationalisierungspolitik, die Identitätsentwicklung der Deutschbrasilianer und die Sprachsituation in deutschen Sprachinseln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Deutsche Einwanderung, Assimilation, Identitätsbildung, Hunsrückisch und Integration definieren.
Welche Rolle spielt das „Hunsrückische“ in der Untersuchung?
Das Hunsrückische ist der am weitesten verbreitete deutsche Dialekt in Brasilien; die Arbeit untersucht, wie er sich als Umgangssprache etablieren konnte und welche Initiativen es heute gibt, um ihn zu erhalten.
Wie unterscheidet sich die Situation der Deutschbrasilianer von der der Russlanddeutschen?
Im Gegensatz zu den Russlanddeutschen, die oft heimatlos blieben, konnten die Deutschbrasilianer in Brasilien eine zweite Heimat finden und sich erfolgreich integrieren, was die Autorin auf die Offenheit der brasilianischen Gesellschaft zurückführt.
- Arbeit zitieren
- Katharina Martaler-Martin (Autor:in), 2014, Deutsche Einwanderung nach Brasilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276039