Vormundschaftliche Regentschaft durch Frauen im 16. Jahrhundert


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Weibliche Regentschaft
2.1. Frauen in Dynastien
2.2. Vormundschaftliche Regentschaft

3. Probleme bei der Testamentsvollstreckung

4. Teilhabe an der Regentschaft

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Von dem Fall hingegen, wann der Gemahl zuerst stirbt und eine Wittwe hinterlässt, ist sehr viles zu berühren“1

Was auf eine adlige Witwe zukam, wenn ihr Ehemann vor ihr starb, überstieg das, was im Falle ihres Todes geregelt werden musste bei weitem. Doch ging es nicht nur um Fragen bezüglich des Wittums. Besonders problematisch lag der Fall, wenn der Verstorbene neben seiner Witwe einen unmündigen Sohn hinterließ, der nicht sofort die Regierungsgeschäfte übernehmen konnte.

In diesem Fall gab es verschiedene Möglichkeiten. Entweder ein Vertrauter, oder ein Rat aus Vertrauten konnte bis zur Erlangung der Mündigkeit die Regierung vormundschaftlich übernehmen, oder aber die Witwe selbst übernahm die Regentschaft in Vormundschaft.

In letzterem Falle wurden häufig Vorwürfe laut, dass Frauen nicht geeignet wären die Regentschaft zu übernehmen, obwohl vormundschaftliche Regentinnen bereits im Mittelalter üblich waren2.

Auch die Vorteile einer Regentschaft durch die Mutter mit Blick auf Dynastiesicherung lagen auf der Hand. Allerdings waren diese Vormünderinnen keine Herrscherinnen aus eigenem Recht, wie beispielsweise Königin Christine von Schweden, oder Königin Elisabeth von England3. Dennoch haben sie regiert, doch in welchem Umfang konnten diese Regentinnen agieren und wie gestaltete sich ihre Regentschaft?

Im Folgenden soll untersucht werden, ob die vormundschaftliche Herrschaft in der Frühen Neuzeit nach einem bestimmten Schema ablief, oder ob es Unterschiede gab. Zu diesem Zweck sollen die Regentinnen Landgräfin Anna von Hessen, Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg und Maria von Innerösterreich miteinander verglichen werden. Hauptaugenmerk gilt hierbei wie es zu ihrer Regentschaft kam, ob sie als Regentinnen anerkannt wurden und in welchem Umfang sie regieren konnten. Da alle drei Regentinnen im 16. Jahrhundert lebten, liegt ein Vergleich nahe.

Die Forschung zu den Machtspielräumen der Fürstinnen in der Frühen Neuzeit ist erst seit Beginn der Genderforschung vor einigen Jahren in den Vordergrund gerückt. Auch durch größere Publikationen wie beispielsweise 'Dynastie und Herrschaftssicherung in der frühen Neuzeit' von Heide Wunder oder 'Die Regentin' von Pauline Puppel. Dennoch sind die Vielzahl der Publikationen hauptsächlich auf Einzelfälle ausgelegt und es gibt kaum Publikationen die sich mit der generellen Rolle der Frau als Regentin, oder ihrer politischen Rolle auseinandersetzen4. Zudem lag der Schwerpunkt innerhalb der bio-graphischen Publikationen hauptsächlich auf protestantischen Fürstinnen, da diese vermeintlich vermehrt eine aktivere Rolle in Zeiten der Konfessionsbildung gespielt hätten5.

2. Weibliche Regentschaft

2.1. Frauen in Dynastien

Wie bereits erwähnt, gab es unterschiedliche Formen der weiblichen Herrschaft. Weibliche Regentschaft war, vor allem in mittleren und kleinen Territorien keine Seltenheit6. Dennoch wurden Fürstinnen als Regentinnen oftmals mit dem Vorwurf der Gynäkokratie, oder auch Weiberherrschaft belegt7.

Wenn man sich jedoch die Verhältnisse des 16. Jahrhunderts genauer betrachtet, wird offensichtlich, dass eine kontinuierliche Machtsicherung innerhalb der eigenen Dynastie erforderlich war. Die grundlegende Frage ist, welchen Umfang der Dynastie- Begriff hatte. Zum einen gibt es den klassischen Dynastie-Begriff, der sich lediglich auf die Machtsicherung innerhalb einer Herrscherfamilie bezieht. Zum anderen gibt es differenziertere Definitionen. Dynastie umfasst demnach mehr als nur die Machtsicherung durch eine geregelte Erbfolge, sondern auch das allgemeine Handeln innerhalb der herrschaftlichen Machtfülle8. Zu diesem Zweck gab es unterschiedliche Positionen für die Mitglieder der dynastischen Familien. Da mit der Primogenitur nur der erstgeborene Sohn die Herrschaft im Territorium übernehmen konnte, nahmen die folgenden Söhne eine untergeordnete Rolle in „militärischen und diplomatischen Diensten“ ein9. Die Töchter wurden entweder machtpolitisch klug verheiratet, oder nahmen beispielsweise Ämter als Stiftsdame oder Äbtissin ein10.

Zwar war die Erziehung der Töchter nicht zwangsläufig darauf ausgerichtet sie auf eine mögliche Regierungstätigkeit vorzubereiten, dennoch gab es Vertreter, die der Meinung waren, dass auch die Töchter eine gute Ausbildung genießen sollten um auf Regierungsgeschäfte vorbereitet zu werden11.

Damit hatte Seckendorff einen guten Standpunkt, denn mit der Heirat wurden adelige Töchter zusammen mit dem Landesherrn zum regierenden Paar und damit Teil der Repräsentation der dynastischen Macht. Somit konnten Frauen an der Seite ihres Ehemannes regieren. Doch gab es auch die Möglichkeit selbstständig als vormundschaftliche Regentin für den unmündigen Sohn die Regentschaft zu übernehmen.

2.2. Vormundschaftliche Regentschaft

Die vormundschaftliche Regentschaft war, im dynastischen Sinne, eine nach- vollziehbare Entscheidung. Wie bereits erwähnt war eine Dynastie auf eine kontinuierliche Machtsicherung angewiesen. Starb nun der regierende Herrscher und hinterließ einen unmündigen Sohn, konnte dies zu Machtstreitigkeiten unter vermeintlichen Erben führen. Während einige Seiten behaupteten eine Frau sei nicht fähig als Regentin herrschen zu können, nahm das Verständnis für die vormundschaftliche Witwenherrschaft aus dynastischen Gründen zu. Argumentiert wurde, dass die Mutter ein „natürliches Interesse“12 an der Herrschaftssicherung für den eigenen Sohn hätte und aus diesem Grund selbst kein Machtstreben verfolgen würde.

Häufig wurde die vormundschaftliche Regentin bereits im Testament als solche benannt. Später „im 18. Jahrhundert wurde häufig eine solche Bestimmung im Ehevertrag aufgenommen“13. Dennoch kam es bei der Testamentsvollstreckung häufig zu Problemen.

3. Probleme bei der Testamentsvollstreckung

Probleme in der Testamentsvollstreckung waren häufig, dass die testamentarisch festgelegte Vormünderin nicht anerkannt wurde. Beispiele finden sich zahlreiche. Als Beispiel sollen hier Anna von Hessen, Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg und Maria von Innerösterreich dienen.

Im Jahr 1509 starb Landgraf Wilhelm II. von Hessen, vermutlich in Folge einer Syphilis Erkrankung14 und hinterließ seinen unmündigen Sohn Philipp und seine Witwe Landgräfin Anna von Hessen. In Folge des Todes beanspruchte seine Witwe Anna die vormundschaftliche Regentschaft, die ihr Mann testamentarisch festgelegt hatte. Wilhelm der II. hatte in seinem Testament datiert am 29. Januar 1508 die Landgräfin zur vormundschaftlichen Regentin ernannt. Hier kam es nun zum Bruch mit den Landesständen, denn diese erkannten das geänderte Testament nicht an. Sie beriefen sich auf das vorhergegangene, datiert auf den 11. August 1506, in welchem er „fünf seiner vornehmsten adligen Räte“15 zum Vormund seiner Kinder und ebenfalls seiner Frau erklärte.

Die Ablehnung des neuer datierten Testaments war zum einen darauf zurückzuführen, dass Anna die Einflussnahme auf die Änderung zugeschrieben wird16. Zwar wehrte sie sich gegen diese Vorwürfe indem sie vorbrachte, dass ihr Mann bei der Verfassung des Testaments bei geistiger Klarheit gewesen war, jedoch blieb dies ohne Erfolg. Weiter führte das Rätekollegium an, dass in Hessen noch nie eine Fürstin stellvertretend regiert hätte und ihre Regentschaft damit ausgeschlossen sei. Auch gegen diesen Vorwurf wehrte sie sich, indem sie ihre adlige Herkunft vorbrachte und sich auf die „allgemeinen Bestimmungen über mütterliche Vormundschaft“17 berief, doch ebenfalls erfolglos.

An Annas Stelle übernahm ein Rätekollegium die vormundschaftliche Regierung. Diese sprachen ihr zudem die Erziehung ihres Sohnes ab, mit der Begründung Philipp sei ihr Fürst und deshalb wollten sie ihn selbst erziehen. Im Juli 1510 verzichtete Anna auf alle Regierungs- und Erziehungsrechte und damit blieb die Regierung vorerst beim Rätekollegium18. Diese erlangten dadurch auch das vormundschaftliche Siegel und somit die Möglichkeit Räte und Bedienstete, die im Dienst Annas waren zu entlassen, wodurch sie keine Vertrauten vor Ort am Hof hatte19. Anna war folglich isoliert vom Geschehen am Hof und übernahm die Herrschaft ihres Wittums20. Vom Wittum aus versuchte Anna weiterhin die in ihren Augen rechtmäßige Regentschaft zu übernehmen, was ihr im Jahr 1514 gelang, indem sie dem Obervormund Boyneburg eine schlechte Regentschaft nachwies21.

Ein ähnliches Bild findet sich bei Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg. Als ihr Mann Herzog Erich I. von Braunschweig-Lüneburg am 30. Juli 1540 starb, hinterließ er seinen unmündigen Sohn Erich II.

[...]


1 Moser, zit. nach Westphal, S., Die Auflösung ehelicher Beziehungen in der Frühen Neuzeit, in: S. Westphal u.a. (Hrsg.), Venus und Vulcanus. Ehen und ihre Konflikte in der Frühen Neuzeit, München 2011, 187.

2 Puppel, P., Formen von Witwenherrschaft. Landgräfin Anna von Hessen (1485- 1525), in: M. Schattkowsky (Hrsg.), Witwenherrschaft in der Frühen Neuzeit, Leipzig 2003, 143.

3 Opitz, C., Hausmutter und Landesfürstin, in: R. Villari (hrsg.), Der Mensch des Barock, Frankfurt am Main 1997, 360.

4 Puppel, Witwenherrschaft, 141.

5 Wunder, H., Regierende Fürstinnen des 16. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Teilhabe an Herrschaft, Konfessionsbildung und Wissenschaften, in: Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg 1510-1558. Herrschaft-Konfession-Kultur. Beiträge des wissenschaftlichen Symposiums der Klosterkammer Hannover vom 24.-26. Februar 2010 im Historischen Museum Hannover, Hannover 2011, 38.

6 Wunder, H., Dynastie und Herrschaftssicherung: Geschlechter und Geschlecht. Einleitung, in: H. Wunder (Hrsg.), Dynastie und Herrschaftssicherung in der Frühen Neuzeit: Geschlechter und Geschlecht, Berlin 2002, 13.

7 Wunder, Regierende Fürstinnen, 35.

8 Vgl. Küppers-Braun, U., Dynastisches Handeln von Frauen in der Frühen Neuzeit, Dynastie und Herrschaftssicherung in der Frühen Neuzeit. Geschlechter und Geschlecht, Zeitschrift für Historische Forschung Beiheft 28 (2002), 222.

9 Wunder, Einleitung, 18.

10 Vgl. Wunder, Einleitung, 19.

11 Beispielsweise bei Veit Ludwig von Seckendorff in Teutscher Fürsten-Stat.

12 Moser, Teutsches Staats=Recht, zit. nach Wunder, Einleitung, 10.

13 Wunder, Einleitung, 24.

14 Puppel, P., Die Regentin. Vormundschaftliche Herrschaft in Hessen 1500-1700. Geschichte und Geschlechter 43 (Frankfurt 2004), 158.

15 Puppel, Regentin, 159.

16 Vgl. ebd, 161.

17 Vgl. ebd. 165.

18 Vgl. Puppel 169

19 Puppel, Witwenherrschaft, 148.

20 Zum genauen Umfang des Wittums vgl. Puppel, Witwenherrschaft, 149.

21 Die Regentschaft des Boyneburg klagte Anna in der sog. Felsberger Klageschrift an (Vgl. Puppel, Regentin, 178).

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Vormundschaftliche Regentschaft durch Frauen im 16. Jahrhundert
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V276056
ISBN (eBook)
9783656688419
ISBN (Buch)
9783656688396
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vormundschaftliche, regentschaft, frauen, jahrhundert
Arbeit zitieren
Ann Greenberg (Autor), 2014, Vormundschaftliche Regentschaft durch Frauen im 16. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276056

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