Die Zeit von 1970 bis 1981 ist in der DDR-Literatur gekennzeichnet von starkem Wandel und Umbrüchen. Auch das Schaffen des Autors Franz Fühmann blieb davon nicht unangetastet. 1981 veröffentlichte der Hinstorff-Verlag seinen Erzählband „Saiäns-Fiktschen“, welcher in seinem Gesamtwerk besonders hervortritt. In dieser Arbeit möchte ich die Entstehung dieses Erzählbandes mithilfe der Bourdieuschen Theorie des literarischen Feldes nachvollziehen. Hierbei werde ich den Erzählband als literarische Stellungnahme im Feld betrachten und die Stellung im Feld rekonstruieren. Hierfür werde ich zunächst die Situation des literarischen Feldes der DDR zwischen 1970 und 1981 beschreiben. Im weiteren Verlauf gehe ich auf Fühmanns Leben und Schaffen im Feld ein. Durch die Erfassung seines Kapitals und seiner Stellungnahmen rekonstruiere ich seine bisherigen Stellungen im literarischen Feld. Der letzte Teil schließlich ist „Saiäns-Fiktschen“ und seiner Stellung im Feld gewidmet. Weiterhin gehe ich auf meine These ein, dass Franz Fühmann sich zunächst im heterogenen Pol des Feldes positioniert hatte und im Laufe der siebziger Jahre eine Bewegung zum autonomen Pol vollzog. Hierbei diente ihm „Saiäns-Fiktschen“ als eine Stellungnahme, die seine Position im Feld festigte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das literarische Feld von 1970 bis 1981
2.1 Grundstruktur des literarischen Feldes zwischen 1970 und 1981
2.2 Kampf gegenüber heteronomen Ansprüchen
2.3 Die neue Literatur der Avantgarde
3. Franz Fühmann
3.1 Kapitalbesitz
3.2 Soziales Kapital
3.3 Symbolisches Kapital
3.4 Stellungnahmen im Feld
3.5 Nicht-literarische Stellungnahmen
3.6 Stellung Fühmanns im Feld
4. Saiäns-Fiktschen als Stellungnahme im literarischen Feld der DDR
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die künstlerische Entwicklung des DDR-Autors Franz Fühmann zwischen 1970 und 1981 mithilfe der Feldtheorie von Pierre Bourdieu. Ziel ist es, Fühmanns biografische und literarische Verschiebung vom heteronomen, staatstreuen Pol hin zu einem autonomen, avantgardistischen Pol zu belegen, wobei sein Erzählband „Saiäns-Fiktschen“ als zentrale Stellungnahme analysiert wird.
- Analyse des DDR-Literaturbetriebs zwischen 1970 und 1981
- Strukturelle Feldtheorie nach Bourdieu
- Biografische Rekonstruktion von Franz Fühmanns Kapitalbesitz
- Einfluss von Mythologie und Zivilisationskritik auf das Werk
- Funktion des Erzählbandes „Saiäns-Fiktschen“ als Positionierung im literarischen Feld
Auszug aus dem Buch
2.1 Grundstruktur des literarischen Feldes zwischen 1970 und 1981
Zu Beginn möchte ich einen groben Überblick über die Situation im literarischen Feld zwischen 1970 und 1981 schaffen.
Bei der Betrachtung des literarischen Feldes der DDR sollte der Einfluss auf dieses durch das politische Feld nicht außer Acht gelassen werden. Mithilfe verschiedener Institutionen griff die SED in das literarische Leben ein, sanktionierte Schriftsteller, zensierte bestimmte Texte oder verhinderte die Veröffentlichung ganz.
Ein Beispiel hierfür ist der Deutsche Schriftstellerverband der DDR. Auch in den letzten Jahrzehnten bestimmte dieser neben vielen anderen Institutionen weite Teile des literarischen Lebens in der DDR. Der Deutsche Schriftstellerverband war eng an die SED gebunden und die Mitglieder mussten sich unter anderem zur Schaffensmethode des sozialistischen Realismus bekennen. In der Zeit zwischen 1970 und 1981 diente dieser Verband nach Wolfgang Emmerich als ein „Instrument von Ausgrenzung und Schikane“, denn „Für die Betroffenen bedeutete der Ausschluss […] eine gravierende Einschränkung ihrer Publikationsmöglichkeiten“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, die Fühmanns Wandel im literarischen Feld anhand von Bourdieus Theorie untersucht.
2. Das literarische Feld von 1970 bis 1981: Darstellung der strukturellen Bedingungen, des politischen Einflusses durch die SED und der Aufteilung in heteronome und autonome Akteure.
3. Franz Fühmann: Analyse von Fühmanns Kapitalbesitz und seinen literarischen sowie politischen Stellungnahmen zur Rekonstruktion seiner Position im Feld.
4. Saiäns-Fiktschen als Stellungnahme im literarischen Feld der DDR: Untersuchung des Erzählbandes als Ausdruck von Zivilisationskritik und als Manifest einer neuen, autonomen literarischen Haltung.
5. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse, die Fühmanns Bewegung zum autonomen Pol bestätigt und den Erzählband als zentrale Stellungnahme einordnet.
Schlüsselwörter
Franz Fühmann, DDR-Literatur, Pierre Bourdieu, literarisches Feld, Sozialistischer Realismus, autonomer Pol, heteronomer Pol, Saiäns-Fiktschen, Zivilisationskritik, Avantgarde, Schriftstellerverband, kulturelles Kapital, symbolisches Kapital, Mythologie, DDR-Kulturpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die literarische Positionierung des Autors Franz Fühmann innerhalb des DDR-Literaturbetriebs zwischen 1970 und 1981.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Machtstrukturen des DDR-Literaturbetriebs, der Einfluss des Staates auf Schriftsteller und die künstlerische Abkehr von normativen Vorgaben hin zu einer modernen Ästhetik.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, wie Franz Fühmanns Weg vom heteronomen, sozialistisch geprägten Feldpol hin zu einem autonomen, avantgardistischen Pol verlief und welche Rolle sein Erzählband „Saiäns-Fiktschen“ dabei spielte.
Welche theoretische Methode kommt zum Einsatz?
Verwendet wird die Theorie des literarischen Feldes nach Pierre Bourdieu, um die Positionen und Stellungnahmen Fühmanns innerhalb des literarischen Feldes zu rekonstruieren.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Feldstruktur, die Untersuchung von Fühmanns Kapitalbesitz sowie eine detaillierte Betrachtung seiner schriftstellerischen und außerliterarischen Stellungnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Neben dem Autor und seinem Werk sind Begriffe wie Feldtheorie, Autonomie, Zivilisationskritik und DDR-Literaturbetrieb zentral.
Wie unterscheidet sich der Erzählband „Saiäns-Fiktschen“ von Fühmanns früheren Werken?
Während frühe Werke stark sozialistisch befürwortend waren, nutzt Fühmann in „Saiäns-Fiktschen“ eine irreale Endzeit-Narrative und zivilisationskritische Motive, die ihn in den avantgardistischen Feldpol einordnen.
Welche Bedeutung hatte der Deutsche Schriftstellerverband für Fühmanns Karriere?
Der Verband fungierte als Kontrollinstanz; Fühmanns Austritt aus dessen Vorstand im Jahr 1977 markiert einen wesentlichen Schritt in seiner Distanzierung vom heteronomen Pol.
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- Christin Bartz (Author), 2013, Franz Fühmanns "Saiäns-Fiktschen" als Stellungnahme im literarischen Feld der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276818