Heutzutage bestehen zwischen zahlreichen Ländern politische, ökonomische sowie kulturelle Beziehungen, was dem Erlernen von Fremdsprachen eine immer größere Bedeutung zukommen lässt. Doch nur ein gegenseitiges Verständnis ermöglicht engere Kontakte zwischen den Kulturen. Das Beherrschen von Fremdsprachen ist somit ein unverzichtbares Werkzeug, um den Anforderungen des fortschreitenden Zusammenwachsens Europas gerecht zu werden.
Der Institution „Schule“ kommt beim Fremdsprachenerwerb eine besondere Rolle zu. Neben dem alteingesessenen Fremdsprachenunterricht zeichnet sich jedoch immer mehr die Tendenz ab auch Sachfächer in der Fremdsprache zu unterrichten, was als bilingualer Unterricht bezeichnet wird und vor dem Hintergrund der europäischen Annäherung als eines der mächtigsten Instrumente gilt, um „[…] auf die zunehmende Internationalisierung der Lebenswelt und die europäische Integration vorzubereiten.“
In der vorliegenden Arbeit soll nun also geklärt werden, was genau unter dieser Unterrichtsform zu verstehen ist, die sich einerseits zunehmender Beliebtheit erfreut und das Erfolgsrezept schlechthin zu sein scheint, andererseits aber auch abwertend als vorübergehende Modeerscheinung tituliert wird. In Kapitel 2 dieser Arbeit werden zunächst der Begriff „Bilingualer Unterricht“ und dessen Bedeutung geklärt, da ich dies für das Grundverständnis als sinnvoll erachte. Des Weiteren werden in diesem Kapitel die Gründe für den Einsatz des bilingualen Unterrichts sowie dessen historische Entwicklung dargestellt. Im darauffolgenden Kapitel befasse ich mich mit den Organisationsformen dieser Unterrichtsform; es wird auf die Formen der Umsetzung eingegangen, darauf in welchen Schulformen bilingual unterrichtet wird sowie in welchen Sprachen und Fächern dies getan wird. In der Schlussbetrachtung soll letztendlich, nach Klärung der theoretischen Grundlagen, die provokante Gegenüberstellung „Bilingualer Unterricht – Erfolgsrezept oder Modeerscheinung“ erneut aufgegriffen und abschließend beurteilt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bilingualer Unterricht
2.1 Definition
2.2 Gründe für den Einsatz des bilingualen Unterrichts
2.3 Entwicklung des bilingualen Unterrichts - historischer Rückblick
3. Organisation des bilingualen Unterrichts
3.1 Formen der Umsetzung
3.1.1 Bilingualer Unterricht der fest gefügten Struktur
3.1.2 Flexible Formen des bilingualen Unterrichts
3.2 Verbreitung des bilingualen Unterrichts
3.2.1 Schulformen
3.2.2 Sprachen
3.2.3 Fächer
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den bilingualen Unterricht in Deutschland, um zu klären, ob es sich dabei um ein zukunftsweisendes Erfolgsrezept oder lediglich um eine vorübergehende Modeerscheinung handelt. Dabei wird insbesondere beleuchtet, wie diese Unterrichtsform organisatorisch umgesetzt wird und welche bildungspolitischen sowie fachlichen Hintergründe ihre Anwendung begründen.
- Grundlagen und Definitionen des bilingualen Lernens
- Historische Entwicklung und politische Zielsetzungen
- Organisationsformen: Fest gefügte Strukturen versus flexible Module
- Verbreitung des bilingualen Unterrichts in Deutschland (Schulformen, Sprachen, Fächer)
- Kritische Reflexion der Bedeutung für die zukünftige Bildungslandschaft
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition
Gebräuchlicher als der Begriff „bilingualer Sachfachunterricht“ ist in der Realität der verkürzte Ausdruck „bilingualer Unterricht“. Dies führt bei Außenstehenden allerdings eher zu Konfusion, anstatt für Klarheit zu sorgen, denn jeder kann erahnen, dass so mancher Fremdsprachenunterricht zumindest teilweise „zweisprachig“ verläuft. Zudem könnte der Begriff „bilingualer Unterricht“ insofern missverstanden werden, dass man damit Unterricht assoziiert, der zu gleichen Teilen in zwei Sprachen erfolgt oder aber Unterricht, an dem bilinguale Schüler (d.h. Schüler mit unterschiedlichen Muttersprachen) teilnähmen. Ebenso könnte man vermuten, dass der Begriff impliziert, die Schüler zur Zweisprachigkeit zu führen. Allerdings kann man laut Rössler weder von Zweisprachigkeit noch von der in der Literatur oft zitierten „annähernden Zweisprachigkeit“ reden.
Die Praxis zeigt, dass die Schüler bilingualer Züge am Ende ihrer Schullaufbahn in der Regel über sehr gute Kenntnisse der Partnersprache und ihrer Kultur verfügen, die weit über das hinaus gehen, was im normalen Fremdsprachenunterricht gelernt werden kann; annähernd zweisprachig jedoch sind sie nur im Ausnahmefall.
Erwartet man auf die Frage: „Was ist bilingualer Unterricht?“ eine knappe Antwort, so kann man nur enttäuscht werden - besonders wenn man bedenkt, dass sich diesbezüglich in den letzten Jahren drei verschiedene Sichtweisen herausgebildet haben.
Die erste dieser Auffassungen versteht den bilingualen Unterricht als Erweiterung des fremdsprachlichen Lernens. „[...] [D]en meisten Vertretern dieses Ansatzes [ging es] mehr oder minder um eine Steigerung und Effektivierung des Fremdsprachenlernens auf dem Wege des bilingualen Unterrichts.“ Da die Vorreiter dieses Ansatzes selbst Fremdsprachenlehrer und -didaktiker waren (und demnach den defizitären Fremdsprachenunterricht kannten), überrascht es nicht, dass sie den „fremdsprachlichen Mehrgewinn“, der durch die bilinguale Erziehung erreicht wird, hervorheben und sich von ihr „entsprechende Steigerungen des Lerneffekts im Sinne der natürlichen kommunikativen Verwendung der Zielsprache erhofften.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Fremdsprachenerwerbs in einem zusammenwachsenden Europa ein und stellt die zentrale Forschungsfrage zur Bewertung des bilingualen Unterrichts.
2. Bilingualer Unterricht: Dieses Kapitel definiert den Begriff, analysiert die Beweggründe für den Einsatz und betrachtet die historische Entwicklung des bilingualen Unterrichts in Deutschland.
3. Organisation des bilingualen Unterrichts: Hier werden verschiedene Umsetzungsformen, wie bilinguale Züge und Module, sowie die aktuelle Verbreitung hinsichtlich Schulformen, Sprachen und Fächer detailliert analysiert.
4. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, die den bilingualen Unterricht als zukunftsträchtige und beständige Unterrichtsform einordnet.
Schlüsselwörter
Bilingualer Unterricht, Sachfachunterricht, Fremdsprachenerwerb, CLIL, Fremdsprache, Interkulturelles Lernen, Europäische Identität, Sprachkompetenz, Bilinguale Module, Bildungsgang, Fremdsprachendidaktik, Schulformen, Mehrsprachigkeit, Globalisierung, Schulpraxis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Struktur, Verbreitung und pädagogische Relevanz des bilingualen Unterrichts in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Begriffsdefinition, die historischen Hintergründe der Einführung, die organisatorische Umsetzung in Schulen sowie die Rolle der Fremdsprache als Arbeitssprache.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu ergründen, ob bilingualer Unterricht lediglich eine kurzlebige Modeerscheinung ist oder ein dauerhaftes, erfolgreiches pädagogisches Konzept darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Konzepte, Forschungsberichte und bildungspolitischer Dokumente zur Unterrichtspraxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Organisationsmodelle (feste Züge vs. flexible Module) gegenübergestellt und die Verbreitung auf verschiedene Schulfächer und Schultypen untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Bilinguale Bildungsgänge, CLIL, Interkulturelle Kompetenz, Fremdsprachenerwerb und Schulpraxis.
Warum dominieren gesellschaftswissenschaftliche Fächer im bilingualen Angebot?
Aufgrund der historischen Entstehung und der in der Lehrerbildung häufiger vorkommenden Kombinationen ist dieser Fächerbereich stärker vertreten, da er den gewünschten Perspektivwechsel zur Förderung interkultureller Kompetenz besonders begünstigt.
Sind bilinguale Module eine Konkurrenz zu festen bilingualen Zügen?
Nein, bilinguale Module werden als flexible Ergänzung betrachtet, die es ermöglicht, auch an Schulen ohne spezielle bilinguale Zweige Erfahrungen mit der Fremdsprache als Arbeitssprache zu sammeln.
Wie bewertet die Autorin die Zukunft des bilingualen Unterrichts?
Die Autorin sieht den bilingualen Unterricht als Erfolgsrezept, das aufgrund der steigenden Nachfrage und der Vorteile für die Lernenden weiter an Bedeutung gewinnen wird.
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- Patrizia Scamarcio (Author), 2010, Bilingualer Unterricht. Erfolgsrezept oder Modeerscheinung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276051