Im Seminar „Von den kulturellen Universalien zur universellen Kultur“ wurde Kultur als ein zentraler Begriff der Anthropologie behandelt. In diesem Zusammenhang gilt es auf kulturelle Gemeinsamkeiten, jedoch ebenso auf kulturelle Unterschiede in den verschiedenen Gesellschaften hinzuweisen. Weiter muss gefragt werden, was die Gründe für kulturelle Gemeinsamkeiten auf der Erde sind? Die Fragen zu kulturellen Universalien sind bis heute nicht eindeutig beantwortet. Eine Anpassung an Umweltbedingungen wird unter anderem aufgeführt, jedoch ist dies nur ein Teilaspekt.
UniversalforscherInnen versuchen die zentrale Frage zu ergründen, was allen Kulturen gemein ist. Dazu gibt es verschiedene Auflistungen mit unterschiedlichen Gemeinsamkeiten, jedoch ist ein Konsens über die einzelnen Punkte nicht immer gegeben. Bei der Universalforschung geht es also darum, trotz zahlreicher Differenzen die gemeinsamen kulturellen Aspekte aller Gesellschaften herauszuarbeiten. So werden als Gemeinsamkeiten beispielsweise Punkte wie Schamgefühl, Inzesttabus, Ekel, Ethik und Musik aufgeführt (vgl. Antweiler 2007a: 1ff.).
Diese Seminararbeit soll sich mit der Thematik von Kultur und Entwicklung beschäftigen, und dabei auf die Relevanz von soziokulturellen Faktoren in den Entwicklungstheorien eingehen. Kulturelle Aspekte spielen sowohl in den Entwicklungsländern wie auch in den Industrieländern eine Rolle, teilweise von unterschiedlicher Intensität. Zu beachten ist hierbei, dass es zu kulturellen Missverständnissen und Fehldeutungen kommen kann, wenn Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaften aufeinander treffen. In der Entwicklungszusammenarbeit kommt es zum kulturellen Austausch durch Menschen aus den Ländern des Südens und Menschen aus den westlichen Industrienationen. Hierbei gilt es jedoch auf die hierarchischen Machtverhältnisse hinzuweisen, die immer noch vorhanden sind, sowohl in den Entwicklungstheorien wie auch in der Praxis der Entwicklungszusammenarbeit, trotz einer in der Öffentlichkeit wirksamen Phrase von Partnerschaft auf gleicher Augenhöhe.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. KULTUR UND ENTWICKLUNG
3. ENTWICKLUNGSTHEORIEN
3.1. THEORIEN DER KOLONIALZEIT
3.2. IMPERIALISMUSTHEORIEN
3.3. MODERNISIERUNGSTHEORIEN
3.4. DEPENDENZTHEORIEN
4. EINORDNUNG DER THEMATIK IN DIE AGENDA DES SEMINARS
5. RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz soziokultureller Faktoren innerhalb verschiedener Entwicklungstheorien. Ziel ist es zu analysieren, wie der Kulturbegriff in diesen Theorien verankert ist und inwieweit universelle Entwicklungskonzepte für die Länder des Südens tatsächlich geeignet sind, ohne dabei bestehende Machtverhältnisse oder kulturelle Identitäten zu missachten.
- Bedeutung soziokultureller Faktoren in der Entwicklungszusammenarbeit.
- Historische Betrachtung der Entwicklungstheorien von der Kolonialzeit bis zu Dependenztheorien.
- Kritische Reflexion über die Anwendbarkeit westlicher Entwicklungskonzepte.
- Machtstrukturen und kulturelle Missverständnisse im internationalen Austausch.
- Das Spannungsfeld zwischen lokaler Kultur und globalen Modernisierungsprozessen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Theorien der Kolonialzeit
Auf welche Art und Weise sind kulturelle Unterschiede in den entwicklungstheoretischen Ansichten der Kolonialzeit behandelt worden? Auch wenn Theorien der Entwicklung und entwicklungspolitisches Denken auf noch keine lange Geschichte ihrer Disziplin zurück schauen können – die Ursprünge sind etwa Mitte der 1940er Jahre angesiedelt – gibt es dennoch innerhalb den Diskussionen der kolonialen Verwaltungen bereits theoretische Auseinandersetzungen zur Thematik Entwicklung, auch wenn die begriffliche Bezeichnung Entwicklung noch nicht verwendet worden ist. Damals wurde jedoch nicht die Hilfe zur Entwicklung gemeint, wie es heutzutage der Fall ist, sondern die Fragestellung lautete, wie eine effektive Wertschöpfung erreicht werden kann. Wenn die kolonialen Gebiete wirtschaftlich ausgebeutet werden sollten, war es unabdingbar, die vorhandenen Gegebenheiten zu verändern. Von daher wurden Anstrengungen dahingehend unternommen, nicht die Bevölkerung der jeweiligen Gebiete zu entwickeln, sondern eine Entwicklung des Territoriums zu erreichen. Deshalb kamen die BewohnerInnen der Kolonien im ganzen Prozess nur marginalisiert am Rande vor oder als Hilfsmittel für die Ausbeutung der Ressourcen (vgl. Faschingeder 2001: 29f).
Kulturelle Aspekte der BewohnerInnen wurden oftmals nicht beachtet. Wenn aber doch einmal die Kultur der Menschen erforscht wurde, dann mit der Absicht, um das Wissen über soziokulturelle Besonderheiten für die Interessen der Kolonialmacht zu instrumentalisieren. Kulturtheorien wurden dazu verwendet, die kolonialen Aktivitäten der EuropäerInnen zu legitimieren sowie Maßnahmen zu entwickeln, um die europäische Kolonialherrschaft zu optimieren (vgl. Faschingeder 2001: 30ff.). Die „Universalisierung des europäischen Staatskonzeptes“ (Osterhammel 1995: 77) hatte massive Auswirkungen auf die kolonialen Gebiete und ihre BewohnerInnen. Für diese war oftmals ein Bruch mit den gelebten Alltagstradition verbunden (vgl. Faschingeder 2001: 36).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die anthropologische Relevanz von Kultur ein und stellt die zentrale Fragestellung der Seminararbeit hinsichtlich der Rolle soziokultureller Faktoren in Entwicklungstheorien vor.
2. KULTUR UND ENTWICKLUNG: Dieses Kapitel erläutert die Vieldeutigkeit der Begriffe Kultur und Entwicklung und beleuchtet die zunehmende Bedeutung einer differenzierten Betrachtung dieser Themen in der internationalen entwicklungspolitischen Debatte.
3. ENTWICKLUNGSTHEORIEN: Hier werden verschiedene Theorieansätze analysiert, wobei der Fokus darauf liegt, wie die Theorien der Kolonialzeit, Imperialismustheorien, Modernisierungstheorien und Dependenztheorien jeweils mit kulturellen Faktoren umgehen.
4. EINORDNUNG DER THEMATIK IN DIE AGENDA DES SEMINARS: Das Kapitel verknüpft die theoretischen Erkenntnisse mit konkreten Seminarvorträgen, wie etwa der Debatte um universelle Menschenrechte und lokale kulturelle Praktiken.
5. RESÜMEE: Das abschließende Resümee zieht ein Fazit über die Vernachlässigung kultureller Faktoren in der Theoriegeschichte und plädiert für eine kultursensible Praxis in der Entwicklungszusammenarbeit.
Schlüsselwörter
Kultur, Entwicklung, Entwicklungstheorien, Kolonialzeit, Modernisierung, Dependenz, soziokulturelle Faktoren, Entwicklungszusammenarbeit, Machtverhältnisse, Anthropologie, Identität, Globalisierung, Lokale Kultur, Tradition, Universalien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und den Stellenwert soziokultureller Faktoren innerhalb verschiedener historischer und aktueller Entwicklungstheorien.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte der Entwicklungstheorien, die Begriffsdefinitionen von Kultur und Entwicklung sowie deren kritische Anwendung in der Praxis der Entwicklungszusammenarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, ob universelle Entwicklungskonzepte auf lokale Gegebenheiten in Ländern des Südens übertragen werden können, ohne dabei kulturelle Spezifika und bestehende Machtverhältnisse zu ignorieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine literaturbasierte Analyse, um die theoretische Auseinandersetzung mit soziokulturellen Faktoren über verschiedene Theoriegruppen hinweg zu vergleichen und kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kolonialzeit-Theorien, Imperialismustheorien, Modernisierungstheorien und Dependenztheorien hinsichtlich ihres jeweiligen Umgangs mit dem Faktor Kultur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Entwicklungstheorien, soziokulturelle Faktoren, Kultur, Machtverhältnisse und Entwicklungszusammenarbeit beschreiben.
Wie bewerten die untersuchten Theorien den Faktor Kultur?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Faktor Kultur in den meisten klassischen Theorien entweder vernachlässigt, instrumentalisiert oder als Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung missverstanden wurde.
Warum ist das Thema heute noch aktuell?
Das Thema bleibt hochaktuell, da in der heutigen Entwicklungszusammenarbeit immer noch die Gefahr besteht, westlich geprägte Modelle als universell anzusehen, anstatt kulturelle Diversität und Partizipation ernsthaft einzubeziehen.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Entwicklungszusammenarbeit?
Der Autor schlussfolgert, dass Entwicklungszusammenarbeit nur dann erfolgreich und legitim sein kann, wenn sie das Leben der Menschen auf Basis deren eigener Identität verbessert und die Definition von Fortschritt gemeinsam mit den Betroffenen erfolgt.
- Arbeit zitieren
- Wolfgang Krumm (Autor:in), 2010, Kultur und Entwicklung. Zur Relevanz soziokultureller Faktoren in den Entwicklungstheorien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276310