Naturzustand und Menschenbild bei Thomas Hobbes und John Locke


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thomas Hobbes´ Vita
2.1. Das Menschenbild bei Thomas Hobbes
2.2. Der Naturzustand bei Thomas Hobbes

3. John Lockes Vita
3.1. Das Menschenbild bei John Locke
3.2. Der Naturzustand bei John Locke

4. Analyse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Thomas Hobbes gilt mit seinen Werken als Begründer der politischen Philosophie der Neuzeit (Schwaabe 2007: 129). Er entwickelte, besonders mit dem Leviathan, eine „vertragstheoretische Legitimation des Staates“ (Becker / Schmidt / Zintl 2012: 33). Salzborn (2010: 51) sagt über Hobbes, Locke (und Rousseau), dass ihr „[…] kontraktualistische[s] und staatstheoretische[s] Denken […] den Übergang in die Moderne maßgeblich [prägten] […]“. Hobbes Ausführungen zum Menschenbild und zum Naturzustand scheinen ein pessimistisches Bild wiederzugeben (Ottmann 2006: 265). Im Gegensatz hierzu wird John Locke als Optimist und Urvater der liberalen Theorie gesehen (vgl. Schwaabe 2007: 150; Ottmann 2006: 343). Auf den ersten Blick scheinen beide entgegengesetzte Standpunkte innerhalb der politischen Philosophie zu vertreten. Ob sich der erste Eindruck der gegensätzlichen Theorien bewahrheitet, soll in einem analytischen Vergleich der skizzierten Konzepte der Menschenbilder und der Naturzustände auf der einen Seite bei Thomas Hobbes und auf der anderen Seite bei John Locke geprüft werden. Dabei berücksichtige ich verschiedene Abhandlungen, lege aber einen Fokus auf die Hauptwerke, dem „Leviathan“ von 1651 von Thomas Hobbes und „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ aus dem Jahr 1689 von John Locke. Zwischen ihnen liegen lediglich ein paar Jahrzehnte, dennoch sollen das damalige soziale Umfeld, die prägenden Kontakte und der Werdegang der Protagonisten berücksichtigt werden. Nur in diesem Kontext ist eine objektive Gewichtung und somit Analyse der skizzierten Weltbilder meines Erachtens möglich. Ottmann (2006: 276) stellt in diesem Zusammenhang fest, dass der Leviathan ohne einen Bezug zum historischen Hintergrund nicht zu verstehen sei. Fetscher (1984: IX) hält zwar dagegen, dass es auch andere Tendenzen gibt, die besagen, dass Hobbes eine zeitlose Philosophie entwickelt habe, die unabhängig von ihrer Entstehungszeit in allen Zeiten anwendbar und aussagekräftig sein sollte. Da es im Folgenden aber nicht um eine Überprüfung der ungebrochenen Aktualität seiner Ausführungen geht, gehe ich auf die Biographien ein, da die Sozialisation, das soziale Umfeld und der historische Hintergrund die Sichtweise determiniert oder zumindest mitprägt. Aus diesem Grund wird im ersten Schritt die Vita von Hobbes und Locke betrachtet und dabei auf die damaligen Verhältnisse und gesellschaftlichen Entwicklungen eingegangen. Ich beschränke mich auf die entscheidenden Aspekte der Biographie und der Geschehnisse, die ihre spätere philosophische Denkrichtung und Ausrichtung erklären oder zumindest verständlich machen. Daraufhin werden die Menschenbilder und die Naturzustände von Hobbes und Locke beschrieben und anhand von weiterführender Literatur interpretiert und gewichtet. Im folgenden Kapitel werden die beiden Menschenbilder und Naturzustände miteinander analytisch verglichen. Dabei gehe ich auf die konkreten Aussagen und Annahmen der theoretischen Überlegungen ein. Der Betrachtung der methodischen und wissenschaftlichen Vorgehensweisen von Hobbes und Locke schenke ich keine Beachtung, da sie nicht Teil der vorliegenden Hausarbeit sein werden. Im Fazit resümiere ich nochmals die entscheidenden Aspekte, inwieweit sich Hobbes und Lockes Ansätze im Hinblick auf den Naturzustand und des Menschenbildes unterscheiden, Parallelen zu finden sind und inwieweit sie durch die eigene Biographien zu verstehen sind. Die verwendeten Informationen werden durch Monographien, Abhandlungen, Aufsätze und Sammelbände zusammengetragen.

2. Thomas Hobbes´ Vita

Thomas Hobbes wurde am 5. April 1588 in Westport, in der Grafschaft Wiltshore, geboren. Die Nachricht über das Eindringen der spanischen Armada in England löste die Geburtswehen bei seiner Mutter vorzeitig aus. Später sagte er darüber, seine Mutter brachte Zwillinge zur Welt, ihn und die Furcht. Münkler (1993: 34) konstatiert, dass Hobbes die Angst vor seinem Tod zum „[…] Grundmotiv seiner Philosophie […]“ machte, ebenso bemerkte Fetscher (1984: XI), dass Hobbes´ Handeln und Verhalten durch seine Furcht mitbestimmt war. Auch Ottmann (2006: 267) bestätigt, dass die Furcht für Hobbes derart beeindruckend war, „[…] dass er sie zum entscheidenden Charakteristikum des Menschen macht[e].“ Zweifelsfrei festzustellen bleibt, dass Hobbes´ Wirken im 17. Jahrhundert in einer von Kriegen und Konflikten geprägten Zeit in England stattfand. So herrschte zwischen 1642 und 1649 ein konfessioneller Bürgerkrieg, 1649 bis 1660 herrschte die Republik, danach wieder die Monarchie (Ottmann 2006: 266).

Seine Mutter entstammte einer Bauernfamilie, sein Vater war ein ungebildeter Landgeistlicher, dem der Alkohol und das Kartenspiel wichtiger waren, als die Erziehung seines Sohnes und die Seelsorge der Gläubigen. Durch seinen Alkoholkonsum geriet er mit einem Amtsbruder in eine Schlägerei, die zur Folge hatte, dass er seine Heimat verlassen musste, um sich so vor der Justiz zu verstecken. Der Bruder des Vaters, Francis Hobbes, der als Handschuhmacher zu Ansehen und Wohlstand gekommen war, nahm sich Thomas Hobbes an. In der Folgezeit nahm Hobbes ein Studium der sieben freien Künste auf, das er mit dem Grad des Baccalaureus Artium erfolgreich abschloss. Danach trat er in die Dienste von Sir William Cavendish als Tutor seines Sohnes, den späteren zweiten Earl of Devonshire. Durch den Kontakt zur Familie Cavendish bekam er Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und Begegnungen mit den bedeuteten Männern der Wissenschaft und Politik seiner Zeit.

Im Rahmen der Grand Tour bereiste er mit seinem Schüler in den folgenden Jahren Frankreich und Italien. Den Sohn von Sir Gervase Clifton begleitete er auf seiner Bildungsreise nach Frankreich und in die Schweiz. In dieser Zeit entdeckte Hobbes Euklids „Elementa“ und war von der Methode der Beweisführung begeistert. „Fortan wird die Geometrie ihm zum Muster jeder wahren Wissenschaft, diesem (unerreichbaren) Ideal so nah wie möglich zu kommen, ist sein höchstes Ziel“, konstatiert Fetscher (1984: XIII) in der Einleitung zum Leviathan. Zurück in den Diensten der Cavendishs bereiste er mit seinem neuen Schüler erneut Italien und Frankreich. Während dieser Epoche verfasste er die Schrift „Elements of Law“, durch die er erhoffte, den Bürgerkrieg in England abwenden zu können. Erfolglos und bedroht durch die politische Entwicklung in England floh Hobbes nach Frankreich und blieb dort elf Jahre im Exil.

Kurz vor Hobbes den Leviathan schrieb, wurde Karl II. hingerichtet. Die Frage nach der legitimen Autorität spaltete das Land in Royalisten, Parlamentsanhänger, Katholiken, Presbyterianer und weitere Interessengruppen. 1651 wurde der Leviathan in London veröffentlicht. Zeitgleich unterwirft sich Hobbes dem Staatsrat der Republik und kann dadurch wieder nach England zurückkehren. Seine Stellung als Mathematiklehrer beim Prinzen von Wales verlor er in Folge der Veröffentlichung des Leviathans und wurde deswegen auch 1652 vom Hofe verbannt. In den letzten Jahren seines Lebens setzte sich Hobbes für die Säkularisierung, besonders an den Hochschulen, ein. Dies brachte ihm erneut den Vorwurf, Atheist zu sein, und die Gefahr als Häretiker öffentlich verbrannt zu werden, ein. Der Gunst des Königs, seinem alten Mathematikschüler, scheint er es verdankt zu haben, dass ihm nichts geschah (Fetscher 1984: XVI). Thomas Hobbes stirbt am 4. Dezember 1679. (Vgl. Fetscher 1984: IX-XVII; Münkler 1993: 31-60).

2.1. Das Menschenbild bei Thomas Hobbes

Folgt man den Überlegungen von Thomas Hobbes, ist das höchste Gut eines Menschen das Leben. Daraus leitet er ab, dass die Menschen einen legitimen Drang und ein Recht auf Selbsterhaltung haben. Er sieht darin das Hauptmotiv des menschlichen Handelns. Im Gegensatz hierzu ist das größte Übel der Tod. Besonders der Tod unter Qualen, weil dann der Tod dem Menschen, wie ein Gut erscheinen lässt. Deswegen streben Menschen nach Dingen, die gut für sie sind und versuchen, Dinge zu vermeiden, die sie schädigen (vgl. Chwaszcza 2008: 77; Münkler 1993: 103; Salzborn 2010: 55). Auch streben Menschen danach, im Leben immer weiterzukommen. Dabei gibt es kein echtes Ziel, sondern immer nur ein relatives. Ist das eine Ziel erreicht, eifern die Menschen dem nächsten Ziel nach. Dabei versuchen sie andere zu überholen und hinter sich zu lassen. Er verwendet eine Metapher des Rennens. Erreichen wir den nächsten vor uns, empfinden wir Glück, geben wir das Rennen auf, bedeutet es, wir sterben. (Vgl. Hobbes 1984: 75; Hobbes 1966: 29; Münkler 1993: 103 f.).

Hobbes´ Einschätzung, dass Menschen immer nach mehr streben, zeigt sich auch beim Streben nach Macht. Die Menschen streben nach Macht, um dadurch die Wahrscheinlichkeit der Selbsterhaltung zu steigern und die Wahrscheinlichkeit des Todes zu minimieren (vgl. Hobbes: 1964: 95; Salzborn 2010: 57). Die Menschen versuchen ständig ihre Macht zu vergrößern. Dabei verwendet Hobbes den Machtbegriff im Sinne von: „[…] die Fähigkeit zur Erlangung der begehrten Mittel […] (Münkler 1993: 106). Macht kann sich in Form von körperlicher Stärke oder Klugheit zeigen, aber auch in Form eines (einflussreichen) Freundeskreises. Reichtum zu besitzen, geehrt oder gefürchtet zu werden, Großmut und Freigebigkeit sind weitere Zeichen von Macht (vgl. Chwaszcza 2008: 86; Hobbes 1984: 70). Das Streben nach Macht endet erst mit dem Tod. Dabei strebt der Mensch nicht (immer) nach mehr Macht, weil er sich dadurch einen größeren Genuss erhofft, sondern sie können nicht sicher sein, dass die verfügbare Macht ausreicht, um den derzeitigen Lebensstandard auch in Zukunft sicherstellen zu können. Deswegen brauchen Menschen mehr Macht, um vor Übergriffen der Machtgierigen sicher sein zu können. (Vgl. Chwaszcza 2008: 87; Hobbes 1984: 75; Münkler 1993: 106; Nida-Rümelin 2008: 92).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Naturzustand und Menschenbild bei Thomas Hobbes und John Locke
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Seminar: Hobbes
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V276706
ISBN (eBook)
9783656705956
ISBN (Buch)
9783656706793
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hobbes, Locke, Menschenbild, Naturzustand, Vergleich
Arbeit zitieren
Thomas Weis (Autor), 2014, Naturzustand und Menschenbild bei Thomas Hobbes und John Locke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276706

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