Ludwig Wittgenstein hat mit seinen posthum veröffentlichten „Philosophischen Untersuchungen“ die Sprachforschung nachhaltig verändert und zu neuen Perspektiven bewogen. Erstaunlich ist vor allem, dass er selbst Jahre zuvor eine völlig konträre Meinung vertrat.
Betrachtet man nun einige von Wittgenstein beschriebene Passagen der Philosophischen Untersuchungen und vergleicht seine Herangehensweise der Sprachbetrachtung mit der einer recht umstrittenen und dadurch nach wie vor aktuellen Strömung der Grammatiktheorie, nämlich der Konstruktionsgrammatik, dann lassen sich viele Parallelen erkennen und thematisieren.
Inhaltsverzeichnis
1.) EINLEITUNG
2.) WITTGENSTEINS „PHILOSOPHISCHE UNTERSUCHUNGEN“
2.1) FAMILIENÄHNLICHKEIT
2.2) DAS SPRACHSPIEL
2.3) REGELN UND REGELFOLGEN
3.) KONSTRUKTIONSGRAMMATIK
4.) WITTGENSTEIN UND KONSTRUKTIONSGRAMMATIK
4.1) FAMILIENÄHNLICHKEIT UND SPRACHSPIEL IN KONSTRUKTIONEN
4.2) REGELN UND REGELFOLGEN IN KONSTRUKTIONEN
5.) FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Gemeinsamkeiten zwischen Ludwig Wittgensteins sprachphilosophischen Konzepten aus den „Philosophischen Untersuchungen“ und der modernen Strömung der Konstruktionsgrammatik, um eine gebrauchsorientierte Sichtweise auf Sprachveränderungen und sprachliche Normen zu etablieren.
- Grundlagen der Wittgensteinchen Sprachphilosophie (Familienähnlichkeit, Sprachspiel, Regelfolgen).
- Theoretische Ansätze und Merkmale der Konstruktionsgrammatik.
- Analyse der Schnittstellen zwischen Wittgensteins Sprachbetrachtung und konstruktionsgrammatischen Konzepten.
- Diskussion der Bedeutung von Kontext und Sprachgebrauch gegenüber einer starren Regelsystematik.
- Neubewertung von Sprachwandel und gesprochener Sprache jenseits einer wertenden Fehlerkultur.
Auszug aus dem Buch
2.1) Familienähnlichkeit
Ausgehend von einer logischen Sprachauffassung wäre jedem Wort eine bestimmte Bedeutung zugeordnet.
Diese Auffassung wird an dem Punkt strittig, an dem man versucht Wörter wie „Spiel“ oder „Sprache“ zu definieren. Es wird möglich sein, Attribute zu bezeichnen, die jedem Gegenstand der etwa unter „Spiel“ fällt inhärent sind. Aber es wird dadurch nicht möglich sein, eine universelle und detaillierte Definition für „Spiel“ zu formulieren. Diese Tatsache wird von Wittgenstein als „Familienähnlichkeit“ bezeichnet. Gemeint ist damit nicht die „Wortfamilie“, wie sie häufig im Sprachunterricht verwendet wird, sondern eine weniger greifbare Verbindung zwischen Begriffen und Wörtern.
„Und das Ergebnis dieser Betrachtung lautet nun: Wir sehen ein kompliziertes Netz von Ähnlichkeiten, die einander übergreifen und kreuzen. Ähnlichkeiten im Großen und Kleinen.“
Daraus resultiert, dass Wörter im Gebrauch der Sprache Verwendung finden, ohne dass sie näher definiert werden könnten; der Gebrauch geschieht häufig intuitiv.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die veränderte Sichtweise Wittgensteins auf die Sprachforschung ein und stellt die Relevanz einer vergleichenden Betrachtung mit der Konstruktionsgrammatik dar.
2.) WITTGENSTEINS „PHILOSOPHISCHE UNTERSUCHUNGEN“: Dieses Kapitel erläutert Wittgensteins Abkehr von einer idealen Bildsprache hin zu einer handlungsbasierten Theorie, die Begriffe wie Familienähnlichkeit, Sprachspiel und Regelfolgen einführt.
3.) KONSTRUKTIONSGRAMMATIK: Hier werden die Grundlagen der Konstruktionsgrammatik als gebrauchsorientiertes, monostrales und nicht-modulares Modell vorgestellt, das Form-Bedeutungspaare in den Mittelpunkt stellt.
4.) WITTGENSTEIN UND KONSTRUKTIONSGRAMMATIK: Dieses Kapitel verknüpft die beiden Ansätze durch ihre gemeinsame Fokussierung auf den Sprachgebrauch, Kontextabhängigkeit und die deskriptive Betrachtung von Sprache.
5.) FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass beide Ansätze dazu beitragen, Sprachwandel wertneutral zu untersuchen und Sprachwirklichkeit präziser zu erfassen als durch rein logische Analysemodelle.
Schlüsselwörter
Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Konstruktionsgrammatik, Familienähnlichkeit, Sprachspiel, Regelfolgen, Sprachgebrauch, Sprachwirklichkeit, Pragmatik, Sprachwandel, Sprachkompetenz, soziale Praxis, Form-Bedeutungspaare, Konventionen, Alltagssprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die sprachphilosophischen Ansätze von Ludwig Wittgenstein auf die moderne linguistische Theorie der Konstruktionsgrammatik beziehen lassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Konzepte der Familienähnlichkeit, das Sprachspiel, das Folgen von Regeln sowie die theoretischen Grundlagen und Merkmale der Konstruktionsgrammatik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten zwischen Wittgensteins Sprachbetrachtung und der Konstruktionsgrammatik aufzuzeigen, um ein besseres Verständnis für den Sprachgebrauch und sprachliche Phänomene zu erlangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Vergleichsanalyse, bei der Konzepte aus Wittgensteins „Philosophischen Untersuchungen“ mit den Prinzipien der Konstruktionsgrammatik in Bezug gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Konzepte Wittgensteins und die Konstruktionsgrammatik separat definiert, um anschließend ihre Verbindung in Bezug auf Familienähnlichkeit, Sprachspiele und Regelfolgen detailliert zu analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachgebrauch, Konstruktionsgrammatik, Familienähnlichkeit, Sprachspiel und Pragmatik charakterisiert.
Wie bewertet die Arbeit den Begriff der „richtigen“ Sprache?
Die Arbeit stellt sich gegen die rein wertende Unterscheidung von „richtig“ und „falsch“ und plädiert stattdessen für eine deskriptive Betrachtung, die den sozialen Kontext sprachlicher Äußerungen berücksichtigt.
Welche Rolle spielt die Metonymie in der Argumentation?
Die Metonymie dient als Beispiel, um zu zeigen, wie die Konzepte der Familienähnlichkeit und des Sprachspiels methodisch in der Konstruktionsgrammatik angewendet werden können.
- Arbeit zitieren
- Anna Borggreve (Autor:in), 2013, Wittgensteins "Philosophische Untersuchungen". Wegbereiter für die Konstruktionsgrammatik?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276247