Diese wissenschaftliche Arbeit bietet einen umfangreichen Überblick über das Gebiet der Viktomologie. Sie klärt zentrale Fragen und geht unter anderem auf den aktuellen Forschungsstand, Typologien, Erhebungsmethoden, etc. ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Definition
1.2 Der Opferbegriff
2. Historie
3. Aufgabengebiete der Viktimologie
3.1 Viktimisierungstheorien
3.1.1 Opfertypologien
3.1.2 Opferschädigungen
3.2 Opferbefragungen
3.3 Anzeigeverhalten
4. Praxisbezug der Viktimologie
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die Viktimologie als interdisziplinäre Wissenschaft zu beleuchten, ihre historischen Entwicklungen nachzuvollziehen sowie ihre zentralen Aufgabenfelder in Bezug auf Opferwerdung, Prävention und Unterstützung zu analysieren.
- Grundlagen der Viktimologie und Definition des Opferbegriffs
- Historische Entwicklung der kriminologischen Opferbetrachtung
- Theorien zur Viktimisierung und verschiedene Opfertypologien
- Prozess der Opferschädigung und die Bedeutung von Opferbefragungen
- Praktische Anwendung der viktimologischen Erkenntnisse in der Sozialen Arbeit und Rechtsprechung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Opfertypologien
Es wurden verschiedene Opfertypologien entwickelt, deren gemeinsamer Kernpunkt die Frage nach der Ursache der Opferwerdung ist. Grundlage dafür sind die Opferdispositionen. Es wird also davon ausgegangen, dass bestimmte Menschen eher dazu neigen Opfer von Straftaten zu werden als andere.
Opfertypologien können von praktischem Nutzen sein, beispielsweise bei der Verbrechensprävention oder theoretischer Natur. Sie können auf unterschiedlich erfasste Daten aufbauen, wie auf klinischer Fallerfahrung oder empirisch-faktenanalytischen Untersuchungen. Einzelne Opfertypen können auf der Grundlage juristischer, psychologischer, soziologischer oder biologischer Faktoren erstellt werden. Opfertypologien können auf das Verbrechensopfer insgesamt abzielen oder sich mit spezifischen Delikten und ihren Opfern befassen (vgl. Kiefl/Lamnek 1986, S. 57). Diese Gesichtspunkte machen deutlich, welche Vielzahl an Typologien möglich sind. Im folgenden werde ich mich auf die am häufigsten genannten beschränken.
Die wohl bekannteste Opfertypologie lieferte Hans von Hentig. Er differenziert zwischen folgenden Opfergruppen: Opfer aufgrund besonderer räumlich-zeitlicher Situationen, beispielsweise wenn es um opferträchtigere Wochenendnächte im Vergleich zu Werktagen geht. Opfer aufgrund der familiären Stellung, wie bei Kindstötungen innerhalb der Familie, Eltern- oder Ehegattenmord. Opfer aufgrund der beruflichen Stellung. Berufsgruppen wie Taxifahrer oder Prostituierte werden in vielfach häufigerer Zahl Opfer von Verbrechen. Opfer aufgrund von Gewinn- und Lebensgier. Gewinngierige Opfer finden sich besonders um Bereich von Betrugs- und Wirtschaftsdelikten, während lebensgierige Opfer aus Genußsucht unvorsichtig werden. Opfer aufgrund eigenen aggressiven Verhaltens, die Auseinandersetzungen mit ihrer Umwelt provozieren. Und das Opfer das sich in einer religiösen, ethnischen oder rassistischen Minderheitssituation befindet und daher besonders gefährdet ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition: Erläutert die Herkunft und den interdisziplinären Charakter der Viktimologie sowie die vielschichtige Bestimmung des Opferbegriffs.
1.2 Der Opferbegriff: Detailliert die verschiedenen Bedeutungen des Opferbegriffs und die Unterscheidung zwischen subjektivem und objektivem Schaden.
2. Historie: Skizziert die geschichtliche Entwicklung vom frühen Entschädigungsgedanken bis zur Etablierung der Viktimologie als Wissenschaft nach 1945.
3. Aufgabengebiete der Viktimologie: Beschreibt die Ursachenforschung der Opferwerdung und die Relevanz der Prävention sowie den Umgang mit dem Opfer im Strafverfahren.
3.1 Viktimisierungstheorien: Untersucht die theoretischen Ansätze zur Erklärung von Viktimisierungsprozessen.
3.1.1 Opfertypologien: Stellt verschiedene Modelle zur Kategorisierung von Opfern vor, insbesondere das bekannte Modell von Hans von Hentig.
3.1.2 Opferschädigungen: Differenziert zwischen primärer, sekundärer und tertiärer Viktimisierung und deren Auswirkungen auf das Opfer.
3.2 Opferbefragungen: Analysiert die Methode der Victim Surveys sowie deren Validitätsprobleme und die Bedeutung für die Erforschung des Dunkelfeldes.
3.3 Anzeigeverhalten: Erörtert die Faktoren, die das Anzeigeverhalten von Opfern beeinflussen, insbesondere deliktspezifische Unterschiede.
4. Praxisbezug der Viktimologie: Beleuchtet, wie viktimologische Erkenntnisse in der Prävention, Opferhilfe und Strafverfahren Anwendung finden.
5. Fazit: Fasst die Bedeutung der Viktimologie als wichtige Bezugswissenschaft für die Soziale Arbeit und aktuelle Diskurse zusammen.
Schlüsselwörter
Viktimologie, Kriminologie, Opferwerdung, Täter-Opfer-Beziehung, Opfertypologie, Viktimisierung, Dunkelfeld, Opferbefragung, Prävention, Resozialisierung, Opferhilfe, Soziale Arbeit, Strafverfahren, Strafrecht, Wiedergutmachung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Wissenschaft der Viktimologie, also der Lehre vom Verbrechensopfer, und deren Bedeutung für die Kriminologie und Soziale Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition des Opferbegriffs, die historische Entwicklung, die verschiedenen Viktimisierungstheorien, Opferschädigungen sowie die Erforschung des Dunkelfeldes durch Opferbefragungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die interdisziplinäre Disziplin der Viktimologie zu systematisieren und ihren Praxisbezug bei der Prävention und der Unterstützung von Opfern darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine Literaturanalyse kriminologischer und viktimologischer Fachquellen, um den aktuellen Forschungsstand und theoretische Ansätze zusammenzufassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufgabengebiete der Viktimologie, die Entwicklung von Viktimisierungstheorien, die Analyse von Opferbefragungen und das Anzeigeverhalten sowie den konkreten Nutzen für die Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Viktimologie, Opferwerdung, Opfertypologien, Dunkelfeld und Prävention charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die primäre von der sekundären Viktimisierung?
Die primäre Viktimisierung bezieht sich auf die unmittelbaren Folgen der Straftat selbst, während die sekundäre Viktimisierung durch nachfolgende Prozesse und Reaktionen des sozialen Umfelds oder der Institutionen (z. B. bei Polizei oder vor Gericht) entsteht.
Warum sind Opferbefragungen für die Kriminologie so wichtig?
Opferbefragungen sind essenziell, um das sogenannte Dunkelfeld zu erforschen, da viele Straftaten nicht bei der Polizei zur Anzeige gebracht werden und daher in der offiziellen Kriminalstatistik nicht erscheinen.
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- Sozialpädagogin B.A. Britt Fender (Author), 2014, Viktimologie. Die Lehre vom Verbrechensopfer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276234