Ist „die Europäische […] Genossenschaft[…] auf dem Weg zur Kapitalgesellschaft[?]“. In der Vorarbeit zu dieser Arbeit bin ich immer wieder über diese Frage gestolpert. Wie der Titel der Hausarbeit schon andeutet, möchte ich der Frage nachgehen, ob die SCE unter dem Aspekt der rechtlichen Entwicklung auch heute noch dem Anspruch einer Genossenschaft genügt. Kann die SCE überhaupt noch als Genossenschaft im traditionellen Sinne gewertet werden, oder hat sie sich in eine andere Richtung weiterentwickelt? Krimphove (2010) kritisiert beispielsweise den Verlust des Genossenschaftskriteriums der „personenbezogene[n] […] enge[n] Anbindung“, die die SCE für ihre Mitglieder zur Folge hat . Um die Fragestellung meiner Arbeit beantworten zu können, setze ich mich sowohl mit dem Hintergrund und den Grundlagen der SCE als auch mit den Kriterien auseinander, die den Rahmen für die traditionelle Genossenschaft setzen. Auf dieser Basis gehe ich der Frage nach dem Anspruch der SCE nach.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund der SCE
2.1. Rechtsgrundlage, Rechtsnatur und Finanzstruktur
2.2. Gründung der SCE sowie Sitz und Sitzverlegung
2.3. Das dualistische und das monistische System innerhalb der SCE
2.3.1. Das dualistische System
2.3.2. Das monistische System
2.4. Gesellschaftliche Entwicklung der Idee der Genossenschaft und ihre Kriterien
3. Die SCE – Eine „echte“ Genossenschaft?
3.1. Gegenüberstellung der Genossenschaftskriterien und der Eigenschaften der SCE
3.2. Ergebnisformulierung, Kritikansätze und Verbesserungsmöglichkeiten
4. Fazit: Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, ob die Europäische Genossenschaft (SCE) unter Berücksichtigung der rechtlichen Entwicklungen und ihrer Strukturvorgaben noch als eine Genossenschaft im traditionellen deutschen Sinne eingestuft werden kann oder ob sie sich in Richtung einer Kapitalgesellschaft entwickelt hat.
- Rechtliche Grundlagen und Aufbau der SCE
- Vergleich von dualistischen und monistischen Organisationsstrukturen
- Historische Entwicklung der Genossenschaftsidee
- Analyse der Förderzweck-Kriterien im Kontext supranationaler Anforderungen
- Kritische Würdigung der investierenden Mitglieder und des Mindestkapitals
Auszug aus dem Buch
3.1. Gegenüberstellung der Genossenschaftskriterien und der Eigenschaften der SCE
Im Jahr 2006 gelang der Genossenschaft in Form der SCE der Sprung auf die europäische Bühne. Die Idee eines europäischen Rechtsrahmens im Sinne einer Europäischen Genossenschaft ist Mitte der 70er entstanden. Ziel war es, die heterogene Rechtslage der Genossenschaften zugunsten eines einheitlichen Rechtsrahmens aufzulösen. Eine Einigung wurde jedoch erst nach jahrelangem Kräftemessen im Jahr 2006 erzielt.
Die in Kapitel 2.3. genannten Merkmale können als Leitbild für Genossenschaften gesehen werden. Wiederzufinden sind diese Merkmale auch im § 1 Abs. 1 GenG, der beinhaltet, dass eine Genossenschaft eine „Gesellschaft von nicht geschlossener Mitgliederzahl [ist], deren Zweck darauf gerichtet ist, den Erwerb oder die Wirtschaft ihrer Mitglieder oder deren soziale oder kulturelle Belange durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb zu fördern“. Diese Merkmale lassen sich auch auf die SCE mit Sitz in Deutschland übertragen. Hier stellt sich die Frage, wozu die SCE eigentlich dient, wenn es schon die eG mit genau dieser Funktion gibt. Glenk beschreibt 2013 die Funktion der SCE dahingehend, als mit ihrer Hilfe der Versuch unternommen worden ist, das europäische Genossenschaftswesen zu harmonisieren. Laut Glenk ist dies aber misslungen, denn anstelle der Vereinfachung des Rechts und der Vereinigung verschiedener Genossenschaftsideen hat der Gesetzgeber hier ein Konglomerat zugelassen, „das einzelne Facetten nationalstaatlicher Kooperationen in ein Ganzes zu bündeln versucht hat.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Übereinstimmung der SCE mit den klassischen Genossenschaftskriterien und umreißt den methodischen Aufbau der Arbeit.
2. Theoretischer Hintergrund der SCE: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen, die Organstrukturen (dualistisch vs. monistisch) sowie die historische Entwicklung der Genossenschaftsgedanken.
3. Die SCE – Eine „echte“ Genossenschaft?: Das Kernkapitel führt eine Gegenüberstellung der theoretischen Genossenschaftskriterien mit den tatsächlichen Eigenschaften der SCE durch und diskutiert die Kritikpunkte der Literatur.
4. Fazit: Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Zukunftsaussichten der SCE unter dem Aspekt notwendiger gesetzlicher Anpassungen.
Schlüsselwörter
Europäische Genossenschaft, SCE, Genossenschaftsrecht, Förderzweck, Rechtsform, dualistisches System, monistisches System, Kapitalgesellschaft, Investierende Mitglieder, Harmonisierung, GenG, Unternehmensrecht, Satzung, Stimmrechte, Unternehmensführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die rechtliche Natur der Europäischen Genossenschaft (SCE) und prüft, inwieweit diese supranationale Rechtsform den traditionellen genossenschaftlichen Prinzipien, insbesondere nach deutschem Verständnis, entspricht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Rechtsgrundlage, den Organstrukturen (monistisch vs. dualistisch), der historischen Genossenschaftsidee und dem Vergleich mit nationalen Genossenschaftsmerkmalen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage lautet, ob die SCE unter dem Aspekt der rechtlichen Entwicklung auch heute noch dem Anspruch einer Genossenschaft genügt oder ob sie eine unerwünschte Entwicklung zur Kapitalgesellschaft vollzogen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine juristische Analyse, die auf einer Literaturrecherche und der Gegenüberstellung von gesetzlichen Kriterien (GenG) mit den spezifischen Regelungen der SCE-VO basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der SCE-Strukturen und eine kritische Gegenüberstellung dieser mit den Kernkriterien traditioneller Genossenschaften, unter Einbeziehung aktueller wissenschaftlicher Kritik.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Europäische Genossenschaft, Förderzweck, investierende Mitglieder, Organstruktur, Harmonisierung und das Verhältnis von Genossenschaft zu Kapitalgesellschaft.
Wie unterscheidet sich das dualistische vom monistischen System innerhalb der SCE?
Im dualistischen System sind Leitungs- und Kontrollorgane (Vorstand und Aufsichtsrat) getrennt, während im monistischen System die Geschäftsführung und die Unternehmensleitung in einem einzigen Verwaltungsorgan vereint sind.
Warum wird das Mindestkapital der SCE von den Autoren kritisiert?
Das geforderte Kapital von 30.000 Euro wird als zu hohe Eintrittshürde betrachtet, die kleine Genossenschaften benachteiligt und eher größere, gewinnorientierte Einheiten anspricht, was dem genossenschaftlichen Förderauftrag widerspricht.
- Arbeit zitieren
- Nils van Lipzig (Autor:in), 2013, Die Societas Cooperativa Europaea (SCE). Eine "echte" Genossenschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276684