"Assads Tage sind ganz sicher gezählt." Zu dieser Einschätzung dürfte wohl nicht nur Jay Carney, ein Sprecher des Weißen Hauses, kommen. Zu deutlich scheint die Machtposition des langjährigen syrischen Machthabers zu bröckeln, je länger der Konflikt andauert. Der Druck aus dem Ausland wird immer größer.
Doch wie wird es in Syrien nach der Ära Assad weitergehen? Welche Rolle werden die verschiedenen Oppositionsparteien noch spielen und welche Vorstellungen haben sie hinsichtlich der Zukunft Syriens? Diese Fragen sollen im Rahmen dieser wissenschaftlichen Ausarbeitung zu beantworten versucht werden. Dazu beschäftigt sich der Autor mit den veröffentlichten Positionen und Aussagen der wichtigen Oppositionskräfte, nämlich des Syrischen Nationalkomitees (SNC), der Freien Syrischen Armee (FSA), und den sich in Syrien befindlichen Lokalkomitees. Der Autor will anhand dieser Informationen einen Vegleich zwischen den Gruppierungen ziehen und davon ausgehend abschließend eine Prognose zur Zukunft Syriens nach dem Assad-Regime erstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die FSA und ihre Vorstellungen
3. Der SNC und seine Vorstellungen
4. Die lokalen Komitees und ihre Vorstellungen
5. Fazit/Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die post-assadistische Zukunft Syriens durch eine vergleichende Betrachtung der politischen Positionen und Übergangspläne der drei wichtigsten Oppositionskräfte: der Freien Syrischen Armee (FSA), des Syrischen Nationalkomitees (SNC) und der lokalen Komitees (LCC).
- Vergleich der politischen Zielsetzungen der syrischen Oppositionsgruppierungen
- Analyse der geplanten militärischen und zivilen Übergangsstrukturen
- Diskussion über demokratische, rechtsstaatliche und ökonomische Reformvorhaben
- Evaluation von Kooperationspotenzialen und bestehenden Konfliktlinien zwischen den Akteuren
Auszug aus dem Buch
Die FSA und ihre Vorstellungen
Die am 27.7.2011 nach einem Aufruf des desertierten Offiziers Reyad Al-Assad gegründete Freie Syrische Armee sieht sich Fundament der zukünftigen regulären syrischen Armee und betont, dass sie eine Armee aller Syrer ist und auch offen für alle Syrer, unabhängig von ihrer jeweiligen Herkunft oder Religion. Sie sehen ihre Hauptaufgabe als Beschützer der syrischen Bevölkerung, der syrischen Städte und der Revolution an sich. Ein wichtiges Ziel ist die Auflösung des Assad-Regimes. Des Weiteren erklärt die FSA, dass sie keine spezielle politische Agenda verfolgt und auch nicht von spezifischen Gruppierungen religiöser oder sonstiger Art beeinflusst bzw. kontrolliert wird.
Außerdem garantiert sie, dass sie den Handel mit Waffen aller Art im zukünftigen befreiten Syrien streng kontrollieren wird. Ferner erklärt die FSA, dass ihre Mitglieder nach dem Ende des Konflikts wieder in ihr altes Leben, also entweder als Zivilist oder Soldat, zurückkehren werden. Trotz ihrer Aussage, nicht von bestimmten Gruppen beeinflusst zu werden, ist festzustellen, dass die FSA u.a. auch durch die in Syrien verbotene Muslimbruderschaft mit Waffen und Geld beliefert wird. Ein Beobachter in Homs, Rami H., geht sogar so weit, zu sagen: „If a militia receives money from the Muslim Brotherhood, then it obviously going to be an Islamist militia.“
Zudem wird immer wieder von brutaler Behandlung von Kriegsgefangenen berichtet, welche nicht im Einklang mit den internationalen Vereinbarungen darüber stehen, was ebenfalls ein eher besorgniserregendes Licht auf die Freie Syrische Armee wirft. Problematisch ist für die FSA auch, dass sie durch den Aufruf Al-Kaidas an alle Muslime, sie gegen Assad zu unterstützen, nunmehr ein Imageproblem hat, und ihre Führer ständig beteuern müssen, dass sie alle Religionen respektieren. Die Frage, ob diese Verbindung nur ein unglücklicher und missverständlicher Zufall ist, bleibt präsent. Wichtig erscheint dieser Aspekt auch dahingehend, dass die FSA mittlerweile unter den Syrern die bedeutendste der Oppositionskräfte ist und proklamiert, dass sie ihre Unabhängigkeit auch nach dem Fall Assads beibehalten will.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor führt in die aktuelle politische Instabilität des Assad-Regimes ein und skizziert die methodische Absicht, die Zukunft Syriens durch eine Untersuchung der Oppositionspläne zu prognostizieren.
Die FSA und ihre Vorstellungen: Dieses Kapitel beleuchtet die militärischen und politischen Ambitionen der Freien Syrischen Armee, thematisiert aber auch kritisch die interne Ideologie und externe Einflussnahme.
Der SNC und seine Vorstellungen: Hier werden die demokratischen Visionen des Syrischen Nationalkomitees dargelegt, die auf einem zivilen, pluralistischen und wirtschaftlich liberalen Staatsmodell basieren.
Die lokalen Komitees und ihre Vorstellungen: Das Kapitel beschreibt den Fokus der LCC auf Selbstbestimmung und den Aufbau einer zivilgesellschaftlich geprägten, demokratischen Republik unter strikter Ablehnung ausländischer Einflussnahme.
Fazit/Ausblick: Der Autor resümiert, dass trotz großer Schnittmengen zwischen den Gruppen die praktische Umsetzung der Vorstellungen angesichts der militärischen und sozialen Spannungen eine große Herausforderung darstellt.
Schlüsselwörter
Syrien, Assad-Regime, Opposition, Freie Syrische Armee, FSA, Syrisches Nationalkomitee, SNC, lokale Komitees, LCC, Demokratisierung, politische Transition, Bürgerkrieg, Rechtsstaatlichkeit, Islamismus, Zukunftsperspektive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Zukunftsmodelle der syrischen Opposition für die Zeit nach dem Sturz von Baschar al-Assad.
Was sind die drei zentralen untersuchten Akteure?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Freie Syrische Armee (FSA), das Syrische Nationalkomitee (SNC) und die lokalen Komitees (LCC).
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, auf Basis der veröffentlichten Positionen der drei Oppositionsgruppen eine fundierte Prognose für die politische Entwicklung in Syrien zu erstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse von Aussagen, Programmen und publizierten Positionspapieren der genannten Oppositionskräfte.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert detailliert die politischen Ziele, die Vorstellungen zur Übergangsregierung und das Demokratieverständnis der untersuchten Gruppierungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie politische Transformation, Opposition, Demokratisierung, militärische Rolle und staatlicher Neuaufbau beschreiben.
Wie bewertet der Autor die Rolle der FSA in Bezug auf den Islamismus?
Der Autor weist auf das problematische Image der FSA hin, da Berichte über Kontakte zur Muslimbruderschaft sowie die Unterstützung durch radikale Kräfte das Vertrauen in eine säkulare Zukunft gefährden könnten.
Welche Rolle spielt die Einigkeit innerhalb der Opposition laut Fazit?
Die Einigkeit ist der kritische Punkt; der Autor warnt, dass trotz inhaltlicher Schnittmengen zwischen SNC und LCC die mögliche Dominanz des Militärs eine erfolgreiche demokratische Transition erschweren könnte.
- Arbeit zitieren
- Andreas Wollenweber (Autor:in), 2012, Quo vadis, Syrien? Vorstellungen und Rollen der Oppositionsparteien nach dem Assad-Regime, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276547