Das Dionysische - Kunstprinzip und Männlichkeitskonstruktion


Hausarbeit, 2004

14 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DES DIONYSISCHEN KUNSTPRINZIPS

3. DAS DIONYSISCHE UND APOLLINISCHE KUNSTPRINZIP

4. DER BEGRIFF DER ’DUPLICITÄT’

5. DAS DIONYSISCHE ALS MÄNNLICHKEITSKONSTRUKTION

6. DAS DIONYSISCHE GÖTTERBILD ALS IDEAL

7. SCHLUSS

8. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit hat die von Friedrich W. Nietzsche geschaffenen Kunstprinzipien des Apollinischen und Dionysischen zur Thematik. In seinem Werk „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste des Musik“ leitet Nietzsche seine Kunstprinzipien von den zwei griechischen Kunstgottheiten des Apoll und Dionysos ab. Nachdem im folgenden eine kurze Entstehungsgeschichte des dionysischen Kunstprinzips vorgestellt wird, werden die Gegensätzlichkeiten des Apollinischen und Dionysischen erläutert, darauf folgt eine kurze Ausführung zum Begriff der ‚Duplicität’ des Apollinischen und Dionysischen. Dieser Teil fällt zwar relativ knapp aus, da das eigentliche Thema ein anderes ist, darf jedoch aufgrund seiner Wichtigkeit in Verbindung mit den genannten Kunstprinzipien nicht fehlen.

Die eigentliche Thematik dieser Arbeit wird jedoch erst anschließend bearbeitet. Sie beschäftigt sich ausschließlich mit dem Dionysischen und soll die Fragestellung klären , inwieweit dem dionysischen Kunstbegriff männliche Attribute zuzuschreiben sind und ob es sich dabei nicht nur um ein Kunstprinzip sondern auch um ein Männlichkeitskonstrukt handelt. Abschließend werden zwei Idealtypen männlicher Jugend vorgestellt, welche zur Klärung der gestellten Problematik beitragen sollen.

Ich versuche im Folgenden meine Ausführungen ausschließlich auf einer wissenschaftlichen Ebene zu führen, da bei der oben genannten Fragestellung ein Abgleiten in männliche Stereotype nahe liegt.

2. Die Entstehungsgeschichte des dionysischen Kunstprinzips

Friedrich Nietzsche definiert in seinen zahlreichen Werken das Dionysische als eine Art Strategie, das Leben trotz all seiner Probleme und Widersprüche zu meistern und es lebenswert zu gestalten. Es lässt das einzelne Individuum die Leiden der Wirklichkeit vergessen und führt sogar zu einem Lustempfinden bei dem Gedanken an Schmerz und Vernichtung.

Das Jasagen zum Leben selbst noch in seinen fremdesten und härtesten Problemen; der Wille zum Leben, im Opfer seiner höchsten Typen der eigenen Unerschöpflichkeit froh werdend – das nannte ich dionysisch, das erriet ich als die Brücke zur Psychologie des tragischen Dichters. Nicht um von Schrecken und Mitleiden loszukommen, nicht um sich von einem gefährlichen Affekt durch dessen vehemente Entladung zu reinigen – so verstand es Aristoteles -: sondern um, über Schrecken und Mitleid hinaus, die ewige Lust des Werdens selbst zu sein, - jene Lust die auch noch die Lust am Vernichten in sich schließt.[1]

Des weiteren sieht sich Nietzsche als Erfinder bzw. Erfasser des dionysischen Phänomens. „Ich hatte eben das wundervolle Phänomen des Dionysischen als der Erste begriffen.“[2] Jedoch ergab die spätere Nietzsche-Forschung, dass er mit seiner Annahme falsch liegt und sich seine Theorie in einer langen Tradition der deutschen Geistesgeschichte befindet, die bis in den Humanismus des klassisch-romantischen Zeitalters zurückreicht. Dies ergaben zahlreiche Untersuchungen über das Dionysische bei Hölderlin, Heinse, Schelling, Creutzer usw., um nur einige zu nennen.

3. Das apollinische und dionysische Kunstprinzip

Friedrich Nietzsche geht in seiner „Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ davon aus, dass die Fortentwicklung der Kunst an die ‚Duplicität’ des Apollinischen und Dionysischen gebunden ist. Diese beiden Prinzipien sind nach seiner Auffassung Kunsttriebe und orientieren sich an den griechischen Gottheiten des Apoll und Dionysos. Dabei differenziert er das Kunstprinzip des Apollinischen als die Kunst des Bildners und das des Dionysischen als die unbildliche Kunst, die Musik.

Nietzsche bezeichnet beide Prinzipien als menschliche Triebe, die nebeneinander herlaufen und sich dabei anscheinend immer wieder aufs Neue zu „kräftigeren Geburten“[3] reizen. Diese Entwicklung läuft soweit fort, bis die Paarung des apollinischen und dionysischen Kunstprinzips durch einen „metaphysischen Wunderakt des hellenischen Willens“[4] das Kunstwerk der attischen Tragödie entstehen lässt.

Nietzsche definiert das Kunstprinzip des Apollinischen als Kunstwelt des Traumes, in der jeder Mensch als Künstler fungiert. Jedoch muss er sich dabei immer bewusst sein, dass es sich trotz höchster Traumwirklichkeit immer nur um einen Schein handelt.

Aus philosophischer Sicht wird diesbezüglich die Realität ebenfalls als eine Scheinwelt angesehen, da dem Künstler selbst in der Wirklichkeit Menschen und Dinge als „Phantome und Traumbilder“[5] erscheinen. Folglich deutet sich der apollinische Künstler seine reale Umgebung als eine Traumwelt, so dass von Wirklichkeit bzw. Realität nicht mehr die Rede sein kann. Dabei erfährt er eine höhere Wirklichkeit, die ihn die Realität vergessen lässt. Nietzsche bezeichnet diese Elemente als die Kräfte, die das Leben erst ermöglichen und lebenswert machen.

Die höhere Wahrheit, die Vollkommenheit dieser Zustände im Gegensatz zu der lückenhaft verständlichen Tageswirklichkeit, sodann das tiefe Bewusstsein von der in Schlaf und Traum heilenden und helfenden Natur ist zugleich das symbolische Analogen der wahrsagenden Fähigkeit und überhaupt der Künste, durch die das Leben möglich und lebenswerth gemacht wird.[6]

Nietzsche mahnt jedoch, dass Traumbilder der Wirklichkeit nicht zu entfremdet gegenübertreten sollen, sondern eine „maßvolle Begrenzung“[7] erfahren müssen, um den Schein nicht als „plumpe Wirklichkeit“[8] auftreten zu lassen.

Diese Welt des Scheins, die sich jedes Individuum auf seine Art und Weise gestaltet, nennt Nietzsche das „principii individuationis“[9], aus dem der einzelne Mensch die gesamte Lust und Weisheit des Scheins erfährt.

[...]


[1] Nietzsche, Friedrich. Ecco homo. Wie man wird, wie man ist. Frankfurt am Main. 2000. S. 23

[2] Nietzsche Studien. Internationales Jahrbuch für die Nietzsche-Forschung. Band 12. Berlin. 1983. S.335.

[3] Nietzsche, Friedrich. Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik. Augsburg. 1984. S. 25.

[4] Nietzsche, Friedrich. Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik. Augsburg. 1984. S. 25.

[5] Ebd. S. 26.

[6] Ebd. S. 27.

[7] Ebd. S. 28.

[8] Ebd. S. 28.

[9] Ebd. S. 28.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Dionysische - Kunstprinzip und Männlichkeitskonstruktion
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Deutsche Philologie II)
Veranstaltung
Literaturlust
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V27612
ISBN (eBook)
9783638296144
ISBN (Buch)
9783638806206
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dionysische, Kunstprinzip, Männlichkeitskonstruktion, Literaturlust
Arbeit zitieren
Daniel Pater (Autor), 2004, Das Dionysische - Kunstprinzip und Männlichkeitskonstruktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27612

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