Seit der Akquisitionswelle in den 80er Jahren stehen Unternehmensakquisitionen auch heute noch an der Tagesordnung. Die Wirtschaftspresse berichtet nahezu täglich über geplante oder vollzogene Fusionen und Übernahmen des Unternehmenssektors. Grund für diese Aktivitäten ist das zunehmende Wachstumsstrebenvon Unternehmen, welche sich einer immer komplexeren Unternehmensumwelt ausgesetzt sehen. Bei den akquirierenden Unternehmen führt diese Diversifikationsstrategie oftmals zu einem sehr heterogenen Beteiligungsportfolio und zum Herausbilden von Mischkonzernen. Aufgrund der hierdurch entstehenden Komplexität innerhalb der Konzerne, sind an das Führungssystem erhöhte Anforderungen zu stellen und dem Beteiligungscontrolling ein erhöhter Stellenwert beizumessen (vgl. STEINLE U. A. 1998, 140f.). Darüber hinaus erfolgt die Finanzierung sowohl der Akquisitionen als auch der operativen Geschäfte immer mehr nicht nur über die nationalen, sondern auch über internationale Kapitalmärkte.D adurch entsteht einerseits ein verschärfter Wettbewerb, andererseits steigen aberauch die Renditeforderungen der Eigenkapitalgeber. Eine somit erforderliche kapitalmarktorientierte Unternehmenssteuerung verlangt eine zunehmende Ausrichtung der Unternehmensaktivitäten auf die Steigerung des Eigentümerwertes. Durch diese Wertsteigerungsziele rückt schließlich der Gedanke des Shareholder Value in den Mittelpunkt der Betrachtung. Eine wertorientierte Unternehmensführung aus der Sichtweise des Kapitalmarktes hat als Managementsystem die Wertsteigerungsziele in die internen strategischen Ziele zu integrieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen eines wertorientierten Beteiligungscontrollings
2.1 Notwendigkeit wertorientierter Steuerungskonzepte
2.2 Aufbau, Aufgaben und Ziele eines wertorientierten Controllings
2.3 Von der externen Unternehmensrechnung zur internen Unternehmenssteuerung
2.4 Grundlagen nationaler und internationaler Rechnungslegungsvorschriften
2.4.1 Die handelsrechtlichen Vorschriften in Deutschland
2.4.2 International Accounting Standards/International Financial Reporting Standards
2.4.3 US-Generally Accounting Principles
2.4.4 Gegenüberstellung der untersuchten Rechnungslegungsnormen
3 Wertorientierte Steuerungskonzepte
3.1 Das Shareholder Value-Konzept
3.2 Cash Flow Return on Investment
3.3 Economic Value Added-Konzept
3.4 Verfahren zur Ermittlung der Kapitalkosten
3.4.1 Weighted Average Cost of Capital-Ansatz
3.4.2 Capital Asset Pricing Model
4 Adjustierungen der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung zur Ermittlung des Economic Value Added
4.1 Konversion vom accounting model der externen Rechnungslegung zum economic model des Economic Value Added Konzeptes
4.1.1 Operating conversion
4.1.2 Funding conversion
4.1.3 Shareholder conversion
4.1.4 Tax conversion
4.2 Bestimmung und Anpassung der Net Operating Assets
4.2.1 Aktiviertes, nicht betrieblich gebundenes Vermögen
4.2.1.1 Anlagen im Bau
4.2.1.2 Eigene Anteile
4.2.1.3 Wertpapiere
4.2.1.4 Disagio
4.2.2 Betrieblich gebundenes, nicht aktiviertes Vermögen
4.2.2.1 Leasinggeschäfte
4.2.2.2 Leasinggeschäfte nach dem deutschen Handels- und Steuerrecht
4.2.2.3 Leasinggeschäfte nach den IAS/IFRS und den US-GAAP
4.2.3 Drittverbindlichkeiten
4.2.3.1 Nicht zinstragende kurzfristige Verbindlichkeiten
4.2.3.2 Latente Steuern
4.2.3.3 Pensionsrückstellungen
4.2.3.4 Ausgleichsposten für Anteile anderer Gesellschafter
4.2.4 Equity Equivalents
4.2.4.1 Bewertungsunterschiede im Umlaufvermögen
4.2.4.2 Ausgaben mit Investitionscharakter
4.2.4.3 Behandlung des Geschäfts- oder Firmenwertes
4.2.4.4 Aufwandsrückstellungen
4.3 Ermittlung des betrieblichen Erfolges
4.3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung
4.3.2 Veränderungen der equity equivalents
4.3.3 Cash operating taxes
5 Zusammenfassung und Beurteilung der Rechnungslegungsvorschriften aufgrund der untersuchten Adjustierungsmöglichkeiten
6 Schlussbemerkungen und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, wie das Economic Value Added (EVA)-Modell auf Basis unterschiedlicher nationaler und internationaler Rechnungslegungsstandards (HGB, IAS/IFRS, US-GAAP) für ein wertorientiertes Beteiligungscontrolling gestaltet und angepasst werden kann. Ziel ist es, die Vergleichbarkeit der Kennzahlen durch methodische Adjustierungen der externen Jahresabschlussdaten zu ermöglichen.
- Grundlagen des wertorientierten Beteiligungscontrollings
- Vergleich der Rechnungslegungsvorschriften (HGB, IAS/IFRS, US-GAAP)
- Kombinierte Bewertungsinstrumente (Shareholder Value, CFROI, EVA)
- Konversion von externem Rechnungswesen in ein internes Steuerungsmodell
Auszug aus dem Buch
4.2.1.1 Anlagen im Bau
Im Bau befindliche Anlagen stehen zur Erwirtschaftung des betrieblichen Ergebnisses noch nicht zur Verfügung und sind daher nach STEWART vom betriebsnotwendigen Vermögen abzuziehen (vgl. STEWART 1991, 744). Dieser Abzug ist jedoch nur von vorübergehender Natur. Nach Fertigstellung dienen sie der betrieblichen Leistungserstellung und werden dann zu den NOA gerechnet. Wie sich im Folgenden zeigen wird, stellt sich die geforderte Anpassung weder bei einem nationalen, noch bei einem internationalen Jahresabschluss als problematisch dar.
Die Adjustierung im Bau befindlicher Anlagen im Rahmen der EVA-Analyse ist aber, begründet durch die praktische Relevanz, ein durchaus wichtiger Aspekt. Bei vielen Konzernen stellt diese Position einen hohen Anteil an der Bilanzsumme dar. Der Pharma- und Chemiekonzern Altana weist beispielsweise in seinem Konzernabschluss 2002 bei einer Bilanzsumme in Höhe von 2.269.819 TEUR geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau in Höhe von 97.828 TEUR aus (vgl. ALTANA AG 2002, 88 und 103). Diese Position stellt folglich mit über 4,3% einen nicht unerheblichen Anteil am investierten Vermögen dar, welcher bei Unterlassen einer entsprechenden Anpassung ebenfalls mit Kapitalkosten belegt werden würde. Mit der Durchführung dieser Adjustierung unterscheidet sich das EVA-Modell vom CFROI-Ansatz, bei welchem gerade diese Anpassung unterbleibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit erörtert die Bedeutung der Wertsteigerung und des Shareholder-Value-Konzepts im modernen Beteiligungscontrolling.
2 Grundlagen eines wertorientierten Beteiligungscontrollings: Es werden die Notwendigkeit wertorientierter Steuerungsgrößen und die Unterschiede zwischen externer Rechnungslegung und interner Steuerung behandelt.
3 Wertorientierte Steuerungskonzepte: Die Arbeit erläutert gängige Instrumente wie Shareholder Value, CFROI und den EVA-Ansatz sowie deren Kapitalkostenermittlung.
4 Adjustierungen der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung zur Ermittlung des Economic Value Added: Das Kapitel ist der methodische Kern und beschreibt die Anpassungen von Bilanzpositionen und Erfolgskennzahlen (Conversions) über verschiedene Standards hinweg.
5 Zusammenfassung und Beurteilung der Rechnungslegungsvorschriften aufgrund der untersuchten Adjustierungsmöglichkeiten: Es wird analysiert, inwieweit die untersuchten Standards eine konsistente Anpassung für das Beteiligungscontrolling zulassen.
6 Schlussbemerkungen und Ausblick: Fazit zur Relevanz des EVA-Modells und der Annäherung von internem und externem Rechnungswesen.
Schlüsselwörter
Economic Value Added, EVA, Beteiligungscontrolling, Shareholder Value, Rechnungslegung, HGB, IAS, IFRS, US-GAAP, Kapitalkosten, Net Operating Assets, NOA, NOPAT, Unternehmenssteuerung, Adjustierung.
Hufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gestaltung des Economic Value Added (EVA) als wertorientiertes Steuerungsinstrument für Konzerne unter Berücksichtigung unterschiedlicher Rechnungslegungsvorschriften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen wertorientiertes Controlling, die methodische Adjustierung externer Bilanz- und G+V-Daten sowie die Anwendung der Standards HGB, IAS/IFRS und US-GAAP.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie externe Jahresabschlussdaten für eine interne, wertorientierte Unternehmenssteuerung angepasst werden können, um eine hohe Datenqualität und Vergleichbarkeit zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Analyse und Gegenüberstellung von Bilanzierungsvorschriften und Adjustierungsregeln, die für die Ermittlung des ökonomischen Gewinns (EVA) notwendig sind.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich detailliert den vier Konversionsstufen (Operating, Funding, Shareholder, Tax Conversion) und der Anpassung spezifischer Bilanzpositionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Economic Value Added (EVA), Beteiligungscontrolling, Rechnungslegungsstandards (HGB, IFRS, US-GAAP) sowie die Adjustierung von Kapital- und Erfolgskennzahlen.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "Operating" und "Finance Lease" für den EVA wichtig?
Die Behandlung als Operating Lease führt dazu, dass Vermögenswerte nicht in der Bilanz erscheinen, was die Kapitalbasis zu niedrig ausweist und die Kapitalkosten unterschätzt.
Welches Fazit zieht die Arbeit zur Anpassung von HGB-Daten?
Die Arbeit stellt fest, dass die Anpassung von HGB-Daten aufgrund der gesetzlichen Angabepflichten oft schwieriger und weniger transparent ist als bei Abschlüssen nach US-GAAP oder IFRS.
- Quote paper
- Dirk Wollny (Author), 2004, Die Gestaltung des Economic Value Added (EVA) auf der Grundlage nationaler und internationaler Rechnungslegungsvorschriften für ein wertorientiertes Beteiligungscontrolling, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27694