„DIE RELIGIÖSE SITUATION DER ZEIT
Kein Frieden unter den Nationen
ohne den Frieden unter den Religionen.
Kein Frieden unter den Religionen
ohne Dialog zwischen den Religionen.
Kein Dialog zwischen den Religionen
ohne Grundlagenforschung in den Religionen.“ aus: Küng, Hans (2004): Der Islam. Geschichte, Gegenwart, Zukunft. München: Piper.
„Abraham hat Konjunktur. Ein Halbnomade, der im Vorderen Orient vor 4000 Jahren gelebt haben soll und schon lange zu Staub geworden ist, ist aktueller denn je. Immer mehr Artikel und Bücher machen ihn zum Thema“. Er ist eine der wichtigsten Figuren sowohl der Bibel als auch des Koran. Aber wer ist dieser Mensch, der zu den Grundpfeilern des Glaubens so vieler Menschen gehört?
Küng schreibt in seinem Buch über den Islam, dass die Abrahamsgeschichte, wie alle Patriarchengeschichten, zu den mündlich überlieferten Sagen gehört. Diese haben einen historischen Kern, lassen sich jedoch nur sehr ungenau datieren. Auch Abrahams Herkunft und sein Leben als Einwanderer in eine ihm fremde Umgebung sind für die spätere jüdische Geschichte sehr bedeutungsvoll.
„Für das rabbinische Judentum ist Abraham der erste Jude, der treu die Gebote der Tora befolgte. Im Neuen Testament wird Abraham zum Leitbild des glaubenden Menschen (vgl. Röm 4; Hebr 11, 8 - 19. […] In Sure 6, 79 wird Abraham ein Hanif genannt, was so viel wie ‚Anhänger des reinen Glaubens‘ bedeutet: ein Monotheist also, der aber nicht Jude oder Christ ist. […] Die religiösen Traditionen nämlich zeigen, dass Judentum, Christentum und Islam Abraham jeweils lange Zeit exklusiv für sich vereinnahmt und sich jeweils als die wahren Nachkommen Abrahams verstanden haben“. Das ist ein sehr problematischer Ansatz. Denn wenn die eigene Religion als die einzig wahre verstanden wird, können die anderen ja nur falsch, überholt oder vom Teufel diktiert sein. (...).
Denn selbst wenn ich keinen Religionsunterricht geben sollte, habe ich dennoch Kinder verschiedener Religionen in einer Klasse. Es ist wichtig, die Grundlagen der anderen Religionen zu
kennen, nicht nur um der eigenen Bildung willen, sondern um Vorurteilen bei den Kindern besser begegnen zu können oder sie gar nicht erst entstehen zu lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Zur Begründung der Themenwahl
1.2. Themenabgrenzung
1.3. Zur Schreibweise
2. Abraham – die biblische Sichtweise
2.1. Abrahams Auszug
2.2. Verheißung des Erben und des Erblandes
2.3. Die Gäste Abrahams in Mamre
2.4. Opferung des Sohnes
3. Abraham im Koran
4. Grundlagen zur dialogischen Begegnung mit Muslimen
5. Zu den Bedingungen und Aufgaben des Dialogs der Religionen
5.1. Religiöse Zeugnisse wahrnehmen
5.2. Religiöse Texte deuten und verstehen; kulturelle Hintergründe wahrnehmen und achten
5.3. Durch Begegnungen lernen
5.4. Die bleibende Fremdheit respektieren
5.5. In eine existentielle Auseinandersetzung verwickeln
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die Figur des Abraham als verbindendes Element zwischen Judentum, Christentum und Islam, um Grundlagen für einen konstruktiven interreligiösen Dialog zu schaffen. Das zentrale Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den biblischen und koranischen Erzählungen herauszuarbeiten, um Vorurteile abzubauen und ein respektvolles Miteinander auf Augenhöhe zu fördern.
- Die biblische Perspektive auf Abrahams Leben und Wirken
- Die Darstellung und Bedeutung Abrahams im Koran
- Gemeinsame Grundlagen der drei abrahamitischen Religionen
- Methoden und Bedingungen für einen fruchtbaren interreligiösen Dialog
Auszug aus dem Buch
2.4 Opferung des Sohnes
Ganz zu Beginn der Erzählung wird dem Leser klar, um was es hier gehen wird (Gen 22, 1) – eine Versuchung Abrahams. Doch dieser weiß nichts davon. Die Worte Gottes erscheinen ihm in einem Nachtgesicht, er bekommt den Befehl, seinen Sohn Gott als Opfer darzubringen, den einzigen, den er lieb hat. Abraham begibt sich unverzüglich zum angegebenen Ort, zum Opferberg nimmt er schließlich nur seinen Sohn mit. Für ihn muss der Befehl, seinen einzigen Sohn zu opfern, eine schreckliche Bedeutung haben – denn wie soll Gottes Verheißung noch wahr werden, wenn dieser Eine tot ist? Doch Abraham vertraut auf Gott. Hier wird er als ein zutiefst glaubender Mensch geschildert, der darauf vertraut, dass Gott nichts unmöglich ist. Es geht hier um den Glauben, der sich nicht im Haben, sondern im Gehorsam ausdrückt.
Bemerkenswert ist hier das Gespräch zwischen Abraham und Isaak. Isaak wundert sich darüber, dass kein Opfertier dabei ist. Abraham redet liebevoll mit seinem Sohn und sagt, Gott werde sich sein Opfertier selbst auswählen. Abrahams Gedanken sind also voll bei Gott, Abraham befindet sich auf Gottes Weg. Dieser Dialog zwischen Vater und Sohn ist allerdings äußerst kurz, das anschließende Geschehen wird ohne Gespräch geschildert. Man kann sich natürlich fragen, ob Isaak sich nicht gewundert hat und erschrocken ist, als er das Opfertier sein sollte. Doch darüber wird nichts berichtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Begründung der Themenwahl, Abgrenzung der Arbeit und Erläuterung der gewählten Schreibweise.
2. Abraham – die biblische Sichtweise: Analyse ausgewählter Erzählungen über Abraham in der Bibel, darunter sein Auszug, die Verheißungen und die Opferung des Sohnes.
3. Abraham im Koran: Untersuchung der symbolischen Bedeutung Abrahams als Schlüsselfigur im Koran und Vergleich zur biblischen Überlieferung.
4. Grundlagen zur dialogischen Begegnung mit Muslimen: Erörterung der gemeinsamen Fundamente der abrahamitischen Religionen als Basis für den interreligiösen Dialog.
5. Zu den Bedingungen und Aufgaben des Dialogs der Religionen: Detaillierte Darstellung praktischer Voraussetzungen wie die Wahrnehmung religiöser Zeugnisse, das Verständnis kultureller Hintergründe und die Bedeutung von Begegnungen.
Schlüsselwörter
Abraham, interreligiöser Dialog, Bibel, Koran, Islam, Christentum, Judentum, Monotheismus, Opferung, Segen, Gastfreundschaft, Religiöse Zeugnisse, Verständnis, Integration, Glaube.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Figur des Abraham als zentrale Identifikationsfigur der drei abrahamitischen Religionen und erforscht, wie diese Person als Grundlage für einen friedlichen Dialog zwischen den Religionen dienen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die biblischen und koranischen Abraham-Erzählungen, die Gemeinsamkeiten der monotheistischen Religionen sowie die praktischen Herausforderungen und Aufgaben für einen interreligiösen Austausch.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das gemeinsame Erbe Abrahams genutzt werden kann, um Vorurteile abzubauen und einen fruchtbaren Dialog zwischen Christen und Muslimen zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine textanalytische Herangehensweise an biblische und koranische Texte sowie einen vergleichenden Ansatz, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung der Überlieferungen herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine exegetische Betrachtung der Abrahamsgeschichte in Bibel und Koran, gefolgt von einer Reflexion über die Grundlagen, Bedingungen und notwendigen Haltungen für einen gelingenden interreligiösen Dialog.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Abraham, interreligiöser Dialog, Monotheismus, Opferung, Gastfreundschaft und religiöse Zeugnisse charakterisiert.
Warum wird im Koran der Name des Sohnes nicht explizit genannt?
Die Autorin führt an, dass das Schweigen des Korans als Aufforderung verstanden werden kann, die Geschichte nicht für exklusive Ansprüche zu vereinnahmen, sondern die Liebe zu Gott und das Vertrauen zwischen Mensch und Gott in den Vordergrund zu stellen.
Welche Rolle spielt das "gemeinsame Feiern" für den Dialog?
Das gemeinsame Feiern wird als wesentlicher Bestandteil für ein gutes Miteinander angesehen, da es hilft, Berührungsängste abzubauen und das Verständnis für die Traditionen der jeweils anderen Religion zu vertiefen.
- Quote paper
- Svetlana Husenbeth (Author), 2013, Abraham in der Bibel und im Koran. Grundlage für den interreligiösen Dialog, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276329