Geoökologische Probleme der Biomassenutzung in Südamerika am Beispiel von Brasilien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
30 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Biomasse
2.1 Definition
2.2 Energetische Nutzung der Biomasse
2.3 Geoökologische Probleme der Biomassenutzung – allgemein
2.4 Zuckerrohr als Energieträger

3 Fallbeispiel Brasilien
3.1 Energiebedarf Brasiliens
3.2 Zuckerrohranbau in Brasilien
3.2.1 Naturräumliche Grundlagen
3.2.2 Entstehung des Proálcool-Programms
3.2.3 Grünes Gold - Zuckerrohr als Wirtschaftsfaktor in der heutigen Zeit
3.3 Geoökologische Probleme des Zuckerrohranbaus und der Nutzung von Bioethanol
3.3.1 Flächenkonkurrenz Regenwald und Biomasseerzeugung
3.3.2 Flächenkonkurrenz Nahrungsmittelanbau und Biomasseerzeugung
3.3.3 Wassermangel
3.3.4 Anbau von Monokulturen
3.3.5 Mechanisierung
3.3.6 Kontamination
3.3.7 Freisetzung von CO2 aus Kohlenstoffsenken
3.3.8 Verdrängung der Minifundien
3.3.9 Verdrängung der indigenen Bevölkerung

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aufbereitung Biomasse (BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ UND REAKTORSICHERHEIT 2000, S. 45)

Abbildung 2: Zuckerrohrfeld (Internet: http://www.klima-sucht-schutz.de/klimaschutz/klimawandel/die-abholzung-der-waelder/)

Abbildung 3: Energieverbrauch 2012 nach Energiequelle (MINISTERIO DE MINAS E ENERGIA 2013, S. 22)

Abbildung 4: Niederschlagsverteilung (ANHUF 2010, S. 23)

Abbildung 5: Aktuelle und potentielle Anbaugebiete von Zuckerrohr (KOHLHEPP 2010, S. 362)

Abbildung 6: Destillerie von LDC Bioenergia (Internet: http://www.revistafatorbrasil.com.br/imagens/fotos/ldc_bioenergia)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vor- und Nachteile der gestiegenen Biotreibstoffproduktion (vgl. ASCH, HUELSEBUSCH 2009, S. 77)

Tabelle 2: Zuckerrohranbau 1970-2007 (vgl. KOHLHEPP 2010, S. 356)

1 Einleitung

„Die Zivilisation ist an einem Wendepunkt ihrer Energieversorgung [] angelangt“ (SCHEER 2004, S. 1), schreibt Herrmann Scheer in seinen Analysen zu Klimawandel und erneuerbaren Energien. Fakt ist, dass angesichts des gestiegenen Energieverbrauchs konventionelle fossile Energiereserven bald aufgebraucht sein werden, Erdöl und Erdgas womöglich noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Es müssen also Alternativen gefunden werden, bevor sich die absteigende Kurve der fossilen Energiereserven und die steigende Kurve des Energiebedarfs kreuzen (vgl. ebd., S. 1).

Der Suche nach alternativen Energieträgern steht zudem das Kyoto-Protokoll gegenüber, das „eine Reduktion der klimaverändernden Treibhausgase um mindestens 60 Prozent im Jahr 2050“ (SCHEER, S. 3) vorschreibt. Die neuen Energieträger müssen also nicht nur ausreichend Energie liefern, sondern auch noch möglichst wenig oder gar kein CO2 sowie weitere Treibhausgase produzieren.

Im Vordergrund steht auch die Nachhaltigkeit erneuerbarer Energien. Dies bedeutet nach den sog. drei Säulen der Nachhaltigkeit (oder auch Nachhaltigkeitsdreieck), dass ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigt werden müssen (vgl. LEXIKON DER NACHHALTIGKEIT 2014, web.).

Die folgende Arbeit beschäftigt sich daher mit Nachhaltigkeitsproblemen, aber insbesondere mit den geoökologischen Problemen, der Biomassenutzung in Südamerika, am Beispiel des Anbaus und der Weiterverarbeitung von Zuckerrohr in Brasilien.

Hierbei wird zunächst der Begriff Biomasse definiert und ihre energetische Nutzung beschrieben. Es folgt eine Erläuterung der allgemeinen geoökologischen Probleme, die durch die Biomasse entstehen.

Anschließend wird am Fallbeispiel Brasilien auf die Probleme der Nutzung der Zuckerrohrpflanze als Energieträger eingegangen.

Dabei soll zunächst auf den Energiebedarf Brasiliens sowie die Eigenschaften von Zuckerrohr als Energieträger eingegangen werden.

Daraus kann anschließend gefolgert werden, welche Voraussetzungen Brasilien für den Anbau dieser Pflanze bietet, hierbei wird einerseits näher auf das staatliche Proálcool-Programm der 1970er und 80er Jahre eingegangen und andererseits die heutige Bedeutung des Zuckerrohranbaus bzw. der Ethanolproduktion beleuchtet.

Welche geoökologischen Probleme aus der Nutzung von Biomasse aus Zuckerrohr entstanden sind bzw. noch entstehen, beschreibt das darauf folgende Kapitel.

Ein abschließendes Fazit soll die Rolle des Zuckerrohranbaus zur energetischen Nutzung sowie dessen Nachhaltigkeit bewerten.

2 Biomasse

2.1 Definition

Pflanzen spielten schon immer eine entscheidende Rolle als Energiequelle der Menschheit. Bereits die ersten Vertreter des homo sapiens verbrannten Holz und Stroh, um die Energie als Wärme und Licht zu nutzen. Auch pflanzliche Öle und Wachse wurden bereits früh als Brennmaterial genutzt. Indirekt hing auch die menschliche und tierische Arbeitskraft von Pflanzen als Nahrungs- bzw. Futtermittel ab. Bei indigenen Völkern ist dies zum Teil heute noch der Fall (vgl. STITT 2008, S. 170).

Ab der Industriellen Revolution wurden Steinkohle, Erdöl und Erdgas zum dominierenden Energieträger. Die begrenzte Reichweite der fossilen Energieträger und ihr hoher Ausstoß an Treibhausgasen führten jedoch zu einem neuen Interesse an Biomasse (vgl ebd., S. 171).

Doch was genau ist Biomasse?

„Unter Biomasse (BM), addiert aus Phyto- und Zoomasse, versteht man sämtliche Stoffe organischer Herkunft. Sie entsteht durch Photosynthese, wobei der Luft CO2 entnommen und unter Energiezufuhr aus Sonnenlicht Kohlehydrate aufgebaut werden“ (BRÜCHER 2009, S. 208). Es werden allerdings nur 0,5-0,6% der Strahlungsenergie chemisch gebunden (vgl. ebd., S. 208). Somit ist Biomasse also eigentlich eine Form der Solarenergie. Die organische Materie der Pflanze bzw. des Konsumenten dient als Speicher für einen Teil der Energie. Damit wird Biomasse zum biogenen Energieträger (vgl. ebd., S. 208).

Sie beinhaltet „die in der Natur lebende Phyto- und Zoomasse (Pflanzen und Tiere), die daraus resultierenden Rückstände (z.B. tierische Exkremente), abgestorbene (aber noch nicht fossile) Phyto- und Zoomasse (z.B. Stroh) [und] im weiteren Sinne alle Stoffe, die bspw. durch technische Umwandlung und/oder Nutzung entstanden sind (wie Papier- und Zellstoff, Schlachthofabfälle, organischen Hausmüll, Pflanzenöl, Alkohol…)“ (KALTSCHMITT 1997, S. 499).

Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Biomasse: Primäre Biomasse entsteht durch direkte photosynthetische Ausnutzung der Sonnenergie und bezeichnet damit die gesamte Pflanzenmasse, wie bspw. land- oder forstwirtschaftliche Produkte aus Energiepflanzenanbau sowie pflanzliche Rückstände aus Land- und Forstwirtschaft und Industrie. Sekundäre Biomasse hingegen entsteht beim Umbau oder Abbau organischer Substanzen in höheren Organismen, also z.B. Tiere, Tierprodukte (d.h. also die gesamte Zoomasse), Exkremente, Klärschlamm oder organische Abfälle. Die Energie stammt in diesem Fall nur indirekt von der Sonne (vgl. KALTSCHMITT 1997, S. 499).

2.2 Energetische Nutzung der Biomasse

Nachdem die Biomasse entsprechend des Ausgangsmaterials aufbereitet wurde, kann sie thermochemisch, physikalisch-chemisch oder biochemisch in Energie umgewandelt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Aufbereitung Biomasse (BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ UND REAKTORSICHERHEIT 2000, S. 45)

Zur thermochemischen Umwandlung zählen Vergasung, Verflüssigung und Verkohlung, als physikalisch-chemisch bezeichnet man alle Verfahren zur Bereitstellung eines Energieträgers auf der Basis von Pflanzenölen (Ausgangsmaterial sind dann jeweils ölhaltige Biomassen, z.B. Raps), von einer biochemischen Umwandlung spricht man, wenn die Biomasse mit Hilfe von Mikroorganismen und damit durch biologische Umwandlung zur Endenergie wird (vgl. KALTSCHMITT 1997, S. 501-503).

Weltweit betrachtet ist Biomasse die bedeutendste erneuerbare Energie. 2008 besaß die Biomasse einen Anteil von 77% an den insgesamt 13% erneuerbaren Energien im globalen Energieangebot (vgl. ASCH, HUELSEBUSCH 2009, S. 80). Ihr Potenzial beträgt etwa 100 EJ pro Jahr aus Holz bzw. holzartiger Biomasse, Halmgut, Exkrementen und Dung (vgl. BRÜCHER 2009, S. 211). Der weltweite Bedarf liegt bei über 500 EJ pro Jahr (vgl. Ökosystem Erde 2011, web).

Im Gegensatz zu anderen regenerativen Energiequellen, die nur zur Wärme- oder Stromerzeugung genutzt werden können, kann Biomasse auch im Bereich Mobilität - als Treibstoff - eingesetzt werden (vgl. ASCH, HUELSEBUSCH 2009, S. 78).

Theoretisch sind weltweit 350-950 Mio. ha Fläche für den Anbau von Energiepflanzen verfügbar. Bisher nimmt Holz mit 2 Mrd. Tonnen pro Jahr noch Platz 1 der Biomasse ein (1 kg entspricht 14,7 MJ), dies gilt nicht nur für Entwicklungsländer (vgl. BRÜCHER 2009, S. 211).

Feste und gasförmige Energieträger werden zur Wärme- und/oder Stromerzeugung verwendet, flüssige dagegen als Kraftstoffe. Dabei werden Pflanzenöle zur Erzeugung von Biodiesel und zucker- und stärkehaltige Pflanzen zur Erzeugung von Bioethanol (Benzin) genutzt (vgl. ebd., S. 213-215). Da flüssige Brennstoffe eine hohe Energiedichte besitzen und gut für den Transport geeignet sind, spielen sie eine besondere Rolle (vgl. AMMERMANN, MENGEL 2011, S. 325).

Es ist geplant, die fossilen Treibstoffe durch Biotreibstoffe zu ersetzen. So hat sich die EU darauf festgelegt, den Anteil von 1% (Stand 2009) bis zum Jahr 2020 auf 10% zu steigern, die USA wollen den Anteil im gleichen Zeitraum von 4% auf 20% erhöhen (vgl. ASCH, HUELSEBUSCH 2009, S. 78).

Der aus diesen politischen Entscheidungen entstandene Boom hat jedoch dazu geführt, dass Biokraftstoffe im großen Stil eingeführt wurden, bevor ihr Einfluss auf Landnutzung, Wasser, Klima, Öko- und Sozialsysteme gründlich untersucht wurde, ebenso bevor Maßnahmen umgesetzt wurden, die evtl. dadurch verursachte Schäden und Risiken verhindern (vgl. ASCH, HUELSEBUSCH 2009, S. 78). Im folgenden Kapitel soll auf die möglichen Probleme eingegangen werden.

2.3 Geoökologische Probleme der Biomassenutzung – allgemein

Die Nutzung von Biomasse bringt sicherlich einige Chancen mit sich, jedoch birgt sie auch Risiken. Im Folgenden sollen einige dieser näher betrachtet werden.

Flächenkonkurrenz

Biomasse ist die flächenintensivste der erneuerbaren Energien, sie hat mit deutlichem Abstand den höchsten Flächenbedarf pro gewinnbare Energieeinheit. Um 1 GJ pro Jahr zu erzeugen werden 70-130 m2 für Brennholz aus dem Wald, 108-217 m2 für Bioethanol oder sogar 212 m2 Raps für Biodiesel benötigt. Zum Vergleich: Um die gleiche Energie zu erzeugen benötigt Solarenergie 0,8 m2, Wind 1,1 m2 und Wasserkraft 10 m2 (vgl. BRÜCHER 2009, S. 210-211). Aufgrund von Wirtschaftlichkeitsüberlegungen tritt häufig eine Flächenkonkurrenz mit der Anbaufläche von Nahrungs- oder Futtermitteln auf (vgl. AMMERMANN, MENGEL 2011, S. 327).

Intensivierung

Es werden möglichst hohe Biomasseerträge angestrebt. Aus diesem Grund werden sehr intensive Kulturen angebaut, eine mehrmalige Ernte pro Jahr ist keine Seltenheit. Damit verbunden sind ein hoher Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln und eine intensive Bewirtschaftung. Auch ehemals stillgelegte Anbauflächen werden wieder intensiv genutzt (vgl. AMMERMANN, MENGEL 2011, S. 327).

Grünlandumbruch

Der Grünlandanteil geht zugunsten der Anbaufläche für Energiepflanzen zurück (vgl. AMMERMANN, MENGEL 2011, S. 327).

Verstärkter Eintrag von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln

Wie bereits bei der Intensivierung angesprochen, werden verstärkt Dünge- und Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die in Böden, Grund- und Oberflächengewässer gelangen. Des Weiteren kann es bei der Erzeugung von Biogas auch zur Ausbringung des sog. Gärrestes kommen (vgl. AMMERMANN, MENGEL 2011, S. 327).

Verstärktes Erosionsgeschehen

Der Wunsch nach hohen Biomasseerträgen führt dazu, dass auch in Lagen bzw. auf Böden angebaut wird, die nicht dafür geeignet sind. So wird bspw. Mais auch in geneigten Lagen angebaut und der Boden ist nach dessen Ernte oft unbedeckt, was jeweils zu einem erhöhten Erosionsrisiko führt (vgl. AMMERMANN, MENGEL 2011, S. 327).

Verengung der Fruchtfolgen

Die EU schreibt zum Pflanzenschutz eine dreigliedrige Fruchtfolge vor. Diese kann jedoch bei entsprechender Humusbilanz umgangen werden, sodass es teilweise zu einer Verengung oder sogar Aufgabe von Fruchtfolgen kommt. Dies ist insbesondere bei Mais der Fall (vgl. AMMERMANN, MENGEL 2011, S. 327).

Negative spezifische Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus

Einige Energiepflanzen werden bereits sehr früh geerntet, da hier andere Anforderungen an die Rohstoffe gestellt werden und so auch eine zweite Kultur ermöglicht wird. Dies hat jedoch negative Auswirkungen auf Bodenbrüter und Niederwild, da Bearbeitung bzw. Ernte in den gleichen Zeitraum wie die Aufzucht der Jungen fallen (vgl. AMMERMANN, MENGEL 2011, S. 327-328).

Verlust an Arten und Lebensräumen

Die regionale Verengung auf die ertragsreichste Kultur und die intensive Form der Bewirtschaftung führen zu einem Verringerung der Biodiversität: Es kommt zu einem Verlust der Lebensräume und infolgedessen zu einem Rückgang von Tier- und Pflanzenarten.

Hiervon sind insbesondere Bodenbrüter (wie bereits oben beschrieben) sowie Arten, die den Acker zur Nahrungssuche nutzen, betroffen. Auch der Umbruch von naturschutzfachlich wertvollem Grünland führt zu einem Verlust der Lebensräume von vielen seltenen und gefährdeten Arten (vgl. AMMERMANN, MENGEL 2011, S. 328).

Beeinträchtigung der Kulturlandschaft

Eine Veränderung der Kulturlandschaft wird als Erstes über das Landschaftsbild erkennbar. Der Anbau von Monokulturen und damit die Verringerung der Biodiversität führen zu einer Vereinheitlichung des Landschaftsbilds. Inwiefern sich dies negativ auf dieses und die damit verbundene Erholungsfunktion der Landschaft auswirkt, hängt teilweise von der angebauten Kultur ab sowie von den landschaftlichen Zusammenhängen und der Ausdehnung der Kulturen. So werden blühende Rapsfelder bspw. als schöner bewertet als eine „Vermaisung der Landschaft“, da sich die Maisfelder gerade aufgrund ihrer Höhe als besonders landschaftsprägend auswirken (vgl. AMMERMANN, MENGEL 2011, S. 328).

Beeinträchtigung der Schutzgüter Boden, Wasser und Luft als Bestandteile des Naturhaushalts

Einträge von Schad- und Reststoffen in den Boden und Grund- bzw. Oberflächengewässer schädigen die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts.

Kritisch zu betrachten ist auch die Treibhausgasbilanz. So hat die Nutzung der Biomasse selbst zwar einen geschlossenen CO2-Kreislauf - das durch die Verbrennung von Biomasse freigesetzte CO2 wurde während des Pflanzenwachstums in entsprechender Menge der Atmosphäre entzogen (vgl. BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ UND REAKTORSICHERHEIT 2000, S. 50) – jedoch führen weite Transportwege, intensiver Betriebsmitteleinsatz (vgl. AMMERMANN, MENGEL 2011, S. 328), die Entstehung von Lachgas bei der Herstellung von Düngemitteln etc. (vgl. BUNDESMINISTERIUM FÜR U., N. UND R. 2000, S. 50) wieder zu einer positiven Bilanz.

Dennoch besitzt Biomasse einige Vorteile gegenüber anderen erneuerbaren Energien:

Durch die Speicherung der Energie in den Organismen stellen Biomasse und ihre Derivate eine „stetig verfügbare und planbare Energiequelle“ dar (BRÜCHER 2009, S. 209). Somit können durch Biomasse Lücken in der Energieversorgung durch Windkraft und Photovoltaik gefüllt werden.

Ebenso ist natürlich die vielseitige Verwendungsmöglichkeit von Biomasse - von der Wärmeerzeugung über Verstromung bis hin zum Kraftstoff (vgl. BRÜCHER 2009, S. 209) – ein Vorteil.

Asch und Huelsebusch haben folgende Vor- und Nachteile der gestiegenen Biotreibstoffproduktion (durch Weiterverarbeitung der Biomasse) verschiedener Autoren und Studien zusammengetragen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Vor- und Nachteile der gestiegenen Biotreibstoffproduktion (vgl. ASCH, HUELSEBUSCH 2009, S. 77)

2.4 Zuckerrohr als Energieträger

Ein Ausgangsmaterial für die Produktion von Biomasse ist Zuckerrohr, welches vor allem in Brasilien eine entscheidende Rolle in der Energiewirtschaft spielt.

Hier sollen zunächst ein paar Informationen zu dieser Energiepflanze gegeben werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Zuckerrohrfeld (Internet: http://www.klima-sucht-schutz.de/klimaschutz/klimawandel/die-abholzung-der-waelder/)

Zuckerrohr (Saccharum officinarum) ist ein bis zu 7 m hohes Gras, mit einem Wurzelstock der über 20 Jahre neue Halme hervorbringen kann. Diese werden bis zu 7 cm dick, sind wachsbedeckt und mit einem weichen zuckerspeichernden Mark gefüllt. Bei Zuckerrohr handelt es sich um eine typische Kurztagpflanze (vgl. HERRMANN, ROSINSKI 1994, S.16).

Der Ursprung der Pflanze liegt in Neuguinea, von wo aus sich der Anbau über die Malayischen Inseln nach Indien und China ausbreitete, in die Mittelmeerländer gelangte und von dort in die Kolonialländer und Tropen der ganzen Welt verbreitet wurde (vgl. ebd., S. 17).

„Zuckerrohr ist eine Pflanze des tropischen Tieflandklimas“ (ebd., S. 18). Sie wird in den Tropen bzw. Subtropen zwischen 37° n. Br. und 31° s. Br. angebaut. Ihr Wasserbedarf ist mit 1200 bis 1800 mm Regen pro Jahr hoch, in trockenen Gebieten steigt ihr Bedarf auf über 2500 mm (vgl. ebd., S. 18). Optimal sind „schwere, nährstoffreiche Böden mit guter Wasserspeicherung und Durchlüftung“ (ebd., S. 18).

Die Nutzung von Zuckerrohr als Energieträger erfolgt hauptsächlich über Bioethanol.

Durch die Vergärung des Zuckers entsteht Alkohol (H3C-CH2-OH). Dieser kann auch über andere zucker- und stärkehaltige Pflanzen wie Zuckerrüben, Mais oder Kartoffeln gewonnen werden, allerdings führt Zuckerrohr nach Litererträgen mit 6000 l/ha. Das gewonnene Bioethanol ist darüber hinaus billiger als das aus anderen Pflanzen (vgl. BRÜCHER 2009, S. 209).

Bioethanol enthält etwa 65% des Energiewerts von Benzin. Es kann allein verwendet werden oder mit Benzin vermischt werden (vgl. ebd., S. 209).

Etwa 90 Gewichtsprozent des Zuckerrohrs gehen bei der Ethanol-Produktion als Bagasse „verloren“ (vgl. ANTONIETTI, GLEIXNER 2008, S. 213). Bagasse sind die fasrigen Überreste, die beim Auspressen des Pflanzensafts entstehen. Sie bestehen aus Cellulose, Hemicellulose und Lignin und können beispielsweise als Festbrennstoff genutzt werden (vgl. PFLANZENFORSCHUNG.de o.J., web).

3 Fallbeispiel Brasilien

3.1 Energiebedarf Brasiliens

Das Ministério de Minas e Energia hat in seinem Bericht 2013 folgende Daten für die Energiebilanz Brasiliens im Jahr 2012 veröffentlicht:

Die im Jahr 2012 verfügbare Energie Brasiliens betrug 283,6 Mtep (Megatonnen Erdöläquivalent), womit das Energieangebot im Vergleich zum Vorjahr um 4,1% gesteigert wurde. Der Energieverbrauch betrug 236,8 Mtep (Anstieg um 3,4%). Das Wachstum im Energieverbrauch ist höher als das des BIP in Brasilien, so stieg der Verbrauch von flüssigen Kraftstoffen (Benzin und Diesel) um 4,9%, der von Strom um 3,8% (vgl. MINISTERIO DE MINAS E ENERGIA 2013, S. 21). Wie bereits erwähnt liegt jedoch das durchschnittliche Wachstum des Energieverbrauchs unter dem des Energieangebots.

Brasilien verfügt also nach diesen Daten über einen Energieüberschuss (vgl. MINISTERIO DE MINAS E ENERGIA 2013, S. 14).

Auffällig hierbei ist der Anteil erneuerbarer Energien.

Dieser betrug in Brasilien im Jahr 2012 42,2%, damit liegt Brasilien deutlich über dem weltweiten Durchschnitt mit 13,2% (2010) (vgl. MINISTERIO DE MINAS E ENERGIA 2013, S. 15).

Das Energie angebot Brasiliens setzt sich insgesamt wie folgt zusammen:

Die nicht erneuerbaren Energien beanspruchen 57,6%, wobei Erdöl mit 39,2 % deutlich auf dem ersten Platz liegt. 11,5 % entfallen auf Erdgas, 5,4% auf Steinkohle und 1,5% auf Uran.

Bei den erneuerbaren Energien liegt Biomasse aus Zuckerrohr mit 15,4% ganz vorne – im Gesamtvergleich des Energieangebots damit auf Platz 2 (näheres dazu in dem folgenden Kapitel) – 13,8% werden über Wasserkraft, 9,1% über Brennholz und 4,1% über andere erneuerbare Energien erzielt (vgl. MINISTERIO DE MINAS E ENERGIA 2013, S. 18).

Wie die Energiebilanz des MME gezeigt hat, stieg auch die Nutzung des ‚Abfallprodukts’ Bagasse zur Energieerzeugung im letzten Jahr deutlich an. So wurden 20,1 % des Stromverbrauchs der Industrie mit Bagasse gedeckt, 5,8% mehr als im Vorjahr (vgl. MINISTERIO DE MINAS E ENERGIA 2013, S. 26).

Biodiesel wurde 2005 gesetzlich in die brasilianische Energiematrix aufgenommen (vgl. BOHN 2010, S. 36) und wird neben Bioethanol ebenfalls als Kraftstoff genutzt. Allerdings wird sein Anteil am Gesamtverbrauch von Diesel (insgesamt 18,3%) nicht angegeben (vgl. MINISTERIO DE MINAS E ENERGIA 2013, S. 22).

Den größten Anteil an Energie verbrauchen Industrie (35,1%) und Transportwesen/Verkehr (31,3%) (vgl. MINISTERIO DE MINAS E ENERGIA 2013, S. 24).

Folgende Grafik veranschaulicht den Endenergie verbrauch 2012 aufgespalten nach der Energiequelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Energieverbrauch 2012 nach Energiequelle (MINISTERIO DE MINAS E ENERGIA 2013, S. 22)

3.2 Zuckerrohranbau in Brasilien

3.2.1 Naturräumliche Grundlagen

Brasilien ist mit einer Fläche von etwa 8,5 Millionen km2 das fünftgrößte Land der Erde. Es macht 47% der Fläche des südamerikanischen Kontinents aus. Seine Nord-Süd- bzw. West-Ost-Erstreckung erreicht bis zu 4300 km (vgl. ANHUF 2010, S.15).

Das Land lässt sich in drei Großlandschaften einteilen: Das Brasilianische Bergland (Ausdehnung 5 Mio. km2), die große Beckenlandschaft, die das Amazonas-Becken, das Maranhão-Becken, das Pantanal und das Paraná-Becken umfasst sowie die große kontinentale Senkungszone auf der Andenostseite, die jedoch nur einen geringen Anteil ausmacht (vgl. ebd., S. 15-17).

Brasilien dehnt sich von 5° 10’ n. Br. bis zu 33° 47’ s. Br. aus (vgl. ebd., S. 21), sodass es sich klimatisch von den inneren immerfeuchten Tropen über die wechselfeuchten Tropen bis in die Subtropen im Süden des Landes erstreckt (vgl. ebd., S. 15).

[...]

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Details

Titel
Geoökologische Probleme der Biomassenutzung in Südamerika am Beispiel von Brasilien
Hochschule
Universität des Saarlandes
Veranstaltung
Hauptseminar Geoökologische Probleme konventioneller und erneuerbarer Energieerzeugung
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
30
Katalognummer
V276084
ISBN (eBook)
9783656690191
ISBN (Buch)
9783656690184
Dateigröße
791 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brasilien, Zuckerrohr, Biomasse, Erneuerbare Energie, Geoökologische Probleme
Arbeit zitieren
Melanie Scheid (Autor), 2014, Geoökologische Probleme der Biomassenutzung in Südamerika am Beispiel von Brasilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276084

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