Das Argumentieren beim wissenschaftlichen Formulieren. Mit einer Analyse von Abschlussarbeiten von Studierenden


Forschungsarbeit, 2014

22 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Zum Argumentieren beim wissenschaftlichen Formulieren

Funktion des Argumentierens

Argumentationsmuster

Gang der Argumentation

Prinzipien der Argumentation

Die Typen von Argumenten

Elemente der Argumentation

Formen der Argumentation

Analyse von Abschlussarbeiten

Methodisch-didaktische Konsequenzen

Literatur

Zum Argumentieren beim wissenschaftlichen Formulieren

Das Argumentieren gab es laut Kruse, Otto[1] (2010, 99) in der Antike im Bereich der Rhetorik. In dieser Zeit versuchte Aristoteles zwischen wissenschaftlichen Argumentieren und anderen Argumentationsarten zu differenzieren.

Zudem gibt es das mündliche und schriftliche Argumentieren. Schriftliche Argumentationen erfolgen konzessiv, Steinhoff[2] (2007, 929). Dadurch erhalten Gegenmeinungen eine Stellung in der Arbeit. Im Anschluss dieser Gegenmeinungen erfolgt die eigene Meinung. Durch ein Argument kann man etwas von seiner Richtigkeit überzeugen. Es gibt in diesem Sinne als ein Grund.

Bei Brun, G., Hirsch Hadorn, G.[3] (2009, 198) findet sich folgende Definition zur Argumentation:

„Eine Argumentation ist ein Text (Rede, Schreibe usw.) mit dem Ziel, die Zustimmung oder den Widerspruch von (wirklichen oder fiktiven) Gesprächspartnern zu einer Aussage (für beziehungsweise gegen deren Wahrheit argumentiert wird) durch den schrittweisen Rückgang auf bereits gemeinsam anerkannte Aussagen zu erreichen.

In einfachsten Fall, wenn eine Aussage unmittelbar durch andere Aussagen begründet wird, handelt es sich um ein Argument. Eine komplexe Argumentation besteht aus mehreren Argumenten.“

Funktion des Argumentierens

Zur Funktion des Argumentierens führen Folgende Brun, G., Hirsch Hadorn, G.[4] (2009, 193) aus:

„Argumentationen zielen darauf ab, sich auf vernünftige Weise über strittige Aussagen zu einigen, indem geklärt wird, ob diese wahr sind. Argumentationen leisten diese Klärung, ausgehend von gemeinsamen anerkannten Aussagen.“[5]

Die Argumentation dient laut Bünting, K-D, u.a.[6] (2008, 113) dazu, einen Gedankengang nachvollziehbar zu machen, um jemanden von etwas zu überzeugen, um etwas zu erklären, um eine Aussage zu klären.

Die Argumentation sollte demnach überschaubar, nachvollziehbar und überzeugend sein. So Bünting, K-D, u.a. (2008, 113ff.)

Bei Kruse, Otto[7] (2010, 99) finden sich die Überlegungen, dass das Argumentieren sich darauf beziehe, die anderen zu überzeugen, ob eine Aussage richtig oder falsch sei. Somit habe das Argumentieren eine soziale Dimension, indem es mit den Meinungen anderer zusammenhänge.

Nach Kruse, Otto (2010) hat das Argumentieren folgende Funktionen:

Tabelle1: Zwecke des Argumentierens

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Kruse, Otto (2010): Lesen und Schreiben, Konstanz , UVK/UTB

Argumentationsmuster

In diesem Zusammenhang schlägt Sommer, Roy[8] (2006, 52) sieben Argumentationsmuster für den Hauptteil vor:

1. Beschreibung und Interpretation

Die Beschreibung bezieht sich auf das Referieren von Texten. Dabei wird auf die sachliche Richtigkeit und ein angemessenes Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdbeitrag. Dabei sollten auch Forschungsmeinungen kommentiert werden. Diese fremden Forschungsmeinungen dienen als Argumente. Es könnten bestätigt oder entkräftet bzw. widerlegt werden. Eigene Meinung soll dabei klar sein.

Bei der Beschreibung bedient man sich der Paraphrase. Paraphrasen sind die Übernahmen Gedanken anderer mit eigenen Worten. Die Paraphrase sollte in diesem Sinne Fachterminologie und wissenschaftliches Formulieren verwenden. Dabei sollten die Ausdruckweisen des Originals nicht wiederholt. Interpretationen sind kompliziert und daher sollten sie bei wissenschaftlichen Arbeiten plausibel sein. sie sollten mit eigenen Worten geschrieben werden und sie sollten mit dem Originaltext korrespondieren. So Sommer, Roy (2006, 52)

2. Definition und Explikation

Normierung durch die Einführung akzeptierten Fachausdrücke. Dabei sind Definitionen notwendig. In diesem Sinne gibt es viele Theorien über die Definitionen. So Schmidt[9] (2000, 347ff).

Definitionen unterscheiden sich durch ihre Qualität und Komplexität. Die Quelle dabei sollte anerkannt, aktuell und fachlich sein. die Begriffdefinitionen sollten einheitlich gebraucht werden. In diesem Sinne sollte man auch auf interdisziplinäre Konzepte achten, d.h. Begriffe können je nach Disziplin anders verwendet werden. So Sommer, Roy (2006, 52 f.)

3. Vermittlung von Fakten und Informationen

Dabei können zwei Probleme auftauchen.

Mangelnde Sachkenntnisse oder mangelnde Ordnungskriterien, z.B. mit welchem Teil sollte man anfangen. Diese beiden Probleme können durch das Recherchieren und die Eingrenzung der Forschungsfrage gelöst werden. So Sommer, Roy (2006, 54)

4. Argumentieren und Referieren einer wissenschaftlichen Debatte

Hier werden Forschungspositionen miteinander konfrontiert. Diese Positionen können teilweise oder ganz unterschiedlich sein.

Das Argumentieren bezieht sich dabei als Beweisführung auf das Aufzählen, Erläutern, Bewerten und Abwägen von unterschiedlichen Meinungen und Argumenten. In den Geisteswissenschaften ist die Rede auch von Belegen, Plausibilität und Nachvollziehbarkeit. So Sommer, Roy (2006, 55)

5. Ordnen und Strukturieren mit Hilfe systematischer Klassifizierung

Wissenschaftliche Klassifizierung erfolgt durch eine eindeutige Zuordnung. Außerdem sollten die Gründe für diese Klassifizierung angeführt werden. So Sommer, Roy (2006, 57)

6. Vergleich und Typologie

Vergleichen bezieht sich auf eine kontrastive Bewertung von unterschiedlichen Phänomenen, Objekten oder Bereichen. Der Vergleich basiert auf einem Vergleichskriterium, z.B. Vor- uns Nachteile einer Sache.

Der wissenschaftliche Vergleich sollte begründet sein. Seine Relevanz sollte dabei erläutert werden. Der Vergleich basiert auf der Fragestellung. Für das Vergleichen gibt es folgende Faktoren:

Die Vergleichsgegenstände sollten vergleichbar sein. die Differenzierung zwischen diesen beiden Gegenständen sollte eindeutig sein.

Typologie ist komplexer als Vergleichen. Ihr Geltungsbereich ist universell und betrifft alle möglichen Dinge. Eine Gattungstypologie basiert auf Merkmalsmustern. So Sommer, Roy (2006, 60)

7. Historische Darstellung

Dieses Argumentationsmuster findet sich in Geschichtswissenschaft, Literatur- und Sprachwissenschaft. Die historische Argumentation sollte Probleme reflektieren. Ein Geschehnis könnte andere Ereignisse auslösen. Man versucht dabei, Ursachen von Ereignissen zu skizzieren bzw. abzuleiten.

Diese Argumentationsmuster können kreativ miteinander kombiniert werden. In einem Forschungsbericht kann man Beschreibung, Paraphrasen und Referieren wissenschaftlicher Debatte sowie den Vergleich von unterschiedlichen Meinungspositionen miteinander kombinieren. So Sommer, Roy (2006, 64)

Wenn eine Aussage in der wissenschaftlichen Argumentation wiederholt wird, gilt es laut Karmasin, Matthias, Ribing, Rainer[10] (2006, 95) dies als Redundanz.

Die Gliederung der Arbeit gilt als die Makrostruktur der Argumentation. So Hallwax/Huber/Süssenbacher[11] (2009, 150ff). Die Mikrostruktur der Argumentation betrifft die Formulierung. So Karmasin, Matthias, Ribing, Rainer (2006, 95)

In der wissenschaftlichen Argumentation werden Aussagen miteinander verbunden, so dass eine konsistente Argumentationskette entsteht. Diese Argumentationskette beginnt mit der Forschungsfrage und endet mit ihrer Beantwortung. Aussagen sollten durch Zitate oder durch Verweise auf eine Untersuchung belegt werden.

Bei der Argumentation können Beispiele eingesetzt werden, um allgemeine Argumente zu verdeutlichen. Bei der sprachlichen Gestaltung der Argumentation können sprachliche Mittel gebraucht werden. Man vermeidet beispielsweise komplexere Sätze. So Karmasin, Matthias, Ribing, Rainer (2006, 95)

Laut Bünting, K-D, u.a. (2008, 113ff) gibt es folgende Grundmuster der Argumentation:

[...]


[1] Kruse, Otto (2010): Lesen und Schreiben, Konstanz , UVK/UTB

[2] Steinhoff (2007, 929) zit. n. Kruse, Otto (2010): Lesen und Schreiben, Konstanz , UVK/UTB

[3] Brun, G., Hirsch Hadorn, G. (2009): Textanalyse in den Wissenschaften. Zürich. VDF.

[4] Brun, G., Hirsch Hadorn, G. (2009): Textanalyse in den Wissenschaften. Zürich. VDF.

[5] Ebd.

[6] Bünting, K-D, u.a. (2008): Schreiben im Studium: mit Erfolg Ein Leitfaden. Cornelsen Scriptor. Berlin.. Siebte Auflage

[7] Kruse, Otto (2010): Lesen und Schreiben, Konstanz , UVK/UTB

[8] Sommer, Roy (2006): Schreibkompetenzen. Erfolgreich wissenschaftlich schreiben. Stuttgart. Klett

[9] Schmidt (2000, 347ff) zit. n. Sommer, Roy (2006): Schreibkompetenzen. Erfolgreich wissenschaftlich schreiben. Stuttgart. Klett

[10] Karmasin, Matthias, Ribing, Rainer (2006): Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. Ein Leitfaden für Seminararbeiten, Bachelor, - Master und Magisterarbeiten sowie Dissertationen 6. aktualisierte Auflage 2011. Erste Auflage 2006. Wien. Facultas WUV. UTB

[11] Hallwax, Julia/Huber, Beate/Süssenbacher, Daniela (2009): Schreiben und Argumentieren in wissenschaftlichen Arbeiten, in: Hienerth, Claudia et al. (Hrsg.): Wissenschaftliches Arbeiten kompakt, Wien, 2009

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Argumentieren beim wissenschaftlichen Formulieren. Mit einer Analyse von Abschlussarbeiten von Studierenden
Hochschule
University of Oran
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V276642
ISBN (eBook)
9783656698647
ISBN (Buch)
9783656699460
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
argumentieren, formulieren, analyse, abschlussarbeiten, studierenden
Arbeit zitieren
Mag. Mohamed Chaabani (Autor), 2014, Das Argumentieren beim wissenschaftlichen Formulieren. Mit einer Analyse von Abschlussarbeiten von Studierenden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276642

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