Schwere zielgerichtete Gewalt an Schulen und Bullying

Risikofaktoren bei der Entstehung von School Shootings und präventive Maßnahmen


Hausarbeit, 2012
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Einleitung

2. School Shootings
2.1 Definition und Abgrenzung zu dem Begriff „Amoklauf“
2.2 Risikofaktoren

3. School Bullying
3.1 Begriffserklärung
3.2 Häufigkeit und Konsequenzen
3.3 Prävention

4. Résumé

5. Literatur

Zusammenfassung

Das Auftreten von sog. „School Shootings“ hat sich in den letzten Jahren gehäuft. Seitdem beschäftigt sich auch die Forschung damit, Variablen zu erkennen, die zu dieser Form schwerer, zielgerichteter Gewalt an Schulen führen können. Dabei wurden neben psychologischer Vulnerabilität, kultureller Sichtweisen, mangelnder Kontrolle von Schülern sowie Zugang zu Waffen auch soziale Marginalität als relevante Maße identifiziert, die die Entstehung von School Shootings beeinflussen können. Besonders für die Institution Schule ist der Faktor der sozialen Ausgrenzung von Bedeutung, da diese im Zusammenhang mit School Shootings in der Regel dort stattfindet. Schulen können also einen Beitrag dazu leisten, School Shootings zu reduzieren, indem sie sich mit der Problematik des Bullying auseinandersetzen und versuchen, das Aufkommen dieses Phänomens zu unterbinden. Doch nicht nur im Rahmen von School Shootings ist Bullying unter Schülern von Relevanz, denn auch Bullying selber bringt oftmals schwere Konsequenzen, wie z. B. psychische Belastungen oder vermehrte Verhaltensauffälligkeiten, für die Betroffenen mit sich.

1. Einleitung

In den letzten Jahren berichteten Medien immer wieder über „Amokläufe“ an Schulen, bei denen (ehemalige) Schüler die Bildungseinrichtung stürmten und mit Schuss- und/oder anderen Waffen scheinbar wahllos andere Menschen hinrichteten. Als eine der ersten dieser Meldungen ist der Gesellschaft womöglich der „Amoklauf“ aus Littleton, Colorado in den USA im Gedächtnis geblieben: Am 20. April 1999 betraten die Schüler des Abschlussjahrgangs Dylan Klebold und Eric Harris – ausgerüstet mit Pistolen, Messern und einer Vielzahl an Bomben, die sie zuvor mithilfe von Anleitungen aus dem Internet gebastelt hatten – die Columbine High School. Ihr Plan war es, möglichst viele Leute umzubringen (Rosenberg, 2012). Zuvor hatten sie beobachtet, wann die meisten Menschen in der Cafeteria sein würden und versteckten dort kurz vor der ersten Mittagspause einige ihrer Sprengsätze. Anschließend verließen sie das Schulgebäude, um zu warten, bis die Bomben explodierten und dann die letzten Überlebenden zu erschießen bzw. zu erstechen.

Ihr Plan funktionierte allerdings nicht einwandfrei, denn ihre selbst gebauten Sprengsätze zündeten nicht (Rosenberg, 2012). Trotzdem wollten die beiden Jungen ihr Vorhaben umsetzen und gingen nun selbst in die Schule, um zu töten. Sie schossen auf andere Schüler, die ihnen entgegen kamen und warfen weitere Bomben auf das Gelände. Das Fatale daran war, dass das Massaker in der letzten Schulwoche des Abschlussjahrgangs stattfand, sodass viele der Jugendlichen die Aktion zunächst für einen typischen Streich der Abschlussklasse hielten und nicht registrierten, wie ernst die Angelegenheit war. Letztendlich brachten Klebold und Harris an diesem Tag 13 Menschen – darunter zwölf Schüler und ein Lehrer – sowie sich selbst um; 21 Leute wurden verletzt.

Doch nicht nur im Ausland haben solche Ereignisse in der letzten Vergangenheit stattgefunden; auch in Deutschland ereigneten sich bis zum heutigen Tag mehrere „Amokläufe“ an Schulen. Der erste dieser Art wurde am 26. April 2002 von Robert Steinhäuser am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt verübt (Gebauer, 2002). Mit einem selbstladenden Revolver und einer Pump-Gun bewaffnet kam er am Vormittag des Tattages in seine ehemalige Schule. Zuvor war er des Gymnasiums verwiesen worden, da er des öfteren ärztliche Atteste gefälscht hatte. Anders als Klebold und Harris schien Steinhäuser seine Opfer gezielter anzugehen: Unter den 16 Menschen, die er im Zuge seiner Amoktat erschoss, waren 14 Lehrer und nur zwei Schüler. Vermutlich wollte der 19-Jährige sich an seinen ehemaligen Lehrern für den Schulverweis rächen. Schließlich tötete auch Robert Steinhäuser sich selbst.

Die mediale Berichterstattung fand in beiden Fällen sehr schnell mögliche Ursachen dafür, dass die jeweiligen Täter zu Massenmorden dieser Art überhaupt fähig gewesen waren: Sowohl Dylan Klebold und Eric Harris, als auch Robert Steinhäuser waren unauffällige und ruhige Schüler gewesen, deren familiäre Situation nicht besonders auffällig gewesen war (Rosenberg, 2012; Gebauer, 2002). Alle drei Jungen hörten Heavy-Metal-Musik und beschäftigten sich in ihrer Freizeit mit gewalttätigen Medien, wie Computerspielen oder Filmen. Darüber hinaus hegten alle der erwähnten Täter eine Faszination für Waffen.

Nun stellt sich die Frage, ob solche Gründe wirklich ausschlaggebend sind und Jugendliche dazu verleiten können, einen solchen „Amoklauf“ zu begehen. Gegenstand dieser Hausarbeit ist die Entstehung von School Shootings. Als eine Größe, die das Vorkommen solcher Massaker begünstigen kann, wird insbesondere das sogenannte „School Bullying“ betrachtet werden.

Im zweiten Abschnitt wird der Begriff des „School Shootings“ erläutert und gegenüber dem im Alltag ähnlich verwendetem Ausdruck des „Amoklaufs“ abgegrenzt werden. Außerdem wird die Häufigkeit von Amoktaten sowie typische Eigenschaften von ihnen, wie Leaking oder eine langfristige Planung, genannt. Im Anschluss daran werden verschiedene Faktoren beleuchtet, die zu einem School Shooting führen können.

Der dritte Abschnitt beschäftigt sich genauer mit der Thematik des „School Bullying“. Als einer von mehreren Größen, die ein School Shooting evozieren können, wird er ausführlicher beschrieben werden, da dieser für die Institution Schule als Ansatzpunkt dienen kann, um School Shootings zu vermeiden. Die Häufigkeit von Bullying unter Jugendlichen und die Konsequenzen für die Betroffenen werden ausgeführt. Letztendlich werden Maßnahmen berücksichtigt, die dabei hilfreich sein können, School Bullying einzugrenzen.

Der vierte Abschnitt bildet das Resumé, in dem die zuvor diskutierten Sachverhalte abschließend zusammengefasst werden. Im Anschluss daran werden Empfehlungen ausgesprochen, wie School Shootings – abgesehen von der Prävention im Bereich des Bullying – entgegengewirkt werden kann. Letztendlich wird Kritik am bisherigen Forschungsstand und zu den allgemeinen Forschungsmöglichkeiten bzgl. School Shootings geübt werden.

2. School Shootings

Für den Ausdruck „School Shooting“ gibt es im deutschen Sprachraum keine adäquate Übersetzung (Scheinthauer & Bondü, 2011). Oft wird in der Umgangssprache versucht, dieses Phänomen mit dem weniger präzisen Begriff des „Amoklaufs“ zu bezeichnen. Im Folgenden wird erklärt, was man konkret unter „School Shootings“ versteht und inwiefern sie sich von „Amokläufen“ unterscheiden.

2.1 Definition und Abgrenzung zu dem Begriff „Amoklauf“

Der Begriff des „Amoklaufs“ ist ein Überbegriff für verschiedenste Akte schwerer zielgerichteter Gewalt, wie z. B. School Shootings. Nach Scheithauer und Bondü (2011) ist ein „Amoklauf“ eine „(versuchte) Tötung mehrerer Personen durch einen, bei der Tat körperlich anwesenden Täter mit (potenziell) tödlichen Waffen innerhalb eines Tatereignisses ohne Abkühlungsperiode, der zumindest teilweise im öffentlichen Raum stattfindet“ (S. 15). Dies bedeutet, dass mehrere Kriterien gegeben sein müssen, damit von einem „Amoklauf“ gesprochen werden kann: Zunächst muss der Delinquent zum Tatzeitpunkt vor Ort sein. Auf diese Weise ist beispielsweise ein Bombenanschlag, bei dem der Bombenleger sich nicht am jeweiligen Zielort befindet, wenn der Sprengsatz explodiert, kein „Amoklauf“. Das zweite Kriterium besagt, dass es versucht oder sogar tatsächlich ausgeführt werden muss, mehrere Personen zu töten. In Folge muss ein „Amokläufer“ immer die Intention verfolgen, mehr als einen Menschen nicht nur zu verletzten, sondern auch umzubringen. Aus diesem Grund muss der Täter bei einem „Amoklauf“ auch über Waffen verfügen, die Menschen töten können. Das vierte Kriterium des einzelnen „Tatereignisses ohne Abkühlungsperiode“ differenziert „Amokläufe“ von anderen Mehrfachtötungen, die von einem Individuum verübt werden, wie z. B. Serienmorde. Es handelt sich nur dann um einen „Amoklauf“, wenn der Delinquent mehrere Menschen im Zuge einer einzelnen Tat in so kurzen zeitlichen Abständen tötet, dass der Ausführende keine emotionale Distanz („Abkühlung“) zu diesen Tötungen gewinnen kann. Letztendlich muss ein „Amoklauf“ zwar nicht gänzlich, aber dennoch teilweise an öffentlichen Orten (z. B. am Arbeitsplatz, in Bildungsinstitutionen, in anderen öffentlichen Gebäuden oder auf der Straße) stattfinden, um der Definition zu entsprechen (Scheithauer & Bondü, 2011).

Die Mehrzahl der Amokläufe werden lange vor der eigentlichen Tat geplant (Bondü, Cornell & Scheithauer, 2011). Während dieser Zeitperiode können verschiedene Vorbereitungen getroffen werden, wie z. B. die Besorgung von Waffen, die Auswahl der Opfer oder Ähnliches. Darüber hinaus werden die meisten Amoktaten im Vorfeld durch sogenanntes „Laeking“ (dt.: „lecken“/„durchsickern“) angekündigt. Im Allgemeinen meint diese Bezeichnung bestimmte Verhaltensweisen, die die Intention eines Individuums erkenntlich machen. Im Bezug auf Kriminalfälle – und damit auch auf Amokläufe – bezeichnet dieser Ausdruck Andeutungen krimineller Pläne, die eine Person ausführen möchte (Bondü et al., 2011). „Leaking“ kann sich sowohl auf direkte (z. B. Äußerungen in Gesprächen, Aufsätzen oder Briefen, Einträge in Internetforen, aber auch Inhalte von Zeichnungen oder Filmen), als auch auf indirekte Weise (z. B. extremes Interesse an Waffen, übertriebene Auseinandersetzung mit gewalttätigen Medien oder Suizidandrohungen bzw. -versuche) vollziehen (Scheithauer & Bondü, 2011). Statistisch betrachtet sind Amokläufe ein sehr seltenes Phänomen, dennoch ist es – vor allem wegen der schwerwiegenden Konsequenzen für die Opfer und deren Angehörige – relevanter als einige andere Gewalttaten, die eine höhere Prävalenz aufweisen (Bondü et al., 2011). Letztendlich werden Amokläufe primär von männlichen Delinquenten verübt (Scheithauer & Bondü, 2001): Der Anteil der Frauen, die solch eine Tat durchführen, beläuft sich auf unter 5%. All diese zuvor genannten Aspekte sind auch auf School Shootings übertragbar.

Im Gegensatz zu Amokläufen ist der Ausdruck des „School Shootings“ enger gefasst. Wie bereits erwähnt wurde, ist ein „School Shooting“ eine Form des „Amoklaufs“. Konkret versteht man unter der Begrifflichkeit des „School Shootings“ „gezielte Angriffe eines (ehemaligen) Schülers an seiner bewusst als Tatort ausgewählten Schule mit potenziell tödlichen Waffen und Tötungsabsicht.“ (Bondü, 2010; zitiert nach Scheithauer & Bondü, 2011, S. 24). Weiterhin ist eine solche „Tat […] durch individuell konstruierte Motive im Zusammenhang mit dem Schulkontext bedingt und richtet sich gegen mit der Schule assoziierte, zumindest teilweise zuvor ausgewählte Personen oder Personengruppen“ (Bondü, 2010; zitiert nach Scheithauer & Bondü, 2011, S. 24). Anhand dieser Definition wird deutlich, dass bei einem „School Shooting“ alle Kriterien eines „Amoklaufs“ erfüllt sind: Es gibt nur einen Täter, der bei der Umsetzung auch anwesend ist, der die Absicht hat, Menschen umzubringen und deshalb auch mit tödlichen Waffen ausgerüstet ist. Außerdem handelt es sich bei einem „School Shooting“ nur um einen einzelnen Tathergang, bei dem es zu keiner „Abkühlung“ seitens des Delinquenten kommt und der Tatort der Schule bringt einen Tathergang im öffentlichen Raum mit sich. Da School Shootings eine Unterform von selten stattfindenden Amokläufen sind, treten sie in noch viel weniger Fällen auf. Dennoch haben sie ähnlich verheerende Effekte für alle Betroffenen und ziehen direkte Folgen im Bereich der Politik und dem Schulwesen nach sich (Bondü et al., 2011).

Neben dieser Merkmale impliziert die Bezeichnung „School Shooting“ aber auch weitere Eigenschaften, die bei einem „Amoklauf“ nicht zwangsläufig gegeben sein müssen. So beinhaltet ein „School Shooting“ eine gewisse Zielgerichtetheit was die Wahl des Tatortes und die der Opfer anbelangt. Die Charakteristika, nach denen ein Tatort für einen Amoklauf ausgesucht wird, ist zumeist abhängig von den Tatmotiven (Scheithauer & Bondü, 2011). Es gilt zu beachten, dass der Tatort bei einem Amoklauf nicht unbedingt im Vorfeld ausgewählt werden muss, sondern sich auch zufällig an einer bestimmten Stelle ereignen kann. Wenn der Ort des Amoklaufs aber geplant war, dann entsprechend der Motive des Täters (z. B. ist es wahrscheinlich, dass ein Arbeitnehmer, der sich an seinem Chef und seinen Kollegen rächen will, seine Arbeitsstelle als Tatort aussuchen wird). Dass der Tatort gemäß der Tatmotive geplant wird, gilt auch für „School Shootings“, denn oft wählt der Täter seine (frühere) Schule bewusst aus, um eine Botschaft zu übermitteln. Die Entscheidung für einen speziellen Tatort bedingt natürlich auch in gewisser Hinsicht die Opferwahl. Bei School Shootings hat der Täter in der Regel aber noch konkretere Vorstellungen, wen er umbringen möchte, als es für Amokläufe im Allgemeinen gewährleistet sein muss. So könnten beispielsweise bestimmte Lehrer oder Schüler, gegen die der Delinquent eine starke Abneigung oder gar Hass hegt, auf der Liste der Opfer stehen.

Aus der Besonderheit von School Shootings, dass sowohl der Tatort, als auch die zukünftigen Opfer in den meisten Fällen lange vor der eigentlichen Tat geplant werden (Scheithauer & Bondü, 2011), kann man bereits ein mögliches Motiv für solche schweren Fälle zielgerichteter Gewalt ableiten: So ist es wahrscheinlich, dass jemand ein School Shooting mit dem Zweck ausführt, sich an anderen Leuten, von denen er sich ungerecht behandelt gefühlt hat, zu rächen. Für die Erklärung einer solch komplexen Straftat kann dieser Rachegedanke allein allerdings nicht ausreichend sein, besonders, wenn man bedenkt, dass generelle Rachegedanken, die andere Schüler und Lehrer betreffen, unter Jugendlichen womöglich eher häufig sind, wobei School Shootings nur sehr selten vorkommen (Bondü et al., 2011). Das bedeutet, dass Rachegedanken nicht zwangsläufig in einer solch schweren Straftat eskalieren. In diesem Kontext wird deutlich, dass mehr Aspekte für die Erklärung von School Shootings berücksichtigt werden müssen. Im Folgenden werden mehrere Faktoren diskutiert, die – wenn sie in ihrer Kombination vorliegen – die Wahrscheinlichkeit eines School Shootings erhöhen können.

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Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Schwere zielgerichtete Gewalt an Schulen und Bullying
Untertitel
Risikofaktoren bei der Entstehung von School Shootings und präventive Maßnahmen
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V276452
ISBN (eBook)
9783656694786
ISBN (Buch)
9783656697435
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
schwere, gewalt, schulen, bullying, risikofaktoren, entstehung, school, shootings, maßnahmen
Arbeit zitieren
Caren Hilger (Autor), 2012, Schwere zielgerichtete Gewalt an Schulen und Bullying, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276452

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