Geostrategische Energiepolitik der Türkei

Die Türkei als Energiedrehscheibe der Zukunft


Bachelorarbeit, 2014
68 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

II. Tabellenverzeichnis

III. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2. Energiepolitische Ausgangsbedingungen in Europa und Asien
2.1. Energiepolitische Situation in Europa
2.1.1. Die europäische Energiestrategie 2020
2.2. Energiepolitische Situation in Russland
2.2.1. Gazprom
2.3. Energiepolitische Kooperation zwischen der EU und Russland
2.3.1. Der Ukrainekonflikt und dessen Auswirkungen
2.4. Energiepolitische Kooperation zwischen der EU und mittel- und zentralasiatischen Ländern

3. Geostrategische Lage der Türkei
3.1. Die Rohstoffpotenziale der Region
3.2. Transportinfrastruktur für Erdöl und Erdgas
3.2.1. Geplante bzw. betriebene Erdölpipelines
3.2.1.1. Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline (BTC)
3.2.1.2. Kirkuk-Ceyhan-Pipeline (KCP)
3.2.1.3. Autonomieregion Kurdistan/Irak-Türkei-Pipeline
3.2.1.4. Ceyhan-Kirikkale-Pipeline
3.2.1.5. Batman-Dörtyol-Pipeline
3.2.1.6. Trans Anatolian Pipeline (TAP)
3.2.2. Geplante bzw. betriebene Erdgaspipelines
3.2.2.1. Blue-Stream-Pipeline
3.2.2.2. Baku-Tiflis-Erzurum-Pipeline (BTE)
3.2.2.3. Tabriz-Dogubayazit-Pipeline (TDP)
3.2.2.4. Bulgarien-Türkei-Pipeline (West Stream)
3.2.2.5. Interconnector Türkei-Griechenland-Pipeline (ITG)
3.2.2.6. Iran-Türkei-Europa (ITE)
3.2.2.7. Iraq-Turkey Gas Export Pipeline (ITGEP)
3.2.2.8. Israel-Turkey Natural Gas Pipeline
3.2.2.9. Egypt-Turkey Natural Gas Pipeline
3.2.2.10. Trans Anatolian Natural Gas Pipeline (TANAP)
3.3. Die nationale Energielage der Türkei

4. Energieaußenpolitik der Türkei
4.1. Außenpolitik der Türkei
4.2. Energieaußenpolitik mit den Ländern im Südkaukasus
4.3. Energieaußenpolitik mit dem Nahen und Mittleren Osten
4.4. Energieaußenpolitik mit Russland
4.5. Energieaußenpolitik mit den Ländern Zentralasiens

5. Wirtschaftspolitische Optionen der Türkei
5.1. Die nah-/mittelöstliche Option
5.2. Die kaspische Option
5.3. Das Potenzial der Türkei zur Energiedrehscheibe

6. Schlussbetrachtung und Ausblick

IV. Literaturverzeichnis

V. Ehrenwörtliche Erklärung

I. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Europas Erdgasimporte aus Russland

Abbildung 2: Bosporus-Meerenge und die Stelle, wo der Istanbul-Kanal entstehen soll

Abbildung 3: Veranschaulicht den Eurasien-Tunnel in Istanbul: Querschnitt und Perspektive

Abbildung 4: Veranschaulicht den Verlauf der Erdölpipelines TAP, BTC, CPC und KCP

Abbildung 5: Zeigt die Route der Blue-Stream-Pipeline von Russland bis zur Hauptstadt Ankara

Abbildung 6: Die Route der TANAP- und TAP-Pipeline sowie das gescheiterte Nabucco-West-Projekt

Abbildung 7: Flagge der Organisation Turkic Council

Abbildung 8: Nationale und internationale Pipelines

II. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Erdölvorräte (sicher gewinnbar)

Tabelle 2: Erdgasvorräte (sicher gewinnbar)

Tabelle 3: Übersicht über wichtige Großprojekte auf dem türkischen Energiemarkt

Tabelle 4: Langzeitverträge Erdgas zwischen Russland und der Türkei

III. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Fossile Energieträger sind grundlegende Bestandteile der heutigen und der zukünftigen Gesellschaft. Insbesondere die Bedeutung von Erdöl und Erdgas rückt immer mehr in den Vordergrund. Erstmals kam die Bedeutung von fossilen Energieträgern in der Ölkrise von 1973[1] zum Vorschein. Damals wurde schnell klar, wie wichtig die Versorgungssicherheit mit fossilen Energieträgern ist und welcher gewaltige Nachteil eine Nation treffen kann, wenn eine so hohe Abhängigkeit von Energieträgern besteht.[2] Die Europäische Union (EU)[3] hat im Jahr 2010 ihren Erdölverbrauch zu 83 % und ihren Erdgasverbrauch zu 76,8 % aus nicht europäischen Ländern gedeckt. Größter Energielieferant der EU ist Russland. Ein Drittel der fossilen Energieträger wird nur von Russland geliefert.[4] Besonders Erdgas wird in der Zukunft ein ernst zu nehmender Abhängigkeitsfaktor werden. Die zukünftigen Erdgasproduktionen in der EU werden durch den bereits erreichten Höhepunkt im Verbrauch von Jahr zu Jahr sinken, was zu einer noch voluminöseren Importabhängigkeit führt. Die EU spricht von Unsicherheiten bei der zukünftigen Versorgungssicherheit von Europa. Das Bestreben der EU, zu einer Diversifizierung der Erdgasimporte zu gelangen, wird immer offensichtlicher. Europa plant deshalb die Verbindung zu Ländern mit reichen Erdgasressourcen im Mittleren Osten und am Kaspischen Meer.[5]

Erst nach dem eskalierenden Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine im Jahr 2009 wurde die Energieversorgung Europas zur Debatte gestellt. Es wurden Strategien entwickelt, welche die Gasimporte der EU diversifizieren sollen. Neue internationale Pipelines sollen die Infrastruktur der Erdgaseinfuhren der EU erweitern und alternative Energiequellen zu Russlands Lieferungen erschließen.[6] Die dünne Besiedlung und die großen Energieressourcen eröffnen den Ländern der kaspischen Region ein großes Exportpotenzial, weshalb das bevorzugte Interesse der EU auch auf diese Region gerichtet ist.[7]

Ein 3 300 km langes Pipelineprojekt, als „Nabucco“[8] bezeichnet, sollte zur Diversifizierung der Erdgasimporte der EU beitragen. Diese Pipeline, geplant vom Kaspischen Becken aus, quer über die Türkei, sollte eine jährliche Erdgaskapazität von 30 Mrd. Kubikmetern anliefern.[9] Das gemeinsame Pipelineprojekt TANAP, von der Türkei und Aserbaidschan, sollte ebenfalls Gas aus dem Kaspischen Becken bis nach Europa transportieren. Durch die Konkurrenz der TANAP wurde das Nabucco-Projekt überflüssig und scheiterte an der Umsetzung. Die Türkei errichtet gemeinsam mit Aserbaidschan einen südlichen Gaskorridor, der eine Alternative zu Russlands Gasanlieferungen darstellen soll. Es wird also beabsichtigt, den europäischen Markt mit Erdgas aus der kaspischen Region zu versorgen. Geplant ist auch, Erdgas aus Turkmenistan nach Aserbaidschan und dann mittels der TANAP durch die Türkei nach Europa zu transportieren.[10]

Die Türkei versucht wegen ihrer geostrategischen Lage ihre Rolle als Energiedrehscheibe durchzusetzen.[11] Unter anderem befindet sich die Türkei in unmittelbarer Nähe zu 72 % der bekannten Erdgas- und 73 % der nachgewiesenen Erdölreserven der Welt.[12] Mit dem 15 000 km langen Pipelinenetz, das mit den Nachbarn in allen vier Windrichtungen des Landes vernetzt ist, engagiert sich die Türkei als ein unverzichtbarer Akteur für fossile Energieträger in der Region.[13]

Nach dem Amtsantritt der AK-Partei[14] wurde eine neue Außenpolitik der Türkei verfolgt. Die Türkei hat das traditionelle Westdenken nämlich abgeschafft und ihr Engagement auf alle Nachbarstaaten ausgedehnt.[15] Um sich im Energiesektor zu profilieren, ist die Türkei bestrebt, die Ressourcen der Nachbarstaaten an sich zu binden.[16] Mit neuen Transportinfrastrukturprojekten vom Nahen und Mittleren Osten und vom Kaspischen Becken aus will die Türkei ein Pipelinenetz schaffen, das das russische Territorium umgehen soll. Der Türkei stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, sich zu einer Energiedrehscheibe zu entwickeln.[17]

1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Energiepolitik der Türkei zu untersuchen. Besitzt die Türkei das Potenzial, als alternativer Energieversorger für die Europäische Union zu fungieren? Und ist es ihr möglich, als Akteur einer Energiedrehscheibe zwischen den drei geopolitisch relevanten Regionen, nämlich dem Nahen Osten, Europa und der kaspischen Region, erfolgreich zu handeln?

Vor dem Hintergrund dieser Fragestellungen ist es von großer Bedeutung, die aktuelle Energieversorgung und die energiepolitische Ausgangssituation der Europäischen Union zu betrachten.

Kapitel 2 dieser Arbeit prüft die energiepolitische Ausgangssituation in Europa und Asien. Im Betrachtungsfeld dieser Untersuchung liegt besonders das schwierige Verhältnis der EU und der Regierung Russlands.

In Kapitel 3 werden verschiedene geostrategische Eigenschaften der Türkei untersucht. Bestehende und geplante sowohl nationale als auch internationale Transportinfrastrukturprojekte werden aufgelistet. Zusätzlich werden die Rohstoffpotenziale der Region und die Energielage der Türkei dargelegt.

In Kapitel 4 wird die Energieaußenpolitik der Türkei mit den Nachbarregionen betrachtet. Zuerst wird auf die allgemeine Außenpolitik des Landes eingegangen und deren Veränderungen dargestellt. Danach wird die Energieaußenpolitik gegenüber den einzelnen Regionen veranschaulicht.

Kapitel 5 beinhaltet die Untersuchung der wirtschaftspolitischen Optionen in den drei geopolitisch relevanten Regionen, dem Nahen Osten, Europa und der kaspischen Region. Es wird das Potenzial der Türkei zur Energiedrehscheibe mit den aktuellen Ereignissen untersucht.

In Kapitel 6 erfolgt abschließend eine Zusammenfassung der Kernaussagen aus den einzelnen Kapiteln sowie eine Prognose hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung.

2. Energiepolitische Ausgangsbedingungen in Europa und Asien

In diesem Kapitel sollen die Ausgangsbedingungen und die energiepolitischen Situationen von Europa und Asien analysiert werden. Die intensivsten und umfangreichsten Energiebeziehungen bestehen zwischen der Europäischen Union und Russland. Daher ist Russland für die EU der wichtigste und größte Energielieferant, und für Russland hält die Europäische Union den größten Absatzmarkt bereit.[18]

Aus diesem Grund wird in diesem Kapitel insbesondere auf die energiepolitischen Ausgangsbedingungen und Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Russland eingegangen.

2.1. Energiepolitische Situation in Europa

Seit 2004 deckt die EU ihren Energiebedarf durch Energielieferungen von Nicht-EU-Staaten ab, und das zu über 50 %. Dieser Trend wächst Jahr für Jahr. Im Jahr 2010 lag die Energieabhängigkeitsquote der EU bei 52,7 %. Der wichtigste Zulieferer für alle Energieträger wie Rohöl, Erdgas und Kohle war Russland. Russland deckt 32,2 % des Energiebedarfs der EU ab. Demnach ist Russland der größte Energielieferant der EU und stellt gegenüber der EU die größte Abhängigkeit dar. Allein im Jahr 2010 deckte Russland 32,2 % des Rohölbedarfs, 26,4 % des Erdgasbedarfs und 22,8 % des Kohlebedarfs der Europäischen Union ab.[19] Der Bedarf an Erdgas wird in den kommenden Jahren deutlich steigen, da Gaskraftwerke als „Back-up“ für die erneuerbaren Energien eingesetzt werden. Damit muss die Parität des Strombedarfs bei erhöhter Nachfrage hergestellt werden.[20]

Ein weiterer Faktor für den zukünftig steigenden Erdgasimport ist, dass die Erdgasgewinnung in der Europäischen Union ihren Produktionshöhepunkt erreicht hat und in Zukunft drastisch fallen wird. Bis 2020 wird durch den Produktionsrückgang und die steigende Nachfrage in der Europäischen Union ein Anstieg von 20 bis 30 % des Gasverbrauchs erwartet. Demnach wird dann der Erdgasverbrauch zu 80 % aus Importen gedeckt, und Russland wird sich als wichtigster Versorger Europas den Platz erhalten.[21] Die Erdgasproduktion in der Europäischen Union ist im Jahr 2012 im Vergleich zum Vorjahr 2011 um –5,5 % gesunken, woran die sinkende Erdgasproduktion in der Europäischen Union deutlich zu erkennen ist.[22]

Die neuen EU-Mitgliedstaaten[23] sind bis auf Rumänien und Ungarn zu 100 % von russischen Gasimporten abhängig. Ungarn und Rumänien verfügen zum Teil über eigene Gasfelder, mit denen sie ihren Binnenbedarf decken. Beim Energiemix hat das Erdgas einen geringen Anteil, was die Länder Rumänien und Ungarn von der 100-prozentigen Abhängigkeit befreit.[24] Anhand der Abbildung (Abbildung 1) kann man sehen, wie die prozentuale Abhängigkeit der einzelnen Länder in Europa gegenüber Russland aussieht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Europas Erdgasimporte aus Russland[25]

Nordwesteuropa hat alternative Versorgungsoptionen wie die Verbindungen mittels Pipelines zum britischen Markt. Den Niederlanden und Norwegen stehen weiterhin verschiedene LNG-Terminals[26] zur Verfügung.[27] Rund 68 % der russischen Gaslieferungen gehen an die alten EU-15-Länder[28], was den Großteil der Gasexporte ausmacht, allen voran Deutschland, Italien und Frankreich. Die nahe geografische Lage von Frankreich, Spanien und Italien zu Afrika erlaubt es diesen Ländern, anteilig mehr Gas aus Nordafrika zu importieren. So importiert Spanien 50 % seines Gases aus Algerien und besitzt die höchste Abhängigkeit von einem einzigen Erdgasproduzenten. Die Europäische Union, insgesamt, durchschnittlich betrachtet, bezieht 61 % des importierten Erdgases zu 42 % aus Russland, zu 24 % aus Norwegen, zu 18 % aus Algerien und zu 16 % aus anderen Ländern. Der restliche Gasverbrauch von 39 % wird aus europäischen Förderungen gedeckt.[29]

2.1.1. Die europäische Energiestrategie 2020

Erstmals wurde die Schaffung einer gemeinsamen europäischen Energiepolitik im Jahr 2006 von der Europäischen Kommission im „Grünen Buch“ veröffentlicht. Um die Notwendigkeit einer gemeinsamen Energiepolitik zum Ausdruck zu bringen, wurden Strategien entwickelt, die von allen EU-Ländern gemeinsam umgesetzt werden sollten.[30]

Die Europäische Union ist derzeit weltweit der größte Energieimporteur der Welt, und die Abhängigkeit steigt von Jahr zu Jahr. Die EU-Kommission brachte die Abhängigkeit im „Grünen Buch“ zum Ausdruck und wies darauf hin, dass die Abhängigkeit von Erdölimporten bis 2030 von 76 % auf 90 % des Erdölverbrauchs und von Erdgasimporten von 40 % auf 70 % des Erdgasverbrauchs steigen wird. Der drastische Anstieg ist nicht vom Konsumwachstum abhängig, sondern davon, dass die eigenen Rohöl- und Gasreserven in der Nordsee aufgebraucht sein werden.[31] Die verantwortlichen Vertreter für eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU sowie die Vertreter der EU-Kommission machen auf die Gasexporte von Russland aufmerksam und fordern eine Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Energielieferanten.[32] Im November 2010 stellte die Europäische Kommission mit dem Konzept „Energie 2020“ die weiterentwickelte Energiestrategie der Europäischen Union vor. Die Kommission übersandte dem Europäischen Parlament die Energiestrategie. Das Konzept beinhaltet „eine Strategie für wettbewerbsfähige, nachhaltige und sichere Energie“, das sollte für eine gemeinsame Energiepolitik sorgen.[33]

Konkrete Ziele der Strategie sind:

- die Senkung der Treibhausgasemissionen um 20–30 %
- die Steigerung des Anteils an erneuerbaren Energien auf 20 %
- die Verbesserung der Energieeffizienz um 20 %

Neben erwünschten Energieeinsparungen wird auch auf die Vollendung des EU-Binnenmarktes und auch auf Änderungen der EU-Außenpolitik hingewiesen.[34] In der Mitteilung an das Europäische Parlament wird von der Kommission die Erkenntnis für die zukünftige gemeinsame Strategie folgendermaßen zum Ausdruck gebracht:

„In internationalen Energiefragen könnte die EU wesentlich stärker und effektiver sein, wenn sie ihre gemeinsamen Interessen und Ambitionen vertreten würde. Obwohl ein Fünftel des weltweiten Energieverbrauchs auf die EU entfällt, ist ihr Einfluss auf die internationalen Energiemärkte weiterhin geringer, als mit Blick auf ihr wirtschaftliches Gewicht zu vermuten wäre.“[35]

Die Energieaußenpolitik plante, zur Versorgungssicherheit das Nabucco-Pipelineprojekt[36] zu realisieren. Das Infrastrukturprojekt sah es vor, dass von Aserbaidschan, Turkmenistan, möglicherweise auch von Usbekistan aus Erdgas über Georgien, die Türkei, Rumänien, Bulgarien und Ungarn bis nach Österreich mittels einer 3 300 km langen Pipeline geliefert werden sollte, um dadurch die Abhängigkeit von Russlands Gasexporten zu verringern.[37] Sowohl das erste Nabucco-Pipelineprojekt als auch das verkürzte Nabucco-West-Projekt sind gescheitert. Andererseits werden gegenwärtig andere Pipelines geplant und gebaut. Aus Asien soll unter Umgehung Russlands Erdgas nach Europa geliefert werden, worauf im nächsten Kapitel detaillierter eingegangen wird.

2.2. Energiepolitische Situation in Russland

Im vorausgegangenen Kapitel ist die beträchtliche Abhängigkeit der Europäischen Union von fossilen Energieträgern aus Russland deutlich geworden. Es sollte aber auch in Betracht gezogen werden, dass eine so hohe Abhängigkeit nicht einseitig sein kann, und deshalb ist Russland mindestens genauso stark vom europäischen Markt abhängig wie Europa von Russland als Energielieferant. Das meint Kirsten Westphal, zuständig für internationale Energiepolitik beim Deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit (SWP) in Berlin im Interview mit den VDI-Nachrichten, und bringt es folgendermaßen zum Ausdruck:

„Russland und Europa sind auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen“[38]

Die EU ist Russlands größter und wichtigster Handelspartner, das zeigt die Außenhandelsbilanz von Russland im Jahr 2005. So wurden 52 % des russischen Außenhandels mit der Europäischen Union abgewickelt. Russlands Interesse an seinem wichtigsten Absatzmarkt „Europa“ ist von finanzieller und strategischer Bedeutung.[39] Die russischen Exporte erreichen auch die östlichen Märkte. Daher bringt Russland hin und wieder die „chinesische Karte“ ins Spiel, doch ist sich Russland bewusst, dass die östlichen Märkte aus wirtschaftlicher Sicht nicht mit Europa zu vergleichen sind. Denn die zentralasiatischen GUS-Staaten Kasachstan und Turkmenistan, die auch beträchtliche Energievorräte besitzen, haben durch die Transport- und Förderkosten einen Kostenvorteil gegenüber Russlands Gas, das aus dem weiten Sibirien in die EU transportiert wird.[40]

Russland, das seine Staatseinnahmen zu 71 % aus den Erlösen der Energieträger erwirtschaftet, weist eine enorm hohe Abhängigkeit von den Energieerlösen auf.[41] Der Energiesektor ist für Russland von essenzieller Bedeutung, da das Wachstum der Volkswirtschaft von der Energiepolitik des Landes abhängt.[42] Die drei wichtigsten Kunden für Russlands Gasexporte im europäischen Raum sind Deutschland mit einer Abnahme von 34,5 %, gefolgt von der Türkei mit einer Abnahme von 23,4 % und Italien mit einer Abnahme von 22,0 %.[43]

Schon 1997 erwähnte Wladimir Putin in seiner Dissertation, dass der russische Energiesektor besser als Instrument eingesetzt werden sollte, um die geopolitische Position von Russland zu stärken. Putin ist der Auffassung, dass durch die politische Nutzung des Energiesektors die Möglichkeit besteht, Russland als zukünftige energiepolitische Supermacht zu etablieren.[44]

Wladimir Putins Energiepolitik, die der Russischen Föderation zum Status einer Supermacht verhelfen soll, verfolgt folgende Ziele:

- Maximierung der Einnahmen
- Stärkung der Marktposition
- Aufrechterhaltung des Exportmonopols
- Gleichzeitig die Stärkung der eigenen Interessen

Diese Energiepolitik wird von den russischen politischen Eliten unterstützt. Diese sehen die Energieressourcen und die Transportinfrastruktur des Landes als notwendige Voraussetzung für den globalen Aufstieg Russlands.[45]

Das zu 51 % staatliche Unternehmen Gazprom[46] spielt in der russischen Energiepolitik eine wichtige Rolle. Gazprom wird als ein Staatsapparat oder auch als Instrument der russischen Regierung gesehen. Daher ist es kein Geheimnis, dass Politiker und auch Staatsfunktionäre bei Gazprom wichtige Positionen belegen, wie zum Beispiel der frühere Ministerpräsident Medwedew[47], der lange Jahre als Aufsichtsratsvorsitzender des Konzerns wirkte. Kein anderes Unternehmen aus dem Energiesektor in Russland hat einen politischen Spielraum, wie Gazprom ihn besitzt, und so hat das Unternehmen auch in der Außenpolitik Russlands eine wichtige Position und agiert sicherlich als Instrument der russischen Außenpolitik.[48]

2.2.1. Gazprom

Das durch den Staat kontrollierte Gazprom ist in Russland der größte Erdgasproduzent und der alleinige Besitzer des gesamten Pipelinenetzes in Russland. Gazprom hält das Monopol auf die gesamten russischen Erdgasexporte. Der größte Teil der Produktion wird zu 50,5 % im Binnenmarkt von Russland abgesetzt, was aber nur 21 % der Erträge vom verkauften Gas ausmacht. Die Exporte, 32 % der Produktion, machen ganze 63 % der Einnahmen aus, die durch die Erlöse des Erdgases erwirtschaftet werden. Die ausländischen Erdgasexporte sind von essenzieller Bedeutung für Gazprom.[49] Die Strategie des Unternehmens beruht mehr auf Marktmacht als auf Wettbewerb, so ist Gazprom bestrebt, nach der North Stream[50] die South Stream[51] zu bauen, um so die Stellung in Europa als Versorgungsführer von Erdgas zu halten.[52]

Für Putin[53] sind die Energieressourcen des Landes von wichtiger und strategischer Bedeutung. Daher hat Putin das Unternehmen Gazprom mehrheitlich übernommen und verstaatlicht. Putin etablierte Gazprom als Monopol im Export und in der Produktion des Gassektors in Russland. Die Einnahmen aus dem Energiesektor fließen unmittelbar in die russische Staatskasse. Russland, der weltgrößte Gasexporteur, und nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Erdölexporteur, betrachtet seine Energieressourcen als nationales und strategisches Gut.[54]

Die russische Energiepolitik befasst sich nicht nur mit dem Binnenmarkt oder den Gasexporten an verschiedene Länder, sondern weist auch eine hohe Aktivität im Ausland auf. Intensivste Auslandsaktivität von Gazprom besteht im Downstream-Bereich, wo Gazprom den direkten Gasverkauf an die Endkonsumenten in Deutschland steigert. Gazprom hat sich Beteiligungen bei verschiedenen Energieunternehmen in Deutschland gesichert, um so einen besseren Zugang zum Markt zu bekommen. Das staatliche Unternehmen hält Beteiligungen von deutschen Firmen wie Wingas, Wintershall Erdgas Handelshaus Zug AG und ZMB GmbH.[55] Gazprom besitzt nicht nur Firmenbeteiligungen in Deutschland, es hat ein internationales Netzwerk an Beteiligungen von Unternehmen und Tochtergesellschaften wie in der Türkei, ebenso in Großbritannien, der Schweiz, Tschechien und Deutschland.[56] Eines der aktuellsten Ereignisse ist die Übernahme des staatlichen Gasunternehmens Kirgisistans. Gazprom übernahm mit einem symbolischen Betrag von einem Dollar die Firma. Die Firma wurde mit 40 Millionen Dollar Schulden und einem hohen Bedarf an Investitionen übernommen.[57]

Ein anderes Gebiet, in dem sich Gazprom in letzter Zeit breitmacht, ist die Arktis. Es werden gigantische Vorkommen in der Arktis geschätzt. Experten reden von ca. 30 % der weltweiten unentdeckten Erdgasvorkommen sowie ca. 13 % der zu entdeckenden Erdölvorkommen.[58] Diesen ökonomischen Vorteil möchte Russland für sich nutzen und so beginnt Gazprom trotz aller Proteste mit der Förderung von Erdöl im Bereich der Arktis. Wladimir Putin persönlich erteilte diese Anweisung. Kritiker kritisieren das Fördern von Öl in der Arktis, denn es birgt ein unvorstellbar hohes Risiko, da bei einem Unfall nicht die technischen Gegebenheiten bestehen, das Öl unter der Eisdecke wegzusaugen. Präsident Putin sagt aus, dass Russland durch noch mehr Militärpräsenz seine Ansprüche auf die riesigen Öl- und Gaslagerstätten in der Arktis sichern werde, und so sendet Putin eine Flotte mit Kriegsschiffen, die in der Arktis patrouillieren. Im April 2014 wurde das erste geförderte Öl aus der Arktis sofort an den Hafen von Rotterdam geliefert und anschließend an den französischen Ölkonzern Total[59] verkauft.[60]

2.3. Energiepolitische Kooperation zwischen der EU und Russland

Nach dieser Darstellung der energiepolitischen Situation der EU und Russlands ist eine strategisch wichtige Bedeutung zwischen den beiden Parteien zu erkennen. Die EU und Russland weisen eine enge Kooperation im Energiesektor auf, sodass beide wohl oder übel auch für die nächsten Jahre aufeinander angewiesen sind. Die Energiebeziehung zwischen der EU und Russland wird zum größten Teil durch den Erdgasexport geprägt. Da der europäische Energiemix zu 25 % einen großen Anteil aufweist und die eigenen Reserven bescheiden sind, besteht ein hoher Kooperationsbedarf.[61]

Im Jahr 2000 schlug die Europäische Union vor, einen Energiedialog zu etablieren, durch den eine bessere Kommunikation zwischen den beiden Parteien geschaffen werden soll, um so die Energiewirtschaft zu fördern. Der Dialog soll einen politischen Rahmen abstecken, der es ermöglicht, Investitions- oder Energiehandelsaktivitäten zu fördern, indem die Exporte nach Europa ausgeweitet werden und die technologischen Projekte von europäischen Unternehmen übernommen werden. Die operative Arbeit wurde in drei Arbeitsgruppen aufgeteilt:

- Energiestrategien
- Entwicklung der Energiemärkte in Russland und der EU
- Energieeffizienz und Umweltfragen

Mehr als 100 Experten analysieren jetzt in Arbeitsgruppen die gemeinsamen Interessen der EU und Russlands.[62]

Russland ist daran interessiert, langfristige Lieferverträge mit der EU zu vereinbaren, um so mit sicheren Einnahmen planen zu können. Die Investitionen werden dringend für die Transportinfrastruktur und zur Erschließung neuer Gasfelder benötigt. Durch die Liberalisierung des Erdgasbinnenmarktes der EU wird der Fortschritt Russlands erschwert.[63] Gazprom ist stets auf der Suche nach Möglichkeiten, den direkten Zugang zum EU-Binnenmarkt weiterzuentwickeln, vor allem auf Deutschlands Binnenmarkt. Russland möchte seinen Marktanteil zum direkten Abnehmer sowie zum Endkunden bis 2020 auf 38 % erhöhen.[64] Ein störender Faktor für die Kooperationen und ein Konfliktpunkt zwischen der EU und Russland ist die Liberalisierung des EU-Binnenmarktes. Energiekonzernen innerhalb der EU wird vorgegeben, sich entweder mit dem Transport oder mit der Produktion zu beschäftigen, d. h., die zwei Aktivitäten müssen von zwei getrennten Unternehmen getätigt werden. Das behindert natürlich Gazproms Geschäftstätigkeit, da Gazprom schon als Erdgasproduzent in Russland eine Monopolstellung hält. Infolgedessen können EU-Staaten Gazprom den Markteintritt zum Binnenmarkt verbieten. Die EU versucht auch Strategien zu entwickeln, die es ermöglichen, Erdgas als Flüssiggas bei den Spotmärkten zu erwerben und zu importieren, um so mehr Unabhängigkeit und Spielraum zu erzielen.[65]

Das Fundament für die Kooperation im Energiedialog hat das 1997 ratifizierte Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (PKA) gebildet. Das PKA-Abkommen war auf einen Zeitraum von zehn Jahren vereinbart und wird seither jeweils um ein Jahr verlängert. In diesem Zeitraum des Kooperationsabkommens haben intensive Annäherungen zwischen der EU und Russland stattgefunden, die die Beziehung der beiden Seiten intensiviert und gestärkt haben.[66]

Erst nach der Ukrainekrise im Jahr 2006 hat die Europäische Union angefangen zu diskutieren, ob die Versorgungssicherheit der EU überhaupt gewährleistet ist. Bis zur Ukrainekrise sahen viele europäische Energieexperten die Versorgungssicherheit als wirtschaftlichen und nicht als außen- und sicherheitspolitischen Faktor. Die Situation, dass Russland genauso abhängig vom europäischen Markt ist und dass Moskau auch im Kalten Krieg seine Energieexporte nicht als politisches Instrument eingesetzt hat, vermittelte den Eindruck, dass Russland ein stets verlässlicher Energiepartner Europas ist. Als in der Ukrainekrise die EU-Staaten von Lieferkürzungen betroffen waren, rückte das Problem der Versorgungssicherheit Europas in den Mittelpunkt.[67]

Es folgten weitere Konflikte mit der Ukraine, welche die Beziehung zwischen der EU und Russland erheblich belasten. Die Konflikte werden im folgenden Unterkapitel näher behandelt.

2.3.1. Der Ukrainekonflikt und dessen Auswirkungen

Am 1. Januar 2006 drehte Russland erstmals den Gashahn Richtung Ukraine zu. Grund dafür waren die Auseinandersetzungen von Ende 2005 bezüglich des Gaspreises. Kurz darauf wurde ein Kompromiss vereinbart, der Russland zum Vorteil gereichte, jedoch dem Ansehen Russlands als zuverlässiger Energielieferant schadete. Russland schaffte es, durch die Eskalation der Ukraine einen fünffachen Verrechnungspreis für zukünftige russische Gaslieferungen aufzuzwingen.[68] Die GUS-Staaten[69] wurden eine lange Zeit von Russland mit Gas zu Preisen beliefert, die noch aus der Sowjetunion[70] stammten. Diese Preise waren gegenüber den üblichen europäischen Marktpreisen weitaus niedriger. Nach einer Aussage von Gazprom hieß es, dass Russland aus wirtschaftlichen Gründen diese Subventionierungspolitik nicht mehr weiterführen kann.[71] Keine drei Jahre später kam es zum erneuten Konflikt zwischen Russland und der Ukraine. Russland beschuldigte die Ukraine, Schulden in einem zweistelligen Milliardenbetrag nicht ausgeglichen zu haben. Das ukrainische Gasunternehmen Naftogaz[72] betonte, man habe einen Teilbetrag bezahlt, Gazprom meinte jedoch, dass das Geld bei einem Zwischenhändler eingegangen sei und nicht bei Gazprom angekommen ist. Der Streit eskalierte, indem Russland die Lieferungen zu 100 % einstellte. Für die EU stellte der Ukrainestreit mitten im Winter ein erhebliches Problem dar, zumal 80 % der Gasexporte nach Europa über ukrainische Pipelines transportiert werden.[73] Das Krisenmanagement in der Europäischen Union hat das Problem erfolgreich gelöst, das Dispatching, also die interne Umverteilung, hat funktioniert. Gazprom hat größere Mengen durch die Jamal-Europa-Pipeline[74] gepumpt, parallel haben Norwegen, die Niederlande und Großbritannien zusätzlich mehr Gas geliefert.[75]

Frank Umbach von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), zuständig für internationale Energiesicherheit, hat die Krise und damit die Versorgungssicherheit folgendermaßen zum Ausdruck gebracht:

„Das Abdrehen des russischen Gashahns hat gezeigt, dass Moskau zunehmend gewillt ist, seine energiepolitische Macht auch außenpolitisch zu instrumentalisieren. Damit wird die russische Energiepolitik nicht zur wirtschaftspolitischen Herausforderung für Europa, die USA und die WTO, sondern auch zu einem außenpolitischen Problem.“[76]

Nach der Krise haben die EU-Länder die Abhängigkeit aus einem neuen Blickwinkel betrachtet und Antworten auf gewisse Eckfragen überlegt:

- Wie viel Gas wird aus einem einzigen Land bezogen?
- Bestehen alternative Transportrouten zum Bezugsland?
- Wie viel Gas wird aus inländischen Gasfeldern gefördert?
- In welchen Sektoren wird das Gas verbraucht, und gibt es Substitutionsmöglichkeiten?

Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland hat die Debatte um die Energiesicherheit neu entfacht und ständig zu neuen Debatten um die Versorgungssicherheit geführt.[77] Die Ukraine hat sich lange Zeit dagegen gewehrt, ihr Pipelinenetz zu verkaufen. So hat Russland die Strategie eingesetzt, die Transitländer zu umgehen, indem es direkte Pipelines wie die North-Stream-Pipeline und die South-Stream-Pipeline baut. Die geplante South-Stream-Pipeline wird nicht nur zur Umgehung der Transitländer gebaut, sie soll Russland einen geopolitischen Vorteil verschaffen, indem es versucht, potenzielle Mitbewerber vom EU-Markt fernzuhalten. Russland möchte verhindern, dass die erdgasreichen zentralasiatischen Republiken wie Aserbaidschan, Turkmenistan und Kasachstan den Zugang zum europäischen Markt bekommen. Durch die South-Stream-Pipeline soll bezweckt werden, dass weitere Projekte, die zentralasiatisches Erdgas nach Europa bringen sollen, als überflüssig gewertet werden und scheitern sollen.[78]

Der aktuelle Krim-Konflikt zwischen der Ukraine und Russland lässt Zweifel an der Umsetzung des South-Stream-Projektes kursieren. Seit dem Streit um die Halbinsel Krim werden Sanktionen gegen Russland verhängt. Andererseits konkurriert damit noch ein weiteres Projekt, welches ebenfalls einen südlichen Korridor für Erdgas nach Europa erschließen will, die von Aserbaidschan und der Türkei geplante und in Bau befindliche Trans Anatolian Gas Pipeline (TANAP). Zusammen mit dem Ölkonzern BP wird geplant, dass ab 2019 das erste Gas aus dem Kaspischen Becken über Aserbaidschan, Georgien und die Türkei nach Europa geliefert wird.[79] Durch die Blockade der EU und den Rückzug der EU-Kommission für die Unterstützung des Projektes werden die Aussichten für das South-Stream-Projekt immer düsterer. Putin drohte bei Vertragsbruch mit Klagen. Die Sanktionen werden jedoch immer mehr ausgeweitet, so wurden auch Sanktionen gegen einen Putin-nahen Oligarchen verordnet, dessen Firma die Ausschreibung für den Pipelinebau im bulgarischen Teil gewonnen hat. Das Vermögen einiger Oligarchen in der EU wurde eingefroren, sodass finanzielle Transaktionen innerhalb der EU unmöglich sind.[80]

Die russische Führung ist zu jeder Konfrontation mit der EU und den USA bereit, und sie betont, dass sie bereit ist, ihr Gas nach China zu verkaufen, falls Europa keine Gaslieferungen mehr aus Russland beziehen möchte. Einige Experten kommentierten die Sachlage so, dass so eine Situation nicht im Interesse Russlands ist und dass der chinesische Markt längst nicht so interessant für die Russen ist wie der europäische. Zudem würden die Chinesen bei einem Konflikt zwischen Europa und Russland ihre Marktposition ausnutzen und versuchen, den Preis herunterzuhandeln.[81] Allerdings prägen die aktuellen Ereignisse ein anderes Bild. Russland und China haben Ende Mai 2014 einen 30-jährigen Langzeitvertrag geschlossen, der vorsieht, dass Russland China für die nächsten 30 Jahre mit einer jährlichen Liefermenge von 38 Mrd. Kubikmeter Erdgas beliefert. Über den Preis von 1 000 Kubikmeter Gas werden von beiden Seiten keine Angaben gemacht, aber Gazprom-Chef Alexej Miller betonte, der Vertrag habe über die gesamte Laufzeit ein Volumen von 400 Milliarden US-Dollar. Russland sieht vor, für diesen Deal die östlichen sibirischen Gasfelder, die ohnehin für Europa wegen der Entfernung nicht infrage kommen, zu erschließen. Die unerschlossenen östlichen Gasfelder in Sibirien sollen eine komplett neu errichtete Transportinfrastruktur von Russland bis nach China bekommen. Allein auf der russischen Seite werden Kosten in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar, und auf der chinesischen Seite werden Kosten in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar vorgesehen. Dieser Deal hat nicht nur eine wirtschaftliche Bedeutung für Russland, sondern eher eine strategische. Russland sucht nach mehr alternativen Abnehmern für die Zukunft, da Russland neue Strategien gegen die europäische und amerikanische Isolierungspolitik plant.[82]

2.4. Energiepolitische Kooperation zwischen der EU und mittel- und zentralasiatischen Ländern

Die Länder in Mittel- und Zentralasien weisen hohe Ressourcen von Erdöl und Erdgas auf. Es liegen fast 9 % der weltweiten Erdgasvorräte in den Ländern Turkmenistan, Aserbaidschan, Usbekistan und Kasachstan (siehe Tabelle 2). Die EU und die USA sind an den Ressourcen interessiert, welche die Dominanz Russlands in der europäischen Energieversorgung schwächen würden.[83] Nicht nur der Westen zeigt Interesse an den Energieressourcen des Raumes. Russland und China sind ebenfalls an den Ressourcen interessiert und liegen geografisch günstiger zu den Ländern als die EU.[84] Allen voran versucht Russland in den mittel- und zentralasiatischen Ländern seine Präsenz zu stärken. So bezieht Russland Erdgas aus Turkmenistan, das Russland sich durch 25-jährige Langzeitverträge gesichert hat, und exportiert das Gas teilweise nach Europa. Damit verdient Russland nicht nur an den Transportkosten, sondern setzt seine geopolitischen Ambitionen in der Region durch.[85]

Während die EU versucht, einen südlichen Korridor zu erstellen, der die Gasabhängigkeit von Russland reduziert, versucht Russland mit seiner Dominanz der Transportwege von Asien nach Europa eine Energiepolitik zu gestalten, die in Europa den Anschein erwecken soll, die Länder Aserbaidschan und Georgien seien instabil. So möchte Russland sich als einziger stabiler und zuverlässiger Partner präsentieren, um so bei allen Aktivitäten in Mittel- und Zentralasien mitwirken zu können.[86] Die EU überlegt, über welche Routen das zentralasiatische Gas nach Europa gelangen kann, da beim Transport immer dritte Länder mit einbezogen werden müssen. Sowohl der Iran als auch Russland scheiden aus machtpolitischen Gründen für den Transport aus. Geografisch gesehen bleiben nicht viele Möglichkeiten für alternative Transportrouten. Die realistischste Route wäre der schmale Korridor über den Südkaukasus und anschließend über die Türkei, wo schon eine Pipelineinfrastruktur besteht.[87] Der aserbaidschanische Energieminister Natik Alijew betonte, er treffe sich für die Planung der Transkaspischen Pipeline regelmäßig mit Vertretern der EU und Turkmenistan. Durch die Transkaspische Pipeline wäre eine direkte Verbindung zwischen Europa und Turkmenistan geschaffen, da die Transkaspische Pipeline unter dem Kaspischen Meer Turkmenistan und Aserbaidschan verbinden würde. Demnach wäre mit der Verbindung mittels des bestehenden Pipelinenetzes zwischen Aserbaidschan und der Türkei eine direkte Verbindung unter Umgehung Russlands möglich. Die Realisierung der Transkaspischen Pipeline wird schwierig sein, da die Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres uneinig sind, was für die Umsetzung ein Hindernis darstellt. Die Anrainerstaaten streiten bis heute über den Status des Kaspischen Meeres. Russland und Iran bevorzugen die Seevariante, da bei dieser Variante die Bodenschätze zu gleichen Teilen an alle Anrainerstaaten aufgeteilt werden müssen. Dagegen möchten Aserbaidschan, Turkmenistan und Kasachstan den Meerstatus für das Kaspische Meer, da die meisten Gas- und Ölvorräte in ihren Hoheitsgewässern lagern.[88]

Seit 1997 besteht eine Erdgaspipelineverbindung zwischen Turkmenistan und dem Iran, welche an das iranische Pipelinenetz angeschlossen ist. Darüber hinaus besteht seit 2006 eine Pipeline zwischen der Türkei und dem Iran, welche ebenso an das iranische Pipelinenetz angeschlossen ist. Demzufolge bietet sich eine indirekte Verbindung zwischen Turkmenistan – Iran – Türkei bis nach Europa an.[89] Europäische Politiker betonen das Interesse an Irans umfangreichen Energieressourcen, jedoch drängt die USA durch Sanktionen auf mehr Isolation des Iran.[90]

Die Europäische Union unterstützt Zentralasien durch das „Euro-asiatische Transportkorridor“-Projekt (TRACECA), was die Erschließung neuer Transport- und Infrastrukturprojekte fördert. Es wird beabsichtigt, eine Verbindung zwischen den Ländern Turkmenistan, Aserbaidschan, Usbekistan, Georgien und der Ukraine zu schaffen, die Russland umgehen soll. Kaspisches sowie zentralasiatisches Erdöl und Erdgas soll durch die Transportinfrastruktur den europäischen Markt erreichen. Bezeichnet wird das als die „Neue Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“.[91] Kooperationen von europäischen Ländern in der Region sind unterschiedlich ausgeprägt. Wo britische Ölkonzerne führende Positionen belegen, wie z. B. für Investitionen im Kaspischen Becken, weisen deutsche Firmen eine sehr passive Haltung gegenüber Kooperationen mit den Ländern jener Region auf.[92]

Nachdem wir die energiepolitische Ausgangssituation für die Europäische Union betrachtet haben, widmet sich der Text nun den geopolitischen Voraussetzungen der Türkei bezüglich der Energieversorgung Europas.

3. Geostrategische Lage der Türkei

Die Türkei, die bekanntermaßen zwischen den beiden Kontinenten Europa und Asien liegt, bildet geografisch eine Brücke zwischen den beiden Kontinenten. Das Land, das unmittelbaren Zugang zu den Regionen wie dem Kaukasus, Russland, den östlichen Mittelmeerländern, dem Nahen Osten, dem Balkan und Zentralasien hat, genießt hier eine zentrale Position. Das Staatsgebiet hat eine Küstenlinie von 7 200 km, im Norden die Küste zum Schwarzen Meer sowie im Süden und Westen die Küsten zum Mittelmeer samt der Ägäis. Die geringe Entfernung zum Suezkanal und somit die Verbindung zum Indischen Ozean und Südostasien beschert der Türkei einen großen Wettbewerbsvorteil gegenüber mittel- und nordeuropäischen Ländern.[93]

Mit der Kontrolle über die Dardanellen[94] und den Bosporus[95] verfügt die Türkei über die unmittelbare Verbindung zwischen dem Schwarzen Meer und der Ägäis sowie dem Mittelmeer. Von den weltweiten Erdöl- und Erdgastransporten passieren jährlich 3,5 % den Bosporus.[96]

Das gesamte Öl, welches im russischen Ölhafen Novorossijsk und anderen Schwarzmeerhäfen verladen wird, passiert den Bosporus, dass macht 4 % des weltweit täglichen Ölverbrauchs aus. Trotz des Passierens von türkischem Territorium durch den Bosporus kann die Türkei die Meerenge weder wirtschaftlich noch politisch für sich nutzen. Die Passage durch das türkische Territorium ist nämlich für die internationale Schifffahrt gebührenfrei passierbar.[97] Dies wurde 1936 im Vertrag von Montreux[98] so geregelt.[99]

Jährlich passieren 45 000 Schiffe den Bosporus, 15 000 Fähren mit 1,5 Mio. Passagieren überqueren täglich den Bosporus, und es werden jedes Jahr 140 Mio. t Erdöl und 4 Mio. t Flüssiggas über den Bosporus transportiert. Wegen der hohen Belastung durch den Schiffsverkehr möchte die Türkei zur Entlastung der Bosporus-Meerenge einen Kanal bauen, der als zweiter Bosporus dienen soll.[100]

Der Kanal soll westlich von Istanbul, im europäischen Teil, gebaut werden (vgl. Abbildung 2). Er soll eine Länge von 40 bis 50 km und eine Breite von 150 m haben. Der Kanal soll im Jahr 2023 zum 100. Geburtstag der Republik fertiggestellt werden. Der neue Kanal in Istanbul beschert dann der Türkei nicht nur einen Vorteil in der Infrastruktur, sondern er steigert den geopolitischen Einfluss und die internationale politische Rolle der Türkei in der Region.[101] Der neue Kanal wird demzufolge nicht unter die Bedingungen des Vertrages von Montreux fallen, da der Kanal keine internationale Meerenge, sondern Eigentum der Türkischen Republik ist. Die Türkei wird die Kontrolle über den Istanbul-Kanal haben, und sie wird berechtigt sein, die Schiffe durchfahren zu lassen, denen sie es erlaubt.[102]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Bosporus-Meerenge und die Stelle, wo der Istanbul-Kanal entstehen soll[103]

Experten kritisieren das Projekt und befürchten, dass der künstlich errichtete Kanal einen großen Schaden am Ökosystem anrichten wird. Nach Meinung der Experten werde durch den künstlich errichteten Kanal mehr Wasser vom Schwarzen Meer ins Mittelmeer gelangen als von den Flüssen nachgeliefert wird, und deshalb sei das Gleichgewicht der Meere gefährdet.[104]

Weitere Infrastrukturprojekte, die zum geostrategischen Vorteil der Türkei beitragen, sind das Marmaray-Projekt, die dritte Brücke und der Bau des weltweit größten Flughafens der Welt. Das Marmaray-Projekt ist ein Eisenbahntunnel, der unter dem Bosporus verläuft und das Schienennetz zwischen Europa und Asien verbindet. Seit der Fertigstellung am 29.10.2013 besteht eine „Nonstop“-Bahnverbindung zwischen Westeuropa und Ostchina, die auch als die „Neue Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“ betitelt wird.[105] Das 2,5 Milliarden teure Projekt wurde von einem japanisch-türkischen Konsortium in einem Zeitraum von neun Jahren verwirklicht.[106]

Etwa 2 km südlich des Marmaray-Tunnels entsteht derzeit der Eurasien-Tunnel. Er ist ähnlich wie der Marmaray-Tunnel eine Verbindung zwischen den beiden Kontinenten Europa und Asien, jedoch werden durch den Eurasien-Tunnel nur Kraftfahrzeuge die Kontinente überqueren (vgl. Abbildung 3).[107]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Veranschaulicht den Eurasien-Tunnel in Istanbul: Querschnitt und Perspektive[108]

Weitere zwei Projekte, die sich in der Bauphase befinden, sind die dritte Brücke und der neue Flughafen in Istanbul. Die dritte Brücke mit dem Namen „Yavuz Sultan Selim“[109] ist eine kombinierte Autobahn- und Eisenbahnbrücke, bekannt als „Northern Marmara Motorway“, deren Strecke, beginnend westlich der Stadt Edirne, bis zur Hauptstadt Ankara im Osten verläuft.[110] Ein türkisch-italienisches Konsortium hat den Zuschlag für das 3,5 Milliarden Euro teure Projekt bekommen.[111] Anders hingegen war es bei der Ausschreibung für den Flughafen, wofür ein Konsortium von türkischen Bauunternehmern sich mit einer Rekordsumme von 22,152 Milliarden Dollar den Auftrag gesichert hat. Der neue Flughafen soll mit jährlich 150 Millionen abgefertigten Passagieren der größte Flughafen weltweit werden.[112] Die Türkei will den Flughafen zum weltweiten Dreh- und Angelpunkt des Luftverkehrs ausgestalten, wodurch die Türkei ihre geostrategischen Vorteile steigern möchte.[113]

[...]


[1] Die Ölkrise von 1973 wurde anlässlich des Oktoberkrieges ausgelöst, und sie demonstrierte die Abhängigkeit der Industrienationen von fossilen Energieträgern.

[2] Vgl. Kaynak, S. / Arslan, A. / Ata, A. Y. Increased Share of Natural Gas Consumtion Compared with other Energy Resources; Structure of Natural Gas Market Demand and Supply. In: Develi, A. / Kaynak, S. (Hrsg.) Energy Economics (2012), S. 9.

[3] Die Europäische Union ist ein Staatenbund mit heute 28 Ländern.

[4] Vgl. Energieimporte der EU-27. In: Bundeszentrale für politische Bildung (2012).

[5] Vgl. Engerer, H. / Horn, M. Erdgas für Europa: Die Importe steigen deutlich. In: Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung – DIW Berlin (2009).

[6] Vgl. Abdolvand, B. / Kopp, S. Neue Wege europäischer Gasversorgung. In: WeltTrends – Zeitschrift für internationale Politik (2011).

[7] Vgl. Rempel, H. Die Kaspische Region – Rettung für die Erdgasversorgung Europas? In: ERDÖL ERDGAS KOHLE (2010), S. 192.

[8] Das erste Nabucco-Projekt mit einer Länge von 3 300 km von Aserbaidschan bis Österreich ist gescheitert, und es folgte eine verkürzte Version der Pipeline. Die verkürzte Pipeline sollte von der türkischen Westgrenze bis nach Österreich das Gas aus dem Kaspischen Becken transportieren, jedoch ist auch das verkürzte Projekt „Nabucco-West“ gescheitert, worauf später detaillierter eingegangen wird.

[9] Vgl. Özkan, G. The Nabucco Project, Energy Supply Security and International Politics. In: Develi, A. / Kaynak, S. (Hrsg.) Energy Economics (2012), S. 104.

[10] Vgl. Winrow, G. M. The Southern Gas Corridor and Turkey’s Role as an Energy Transit State and Energy Hub. In: Insight Turkey (2013), S. 145–160.

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. Gülec, A. (2008), S. 96.

[13] Vgl. Botas Annual Report 2011, S. 28–50.

[14] AKP steht für Adalet ve Kalkınma Partisi oder Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei.

[15] Vgl. Calligaris, M. Wandel in der türkischen Außenpolitik. In: Republik Österreich BMLVS (Hrsg.) Institut für Strategie und Sicherheitspolitik (2010), S. 11.

[16] Vgl. ebd. S. 59.

[17] Vgl. Kramer, H. Die Türkei als Energiedrehscheibe. In: SWP-Studie (2010), S. 5–6.

[18] Vgl. Energieimporte der EU-27. In: Bundeszentrale für politische Bildung (2012).

[19] Vgl. ebd.

[20] Vgl. Götz, R. Energiesupermacht Russland. In: Bensberger Gespräche (2013).

[21] Vgl. Engerer, H. / Horn, M. Erdgas für Europa: Die Importe steigen deutlich. In: Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) e.V. (2009).

[22] Vgl. British Petroleum (BP), Statistical Review of World Energy (2013).

[23] Gemeint sind hier die Länder Bulgarien, Slowakei, Ungarn, Tschechien, Polen und Rumänien.

[24] Vgl. Westphal, K. (2009), S. 23 ff.

[25] Vgl. Energiepolitik: Abhängigkeiten und Pipelines – Gas, Europas Energiegasimporte aus Russland. In: Bundeszentrale für politische Bildung (2009).

[26] Als LNG-Terminal bezeichnet man ein Flüssiggasterminal, das zum Transport von Flüssiggas (LNG) genutzt wird.

[27] Vgl. Dickel, R. / Westphal, K. EU-Russland-Gasbeziehung. In: SWP-Aktuell (2012).

[28] Zu den EU-15 gehören alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union vor der sogenannten Osterweiterung im Jahr 2004.

[29] Vgl. Westphal, K. (2009), S. 24.

[30] Vgl. Grünbuch Energie (2006), S. 4 ff.

[31] Vgl. Umbach, F. Europas nächster Kalter Krieg: die EU braucht endlich ein Konzept zur Versorgungssicherheit. In: Internationale Politik (2006).

[32] Vgl. Tatarintseva, M. / Hishow, O. H. Die Energiestrategie der EU und die Kooperation mit Russland. In: SWP-Aktuell (2006).

[33] Vgl. Energie 2020 – Eine Strategie für wettbewerbsfähige, nachhaltige und sichere Energie. In: Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen (2010).

[34] Vgl. ebd.

[35] Vgl. Energie 2020 – Eine Strategie für wettbewerbsfähige, nachhaltige und sichere Energie. In: Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen (2010), S. 5.

[36] Das erste Nabucco-Projekt mit einer Länge von 3 300 km von Aserbaidschan bis Österreich ist gescheitert, so wurde die verkürzte Version verfolgt, das vom Westen der türkischen Grenze bis nach Österreich Gas aus dem Kaspischen Becken transportieren sollte, jedoch ist auch dieses Projekt, die Nabucco-West, gescheitert. Die Zusage für das Gas hat dann die Trans Adriatic Pipeline bekommen, worauf später noch detaillierter eingegangen wird.

[37] Vgl. Liebing, S. Energiepolitik in der EU und Russland – Interessenlage, Konfliktpotenziale, Kooperationsansätze, Dissertation Universität Duisburg-Essen 2010, S. 58.

[38] Vgl. Steiger, H. Russland und Europa sind auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen. In: VDI Nachrichten (2012).

[39] Vgl. Kempe, I. (2007), S. 283–285.

[40] Vgl. Götz, R. Russlands Öl und Europa. In: FES-Analyse bei der Friedrich-Ebert-Stiftung (2006).

[41] Vgl. Energiepolitik: Abhängigkeit und Pipelines, Europas Erdölpipelines aus dem Osten. In: Bundeszentrale für politische Bildung (2009).

[42] Vgl. Tatarintseva, M. / Hishow, O. H. Die Energiestrategie der EU und die Kooperation mit Russland. In: SWP-Aktuell (2006).

[43] Vgl. Liebing, S. Energiepolitik in der EU und Russland – Interessenlage, Konfliktpotenziale, Kooperationsansätze, Dissertation Universität Duisburg-Essen 2010, S. 136.

[44] Vgl. Umbach, F. Europas nächster Kalter Krieg: die EU braucht endlich ein Konzept zur Versorgungssicherheit. In: Internationale Politik (2006).

[45] Vgl. Martyna-David, E. Die Energiepolitik Russlands in der Schwarzmeerregion am Beispiel von „South Stream“. In: Fachhochschule des bfi Wien (Hrsg.) Die Schwarzmeerregion als Wirtschaftsraum (2013), S. 65.

[46] Gazprom ist ein Erdgasförderunternehmen mit Hauptsitz in Moskau.

[47] Dimitri Anatolijewitsch Medwedew ist ein russischer Politiker und war von 2008 bis 2012 der Präsident der Russischen Föderation. Seit 2012 ist er der Ministerpräsident der Russischen Föderation.

[48] Vgl. Martyna-David, E. Die Energiepolitik Russlands in der Schwarzmeerregion am Beispiel von „South Stream“. In: Fachhochschule des bfi Wien (Hrsg.) Die Schwarzmeerregion als Wirtschaftsraum (2013), S. 66.

[49] Vgl. Krämer, L. M. Die Energiesicherheit Europas in Bezug auf Erdgas und die Auswirkungen einer Kartellbildung im Gassektor, Dissertation Universität Köln 2011, S. 261–264.

[50] Die North-Stream-Pipeline ist eine seit 2011 bestehende Gasleitung, die russisches Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland transportiert.

[51] Die South-Stream-Pipeline ist eine geplante Pipeline, die von Russland aus quer über den Meeresboden vom Schwarzen Meer bis nach Bulgarien verlaufen soll.

[52] Vgl. Götz, R. Gazproms Zukunftsstrategie: Marktbeherrschung und Expansion. In: SWP-Aktuell (2007).

[53] Wladimir Wladimirowitsch Putin ist ein russischer Politiker und war im Zeitraum 2000 bis 2008 und ist erneut seit Mai 2009 Präsident der Russischen Föderation.

[54] Vgl. Liebing, S. Energiepolitik in der EU und Russland – Interessenlage, Konfliktpotenziale, Kooperationsansätze, Dissertation Universität Duisburg-Essen 2010, S. 155–158.

[55] Vgl. ebd., S. 138.

[56] Vgl. Die Gazprom-Unternehmensstruktur. In: Gazprom Germania online (2014).

[57] Vgl. Gazprom übernimmt kirgisische Staatsfirma. In: Mitteldeutsche Zeitung (2014).

[58] Vgl. Öl und Gasproduktion in der Arktis. In: Shell online (2014).

[59] Total ist ein Mineralölunternehmen mit Hauptsitz in Paris.

[60] Vgl. Erster Tanker mit Arktis-Öl unterwegs. In: n-tv online (2014).

[61] Vgl. Martyna-David, E. Die Energiepolitik Russlands in der Schwarzmeerregion am Beispiel von „South Stream“. In: Fachhochschule des bfi Wien (Hrsg.) Die Schwarzmeerregion als Wirtschaftsraum (2013), S. 66.

[62] Vgl. Liebing, S. Energiepolitik in der EU und Russland – Interessenlage, Konfliktpotenziale, Kooperationsansätze, Dissertation Universität Duisburg-Essen 2010, S. 204–205.

[63] Vgl. Chuvychkina, I. Der Energiedialog EU – Russland 10 Jahre später. In: Bundeszentrale für politische Bildung (2011).

[64] Vgl. Umbach, F. Europas nächster Kalter Krieg: die EU braucht endlich ein Konzept zur Versorgungssicherheit. In: Internationale Politik (2006).

[65] Vgl. Chuvychkina, I. Der Energiedialog EU – Russland 10 Jahre später. In: Bundeszentrale für politische Bildung (2011).

[66] Vgl. Liebing, S. Energiepolitik in der EU und Russland – Interessenlage, Konfliktpotenziale, Kooperationsansätze, Dissertation Universität Duisburg-Essen 2010, S. 209.

[67] Vgl. Umbach, F. Europas nächster Kalter Krieg: die EU braucht endlich ein Konzept zur Versorgungssicherheit. In: Internationale Politik (2006).

[68] Vgl. Götz, R. Nach dem Gaskonflikt. In: SWP-Aktuell (2006).

[69] Die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) ist eine regionale, unabhängige Organisation, in der sich ehemalige Länder der Sowjetunion zusammengeschlossen haben. Diese Länder sind Russland, Weißrussland und die Ukraine.

[70] Die Sowjetunion war ein zentralistisch regierter, föderativer Einparteienstaat, dessen Territorium sich über Osteuropa und den Kaukasus bis nach Zentral- und über das gesamte Nordasien erstreckte.

[71] Vgl. Martyna-David, E. Die Energiepolitik Russlands in der Schwarzmeerregion am Beispiel von „South Stream“. In: Fachhochschule des bfi Wien (Hrsg.) Die Schwarzmeerregion als Wirtschaftsraum (2013), S. 68.

[72] Naftogaz ist ein ukrainischer Energiekonzern mit Hauptsitz in Kiew.

[73] Vgl. Fischer, S. Gazprom dreht den Hahn zu. In: Spiegel online (2008).

[74] Die Erdgasleitung Jamal-Europa ist eine über 4 000 km lange Erdgaspipeline, die von der sibirischen Halbinsel Jamal aus über Russland, Weißrussland, Polen bis nach Deutschland führt.

[75] Vgl. Westphal, K. (2009), S. 20.

[76] Vgl. Umbach, F. Europas nächster Kalter Krieg: die EU braucht endlich ein Konzept zur Versorgungssicherheit. In: Internationale Politik (2006).

[77] Vgl. Westphal, K. (2009), S. 21.

[78] Vgl. Martyna-David, E. Die Energiepolitik Russlands in der Schwarzmeerregion am Beispiel von „South Stream“ In: Fachhochschule des bfi Wien (Hrsg.) Die Schwarzmeerregion als Wirtschaftsraum. (2013), S. 68.

[79] Vgl. Schroeter, S. Zweifel an Schwarzmeer-Pipeline kursieren. In: VDI-Nachrichten (2014)

[80] Vgl. Krim-Konflikt: Gas-Pipeline „South Stream“ steht vor dem Aus. In: Deutsche Wirtschaftsnachrichten (2014).

[81] Vgl. Nienhuysen, F. Dann eben nach Asien. In: Süddeutsche Zeitung (2014).

[82] Vgl. Schmidt, F. Der Preis der Freundschaft. In: Frankfurter Allgemeine online. / Adelhardt, C. 30 Jahre russisches Gas für China. Tagesschau online (2014).

[83] Vgl. Scholvin, S. Ein neues Great Game um Zentralasien? In: German Institute of Global and Area Studies (2009).

[84] Vgl. Götz, R. Europa und das Erdgas des kaspischen Raums. In: Diskussionspapier-SWP (2007).

[85] Vgl. Götz, R. Nach dem Gaskonflikt. In: SWP-Aktuell (2006).

[86] Vgl. Martyna-David, E. Die Energiepolitik Russlands in der Schwarzmeerregion am Beispiel von „South Stream“ In: Fachhochschule des bfi Wien (Hrsg.) Die Schwarzmeerregion als Wirtschaftsraum. (2013), S. 65.

[87] Vgl. Scholvin, S. Ein neues Great Game um Zentralasien? In: German Institute of Global and Area Studies (2009).

[88] Vgl. Brunner, S. Baku bringt transkaspische Pipeline ins Spiel. In: Wirtschaftsblatt (2013).

[89] Vgl. Götz, R. Europa und das Erdgas des kaspischen Raums. In: Diskussionspapier-SWP(2007).

[90] Vgl. Scholvin, S. Ein neues Great Game um Zentralasien? In: German Institute of Global and Area Studies (2009).

[91] Vgl. Genc, S. Das neue „Great Game“ in Zentralasien um das Erdöl – Eine Region im Fadenkreuz internationaler Interessen. Dissertation 2006, S. 164 – 166.

[92] Vgl. ebd.

[93] Vgl. Gülec, A. (2008), S. 90.

[94] Die 65 km breite und 1,3 und 6 km breite Meerenge im Mittelmeer verbindet die Ägäis und das Marmarameer, über das anschließend die Verbindung über den Bosporus zum Schwarzen Meer besteht.

[95] Die 30 km lange Meerenge zwischen Europa und Asien verbindet das Marmarameer mit dem Schwarzen Meer, auf beiden Seiten befindet sich die Stadt Istanbul.

[96] Vgl. Gülec, A. (2008), S. 96.

[97] Vgl. Kramer, H. Die Türkei als Energiedrehscheibe. In: SWP-Studie (2010), S. 15.

[98] Das Meerengen-Abkommen, auch Vertrag von Montreux genannt, regelt den Schiffsverkehr in den Dardanellen, im Marmarameer und im Bosporus.

[99] Vgl. Schaller, H. (1993), S. 29.

[100] Vgl. Zweiter Bosporus für Schiffe. In: Süddeutsche Zeitung (2011).

[101] Vgl. Dus, S. Der neue Bosporus als Schlüssel zur Dominanz der USA im Schwarzen Meer. In: Stimme Russlands (2013).

[102] Vgl. ebd.

[103] Vgl. Mega-Projekt: Türkei baut zweiten Bosporus. In: RIA Novosti (2011).

[104] Vgl. Channel Istanbul devastation to surrounding ecosystem. In: Europeangreenparty online (2013).

[105] Vgl. Bosporus-Tunnel: Nächster Halt: Asien. In: Spiegel online (2013).

[106] Vgl. Neuer Mega-Tunnel verbindet Europa und Asien. In: Die Welt online (2013).

[107] Vgl. Caliskan, S. / Wirth, W. Verkehrsprojekte im Großraum Istanbul. In: BauPortal (2013), S. 6.

[108] Vgl. ebd., S. 6.

[109] Yavuz Sultan Selim war ein Sultan des Osmanischen Reichs, und seine Herrschaft war zwischen den Jahren 1512 und 1520.

[110] Vgl. Dritte Brücke. In: Offizielle Website der Northern Marmara Motorway (2014).

[111] Vgl. Istanbul: Türkei baut dritte Brücke in Istanbul. In: Spiegel online (2013).

[112] Vgl. Istanbul stampft größten Flughafen der Welt aus Boden. In: Krone online (2013).

[113] Vgl. Flottau, J. Warum Istanbul einen größeren Flughafen will. In: Süddeutsche Zeitung (2013).

Ende der Leseprobe aus 68 Seiten

Details

Titel
Geostrategische Energiepolitik der Türkei
Untertitel
Die Türkei als Energiedrehscheibe der Zukunft
Hochschule
Fachhochschule Worms
Note
1,8
Autor
Jahr
2014
Seiten
68
Katalognummer
V276572
ISBN (eBook)
9783656704188
ISBN (Buch)
9783656712343
Dateigröße
1186 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Die geostrategische Energiepolitik der Türkei, Energiepolitik, Türkei, Geopolitik, Energiesicherheit, Versorgungssicherheit, EU, Europäische Union, Russland, Abhängigkeit, Entwicklungen, Chancen, wirtschaftspolitische, Optionen, Recep Tayyip Erdogan, Aserbaidschan, Südlicher, Südkaukasus, Naher Osten, Mittlerer Osten, Zentralasien, Pipeline, TANAP, BTC, BTE, Baku, Tiflis, Ceyhan, Erzurum, Nabucco, Gazprom, Gasprom, Ukrainekonflikt, Irak, Iran, Außenpolitik, Energieaußenpolitik, Erdöl, Erdgas, Energieträger, Pipelines, Energiedrehscheibe, Transportinfrastruktur, Blue Stream, South Stream, Kaspische Meer, Erdgasvorräte, Erdölvorrate, BP, Botas, TPAO, Ahmet Davutoglu, Ilham Aliyev, Versorgungsoption, Gaskorridor, Transitland, AKP, AK-Partei, Abdullah Gül, Energieabhängigkeit, Asien, Autonomieregion, Kurdistan, Zentralregierung
Arbeit zitieren
Kasim Colakoglu (Autor), 2014, Geostrategische Energiepolitik der Türkei, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276572

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