Der Begriff des Hipsters ist zurzeit in aller Munde, insbesondere in Großstädten wie Berlin ist er nicht mehr zu übersehen. Jeder hat bereits von ihm gehört, doch keiner kann den Hipster wirklich trennscharf einordnen, da sich niemand offiziell dazu bekennen will, dem „Hipstertum“ anzugehören. Bei dem Versuch ihn zu beschreiben, fallen in Berlin Begriffe wie Nerd-Brille, Mate, Schnurrbart und Jutebeutel. Doch der Style des Hipsters verändert sich ständig. Wie kann man ihn also weitreichender und distinktiver beschreiben als mit ein paar Erkennungsmerkmalen? Wie ist er entstanden und in welchem Umfeld lebt er? Und wenn er nun so hip und cool ist, warum will sich dann niemand dazu bekennen, ein Hipster zu sein?
Ich habe den Hipster als Ausgangspunkt für diese Arbeit gewählt, da er ein aktuelles Phänomen widerspiegelt und gleichzeitig ein sehr gutes Beispiel - wenn nicht sogar den Vorreiter - für den postmodernen Konsumenten darstellt.
Wir leben heute in einer Gesellschaft des Massenkonsums. Aufgrund des allgemeinen Wohlstands, der billigen Produktion und der Vernetzung durch das Internet hat jeder in der westlichen Welt einfachen Zugang zu schöner Kleidung, Markenprodukten und modernen Gütern. Diese riesige Auswahl an Waren führt dazu, dass der Konsument von heute seine Identität, sein Selbstbild und seinen Life-Style durch gezielten Konsum ausbildet.
Doch wenn coole Kleidung als preiswerte Massenware in jedem Schaufenster hängt, was hat Konsum dann noch mit Authenzität zu tun? Wie soll man auf dieser Basis eine individuelle Identität kreieren?
Die Antwort auf diese Fragen gibt der Hipster durch sein Verhalten und seine ganz spezielle Einstellung zum Konsum. In dieser Hausarbeit soll analysiert werden, wie der Hipster durch seine Konsumentscheidungen Individualität und Coolness kreiert, Kontakt und Verbindungen zu anderen herstellt, wie er es also schafft, zum „rebellischen Verbraucher“ zu werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Inhalt und Problemstellung
2. Konsumverhalten in der heutigen Gesellschaft
2.1 Konsum zur Bedürfnisbefriedigung des Menschen
2.2 Der postmoderne Konsument und sein Bestreben nach Individualität
3. Der Hipster als „rebellischer Verbraucher“
3.1 Entstehung und Erkennungsmerkmale
3.2 Die Negation der Gemeinschaft
4. Zusammenfassung und Ausblick
5. Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Hipster als exemplarisches Phänomen des postmodernen Konsumenten. Dabei wird analysiert, wie durch spezifische Konsumentscheidungen Individualität und Coolness konstruiert werden, um sich von Massenmärkten abzugrenzen und innerhalb der Szene Distinktion zu erlangen.
- Analyse des modernen Konsumverhaltens und der Bedürfnisstrukturen.
- Die Rolle des postmodernen Konsumenten in der Massenkonsumgesellschaft.
- Historische Entstehung und Identitätsmerkmale der Hipster-Subkultur.
- Die paradoxe Dynamik der "Negation der Gemeinschaft" als Distinktionsmerkmal.
- Die Wechselwirkung zwischen Subkulturen und dem ökonomischen Mainstream.
Auszug aus dem Buch
3. Der Hipster als „rebellischer Verbraucher“
Wenn der postmoderne Konsument nun versucht, Individualität durch gezielten Konsum zu erlangen, so ist der Hipster praktisch der Inbegriff dieses Phänomens. Denn Coolness setzt einen starken Individualismus voraus, bei dem das Anderssein hoch geschätzt wird (vgl. Tolstad, 2006, S. 11). Dabei kann es vorkommen, dass die Hipster eine regelrechte Jagd auf die ausgefallenste Kleidung und die neuesten Trendobjekte betreiben, um keine vorgefertigten Konzepte annehmen zu müssen und Einzigartigkeit und Authenzität zu bewahren. Den Bestrebungen des Marketings zu den Symbolen und Praktiken der Coolness aufzuschließen, wird mit großem Geschick entgangen. Über Mainstream-Kanäle kann man die Hipster also fast unmöglich erreichen, was sie zu den Rebellen unter den Verbrauchern macht (Greif, 2012, S. 30). „»Hipster« wird somit heute zu einer Bezeichnung für Personen, die über die quasi übernatürliche Inselbegabung verfügen, die winzigen Verschiebungen, die innerhalb der Konsumgesellschaft noch Distinktion erlauben, zu erkennen und aufzugreifen [...]“ (Ebd., S. 31), lange bevor sie den Mainstream erreicht haben. Da die Masse allerdings genauso an dem teilhaben möchte, was als cool gilt, werden die durch die Hipster entdeckten Trends schließlich von dieser aufgegriffen und verbreitet. Zu diesem Zeitpunkt haben die Hipster aber längst neue Trends aufgespürt, die schon bald wieder im Mainstream aufgehen werden (vgl. Eriksson & Grétarstóttir, 2006, S. 4). Dieses Phänomen lässt sich mithilfe des Trickle-Down-Effekts erklären, den der Soziologe Georg Simmel bereits 1904 in der Modewelt erkannt hat. Er besagt, dass untergeordnete Gesellschaftsgruppen versuchen in der sozialen Hierarchie aufzusteigen, indem sie die Statussymbole der übergeordneten Gruppen übernehmen (Ebd., S. 8).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Inhalt und Problemstellung: Einführung in die Thematik der Hipster-Kultur und die Problemstellung der Identitätsfindung im postmodernen Massenkonsum.
2. Konsumverhalten in der heutigen Gesellschaft: Untersuchung der Grundlagen des Konsums zur Bedürfnisbefriedigung und der Rolle des Konsumenten in der Postmoderne.
3. Der Hipster als „rebellischer Verbraucher“: Detaillierte Analyse der Hipster-Subkultur, ihrer Erkennungsmerkmale und ihrer bewussten Abgrenzung vom Mainstream durch die Negation der Gemeinschaft.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der Ergebnisse und Einschätzung der zukünftigen Entwicklung des Hipstertums im Hinblick auf Mainstream-Integration.
5. Quellen: Auflistung der verwendeten Literatur und Quellen für die wissenschaftliche Untersuchung.
Schlüsselwörter
Hipster, Konsumkultur, Individualität, Coolness, Postmoderne, Massenkonsum, Subkultur, Distinktion, Identität, Rebellischer Verbraucher, Lifestyle, Trickle-Down-Effekt, Warenkonsum, Authentizität, Bedürfnispyramide
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen des "Hipsters" und dessen Rolle als Vorreiter des postmodernen Konsumverhaltens in der heutigen Gesellschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen Konsumverhalten, Bedürfnisstrukturen, die Suche nach individueller Identität und die Dynamiken zwischen Subkulturen und Mainstream.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie der Hipster durch bewusste Konsumentscheidungen ein Gefühl von Coolness und Distinktion erzeugt, um sich gegen die Standardisierung der Massenproduktion zu wehren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die soziologische Konzepte (wie den Trickle-Down-Effekt) auf das aktuelle Phänomen Hipster überträgt.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil liegt der Schwerpunkt auf der Entstehung der Szene, den visuellen und sozialen Erkennungsmerkmalen sowie dem paradoxen Wunsch nach Individualität bei gleichzeitigem kollektiven Verhalten.
Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Identitätsbildung, Konsumkritik, Postmoderne und die Abgrenzung von der breiten Masse charakterisiert.
Inwiefern ist die Ablehnung von Gemeinschaft ein Kernaspekt?
Der Hipster möchte nicht als Teil einer Gemeinschaft wahrgenommen werden, da dies seine Individualität untergraben würde, obwohl er de facto in einer subkulturellen Gemeinschaft der "Coolen" agiert.
Wie reagieren große Bekleidungsketten auf das Hipster-Phänomen?
Die Arbeit stellt fest, dass große Ketten wie H&M Trends schnell adaptieren, wodurch die Hipster gezwungen sind, sich ständig neu zu erfinden, um ihre Distanz zum Mainstream zu wahren.
Warum wird der Begriff "Hipster" häufig negativ assoziiert?
Die negative Konnotation ergibt sich daraus, dass der Begriff oft von Außenstehenden als Bezeichnung für die "Uncoolen" genutzt wird, die Trends lediglich kopieren, oder dass der Hipster selbst als arrogant wahrgenommen wird.
- Arbeit zitieren
- Leonie Fahjen (Autor:in), 2013, Der Hipster als Individualist in der heutigen Konsumkultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276585