Gegenstand der vorliegenden Masterarbeit ist die Effektivitätsanalyse der Planning Poker Methode für kooperative agile Aufwandschätzungen der Software-Entwicklungsprojekte. Im Rahmen der Arbeit werden Anforderungen an die agile Aufwandsschätzung systematisch formuliert. Auf dieser Basis werden Grundabläufe und Eigenschaften des Planning Poker Verfahrens beschrieben und bewertet. Es werden dabei Erkenntnisse der existierenden empirischen Studien verwendet. Anschließend werden Verbesserungsvorschläge erarbeitet, die sowohl Organisation als auch Inhalt des Schätzprozesses betreffen. Zur Unterstützung des Planning Poker Verfahrens in einer räumlich verteilten agilen Entwicklung wird ein funktionsfähiger Anwendungsprototyp konzipiert und implementiert.
Anhang I (CD-ROM) nicht im Lieferumfang enthalten
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Motivation, Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Masterarbeit
2 Aufwandschätzungen in der agilen Softwareentwicklung
2.1 Agiles Projektmanagement
2.2 Grundlagen der Aufwandschätzung
2.3 Auswahl einer Schätzmethode im agilen Kontext
2.4 Individuelle und kooperative Expertenschätzungen
2.5 Zusammenfassung
3 Planning Poker Verfahren
3.1 Vorphase: Definition des Backlogs
3.2 Planning Poker Prozessbeschreibung
3.3 Planning Poker Party
3.4 Empirische Prozessüberwachung und Optimierung des Schätzverfahrens
3.5 Effektivität und Ankerheuristik
3.6 Zusammenfassung
4 Weiterentwicklung des Planning Pokers
4.1 Vorsortierung der User Stories. Estimation Board
4.2 Optimierte Konsensbildung durch Intervallschätzungen
4.3 Zusammenfassung
5 Implementierung eines Anwendungsprototyps
5.1 Verteilte agile Entwicklung
5.2 Anforderungen an die Funktionalität
5.3 Auswahl der Entwicklungsplattform
5.4 Iteration Zero. Aufwandschätzung und Iterationsplanung
5.5 Datenmodel des Anwendungsprototyps
5.6 Bedienkonzept des Prototyps
5.7 Struktur und Programmfluss
5.8 Analyse des Zeitaufwands und Zusammenfassung
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Effektivitätsanalyse der Planning-Poker-Methode für die kooperative agile Aufwandsschätzung. Dabei wird untersucht, wie das Verfahren an die Anforderungen agiler Softwareentwicklungsprojekte angepasst und durch technische Prototypen in räumlich verteilten Teams unterstützt werden kann.
- Analyse der theoretischen Grundlagen und methodischen Anforderungen an die agile Aufwandsschätzung.
- Bewertung von Planning Poker im Vergleich zu anderen Schätzmethoden unter Berücksichtigung psychologischer Phänomene wie des Anker-Effekts.
- Entwicklung von Optimierungsansätzen für den Schätzprozess, insbesondere durch Intervallschätzungen und Vorsortierung.
- Konzeption und Implementierung eines funktionsfähigen Software-Prototyps zur Unterstützung des Planning-Poker-Prozesses in verteilten Teams.
Auszug aus dem Buch
3.2 Planning Poker Prozessbeschreibung
Wie bereits in Abschnitt 2.4 kurz beschrieben wurde, gehört das Planning Poker zu einer Klasse der kooperativen Expertenschätzungen. Im Prinzip verwendet das Planning Poker die Breitband-Delphi-Methode. Allerdings können ein paar Elemente des Planning Pokers als innovativ bezeichnet werden:
1) User Stories werden vom Entwicklungsteam geschätzt;
2) Der Schätzprozess wird vom sogenannten Scrum Master (einem innerhalb des Teams für die agilen Prozesse zuständigen Experten) moderiert;
3) Der Product Owner beobachtet und beeinflusst den Schätzprozess, indem er User Stories kommentiert und Fragen der Entwickler beantwortet.
4) Der Aufwand wird relativ in Story Points abgeschätzt. Die Einheit ist sehr frei definiert: Eine elementare User Story soll mit dem Wert in Höhe von 1 Story Point abgeschätzt werden. Jedes Entwicklungsteam soll diese Definition für sich selbst durch Probeschätzungen nachjustieren. Deswegen sind User Stories streng teamspezifisch;
5) Es wird in der Regel eine modifizierte Fibonacci Folge (1, 2, 3, 5, 8, 13, 21) als Schätzskala verwendet (10). Der Grund dafür ist es, dass die kleineren User Stories mit einer höheren Genauigkeit als die größeren abschätzbar sind.
Der leichte spielerische Ablauf wurde vom Kartenspiel Poker inspiriert. Jeder Entwickler im Team bekommt ein Kartenset entsprechend der Skala. Der Product Owner präsentiert eine User Story und beantwortet Fragen der Entwickler. Danach wird die erste Schätzung durchgeführt: Jeder teilnehmende Entwickler wählt eine Karte entsprechend seiner Schätzung aus und legt diese verdeckt auf den Tisch. Wenn die Teilnehmenden mit ihrer Schätzungen fertig sind, werden alle auf dem Tisch liegenden Karten aufgedeckt. Wenn alle Schätzungen gleich sind, wird der Konsensus erreicht. Somit kann mit der Schätzung einer weiteren User Story angefangen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Motivation und Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Effektivitätsanalyse der Planning-Poker-Methode in agilen Projekten.
2 Aufwandschätzungen in der agilen Softwareentwicklung: Darstellung der theoretischen Grundlagen des agilen Projektmanagements und Klassifizierung verschiedener Aufwandsschätzmethoden.
3 Planning Poker Verfahren: Detaillierte Prozessbeschreibung, empirische Prozessüberwachung sowie Analyse der Effektivität und psychologischer Einflüsse (Anker-Effekt).
4 Weiterentwicklung des Planning Pokers: Vorstellung von Optimierungsmöglichkeiten wie Vorsortierung, Estimation Boards und Intervallschätzungen zur Verbesserung der Schätzqualität.
5 Implementierung eines Anwendungsprototyps: Konzeption, Anforderungsdefinition und technische Realisierung eines Prototyps zur Unterstützung von Planning Poker in verteilten Teams.
6 Schlussbetrachtung: Beantwortung der Forschungsfragen und Zusammenfassung der Ergebnisse zur Effektivität und Verbesserung der Planning-Poker-Methode.
Schlüsselwörter
Aufwandsschätzung, Planning Poker, Scrum, User Stories, agile Softwareentwicklung, Projektmanagement, Expertenschätzungen, Anker-Effekt, Iterationsplanung, Software-Prototyp, verteilte Teams, Story Points, Fibonacci-Folge, Intervallschätzung, Konsensbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit befasst sich mit der Analyse der Effektivität der Planning-Poker-Methode, einem weit verbreiteten Verfahren zur Aufwandsschätzung in agilen Softwareprojekten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen agiles Projektmanagement, Methoden der Aufwandsschätzung, psychologische Einflüsse bei Gruppenschätzungen sowie die praktische Implementierung von Software zur Prozessunterstützung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Effektivität und Effizienz von Planning Poker zu untersuchen und Ansätze zu entwickeln, wie die Methode durch Prozessanpassungen und technische Prototypen weiter optimiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu existierenden empirischen Studien sowie einer konzeptionellen und konstruktiven Forschungsweise durch die Entwicklung eines Anwendungsprototyps.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Ansätze, bewertet das Planning-Poker-Verfahren hinsichtlich seiner Wirksamkeit gegen bekannte Schätzprobleme wie den Planungsfehlschluss und dokumentiert die Entwicklung eines IT-gestützten Tools.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch die Begriffe Aufwandsschätzung, Planning Poker, agile Entwicklung und verteilte Teams beschreiben.
Wie unterscheidet sich Planning Poker von anderen Expertenschätzungen?
Planning Poker zeichnet sich durch seinen kooperativen, spielerischen Ansatz aus, der das gesamte Entwicklungsteam einbezieht, um durch Diskussionen einen Konsens zu finden und den sogenannten Anker-Effekt zu minimieren.
Welche Rolle spielt der Anker-Effekt bei Planning Poker?
Der Anker-Effekt beschreibt die unbewusste Beeinflussung der Schätzer durch externe Informationen oder dominante Teammitglieder, weshalb Planning Poker Techniken wie das gleichzeitige Aufdecken von Schätzkarten nutzt, um dies zu neutralisieren.
- Arbeit zitieren
- Mikhail Boguslavskiy (Autor:in), 2013, Kooperative agile Aufwandsschätzung mittels der Planning Poker Methode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276686