Mit Beginn des 20. Jahrhunderts begann sich ein Fachbereich der Wirtschaftswissenschaften zu entwickeln, der gemeinhin als „Institutionenökonomik “ bekannt ist. Seinen Höhepunkt (gemessen an der Anzahl der veröffentlichten Fachartikel) erreichte dieses breit gefächerte Feld wohl in den 1970er Jahren, als sich angesehene Ökonomen mit immer neuen Gedanken in ihren Abhandlungen kritisch auseinandersetzten und gegenseitig widerlegten.
Grundlegende Ansätze, die heute wie selbstverständlich in die Curricula der Betriebswirtschaft aufgenommen wurden, sind erst vor wenigen Jahrzehnten entwickelt worden und haben seitdem immens an Bedeutung gewonnen. Genannt seien hier beispielsweise der Property-Rights-Ansatz, der Transaktionskostenansatz und die Principal-Agent-Theorie.
Die Hauptvertreter der Verfügungsrechtstheorie, Armen A. Alchian und Harold Demsetz, erörterten in ihrem Artikel „Production, Information Costs, and Economic Organization“ von 1972 die Wirkung eines „moral code of conduct“, dessen Idee einige Jahre später von Josef Wieland aufgegriffen und weiterentwickelt wurde .
Dieser Gedanke ist Hauptbestandteil dieser Ausarbeitung und soll dabei auch auf die Principal-Agent-Theorie übertragen werden. Im Folgenden sollen zunächst die entscheidenden Begriffe fachlich definiert werden, um ein einheitliches Verständnis zu ermöglichen. Daraufhin wird die Idee des code of conduct erläutert und mögliche Wirkungen in der Zusammenarbeit einzelner Individuen diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegende Theorien der (neuen) Institutionenökonomik
2.1 Property-Rights-Ansatz
2.2 Transaktionskostenansatz
2.3 Principal-Agent-Theorie
3. Weitere Definitionen
3.1 Code of Conduct
3.2 Moral
3.3 Ethik
3.4 Team
4. Das Ausgangsproblem
4.1 Teamproduktion (Alchian & Demsetz)
4.2 Agency Costs (Jensen & Meckling)
4.3 Kurzzusammenfassung
5. Implementierung eines “moral code of conduct”
5.1 Die Grundidee
5.2 Gestaltung und Einführung eines code of conduct
6. Mögliche Effekte eines moral code of conduct
7. Die Moral in ökonomischen Modellen
8. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Hausarbeit ist es, den „moral code of conduct“ als ein Instrument zur Steigerung der Loyalität und des Teamgeists innerhalb von Organisationen zu analysieren, um so die Effektivität und Effizienz der Zusammenarbeit zu verbessern. Die Forschungsfrage untersucht, wie die Implementierung ethischer Verhaltensrichtlinien das ökonomische Handeln der kleinsten Unternehmenseinheiten positiv beeinflussen kann.
- Grundlagen der neuen Institutionenökonomik (Property-Rights, Transaktionskosten, Principal-Agent).
- Analyse von Problemen der Teamproduktion (Drückebergerei) und Agenturkosten.
- Die theoretische Begründung und Implementierung eines Verhaltenskodex.
- Mögliche Effekte moralischer Selbstverpflichtungen auf die Effizienzsteigerung.
- Die Integration von Moral und Werten in ökonomische Modelle.
Auszug aus dem Buch
4.1 Teamproduktion (Alchian & Demsetz)
Als Ausgangssituation wird hier die Arbeit in einer Gruppe (Team) angenommen, die einen bestimmten Output erreichen soll. Zunächst besteht das Problem, dass zwar das Ergebnis der Gruppe gemessen werden kann, nicht aber die Beiträge der einzelnen Teammitglieder. Sinngemäß beschreiben die Autoren das Problem folgendermaßen: „Der Output [des Teams] […] ist nicht die Summe einzelner Outputs der Mitglieder.“ Somit lässt sich nicht genau feststellen, welches Mitglied wie viel beigetragen hat.
Diese Tatsache führt dazu, dass die Arbeit der einzelnen Mitglieder nicht ohne weiteres überwacht werden kann. Der Versuch dies zu tun wäre mit extremen Überwachungskosten verbunden und ist auch nicht immer erfolgreich. Kein Manager würde diese Kosten auf sich nehmen. Den Teammitgliedern ist dies bewusst, und daher begeben sie sich in den Schutz der Gruppe, um nicht direkt an ihrem Output gemessen werden zu können.
Wer nicht überwacht wird, der nimmt sich die Freiheit, nicht unbedingt immer mit vollstem Elan an seiner Arbeit zu sein. Es tritt das oft diskutierte Problem des „shirking“ (deutsch: Drückebergerei) auf. Jedes Teammitglied entscheidet nun nach seinen ganz eigenen Präferenzen, in wie weit es sich ein wenig Freizeit gönnt oder produktiv an seinem Output arbeitet. In der Theorie gibt dabei ein Mitglied dem Gut „Freizeit“ und dem Gut „Output“ jeweils einen Preis und wägt dann ab, wie viel er von beidem nachfragen will. Natürlich wird jeder – ganz nach dem Prinzip des Homo Oeconomicus – das für sich selbst beste Ergebnis anstreben und daher dem Gut „Freizeit“ (oder auch „Entspannung“) den Vorzug geben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Institutionenökonomik und die zentrale Rolle des „moral code of conduct“ als Gestaltungselement ökonomischer Organisation.
2. Grundlegende Theorien der (neuen) Institutionenökonomik: Vorstellung der theoretischen Fundamente, insbesondere Property-Rights-Ansatz, Transaktionskosten und Principal-Agent-Theorie.
3. Weitere Definitionen: Begriffliche Einordnung von Code of Conduct, Moral, Ethik und Team zur Schaffung einer gemeinsamen Basis für die Analyse.
4. Das Ausgangsproblem: Analyse der Probleme von Teamproduktion und Agenturkosten, welche die Ineffizienz von Anreizstrukturen ohne moralische Orientierung verdeutlichen.
5. Implementierung eines “moral code of conduct”: Erläuterung der Grundidee zur Schaffung von Teamgeist und methodische Hinweise zur praktischen Gestaltung und Einführung eines Kodex.
6. Mögliche Effekte eines moral code of conduct: Untersuchung der Auswirkungen eines Kodex auf das Selbstverständnis der Mitarbeiter und die Reduktion von Überwachungskosten.
7. Die Moral in ökonomischen Modellen: Kritische Reflexion über das Fehlen moralischer Aspekte in klassischen Modellen und Plädoyer für eine Erweiterung um „Moral“ und „Werte“.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der praktischen Relevanz von Verhaltenskodizes zur Steigerung der unternehmerischen Effizienz durch Sensibilisierung für gemeinsame Werte.
Schlüsselwörter
Moral Code of Conduct, Institutionenökonomik, Effizienzsteigerung, Teamproduktion, Principal-Agent-Theorie, Drückebergerei, Shirking, Agency Costs, Unternehmenskultur, Ethik, Loyalität, Transaktionskosten, Verhaltenskodex, Homo Oeconomicus, Wohlfahrtsverlust.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie ein moralischer Verhaltenskodex („moral code of conduct“) genutzt werden kann, um in Unternehmen die Effizienz zu steigern und die Loyalität der Mitarbeiter zu stärken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Institutionenökonomik, die Analyse von Anreizproblemen in Teams (wie „Shirking“) sowie die praktische Implementierung und theoretische Fundierung von Verhaltenskodizes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine ethische Selbstverpflichtung der Beschäftigten das Problem von Interessensasymmetrien und Ineffizienzen in Organisationen reduziert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf Ansätzen der Neuen Institutionenökonomik basiert und diese mit praktischen Überlegungen der Unternehmensführung verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse ökonomischer Problemkonstellationen (Alchian & Demsetz, Jensen & Meckling), der Definition relevanter Begriffe und der Strategie zur Implementierung eines Verhaltenskodex.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Moral, Code of Conduct, Effizienzsteigerung, Institutionenökonomik, Principal-Agent-Theorie, Teamproduktion und Unternehmenskultur.
Welche Rolle spielt die Principal-Agent-Theorie für den Autor?
Die Principal-Agent-Theorie dient dazu, die Informationsasymmetrien zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer zu erklären und zu zeigen, wie ein Kodex helfen kann, die daraus resultierenden Agenturkosten zu minimieren.
Warum hält der Autor die Integration von Moral für notwendig?
Der Autor argumentiert, dass rein ökonomische Modelle, die auf dem Bild des nutzenmaximierenden Homo Oeconomicus basieren, die Realität der Zusammenarbeit nicht voll erfassen und Moral als „funktionales Äquivalent“ für Vertrauen und Effizienz dienen kann.
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- Nico Schweizer (Author), 2014, Der "moral code of conduct" als Mittel zur Effiziensteigerung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276166