Karteninterpretation Hildesheim L 3924


Studienarbeit, 2007

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung:

2) Physiogeographische Detailanalyse
2.1) Niedersächsisches Bergland
2.2) Niedersächsische Börden
2.3) Flusstäler

3) Kulturgeographische Detailanalyse
3.1) Siedlungsgenese
3.2) Stadt Hildesheim
3.3) Weitere städtische Siedlungen
3.4) Land-/Forstwirtschaft
3.5) Industrie/Bergbau
3.6) Tourismus/Naherholung/Verkehr

4) Synthese

Literatur

1) Einleitung:

Das Kartenblatt L3924 zeigt einen Ausschnitt aus dem südniedersächsischen Bergland mit Übergang zu den niedersächsischen Börden, die ihrerseits das Bindeglied zwischen Mittelgebirgsschwelle und Norddeutschem Tiefland herstellen. Physiogeographisch kennzeichnet sich der Raum durch ein kleingekammertes Relief, welches durch geotektonische Aktivitäten seit dem Tertiär zu Stande kam. Dieser Faktor prägt das Kartenblatt, sodass hier der Schwerpunkt der Interpretation liegen wird. Durch den im Kartenblatt verlaufenden Hellweg weist das Gebiet eine Durchgangslage von historischer Bedeutung auf. Es zählt heute zu Niedersachsen und ist in das Städtenetz Hannover, Goslar, Paderborn, Bielefeld, Hameln einzuordnen. Aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheit der einzelnen Naturräume bietet sich für den physiogeographischen Teil der Interpretation der Länderkundliche Vergleich an. Die Siedlungsgenese als Jahrhunderte langer Entwicklungsprozess ist dagegen besser historisch-genetisch über das ganze Blatt darzustellen. Ferner müssen eine detaillierte Untersuchung der Stadt Hildesheim, die aktuelle Wirtschaftsstruktur sowie Potentiale der touristischen Nutzung Eingang in die Interpretation finden. Zusammenhänge zwischen Physio- und Kulturgeographie sind an zahlreichen Stellen im Kartenblatt zu belegen.

2) Physiogeographische Detailanalyse

Abb. 2: Geologie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für die Entstehung des heutigen Landschaftsbildes waren folgende Prozesse prägend:

- Mesozoische Sedimentation. Während des gesamten Mesozoikums wurde unter marinen und terrestrischen Bedingungen Material abgelagert.
- Saxonische Bruchtektonik im Zusammenhang mit der alpidischen Orogenese im Tertiär => Entstehung von Brüchen und Verwerfungen; Halokinese und Subrosion
- Glaziale und periglaziale Prozesse im Pleistozän => Sedimentation von Löss; Eintiefung der Flusstäler

2.1) Niedersächsisches Bergland

Geologie und Tektonik prägen das Kartenblatt. Bereits beim ersten Betrachten fällt das kleingekammerte Relief auf. Diese Landschaftsformen sind typisch für das südniedersächsische Bergland.

Im Südwesten der Karte heben sich zwei bewaldete Höhenzüge deutlich vom Umland ab. Die typische Schichtrippenstruktur lässt auf mesozoische Schichten schließen, wobei die härteren Schichten jeweils als Stufenbildner (Kalk, Sandstein) und die weicheren Schichte (Ton) als Hangbildner auftreten. Durch Hebungs- und Senkungsprozesse v.a. im Tertiär im Zusammenhang mit der alpidischen Orogenese wurden die Schichten verformt, wobei die weichen Sedimente erosiv ausgeräumt, und die härteren Schichten zu Rippen herauspräpariert wurden (=> Saxonische Bruchtektonik). Der Duinger Berg besteht offensichtlich aus Malmkalken. Dafür sprechen die oberflächliche Gewässerlosigkeit, die Steinbruchsignaturen bei Marienhagen, sowie der deutlich ausgeprägte Trauf (50/64). Die Schichten fallen nach Südwesten ein (flacher als im Nordosten). Daraus folgt, dass sich weiter südwestlich die Synklinale (Geologische Mulde) befindet. Dies hat wiederum zur Folge, dass sich dort die nächst jüngere Schicht, in diesem Falle also die Unterkreide, befinden muss. Als Typuslokalität treten hier unterkretazische Sandsteine der Wealdenformation auf. Als Beleg hierfür kann die Bezeichnung „An der Sandgrube“ (46/64) dienen. Der Synklinale gegenüberstehend weist der Leinegraben eine Antiklinalstruktur auf (Geologischer Sattel). Die steile Seite der Schichtrippen weist i.d.R. zur Antiklinale hin. Als Hangbildner des Duinger Berges kommen weiche, tonige Lagen aus Dogger, Lias und Keuper in Frage, wobei die ackerbauliche Nutzung auf eine Lössauflage schließen lässt. Die zweite Schichtrippe (Külf) besteht wiederum aus härterem Material. Die o.g. Indizien sprechen auch hier für Kalk. Ein ausgeprägter Trauf wie am Duinger Berg ist hier nicht vorhanden. Der zur Antiklinale hin gerichteten Lage muss es sich beim Külf um eine ältere Schicht handeln. Dementsprechend kommt hier nur der Muschelkalk als Stufenbildner in Frage. Ob es sich um Oberen (Trochytenkalk) oder Unteren Muschelkalk (Wellenkalk) handelt, ist dem Kartenblatt nicht zu entnehmen. Die weichen Lagen des Oberen Buntsandsteins (Röttone) sind der Stufenstirn als Hangbildner vorgelagert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Querprofil Duinger Berg – Sieben Berge

Quelle: Engfer et al (1998), online: http://www.denudation.de/geographie/karteninterpretation/profil_s3.pdf

Östlich des Leingrabens, der zur transkontinentalen Schwächezone vom Mittelmeer bis Südskandinavien zählt (Mittelmeer-Myøsen-Zone; auch Rhône-, und Rheingraben), schließt sich ein größeres bewaldetes Gebiet an. Auch dieser Raum ist nahezu gewässerfrei. Die Außenränder fallen steil ab, im Inneren fallen die Schichten flach ein. Im Bereich der Sieben Berge wurden Teile der Schichten ausliegerbergartig herauspräpariert. Diese Verwitterungsform ist typisch für Plänerkalke der Oberkreide. Als Hangbildner kommen weiche Schichten der Unterkreide in Frage. Im zentralen Bereich zwischen Sieben Berge und Vorberge verläuft die Synklinale. Mit der Hohen Tafel (56/67) befindet sich hier mit 395m auch der höchste Punkt des Kartenblattes.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Querprofil Sieben Berge – Neuhof (Legende s. u.)

Quelle: Engfer et al (1998), online: http://www.denudation.de/geographie/karteninterpretation/profil_s3.pdf

Neben Duinger Berg und Külf sowie Sieben Bergen und Vorbergen wird im Hildesheimer Wald ein weiterer Teilraum durch Schichtrippen und –kämme gebildet. Die Antiklinale verläuft zwischen den beiden nordöstlichen Schicht-kämmen parallel zur Sreichrichtung (innen steil, außen flacher). Dementsprechend muss es sich im innern des Hildesheimer Waldes um ältere mesozoische Schichten handeln, die nach außen jünger werden. Der oberflächliche Gewässerreichtum (59/77) lässt auf einen wasserstauenden, tonigen Untergrund schließen. Dafür kommen die Schichten des Unteren Buntsandsteins in Frage (Vorwissen). Die beiden angesprochenen Schichtkämme bestehen demzufolge aus Sandsteinen des Mittleren Buntsandsteins. Dafür kann auch die Bezeichnung „Roter Berg“ (62/72) unterstützend hinzugezogen werden (wenngleich eine solche Nomenklatur kein Beweis für eine stratigraphische Einheit ist!). Die südwestlich vorgelagerte dritte Schichtrippe muss aufgrund der Schichtenfolge aus dem nächst jüngerem Material, also Muschelkalk, bestehen, so auch die Hügelkette, die sich zum nördlichen Kartenrand zieht.

Sowohl im Bereich der Sieben Berge, als auch im Hildesheimer Wald lässt sich beispielhaft das umlaufende Streichen erkennen, ein eindeutiger Hinweis auf salztektonische Prozesse. Es ist zu vermuten, dass der Hildesheimer Wald durch einen darunterliegenden Salzdiapir gehoben wurde (Halokinese) und die Mulde im Bereich der Sieben Berge durch Salzauslaugung (Subrosion) zustande kam. Dafür liefert das Kartenblatt einschlägige Beweise: „Kaliwerk Hildesia“ (62/74), „Mathildenhall“ (60/75) und „Saline Heyersum“ (56/80). Auch Duinger Berg und Külf gehören zu einem größeren Muldengebiet, der Ith-Hils-Mulde („Kolonie Kaliwerk“ /50/70)).

Neben diesen drei auffälligen Teilräumen bestehend aus Sattel- und Muldenstrukturen, bietet das Kartenblatt weitere Bereiche, die zum Teilraum I zählen, im Folgenden aber aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Bedeutung nicht eingehender untersucht werden.

[...]

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Details

Titel
Karteninterpretation Hildesheim L 3924
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V276456
ISBN (eBook)
9783656705840
ISBN (Buch)
9783656709060
Dateigröße
741 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
karteninterpretation, hildesheim
Arbeit zitieren
Matthias Schopp (Autor:in), 2007, Karteninterpretation Hildesheim L 3924, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276456

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