Jens Peter Jacobsens Roman "Niels Lyhne" als Text des Modernen Durchbruchs


Hausarbeit, 2013
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundzüge der Epoche
2.1 Wirtschaft, Gesellschaft, Medien
2.2 Literatur

3. Zum Roman
3.1 Jens Peter Jacobsen und der Naturalismus
3.2 Form
3.2.1 Niels Lyhne – Ein Bildungsroman
3.2.2 Der Erzählstil
3.3 Inhalt
3.3.1 Vererbung
3.3.2 Illusion und Desillusion
3.3.3 Grenzen der Freiheit des Subjekts

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit stelle ich den Roman „Niels Lyhne“ von Jens Peter Jacobsen als Werk seiner Epoche vor. „Niels Lyhne“ erschien erstmals 1880 in Dänemark und fällt somit in die Epoche des Modernen Durchbruchs Skandinaviens.

Bevor ich mich mit dem Roman selbst befasse, werde ich zunächst eine kurze Einführung in diese Literaturepoche geben. Hierbei gehe ich auf den allgemeinen Zustand Skandinaviens in den betreffenden Jahrzehnten sowie auf die damals aktuellen Diskurse und literarischen Formen ein.

Mit dieser Grundlage werde ich anschließend den Roman auf die Merkmale von Texten des Modernen Durchbruchs untersuchen.

Von dieser Analyse erwarte ich, dass der Roman sich als typisch für seine Zeit herausstellt und reichlich inhaltliche und formale Merkmale der Literatur dieser Epoche enthält.

2. Grundzüge der Epoche

2.1 Wirtschaft, Gesellschaft, Medien

Das 19. Jahrhundert ist vom massiven Wandel gekennzeichnet, den die Industrialisierung mit sich brachte. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts konnte sich dank der neuen technischen Errungenschaften eine im großen Maß produzierende Industrie herausbilden.[1]

Die Skandinavischen Länder bemühten sich daraufhin, eine gute Position im Welthandel zu erwirtschaften. So wandelten sich die ehemals von Agrarwirtschaft geprägten Länder und wurden nun von der Geldwirtschaft bestimmt.[2] Als Folge entstand nicht nur ein gut ausgebautes Transport- und Kommunikationsnetzwerk. Auch die ursprünglich kleinen Hauptstädte wuchsen durch Bauboom und Zuwanderung vom Land zu modernen Metropolen heran.[3] Neben einer neuen Unterhaltungskultur[4] beherbergten diese allerdings auch die ärmlichen Mietskasernenviertel der neuen Arbeiterklasse an den Rändern der Innenstädte.[5]

Veränderung hielt auch in der Medienwelt Einzug, denn der Konsum von Druckerzeugnissen begann, stark zu wachsen. Die Tageszeitungen waren das beliebteste Druckerzeugnis und dienten zur öffentlichen Meinungsbildung. Dadurch veränderte sich auch die Welt der Literatur. Zwar wuchs für diese die Leserschaft, doch wurden die Autoren mehr und mehr eingeschränkt, da sie abhängig vom Geschmack der Käufer waren.[6]

Das Profitdenken verdrängte nach und nach das Freiheitsideal der Romantik und des Biedermeiers, sodass „die idealistisch motivierte Intelligenz immer mehr in Gegensatz zu den offiziellen Wahrheiten“[7] geriet.

2.2 Literatur

In der Hoffnung, in den skandinavischen Ländern eine zeitgemäße Literatur zu etablieren, die dem damaligen Modernisierungsschub entsprach, hielt Georg Brandes im Jahre 1871 seine Vorlesung „Hauptströmungen in der europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts“. Darin berichtete er über das literarische Leben in den europäischen Ländern, die er zuvor besucht hatte. Dort diente die Literatur dazu, aktuelle Debatten und Probleme zu diskutieren und darüber hinaus revolutionäre Ideen zu transportieren.[8]

Brandes formulierte weiterhin Forderungen für die Literatur Dänemarks. Als Folge entstand eine Literaturbewegung, die sich selbst als „modern“ verstand und sich zugunsten einer wahrheitsgetreuen Weltdarstellung vom Idealismus der Vorgänger-epoche lossagte.[9]

So wurde Brandes zum Begründer des Modernen Durchbruchs. Außerdem verliefen die literarischen Entwicklungen in dieser Zeit in den verschiedenen skandinavischen Ländern relativ einheitlich, da er nicht nur mit dänischen, sondern auch mit schwedischen und norwegischen Schriftstellern regelmäßig Briefwechsel führte.[10]

Brandes‘ Ziel war es, mithilfe der Literatur eine „allgemeine Bewusstseins-veränderung“[11] zu bewirken. Somit wurde das romantische Konzept der autonomen Kunst von der Bewegung des Modernen Durchbruchs hinter sich gelassen.

Neben Problemdebatten sollten auch die aktuellen Theorien und Erkenntnisse aus der Wissenschaft in den Werken der Autoren thematisiert werden. Dazu gehören auch die Theorien Charles Darwins, dessen wichtigste Schriften Jens Peter Jacobsen ins Dänische übertrug.[12]

Weiterhin war die Literatur von einem optimistischen Blick in die Zukunft geprägt, den jedoch nicht jeder teilte. Die Veränderungen, die die Autoren des Modernen Durchbruchs einzuleiten versuchten, wollte das konservative Bürgertum Skandinaviens verhindern. Sie beriefen sich auf eine göttliche Ordnung, um ihre Position in der Gesellschaft zu halten.[13] Für die Autoren bedeutete das, dass sie mit starker Kritik aus der dominierenden Presse rechnen mussten, denn diese war konservativ.[14]

3. Zum Roman

3.1 Jens Peter Jacobsen und der Naturalismus

Als eines der Gründungsmitglieder der Literaturgesellschaft schloss sich Jens Peter Jacobsen im Jahre 1872[15] schon früh der Bewegung des Modernen Durchbruchs an. Vor allem durch sein Studium der Botanik und der Beschäftigung mit den Schriften Charles Darwins beeinflusst, verfasste er hauptsächlich Erzähltexte mit naturalistischem Charakter.

Der Naturalismus ist eine Literaturströmung, die sich auf die Wissenschaften beruft. Inspiriert von dem Positivismus des französischen Philosophen A. Comte, gehen Naturalisten nur von dem empirisch Gegebenen aus und lehnen jegliche metaphysische Erklärungsansätze ab.[16] Auch die damalige Sozialstruktur, die auf eine göttliche Ordnung zurückgeführt wurde, war darin eingeschlossen.

Jens Peter Jacobsen legte vor allem Wert auf die Betrachtung des Menschen als Produkt der Natur, nicht als „Wesen höherer Bestimmung“[17], wie damals üblich.

Dies tut er auch in dem Roman „Niels Lyhne“, der zwischen 1877 und 1879 entstand und im nachfolgenden vorgestellt wird.

[...]


[1] Vgl. Paul, Fritz (Hg.): Grundzüge der neueren skandinavistischen Literaturen. Darmstadt 1981, S. 148

[2] Vgl. Paul 1981 S. 149

[3] Vgl. Paul 1981 S. 149

[4] Vgl. Glauser, Jürg (Hg.): Skandinavische Literaturgeschichte. Stuttgart u. Weimar 2006, S. 187

[5] Vgl. Paul 1981 S. 149

[6] Vgl. Glauser 2006 S. 185

[7] Paul 1981 S. 150

[8] Vgl. Paul 1981 S. 147

[9] Vgl. Glauser 2006 S. 184

[10] Vgl. Glauser 2006 S. 186

[11] Paul 1981 S. 152

[12] Vgl. Glauser 2006 S. 190

[13] Vgl. Paul 1981 S. 150

[14] Vgl. Paul 1981 S. 152

[15] Vgl. Jens Peter Jacobsen: Niels Lyhne. Stuttgart 2013, S. 222

[16] Vgl. Stöckmann, Ingo: Naturalismus. Lehrbuch Germanistik. Stuttgart u. Weimar 2011, S. 39

[17] Paul 1981 S. 155

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Jens Peter Jacobsens Roman "Niels Lyhne" als Text des Modernen Durchbruchs
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V276820
ISBN (eBook)
9783656702139
ISBN (Buch)
9783656702498
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jens, peter, jacobsens, roman, niels, lyhne, text, modernen, durchbruchs
Arbeit zitieren
Christin Bartz (Autor), 2013, Jens Peter Jacobsens Roman "Niels Lyhne" als Text des Modernen Durchbruchs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276820

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